Hinter dem Band

Es dauerte noch eine langweilige Zeit, bis die Megaclite endlich die Passage durchquert hatte. Ray hatte zwischenzeitlich daran gearbeitet, einen Weg zu finden, wie man dieses Band detektieren konnte. Die Zwe-Kristalle waren schliesslich der Schlüssel.Aufgefallen war es zuerst Raschniposa. Diese Kristalle schienen auf das Band zu reagieren und zwar in sofern, dass wenn sie dem Band zu nahe kamen, fingen die Seite, die der Wand zugewandt war an, sich ein wenig zu verformen. Diese Verformung war dabei derart minimal, dass man sie mit blossem Auge nicht wahrnehmen konnte. Um aber die perfekte Ausrichtung des Kristalls zu gewährleisten, hatte Ray einen Kontrollmechanismus entworfen, der wirklich jede kleinste Veränderung registrierte. Auf dieser Anzeige fand Raschniposa schliesslich den Hinweis.

Für Ray war es nicht schwer, aufgrund dieser Angaben ein Gerät zu entwickeln, welches eine Annäherung an das Band anzeigte. Wie korrekt die Abstände dabei waren, wollte er nicht angeben. Sicher war jedoch, wenn sich die Megaclite einem Band näherte, dann würde sie das melden.

Die Megaclite war nun schon ein paar Stunden aus der Passage heraus und steuerte ein Planetensystem an, als Krieger überraschend eine Durchsage machte.

»Achtung an alle! Wir steuern ein Planetensystem an. Insofern wir dort Bedingungen vorfinden, die eine Erholungsphase zulassen, werden wir eine Weile dort rasten und mit einem geregelten Tonus kann die ganze Mannschaft ein paar Tage Landurlaub machen!«

Tiffany schaute Krieger ganz entgeistert ah.

»Landurlaub? Dein Ernst Krieger?«

»Kapitän Krieger! Ja Tiffany, es ist mein Ernst! Ich habe auf der Reise bis hier hin gelernt, dass ich keine militärisch gedrillte Besatzung habe. Meine Leute brauchen Auslauf und den werde ich ihnen nun gewähren, wenn die Lage es zulässt. Dir übertrage ich die Aufgabe, Informationen über unser Ziel zu sammeln, falls möglich. Pamela, du überprüfst das Schiff und ermittelst unseren Bedarf. Ich stelle dir Baki, Raschniposa und Ruug zur Seite. Besorg uns, was wir brauchen.«

Tiffany war beeindruckt. Offensichtlich war Krieger doch lernfähig. Als die Megaclite im inneren des Planetensystem die Geschwindigkeit reduzierte, waren sofort bewohnbare Planeten und Monde auf Caspers Sensoren. Alle waren bewohnt und es schien ein reges Treiben zu geben.

»Krieger, es nähern sich Schiffe auf direktem Kurs. Nachdem, was ich erkennen kann, sind es Kriegsschiffe.«

»Es heisst Kapitän Krieger! Ist doch nicht verwunderlich, dass wir überprüft werden. Waffen bleiben deaktiviert, halte die Schilfe aber für ein schnelles ausfahren bereit, sollten die uns Schwierigkeiten machen. Kannst du etwas über die Stärke sagen?«

»Wir sollten nicht mit ihnen spielen. Die können uns auf jeden Fall was kaputt machen. Vernichten können sie uns aber nicht.«

»Krieger, ich bekomme eine Nachricht rein!«

»Es heisst immer noch … ach, leg es auf den Schirm Casper.«

Tiffany schaute wieder entgeistert Krieger an. Würde er den Running-Gag etwa jetzt auslaufen lassen? Das hätte die ganze Stimmung auf der Brücke sabotiert. Auf dem Schirm tauchte eine merkwürdige Kreatur auf. Krieger fühlte sich an einen Dinosaurier erinnert. Der Kopf hatte eine Platte, auf der Stirn sah man zwei Beulen und auch die Nase schien unnatürlich dick und unflexibel. Vielleicht so etwas wie die evolutionär ausgearbeitete Version eines Triceratops?

»Wer seit ihr? Was wollt ihr hier?«

Krieger stand auf und ging einen Schritt auf den Hauptschirm zu.

»Mein Name ist Kapitän Krieger vom irdischen Raumschiff Megaclite. Wir kommen in friedlicher Absicht und suchen Informationen, sowie einen Platz, um uns ein paar Tage entspannen zu können.«

»Friedliche Absichten. Wie oft ich diese Worte schon gehört habe und sie waren immer gelogen! Warum sollte ich euch Glauben schenken?«

»Nun, ganz einfach. Wir haben weder die Schilde aktiviert, noch die Waffen. Wenn wir wirklich feindlich wären, würden wir dieses Gespräch nicht führen. Vielmehr würdet ihr als Trümmerwolke durch das System kreisen.«

»Grosse Worte. Seien sie versichert, Worte beeindrucken mich nicht!«

Na wenn dem so war. Krieger schaute zu Barry. Der war schon total heiss und aktivierte sofort die Schilde und die Waffen. Das Wesen auf dem Hauptschirm drehte sich sofort um und schien mit jemandem zu reden. Dann wendete es seinen Blick wieder nach vorne.

»Nun gut. Wir konnten orten, dass ihr wirklich über beeindruckende Waffen verfügt. Wer gibt mir jedoch die Garantie, dass ihr diese nicht einsetzt, wenn ihr an unseren Planeten seit?«

»Die Tatsache, dass wir sie noch nicht eingesetzt haben. Es ist eine ganz einfache Sache. Wir brauchen Informationen, etwas Platz zur Erholung und je nachdem wollen wir uns noch mit Material eindecken. Es gibt dafür zwei Wege. Ihr lasst uns passieren und bietet uns eure Gastfreundschaft an, oder wir nehmen uns, was wir brauchen. Die Entscheidung liegt bei euch.«

Es dauerte einen Moment, bis eine Antwort kam.

»Ich vertraue euch nicht! Zu oft schon wurden wir erst mit grossen Worten besänftigt und dann mussten wir uns zur Wehr setzen. Ihr scheint mir dabei alles zu sein, nur nicht harmlos.«

»Verstehen sie eigentlich nicht? Es ist mir egal, was ihr von uns haltet. Wir brauchen Informationen und Platz und wir werden beides hier bekommen. Ob mit eurem Einverständnis, oder ohne.«

»Krieger! Es enttarnen sich Raumschiffe hinter uns. Mindestens 30! Keine wirkliche Gefahr, aber bis wir uns da raus gekämpft haben, muss Ray richtig viel reparieren!«

Krieger hörte das, dachte genau eine Sekunde nach und ging einen weiteren Schritt in Richtung Hauptschirm.

»Also? Sind wir willkommen, oder beklagt ihr in wenigen Minuten den Verlust von über 30 Raumschiffen, bevor wir unser Anliegen durchsetzen?«

Das brachte die Kreatur auf dem Schirm in deutliche Schwierigkeiten. Der schien mit allem gerechnet zu haben, nur nicht mit Kriegers Reaktion.

»Sie scheinen sich ihrer Sache sehr sicher zu sein!«

»Das bin ich! Allerdings bin ich auch müde und derzeit reif für Urlaub. Von daher würde ich es begrüssen, wenn ihr uns friedlich zu einem Planeten geleiten würden, wo meine Crew und ich uns ein paar Tage erholen können. Alternativ, greift uns an. Aber bitte, egal was es sein wird, macht es jetzt. Ich bin wirklich zu abgespannt, um mich noch auf lange Diskussionen einzulassen.«

Es vergingen Minuten, ohne Reaktion. Barry hatte die ganze Zeit seinen Blick fest auf seinen Anzeigen und wartete nur darauf, dass irgendetwas passierte. Doch, es geschah nichts.

»Auch wenn ich euch nach wie vor nicht vertraue, wir werden euch zu einem Planeten geleiten.«

»Danke. Ist es uns erlaubt, mit einem Beiboot auf die Suche nach Informationen zu gehen?«

»Solange das Beiboot keine allzu grosse Bedrohung darstellt, was Waffen und Besatzung angeht, dann ja.«

»Prima. Zeigen sie uns den Weg, wir folgen. Barry, Waffen und Schilfe aus!«

Knurrend tat Barry, wie ihm aufgetragen wurde. Dabei hätte er doch zu gerne ein bisschen geballert. Casper trennte die Verbindung und Krieger setzte sich wieder. Tiffany schaute ihn fasziniert an.

»Respekt Krieger! Souverän gemeistert!«

Krieger schaute Tiffany an und grinste.

»Ach Nummer 1, es ist wie überall. Der mit den dicksten Eiern gewinne!«

Tiffany machte grosse Augen. Pamela, Barry und Casper drehten sich ungläubig um. Was war denn nur mit Krieger los?

»Wird unser Kapitän langsam locker?«

Grinste Tiffany.

»Nun ja Tiffany. Es macht einen Unterschied, ob man an die Verhaltensregeln der GemSpa gebunden ist, oder ob man auf eigene Faust agieren kann. Die GemSpa haben wir hinter uns. Jetzt darf ich auch gerne mal den Macho zeigen!«

Pamela lachte.

»Vorsicht Krieger! Wenn man bei Tiff den Macho raus hängen lässt, dann benutzt sie den auch ganz gerne!«

Krieger schaute Pamela mit einem diabolischen Blick an.

»Meine liebe Pamela. Danke für die Warnung. Dir ist hoffentlich nicht entgangen, dass ich, auch wenn ich euer Kapitän bin, durchaus auch ein Mann mit Bedürfnissen bin? Zudem haben wir so etwas wie Piraten-Status und wenn mich meine Geschichtskenntnisse über diese Epoche nicht ganz im Stich lässt, ist es ohnehin das Vorrecht des Kapitäns, seine Gespielinnen selbst zu bestimmen. Also Vorsicht an dich, nicht dass ich dich auffordere, mein Quartier zu besuchen!«

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