Jana denkt an Perry

Eine Sache war Perry ebenfalls nicht klar. Da gab es durchaus jemand, der genau seine Bedürfnisse hätte stillen können. Nein, nicht Bedürfnisse. Auch wenn es sich für Perry vielleicht so anfühlte, war es in Wahrheit eigentlich nichts anderes als der irrwitzige Wunsch des Menschen, immer das haben zu wollen, was er nicht hat. Katja liebte ihn und hätte durchaus um ihn gekämpft, wenn es denn notwendig gewesen wäre. Doch er liebte sie ja auch und die Beiden verbrachten zusammen eine schöne Zeit nach der anderen. Eigentlich war, wenn man die kurze Episode mit Donald ausser Acht liess, bei den Beiden von Anfang an alles super gewesen. Dennoch fühlte Perry eine Sehnsucht nach etwas.

Wäre das Leben ein Computer gewesen, wäre die Sache sehr einfach gewesen. Dann hätte Perry einfach verschiedene Szenarien durchlaufen lassen und genau gewusst, dass gleich mehrere Frauen um ihn kämpfen würden, wenn es denn sein müsste. Doch das Leben war kein Computer und so konnte er es nicht herausfinden. Schlimmer noch, es belastete ihn und das absolut grundlos!

Denn neben Katja gab es da noch eine Frau, die sehr viel an Perry dachte. In dem Superflugzeug sass Jana auf dem Co-Piloten-Sitz und schaute in das Schwanz des Himmels, was sich bei dieser Höhe eindrucksvoll gegen das Blau der Atmosphäre abgrenzte.

Sie bewunderte jedoch nicht die Aussicht, auch wenn diese sensationell war, egal wie oft man sie sah. Nein, ihre Gedanken waren bei Perry. Sie dachte oft daran, wie sie das erste Mal Sex hatten und was das in ihr ausgelöst hatte. Seither war sie mit sich am kämpfen.

Selbst Natascha und Kim hatten keinen Schimmer davon, was wirklich in ihr vorging. Sie hatte sich damals Hals über Kopf in Perry verliebt und diese Gefühle wollten seither einfach nicht verschwinden. Egal wo sie war, egal wie weit das von Perry weg war und wie lange sie ihn nicht sah. Dieses Gefühl in ihrer Brust blieb. Geschickt kaschierte sie es zwar so, dass sie einfach nur übertrieben geil auf ihn wäre,doch tief in ihrem Inneren war ihr absolut klar, dass die Geilheit nicht nur auf seine beeindruckende Art im Bett zurückzuführen war.

Doch da gab es gleich mehrere Probleme für sie. Das Grösste war ihr Job. Gefühle dieser Art waren problematisch. Nun, die Gefühle selbst eher weniger. Sie waren zwar ablenkend, aber im Einsatz hatte sie kaum Zeit, darauf zu achten. Doch was wäre denn gewesen, wenn sie es bei Perry versucht hätte? Angenommen, sie wäre erfolgreich gewesen und Perry wäre mit ihr zusammengekommen? Hätte er dann vielleicht darauf bestanden, sie auf ihren Einsätzen zu begleiten? Wie hätte er sich denn gefühlt, wenn sie von einem dieser Einsätze nicht zurückgekommen wäre? Klar, sie war ein absoluter Profi und es stand bislang auch noch nie wirklich schlecht um ihr Leben. Doch das konnte jeder Zeit passieren. Schliesslich kämpfte sie gegen Gefahren, die theoretisch die ganze Welt vernichten konnten. Eine einzige Unachtsamkeit hätte ihr Leben durchaus beenden können.

Doch während man da noch hätte sagen können, dieses Risiko wäre vertretbar gewesen, gab es noch etwas, wo ihr Job eine Beziehung nicht zu liess. Eine Beziehung machte sie angreifbar. Was hatte sie schon gegen Wesen kämpfen müssen, die ihr Gehirn durchforsten konnten? Wäre da eine Beziehung herausgekommen, hätte eines dieser Monster durchaus diesen Fakt als Waffe einsetzen können. Auch wenn es nur gewesen wäre, Jana zu verunsichern. Eine solche Kreatur hätte ihr erzählen können, was sie alles mit Perry anstellt und wie lange sein Leidensweg werden würde. Das hätte schon ausreichen können, um Janas Konzentration in Wut zu verwandeln, wodurch sie sich zu einem Fehler hätte hinreissen lassen können.

Nein. Ihr Leben und eine Beziehung waren einfach nicht zu vereinbaren. Deshalb kam sie auch nicht auf den Gedanken, um Perry kämpfen zu wollen. Was wieder diesen Irrwitz demonstrierte. Da war also eine Frau, die Perry genau das geben konnte, oder sogar wollte und sie tat es nicht, weil ihr Leben das nicht zu liess.

Doch ihr Leben war nicht das einzige, was sie zurück hielt. Da war auch noch Katja. Eigentlich wäre eine bestehende Beziehung für Jana kein Hinderungsgrund gewesen. Schliesslich hatte sie nie eingewilligt, sich nicht in fremde Beziehungen einzumischen. Genau genommen war ihre Arbeit da ja eigentlich der Hauptgrund, warum sie sich nie an solche gesellschaftlichen Gepflogenheiten gehalten hatte. Denn wenn sie sich nicht ungefragt in fremde Belange eingemischt hätte, wäre die Welt sicherlich schon hier und da mal über die Wupper gesprungen. Klar, es gab noch andere, die den gleichen Job machte wie sie. Dominik zum Beispiel. Auch der kämpfte rings um die Welt gegen fehlgeschlagene Experimente von verrückten Wissenschaftlern. Trotzdem. Sie hatte sich schon genug Problemen stellen müssen, die absolut das Potential eines globalen Killers gehabt hatten und wenn sie sich da nicht ungefragt eingemischt hätte, wäre die Welt an den Rand des Abgrunds geraten.

Das Katja auch eine Freundin für sie war, spielte dabei ebenfalls keine wirkliche Rolle. Sie vertrat den Standpunkt, nicht der Angreifer auf eine Beziehung war der Feind, sondern der eigene Partner. Es lag immerhin in dessen Entscheidung, ob er dem Angriff nachgab, oder sich dagegen zur Wehr setzte.

Katja war aus einem anderen Grund ein unüberwindbares Hindernis für Jana. Sie hatte einfach Angst vor ihr! Damals, bei dem Kampf gegen den Schatten hatte sie es ja erleben dürfen.Katja war nicht nur ein unnachgiebiger Kämpfer. Nein, sie konnte auch unglaublich viel einstecken. Was sie und Amy da erleiden mussten, als sie sich alleine dem Schatten stellten, muss unglaublich heftig gewesen sein. Dennoch war Katja in der Lage, diesen Schmerz auszuhalten und besonders sogar dagegen anzukämpfen und zum Gegenschlag auszuholen. Auch wenn Jana selbst ein guter Kampfer mit starten Nehmerqualitäten war, so etwas hätte sie wahrscheinlich nicht überstanden.

Diesen Gedanken im Hinterkopf zeigten ihr ganz klar, im Ernstfall hatte sie Katja nichts entgegenzusetzen. Eine Attacke auf Perry hätte also durchaus dazu führen können, dass Katja gegen sie vorging und ob sie diesen Kampf hätte gewinnen können, bezweifelte sie sehr stark.

Auch hier war die Lage wieder sehr irrwitzig. Denn genau das hätte Perry gegeben, wonach er sich derzeit sehnte. Ein Angriff auf die Beziehung, um Perry für sich zu gewinnen, hätte ja einen Kampf um ihn bedeutet. Gleichzeitig hätte Katja wahrscheinlich um ihn gekämpft. Es wäre also ein Doppelsieg für ihn gewesen. Doch war klar, dazu würde es nicht kommen. Während er also deprimiert in den Fernseher schaute und sich fragte, ob irgendeine Frau um ihn kämpfen würde, gab es, ein paar tausend Kilometer von ihr entfernt eine Frau, die sich genau darüber Gedanken machte. Der war jedoch vollkommen klar, der Versuch Perry zu erobern würde Katja zum kämpfen bringen. Ja, ja, der Mensch ist schon ein irrationales Wesen!

Da oben in der Luft hatte Jana jedoch das kleine Problem, dass sie Zeit hatte und von nichts gefordert wurde. Viper hatte sich nach hinten verzogen, um eine, oder sogar beide ihrer Freundinnen zu vernaschen, während sie hier sass und nach draussen schaute. Mario und Benjamin nahm sie überhaupt nicht wahr. Auch nicht, als Mario Benjamin dazu aufforderte, erneut auf dem Pilotensitz Platz zunehmen. Ihre Gedanken taten das, was sie normalerweise kaum konnten. Sie gingen ihren Weg.

Sie fing an zu träumen. In ihren Gedanken flog sie alleine nach Heinzfort, gestand Perry ihre Liebe, wobei der sich von Katja trennte und zusammen mit ihr wegflog. Der Gedanke, dass sie vorne in ihrem Hubschrauber sitzen und fliegen würde, während Perry auf Nataschas Platz sass, gefiel ihr unheimlich gut.

In ihren Gedanken stellte sie sich vor, wie Perry während des Fluges fragen würde, ob sie nicht mal landen könne. Nach der Landung würden sie sich hinten lieben. Nicht ficken, sondern sich wirklich lieben. Mit Gefühl, Zärtlichkeit. Vielen Küssen, und dem gegenseitigen verschmelzen. Sie malte es sich in allen Details aus, wie er auf ihr lag, in ihre Augen schaute und dabei langsam und gefühlvoll immer wieder in sie eindrang. Wie sie schliesslich gemeinsam zum Höhepunkt kamen, er dabei ganz in sie eindrang und sie innig küsste, während er seine Liebe in sie verströmte.

Diese Gedanken rührten sie so heftig, dass sie fast zu weinen begonnen hätte. Jana, die normalerweise nichts ins wanken brachte. Glücklicherweise gab es da einen Mario, der sie aus den Gedanken riss.

»Schläfst du oder was? Jana! Jetzt mach was!«

Es dauerte einen Moment, bis Jana wieder voll in der Realität angekommen war. Vor ihr leuchtete ein Alarm und die Maschine meldete mehrfach eine Fehlfunktion.

»Was ist denn los?«

Fragte sie erschrocken und hatte wirklich keine Ahnung, was davor sich ging.

»Was los ist? Triebwerk drei hat ein Problem! Schalt es ab, anscheinend haben wir beim Start mehr Dreck geschluckt, als gut für uns war!«

Routiniert zog Jana sofort den Schubkraftregler für das Triebwerk ganz zurück und schaltete es ab.

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