Waldemar und Waldemar

An jenem Abend passierte jedoch nichts mehr in dieser Richtung. Das mochte auch daran gelegen haben, dass Veronika, während Waldemar mit Donald und Perry die Daten durchging und den Plan für den nächsten Tag besprach, ihren Hut nahm und den Heimweg antrat. Auch ihr war es nicht geheuer, was da mit Waldemar passierte.

Doch dann kam die Nacht. Wie gewohnt lag Waldemar in seinem Bett, schloss die Augen und schlief nahezu sofort ein. Dieses Mal träumte er jedoch einen sehr intensiven Traum, was er eigentlich nicht gewohnt war.

In diesem Traum wurde er wach und es schien, als wäre es ein ganz normaler Morgen. Als er jedoch die Decke zurück schlug und aufstehen wollte, erkannte er eine weitere Person in seinem Zimmer. Nicht irgendwer. Er selbst sass neben dem Bett und beobachtete sich. Da Waldemars Gehirn auf Logik getrimmt war, nahm er seine eigene, doppelte Anwesenheit sofort als Hinweis, dass er in einem Traum war.

»Oh, endlich wach! Das hat aber gedauert!«

Waldemar hatte keine Angst, weil da ein zweiter Waldemar sass und mit ihm sprach. Nein, er war vielmehr neugierig und sah darin sofort eine Möglichkeit zu forschen.

»Ich bin fasziniert. Warum bin ich hier doppelt vertreten?«

Sein alter Ego lächelte.

»So schlau und trotzdem nicht dazu in der Lage, einen logischen Zusammenhang zu sehen. Na, na, na, mein lieber Waldemar. Ich bin etwas enttäuscht von dir!«

Waldemar setzte sich auf die Bettkante, direkt vor seine andere Persönlichkeit und dachte kurz nach. Er hatte Berichte über solche Erlebnisse gelesen. Prinzipiell konnte es ein ganz gewöhnlicher Traum sein, ausgelöst durch die Vorkommnisse des vergangenen Tages. Vielleicht war sein Unterbewusstsein gerade dabei, diese Erlebnisse zu verarbeiten.

»Wenn ich die Situation korrekt analysiere, dann verarbeite ich in einem Traum die Vorkommnisse des letzten Tages, die ich mir noch nicht erklären kann.«

»Okay, nah dran. Weisst du denn, wer ich bin?«

»Natürlich weiss ich das! Du bist ich!«

Sein alternatives Ego lehnte sich zurück.

»Das ist nicht ganz richtig. Ja, ich bin du. Aber ich bin das, was du schon dein ganzes Leben lang einsperrst. Gestern hast du mir zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben, aus meinem Gefängnis auszubrechen!«

Waldemar dachte kurz nach. Er fühlte sich nicht so, als hätte er etwas sein Leben lang eingesperrt. Es erinnerte ihn aber an ein Ritual einer logisch denkenden Rasse aus einer Fernsehserie, bei welchem man alle Emotionen für immer unterdrückte.

»Du bist also das Produkt meiner niederen Instinkte?«

»Ganz genau! Fast unser ganzes Leben lang, hältst du mich unter Verschluss. Ich tobe und schreie, aber stosse bei dir nur auf taube Ohren. Seit sich aber dieser Fetisch für Veronikas Tattoo gezeigt hat, bröckelt mein Gefängnis und gestern hatte ich zum ersten Mal die Chance auszubrechen!«

Waldemar fing an zu verstehen. Zumindest soweit es in einem Traum möglich war.

»Ich verstehe! Aber ich streite ab, dass etwas wie ein Fetisch bei mir möglich ist. Vielmehr glaube ich, durch meine ganze Arbeit und meine Erlebnisse in jüngster Vergangenheit, ist mein Verstand einfach so sehr mit verarbeiten beschäftigt, dass ich deshalb so reagiere.«

Der zweite Waldemar lachte laut auf.

»Genau das ist dein Problem! Du akzeptierst es nicht, dass auch du nur ein ganz gewöhnlicher Mensch bist! Diesen ganzen Schwachsinn, den du da gerade verzapft hast, beweist es sehr gut!«

Nun lehnte sich Waldemar nach vorne.

»Du irrst! Ich bin kein gewöhnlicher Mensch! Ich bin besser! Weiterentwickelt!«

»Hörst du dich eigentlich selbst reden? Ja, du bist etwas intelligenter, als deine Freunde. Dafür bist du ein emotionaler Krüppel!«

»Ich verbitte mir eine solche Titulierung!«

»Mir doch egal! Veronika hat mir gestern die Tür geöffnet und ich war endlich frei! Mir ist aufgefallen, dass du mich sofort wieder unterdrücken wolltest, aber dieses Mal schaffst du es nicht!«

»Ist dem so? Nun, du wirst aber eine Enttäuschung erleben! Ich und nur ich bestimme, wie mein Leben verläuft!«

»Bis gestern ist das vollkommen korrekt! Nun weiss ich aber, wie ich die Kontrolle übernehmen kann. Du, mein Kerkermeister, du kannst dagegen nicht das geringste machen!«

»Interessant. Dann erklär mir doch mal, wie du das auf die Beine stellen willst! Ich muss nichts weiter tun, als Veronika darum zu bitten, zukünftig ihre Verzierung in meiner Gegenwart zu verdecken. Sie ist eine gute Freundin von mir und will nicht, dass mein Leben ins Chaos stürzt. Von daher wird sie meiner Bitte folgen!«

»Das mag schon sein! Aber, ich brauche sie nicht, um die Kontrolle zu übernehmen. Dafür gibt es einen ganz anderen Weg in uns und den kannst du nicht kontrollieren!«

Waldemars Neugier stieg. Für ihn war alles ein unglaublich spannendes Erlebnis und er wollte natürlich viel darüber in Erfahrung bringen.

»Jetzt bin ich neugierig! Was genau kann ich nicht kontrollieren?«

»Deine Hormone! Egal wie gut du deine Geilheit im Griff hast, unser Körper produziert dennoch den ganzen Tag Hormone. Wenn die eine gewisse Konzentration erreicht haben, ist das mein Weg in die Freiheit. Zwar nur so lange, bis die abgebaut sind, oder ein Schreckmoment deine Rationalität wieder an die Oberhand zerrt, aber solange kann ich die Kontrolle übernehmen!«

Waldemar lauschte den Worten und musste sich natürlich Recht geben. Gegen die Hormonproduktion war auch er machtlos. Aber, natürlich war er in einem Traum und er wollte mal verifizieren, ob er nun wirklich mit seinen niederen Instinkten sprach.

»Okay. Nehmen wir einmal an, du kannst wirklich die Kontrolle übernehmen. Darüber hinaus unterstellen wir mal, dass dieser Traum nun eine Weg darstellt, wie ich und ich sich unterhalten können. Dann müsste es dir möglich sein, mir etwas über die fehlenden rund 20 Minuten sagen zu können.«

»Und wie ich das kann! Veronika. Diese geile Bitch. Sie hat mir voller Inbrunst einen geblasen und es war geil!«

Waldemar erschrak. Nicht wegen den Worten. Die hätte er anzweifeln und nicht vorhandene Beweise fordern können. Doch als er sie hörte, hatte er schlagartig jede Erinnerung daran in seinem Kopf und wusste, dass es die Wahrheit war. Er sprang auf.

»Oh nein! Ich habe meine gute Freundin eine Nutte genannt! Meine Güte! Dafür werde ich mich entschuldigen müssen!«

Sein anderes ich lachte.

»Ja. Dann mach das mal. Trotzdem. Sobald ich wieder die Gelegenheit habe, werde ich diese heisse Bitch so hart ficken, die wird nicht mehr laufen können! Mal schauen, als was ich sie dann bezeichne. Frag sie am Besten schon nach einer Flatrate für Entschuldigungen, sonst wirst du deine Kostbare Zeit in Zukunft mit nichts anderem verbringen!«

»Du wirst es nicht wagen! Ich werde dir nie wieder die Kontrolle überlassen! Hörst du mich? Nie wieder!«

Der andere Waldemar fand das sehr interessant.

»Wow. Du bist wütend! Soll ich dir etwas sagen? Auch das ist ein Teil von mir, der sogar hier die Kontrolle über dich übernehmen kann. Es tut mir leid dir das sagen zu müssen, aber du hast überhaupt keine Wahl! Ich weiss jetzt, wie ich die Kontrolle übernehmen kann! Dein so verachteter Sexualtrieb öffnet mir die Tür und es gibt nichts, was du dagegen machen könntest!«

Waldemar setzte sich wieder. Ihm war absolut bewusst, wie Recht sein anderes ich damit hatte. Die Hormone würden kommen, dagegen war er machtlos. Allerdings gab es auch eine Möglichkeit, dieser wieder loszuwerden und damit jemandem einen Gefallen zu tun, der ihm sehr wichtig war.

»Nun, ganz richtig ist deine Aussage nicht! Es gibt sehr wohl etwas, was ich gegen eine zu hohe Konzentration unternehmen kann! Ich werde mein intimes Verhältnis zu Elena einfach ausbauen. Dafür muss ich sie nicht einmal benutzen, oder sonst wie abwertend behandeln, denn sie wünscht sich mehr Intimität mit mir!«

Was Waldemar nicht gefiel war, dass er sich selbst so diabolisch angrinste.

»Ist das so? Dann denk mal nach Einstein. Wenn du anfängst, mit Elena intim zu werden, was genau passiert dann in deinem Körper?«

Waldemar erschrak.

»Meine Erregung steigt!«

»Bingo! Es werden schlagartig noch mehr Hormone frei, die deine niederen Instinkte, also mich, stärken. Was glaubst du denn was passiert, wenn ich bei eurem Liebesakt die Kontrolle übernehme?«

Waldemar wurde bleich. Er sass in der Falle!

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