Projekt Leviathan

Natürlich ging wieder etwas Zeit ins Land, die sich eigentlich nur dadurch von der restlichen Zeit unterschied, dass Katja immer öfters als Chun Lee unterwegs war, um irgendwelche Leute zu verhauen. Das Verhältnis zwischen Maia und Matteo wurde dabei auch intensiver, aber es änderte sich nicht genug, um darüber gross zu berichten. Sicher war nur, auch wenn die Beiden über Stunden nicht da waren und das eigentlich stark gegen Waldemars Gewohnheiten verstiess, selbst Elena fand das nicht merkwürdig. Das wiederum fand Maia merkwürdig und es gab eigentlich nur einen Grund, warum alles so glatt lief und der hatte sogar einen Namen. Pascal.

Die zwischenzeitlich vergangenen Wochenenden brachten aber eines zum Vorschein. Katja, Elena und Claudia hatten immer mehr Interesse dran, Katjas Auto aufzubauen und selbst an den Rennen teilzunehmen. Zwar gefiel es Katja, mit dem Garzella zu starten, trotzdem war es irgendwie ein anderes Gefühl, ein eigens Auto zusammengebaut zu haben.

Deshalb startete auch bald ihr Projekt. Da war es jedoch noch Namenlos. Punkt eins war simpel. Sie mussten eine Werkstatt finden. Bei den Jungs wollten sie nicht bleiben, denn da gab es ja nur einen Stellplatz und ausserdem konnten sie die Kerle ja nicht überraschen. Also musste etwas eigenes her und da die Mädels ja Väter hatten, war schnell etwas gefunden.

Ironischerweise lag diese Halle an dem anzunehmend weitest entfernten Ort der Stadt, wenn man die Werkstatt der Jungs heranzog. Sie war auch ein ganz anderes Kaliber. Einst konnte man darin Boxen mieten, um Wohnmobile, Wohnwagen, oder sonst was zu lagern. Mittlerweile war der Betreiber aber in Rente und fand niemand, der sich darum kümmern wollte. Also wurde alles dicht gemacht und die Halle abgestossen.

Ein Glück für die Mädels. Selbst im Vergleich zur Werkstatt der Neunburger Mädels, war ihre Halle geradezu gigantisch. Theoretisch hätte man hier die Halle der Neunburger, von Viper und den Jungs gemeinsam unterbringen können und die Mädels hätten immer noch mehr Platz darin gehabt, als einer der anderen.

Dabei spielten sie ihr Vorteile auch grosszügig aus. Sprich, die Kreditkarten ihrer Väter. Selbst Claudia, die mittlerweile mehr als genug Geld selbst verdiente, liess diese alte Eigenschaft wieder aufflammen. So betraten die Mädels ihre Halle zum ersten Mal, um sie zu kaufen, dass zweite Mal, um mit einer Firma den Ausbau zu besprechen und nun, um alles in Betrieb zu nehmen.

Wie gesagt, die Halle war sehr gross. Vergleichen konnte man sie eigentlich nur mit dem Hangar des Superflugzeugs. Die Mädels hatten, als Unterschied zu Amy und ihre Freunden, den Innenausbau jedoch komplett einer Firma überlassen.

Rechts und Links neben dem grossen Tor befanden sich die Lagerflächen. Mehr als genug Platz, um gleich mehrere Fahrzeuge hier komplett als Einzelteile zu lagern. Die ganze Rückseite, als die Gegenseite zum Tor, bestand aus Werkbank mit allen nur erdenklichen Werkzeugen. Da waren sehr viele dabei, welche die Mädels noch nie gesehen hatten. Aber, sie wollten alles. Was sie damit anstellen konnten, würden sie noch lernen.

Im hinteren Bereich gab es zudem einen richtig gut ausgestatteten Waschraum und ein Zugang nach oben. Da die Halle viel zu gross war, hatten die Mädels da eben auch mehrere Etagen einbauen lassen. Unten war die Werkstatt, in der Mitte eine Art Planungsbereich, der starke Ähnlichkeiten mit dem Büro der Neunburger aufwies und wo man das Fahrzeug quasi virtuell komplett zerlegen und verändern konnte, während ganz oben Platz für Partys war. Wie und warum sie den Bereich mal nutzen würden war zwar noch nicht klar, aber dort konnte man richtig feiern. Die Musikanlage, Tanzfläche und Lichtanlage mussten sich hinter den grössten Diskotheken von Heinzfort nicht verstecken. Bis eben auf die Tatsache, es war überhaupt nicht klar, ob hier irgendwann mal gefeiert werden würde. Elena, die auf diesen Bereich bestanden hatte sah es so. Besser nicht brauchen aber haben, als brauchen und nicht haben. Das Kondomprinzip.

Eines war jedoch klar. Als die Mädels nun mit ihrem Fahrzeug die Halle erreichten, sah die Kiste sehr einsam und verloren da drin aus. Auch die Hebebühne wirkte irgendwie sehr klein. Das spielte aber schlussendlich alles keine wirkliche Rolle, denn Platz konnte man ja eigentlich nie genug haben. Wer wusste schon, was die Zukunft bringen würde?

Da sassen sie nun aber in ihrem Planungsbüro und fingen an zu diskutieren.

»Also, wie fangen wir an?«

»Ganz einfach Claudi. Zuerst bauen wir da mal alles ab und aus, was überhaupt keinen Sinn macht!«

»Bin ich dafür Katja. Aber, ich würde die ganze Kiste komplett entkernen.«

»Also einmal alles raus? Auch Motor und so?«

»Genau Claudi. Einmal komplett zerlegen, alles Sandstrahlen und auf Rost untersuchen. Dann schön alles versiegeln und dann schauen, was wir wie wo einbauen.«

»Mörder Aufwand Elena!«

»Ja und Katja? Wir haben keine Ahnung, wie die Karre unter dem Lack aussieht. Am Ende schrauben wir irgendwo was dran und das bricht uns durch?«

»Glaube ich nicht Elena. So Typen sind doch normalerweise pedantisch.«

»Stimmt schon Claudi. Aber normalerweise ist mir zu riskant. Ich will es genau wissen bevor ich ein Killerauto baue, was mir vielleicht um die Ohren fliegt.«

»Ja, da geb ich dir Recht Elena. Also, einmal komplett auseinandernehmen. Einverstanden Claudi?«

»Klar. Vor der nächsten Saison wird das Ding ja im Leben nicht fertig.«

»Nö. Ausserdem haben ja die Jungs gerade ihren grossen Moment mit dem Garzella und Waldi denkt wirklich, er kann daraus den Lion-Killer bauen. Sollen sie ihren Triumph haben, nächstes Jahr stehlen wir dann allen die Show.«

»Da wäre aber noch ein Punkt zu klären Katja. Was ich gerne an Motor und so in dem Ding hätte, gibt es für die Karre offiziell gar nicht!«

Katja schaute fragend zu Claudia, die schien diese Aussage aber auch nicht zu verstehen.

»Wie meinst du das Elena?«

»Ganz einfach. Ich habe mich zwischenzeitlich schon mit dem Auto, den möglichen Motoren und Möglichkeiten zum Tunen auseinandergesetzt. Heraus kam eigentlich, mehr Power wie das Ding jetzt hat, können wir ihm nicht geben. Ausser, wir bauen da auch Teile ein, die für die Kiste keine ABE haben.«

»Können wir doch. Wo liegt das Problem?«

»Das Problem liegt darin Claudi, wollen wir das? Wollen wir aus dem Ding einen Hybrid aus verschiedenen Autos machen? Zumindest aus verschiedenen Modellen?«

Katja tippte sich an die Nase.

»Gegenfrage. Ist eine von euch irgendwie auf eine Marke fixiert? Ich für meinen Teil habe mir da nie sonderlich viel draus gemacht. Wenn wir dann ohnehin Teile einbauen, wo wir dann hinterher ein Einzeldings, wie auch immer das beim TÜV da heisst, für brauchen, dann können wir auch gleich eine Höllengeburt aus dem basteln, was uns anspricht. Oder?«

»Einzelgutachten Katja.«

»Ja genau Claudi. Also, wenn wir das eh brauchen, dann können wir doch auch schön die Sau raus lassen. Dann machen wir noch alle Markenzeichen weg und pinseln was eigenes drauf.«

»Leviathan!«

Katja und Claudia schauten zu Elena.

»Gesundheit?«

»Leviathan Katja! Wir bauen einen Leviathan! Eine Mischung aus den unterschiedlichsten Wesen. Ein Monster, welches kommt, um die Sünder zu strafen!«

»Claudi, ich habe irgendwie das Gefühl, unsere Dame hier müsste mal zum Hirnentrümpler!«

»Nein Katja, ich weiss was sie meint. Leviathan ist so eine Gestalt aus irgendeiner Religion glaube ich. So etwas wie ein Dämon in anderen Religionen. Eben ein Wesen, was die Merkmale vieler verschiedener Wesen in sich vereint. Das mit den Seelen der Unschuldigen, da würde ich mal sagen, er frisst eher die anderen Fahrer, die sich mit ihm anlegen und verlieren.«

Elena nickte zustimmend. Katja überlegte aber noch.

»Also besorgen wir uns das Beste, was wir irgendwo finden können, schrauben das hier in die Karosserie, wodurch ein faktisch ganz neues Auto entsteht, mit den Merkmalen vieler Marken und dieses Monster lassen wir dann bei den Rennen auf die Konkurrenz los und frühstücken alles ab? Der Gedanke gefällt mir!«

»Super! Dann ab jetzt, es ist ein Fahrzeug ohne Marke. Noch ist es sterblich, aber wenn wir mit ihm fertig sind, wird es als Leviathan erwachen und allen das Fürchten lehren!«

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