Unerwartete Hilfe

Leider ist nicht immer alles so einfach, wie man es sich vorstellt. Als die Arbeiten am Leviathan begannen, sah alles noch sehr gut aus. Stück für Stück wurde das Auto entkernt. Die Sitze flogen raus, der Teppich, die Armaturen und Verkleidungen, bis am Ende innen alles nur noch Rohbau war. Es folgten die Reifen, Bremsen, irgendwann auch der Tank bis schliesslich der Motor am Ende ebenfalls weichen musste.

Doch konnte man den Mädels ja nie unüberlegtes Handeln unterstellen. Alles wurde sorgfältig dokumentiert, damit man es am Ende auch wieder zusammensetzen konnte. Insofern von dem, was die Damen da ausgebaut hatten, auch wieder einfach eingebaut werden sollte.

Hier lag auch nicht das Problem. Das lag vielmehr darin, die Mädels wussten zwar genau, wie der Leviathan am Ende sein sollte, waren auch durch den Umbau am Garzella in einigen Zusammenhängen durchaus bewandert, aber irgendwie fehlte da so ein bisschen der rote Faden.

Das Ziel war klar. Der Leviathan sollte schnell werden. So schnell, dass er sich auch mit einem Lion und folglich auch mit dem Garzella anlegen konnte. Das bedeutete, er musste viel PS unter der Haube haben. Gut, hier lag weniger das Problem. Aber, die PS mussten ja auch auf die Strasse. Nutze ja nichts, wenn diese Karre extrem viele Newtonmeter entwickeln konnte, die aber dann die Antriebswellen verbogen, oder aus dem Getriebe ein dampfender Haufen machen würde. Oder eben auch, wenn die PS bis zu den Reifen kommen würde, die aber nicht genügend Haften hatten.

Zudem kam dann ja auch noch, so ein Geschoss musste man auch irgendwie wieder innerhalb einer gewissen Distanz sicher zum stehen bringen können. Auch so ein Problem. Die Theorie hinter der ganzen Geschichte, war den Mädels durchaus geläufig. Doch bald schon mussten sie feststellen, die Praxis war da nicht ganz so einfach. Abstimmung war das Zauberwort und davon hatten sie eigentlich keinen wirklichen Plan.

So sassen sie schliesslich wieder im Planungsbüro und schienen ratlos.

»Hat jemand eine Idee?«

»Ja Elena. Einsehen, dass uns etwas wichtiges fehlt!«

»Und das wäre Katja?«

»Ist doch ganz einfach. Viper ist studierter Ingenieur. Der weiss ganz genau, was er wo schrauben muss, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Die Neunburger haben Mario, unsere Jungs Waldi. Wir sind die einzigen Deppen, denen so ein Crewmitglied fehlt.«

Claudia lehnte sich zurück und verschränkte die Arme.

»Super. So ein Mitglied findet man aber auch nicht gerade im nächsten Supermarkt!«

»Stimmt schon Claudi, aber was Katja nicht bedenkt, Pascal hat auch niemand!«

Katja lachte.

»Der verliert aber auch immer!«

»Phillip und Derrick. Die haben doch auch keinen, der ihnen hilft.«

»Schon Elena. Aber die Beiden sind jetzt auch nicht gerade ganz vorne im Feld. Da, wo wir eigentlich hin wollen.«

»Stimmt auch wieder Katja. Uns wird aber doch wohl irgendwie was einfallen, wie wir unser Problem kompensieren.«

»Sicher doch. Wir schaffen uns das Wissen selbst drauf. Ich zweifele auch nicht dran, dass wir das können. Claudi, du bis ja echt super schnell im lernen. Elena, du hast Waldi für dich eingenommen und ich, also ganz dumm bin ich ja auch nicht, oder?«

»Nein, bist du nicht Katja. Trotzdem sieht man ja an mir und Elena, sich so etwas drauf schaffen dauert einfach seine Zeit. Wir können nicht einfach so ins Internet gehen, zwei Stunden lesen und sind dann Vollprofis.«

»Das ist mir auch klar Claudi. Aber hast du eine bessere Idee?«

Natürlich hatte Claudia keine bessere Idee und so fingen die Mädels bald darauf an, sich Wissen anzueignen. So gesehen nach AAA-Style. Mission eins dabei war natürlich shoppen. Die Mädels zogen los und besorgten sich das modernste, grösste und zugleich teuerste an Tabletts, die sie in Heinzfort auftreiben konnten. Die Dinger waren nicht nur verdammt schnell und hatten ein riesiges Display, nein sie waren zudem auch noch wasserdicht und man konnte sie quasi an die Wand werfen, ohne dass etwas passierte. Also ideal, um auch in der Werkstatt benutzt zu werden.

Weiter ging es dann damit, sich alles mögliche zum Thema Antrieb, Kraftübertragung und ähnliches anzuschauen. Elena bevorzugte dabei Texte, welche die Theorie beschrieben und mit Formeln arbeiteten. Claudia hingegen schaute sich lieber Videos zu dem Thema an. Katja ging einen ganz anderen Weg. Die schaute sich zwar auch Videos an, aber von den Mädels aus Neunburg.

Entsprechend sah es bald auch im Planungsbüro aus. Claudia und Katja hatten die Füsse auf dem Konferenztisch und schauten Videos, während Elena mit einem Stift auf der einen Hälfte des Displays irgendwelche Formeln abschrieb, die sie auf der anderen Hälfte gerade las. Am Auto wurde derweilen nicht geschraubt.

So ging es ein paar Tage. Wenn die Jungs in ihrer Werkstatt fuhren, fuhren die Mädels in ihr neues Reich, taten aber nichts anderes wie eben schon beschrieben. Ob sie auf diese Art irgendwann einen Erfolg verbuchen würden, war bis dahin ungewiss.

Bis Katja schliesslich eine Nachricht über Line bekam.

»Mädels, habt ihr irgendwem meine Nummer gegeben?«

Elena und Claudia schauten von ihren Tabletts hoch und schüttelten gleichzeitig den Kopf.

»Hier hat mich aber einer angeschrieben. Nur per ID. Aber von dem hab ich noch nie etwas gehört.«

»Und was will der?«

Katja las.

»Uns helfen Claudi.«

»Wobei?«

»Steht da nicht Elena. Ich frag einfach mal.«

Katja tippte und schickte ab. Kurz darauf kam eine Antwort.

»Oh, eine Sprachnachricht!«

»Boah, wie ich das hasse! Kann man nicht tippen? Dafür sind so Messenger doch da!«

»Heul nicht rum Claudi. Spiel ab Katja!«

Katja kam der Aufforderung von Elena nach.

»Wobei ich euch helfen möchte? Natürlich bei eurem Auto. Es ist mir aufgefallen, dass ihr vermehrt Videos von unserer Homepage anschaut, die sich um mein Tuning drehen. Ich gehe also davon aus, dass ihr das Auto, welches Amy euch überlassen hat, nun auf eigene Faust aufrüsten wollt, aber euch das Wissen darum fehlt. Dahingehend möchte ich euch meine Unterstützung anbieten!«

»Klingt ja nett, aber wer ist das?«

Katja zuckte mit den Schultern. Claudia schien einen Verdacht zu haben.

»Er sagte, um sein Tuning. Welche Videos hast du dir angeschaut Katja?«

»Die vom Lori. Denn wenn wir den schlagen könnten, wäre das ja eine Sensation!«

»Okay. Frag den doch bitte mal, wer er denn eigentlich ist. Ich wette, wir haben da Kontakt mit der KI vom Lori! Wahrscheinlich versucht uns Mario auf diese Weise unauffällig unter die Arme zu greifen.«

Katja nickte und tippte die Frage ins Handy. Kurz darauf kam wieder eine Sprachnachricht.

»Wer ich bin? Ihr kennt mich unter der Bezeichnung Lori.«

Die Mädels schauten sich an und fingen an zu grinsen. Hatten sie denn mit Mario jetzt die Superlative der klugen Köpfe auf ihre Seite gebracht? Mario konnte ihnen ja schlecht offen helfen. Wenn er das aber durch den Lori machte, war er ja quasi fein raus.

Katja tippte die Frage ins Handy, wie er denn helfen könne und bekam auch sofort Antwort.

»Ich habe vollen Zugriff auf alle unsere Kameras, auf die Datenbank von Mario und alle seine Notizen. Zudem habe ich auch detaillierte Informationen über die Viper, da mir auch dessen Pläne vorliegen. Zudem verfüge ich über alle notwendigen Formeln zur Berechnung aller benötigten Kräfte, da ich die beim Rennen einsetze, um möglichst perfekte Ergebnisse zu liefern.«

Katja lachte.

»Klingt echt, als würden wir mit der KI sprechen.«

»Ja, aber du hast doch gehört. Er hat das Wissen von Mario. Also ist es Mario.«

»Stimmt schon Claudi. Ist aber auch total egal. Die Hilfe können wir kaum ablehnen!«

»Sehe ich auch so Elena. Soll ich dem also schreiben, dass wir seine Hilfe annehmen?«

Einheitliches Nicken. Katja schrieb und bekam Antwort.

»Das erfreut mich! Vielleicht können wir gemeinsam ein Fahrzeug erschaffen, welches meinen Bruder in die Knie zwingen kann. Ich möchte euch aber bitte, unseren Kontakt geheimzuhalten.«

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