Waldemar in Nöten

Es dauerte noch eine Zeit, bis Perry und Donald von ihrer Probefahrt zurückkamen. Die ganze Zeit sass Waldemar an seinem Computer und tüftelte neue Ideen für das Auto aus. Gelingen wollte es ihm jedoch nicht. Eigentlich wollte er an einem Sicherheitspaket für das Auto arbeiten. Rundherum Sensoren und Radargeräte, die bei einem Kontrollverlust eine Automatik hätten in Gang setzen sollen, welche das Auto wieder unter Kontrolle brachte. Dafür brauchte er natürlich einen Code. Eigens dafür hatte er eine Simulationsumgebung geschrieben und darin liess er ein virtuelles Auto mit entsprechend simulierter Sensorik fahren.

Doch es wollte ihm nicht gelingen, auch nur drei Zeilen Code am Stück zu schreiben. Dauernd drängte sich die Frage in seinen Kopf, was während der fehlenden Minuten eigentlich passiert war. Das gab es bei ihm einfach nicht! Er konnte sich an alles erinnern, was er in seinem Leben erlebt hatte. Das reichte zurück, bis zu einem Alter von etwas mehr als drei Jahren. Das ihm 20 Minuten nun fehlten, machten ihn wahnsinnig.

Er versuchte das zu kompensieren, indem er 3D-Modelle für die Verkleidungen der Sensoren entwarf. Doch auch hier. Er konnte sich einfach nicht darauf konzentrieren. Dauernd kam wieder die Frage nach den fehlenden Minuten.

Es gab wohl eine Möglichkeit, die Erlebnisse dieser Zeit in Erfahrung zu bringen. Er konnte einfach Veronika fragen. Doch genau das machte ihm auch Angst. Es lag ja förmlich auf der Hand, dass in diesen Minuten etwas passiert war, was er nicht verarbeiten konnte, oder wollte. Das war auch so ziemlich der einzig logische Schluss, der ihm in dem Zusammenhang einfiel. Er verdrängte.

Als schliesslich der Garzella wieder in die Garage gefahren war, hatte sein Kopf schlagartig andere Dinge, um die er sich zu kümmern hatte. Er stand auf, ging durch den Aufenthaltsraum, in dem Veronika sass und an ihrem Handy spielte, in die Werkstatt. Donald und Perry stiegen gerade aus.

»Alles Top Waldi! Wir haben unser Baby echt gequält und alles lief hervorragend!«

»Mein lieber Perry! Verzeih, wenn ich mich auf deine subjektive Sicht der Dinge nicht verlasse! Ich werde jetzt die Daten auslesen und dann auswerten. Dann und nur dann, werde ich entscheiden, ob alles hervorragend lief!«

Perry schaute zu Donald, der verdrehte nur die Augen. Waldemar verschwand auch sofort wieder an seinen Computer. Die gesammelten Daten konnte er ja mittlerweile drahtlos aus dem Garzella extrahieren und ihm gefiel es, dass es so viele waren. Sofort machte er sich an die Auswertung.

Perry und Donald gingen derweil in den Aufenthaltsraum und flegelten sich zu Veronika. Donald grinste.

»Na? Ist cool wenn man alleine mit einem Mann ist und der nichts von einem Will, oder?«

Veronika schaute zu Donald. Ihre Mimik blieb starr und sie dachte amüsiert daran, dass sie eben Spass mit Waldemar gehabt hatte. Doch wie abgemacht, würde sie das nicht zur Sprache bringen.

»Ach Donald. Ich weiss, du kannst das nicht verstehen. Aber wenn ich ficken will, dann ficke ich! Ich sehe geil genug aus, um so ziemlich jeden Mann zu kriegen. Nicht wie du!«

Perry lachte.

»Vero, du musst Donald aber auch zugestehen, dass nicht jeder Mann schwul ist, oder?«

Donald schaute sofort böse zu Perry. Veronika lachte ebenfalls.

»Ich weiss Perry. Donald hat es schon schwer mit den Männern!«

Donald knurrte.

»Ja, ja, verarscht mich nur. Ihr wisst aber beide, nur weil ich Bi bin, schaue ich nicht den Kerlen nach!«

»Ach, wie er eingeschnappt ist! Austeilen geht, aber im Einstecken bist du nicht so gut, gell?«

Donald verschränkte die Arme.

»Vero, ich kann mich über meine Erfolge bei Frauen nicht beschweren!«

»Da hat er Recht Vero. Er ist sexuell schon ordentlich aktiv. Jetzt nicht so wie ich. Bei mir prügeln sich die Frauen ja fast, um mit mir ins Bett zu können.«

»Boah! Du bist echt ein unglaublicher Freund, du Schnabeltier! Fall mir ruhig in den Rücken!«

»Wo falle ich dir denn in den Rücken? Ich sag doch nur die Wahrheit!«

»Ja wo denn?«

»Ganz einfach. Machen wir doch einfach hier und jetzt den Test. Vero. Wen würdest du jetzt lieber ficken? Donald oder mich?«

Das war eine gemeine Frage. Veronika hatte grosse Lust auf Donald. Aber eher im Sinne von, dass sie sich wieder in ihr SM-Outfit schmiegen würde, damit er sie wieder verhauen konnte. Auch sein Schwanz war eine Versuchung. Da war aber auch Perry, der im Bett schon unglaubliche Gefühle verursachte. Das war ein sehr starker Reiz. Wenn es nur um reinen Sex ging, dann würde sie tatsächlich Perry bevorzugen. Sie wollte ablenken.

»Wenn ich jemand ficken würde, dann Donald.«

Donald grinste wie ein Sieger. Veronika sah das und merkte, dass ihr Ablenkungsmanöver mal schön in die Hose gegangen war und sie wollte keine falschen Höhenflüge auslösen.

»Da ich aber keinen Schwanz habe, kann ich nicht ficken. Wenn es darum geht, dass einer von euch mich ficken soll, dann tendiere ich zu Perry.«

Donalds Grinsen verschwand. Wie schön waren noch die Zeiten, in denen eigentlich alle Frauen immer mit ihm in die Kiste wollten und Perry damit das Herz brachen? Für seinen Freund war das natürlich nicht schön, für ihn hingegen eine Bestätigung.

»Ach leckt mich doch am Arsch!«

Veronika war kurz davor, in einen Lachkrampf zu verfallen. Um das zu verhindern stand sie auf und ging zu Waldemar.

»Na Waldi? Klappt es?«

»Selbstverständlich, meine liebe Veronika! Ich habe den grössten Teil der Daten bereits gesichtet und muss meinen Freunden absolut Recht geben. Alle Werte sind hervorragend und in den vordefinierten Parametern.«

Veronika ging zum Schaufenster und schaute sich den Himmel an. Am Horizont war es dunkel.

»Sieht aus, als bekämen wir heute noch schlechtes Wetter!«

Waldemar hatte die ganze Zeit auf seinen Monitor geschaut.

»Laut dem mir vorliegenden Wetterbericht, ist dem nicht so. Da soll es …«

Genau in dem Moment schaute er von seinem Monitor weg zu Veronika. Sie stand mit dem Rücken zu ihm und er sah wieder das Tattoo. Sofort legte sich wieder der Schalter um. Er stand auf, ging zu Veronika, die sich genau in dem Moment zu ihm umdrehte, als er bei ihr ankam. Eigentlich wollte sie nur wissen, warum er mitten im Satz aufgehört hatte zu reden.

Waldemar griff sie an der Hüfte und zog sie dicht an sich heran.

»Wenn heute irgendetwas auf dich tropft, dann weil ich meine Ladung auf dich spritze!«

Veronika erschrak. Solche Worte von Waldemar? Das war doch eigentlich unmöglich!

»Was ist denn mit dir los? So kenne ich dich ja gar nicht!«

»Ach nein? Dann wird es wohl Zeit, dass du mich so kennenlernst! Wenn die beiden Platzpatronen nicht da drüben wären, dann würde ich mich dir jetzt mal intensiv vorstellen!«

Platzpatronen? Perry und Donald? Seine besten Freund, über die er normalerweise nie schlecht sprach? Jetzt wurde es dann doch unheimlich!

»Platzpatronen? Das sind doch deine Freunde!«

»Sie sind eher störend! Ich habe so Lust dir das Hirn aus dem Kopf zu ficken und die Beiden hindern mich daran!«

In dem Moment kam Donald herein.

»Alter, was geht denn hier ab?«

Waldemar drehte sich um und schien wütend zu sein. Als er jedoch Donald sah, legte sich der Schalter wieder um.

»Ich bin dabei …«

Er hielt inne und realisierte, dass er gar nicht am Computer sass. Schon wieder so ein Filmriss, den er sich nicht erklären konnte.

»Eigentlich analysiere ich gerade die Daten. Was ich hier …«

Veronika merkte, dass da etwas nicht in Ordnung war und kam ihm zu Hilfe.

»Ich hab gesagt, dass es da hinten nach Gewitter aussieht und ich habe Angst vor Gewitter. Du kennst ja Waldi. In so einem Fall geziemt es sich, eine ängstliche Frau zu schützen.«

Donald lachte.

»Ja, geziemt sich. Typisch Waldi. Aber jetzt sag. Was sprechen die Daten?«

»Nun, mein lieber Donald, was ich bislang gesehen habe, bestätigt eure Aussage!«

Waldemar verstand einfach nicht, was da gerade passierte.

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