Und jetzt?

Nun sprach Pascal.

»Ja Waldi. Schlussendlich war es deine Erfindung, mit der Maia den finalen Schlag ausführen konnte. Trotzdem war das eine gewaltige Teamleistung und man darf nicht verschweigen, dass wir ohne Jana, Natascha und Kim ganz schön alt ausgesehen hätten.«

Aus Waldemars Gesicht sprang ein Stolz, der fast schon umwerfend war. Perry und Donald freuten sich, hatte ihr Freund doch einen Punkt seiner Lebens-ToDo-Liste abhaken können. Einen Punkt, der bislang immer als unerreichbar galt.

»Danke Pascal. Ich muss ganz ehrlich sein. Als wir hier ankamen dachte ich, ihr seit tot. Wirklich. Ich hätte meinen ganzen Besitz darauf verwettet, dass ihr diese Geschichte nicht überlebt. Aber ich muss auch eingestehen, ohne euch wäre die Sache noch nicht ausgestanden. Ich freue mich wirklich, euch kennengelernt zu haben!«

Pascal nickte in Janas Richtung. Nun kam Claudia.

»Und jetzt? Die Geschichte ist durch. Was passiert mit den ganzen Menschen? Die werden das ja wohl kaum für sich behalten und wenn die das erzählen, dann wird irgendwann jemand darüber berichten!«

»Keine Sorge Claudi. Niemand wird irgendetwas berichten. Bestenfalls davon, dass aus mysteriösen Umständen das Krankenhaus eingestürzt ist und es auch sonst nicht erklärbare Schäden in der Stadt gibt. Wir sind hier aber recht weit ab vom Schuss. Vielleicht wir eine lokale Zeitung ein paar Mal davon berichten, dann kräht kein Hahn mehr danach.«

»Und was jetzt?«

Fragte Viper.

»Ganz einfach. Wir bleiben noch ein paar Tage hier, überprüfen die Geschehnisse in der Stadt und wenn wir uns ganz sicher sein können, dass vom Schatten nichts mehr zu sehen ist, fliegen wir zurück.«

»Genau mein Gedanke Jana. Wir sollten nicht zu früh aufbrechen. Unter Umständen hat sich ein letztes Stück vom Schatten irgendwo versteckt, wird jetzt grösser und könnte erneut angreifen.«

Perry wartete, bis Pascal geendet hatte.

»Das heisst, ich kann meine Frau schnappen und mich von ihr ein bisschen verwöhnen lassen. Klingt gut!«

»Gleich Schatz. Erst will ich etwas wissen! Pascal. Was sollte die ganze Scheisse? Warum erzählst du uns, dass Perry und Janine schon den Löffel zum wegwerfen suchen? Wir hätten zusammen stürmen können. Dann hätten Amy und ich nicht diese Schmerzen durchstehen müssen!«

Perrys Augen wurden Gross. Was denn für Schmerzen, fragte er sich?

»Es tut mir leid Katja. Das es so endet, hätte ich auch nicht erwartet. Ich wusste aber, ein gemeinsamer Angriff hätte genau eine Sache bewirkt. Wir hätten uns gegenseitig in den Füssen gestanden. Eine Schneise durch die Verteidiger zu schlagen, wo wir alle durchpassen, hätte viel Anstrengung bedurft. Nein. Wir wären nie bis zum Schatten gekommen. Ich wusste aber, wenn ich Amy nur an den richtigen Punkt bringe und ihre dunkle Seite die Oberhand gewinnt, wird der Schatten nicht genug Kreaturen erschaffen können, um sie aufzuhalten. Das du die gleichen Fähigkeiten hast, hatte ich zwar geahnt, aber nicht gewusst. Deshalb haben Viper und ich auch Perry ins Spiel gebracht.«

»Aber warum Amy?«

Wollte Jana wissen. Das wusste Viper zu beantworten.

»Weil man sich mit Amy nicht anlegt. Glaub mir, ich hab es selbst schon erlebt. So frech und lieb sie normalerweise ist, so brutal ist sie auch, wenn sie im Amok-Modus ist. Ich hab in meinem Leben schon gegen einige finstere Typen gekämpft. Gerade im Knast. Da waren echte Killer, die mich einfach aus Spass abgestochen hätten, wenn sie es wollten. Niemand hat mir Angst gemacht. Aber wenn Amy böse wird, dann gehe ich in Deckung.«

Jana dachte kurz nach. Das klangt alles ein wenig befremdlich.

»Und wie kommt das? Ich meine, Amy sieht jetzt nicht wirklich wie ein Killer aus.«

Genau in dem Moment kamen Janine und Amy von der Tragfläche nach unten geflogen. Janine hatte Amy vor sich im Arm, da sie kein Jetpack trug.

»Ist doch ganz einfach.«

Sagte Janine, als sie gelandet waren.

»Du kannst meiner Süssen echt alles antun, aber geh nicht an ihre Familie. Dann tickt sich gelinde gesagt ein wenig aus.«

»Und du wusstest, dass sie es bis zum Schatten schaffen würde Pascal?«

»Sagen wir mal, ich sah wirklich gute Chancen.«

Kim schüttelte den Kopf.

»Ihr seit wirklich der merkwürdigste Haufen, der mir je begegnet ist. Nerds, Gangster, Bitches und gleichzeitig legt ihr ein unglaubliches Potential an den Tag.«

Waldemar zuckte mit den Schultern.

»Vielleicht sollte man einfach nicht in Schubladen denken. Ja, meine Freunde mögen sehr unprofessionell wirken, doch sollte man uns nicht unterschätzen!«

»Amy, würdest du mir einen Gefallen tun und gegen mich kämpfen?«

Amy zog eine Augenbraue hoch.

»Warum Jana?«

»Weil ich es erleben will, um es glauben zu können. Immer wieder heisst es, du bist die gefährlichste hier. Du siehst aber am harmlosesten aus.«

»Von mir aus.«

Amy ging einen Schritt zur Seite. Sofort drehten sich alle so, um ja alles sehen zu können. Ausser Natascha waren jedoch alle der Meinung, dass Jana nicht den Hauch einer Chance hatte.

Jana kam auf Amy zu. Noch im gehen schlug sie blitzschnell zu. So schnell, dass Donald und Waldemar den Schlag gar nicht erkannten. Amy hingegen schien überhaupt keine Mühe zu haben, den Schlag zu kontern. Sie bewegte ihren Oberkörper nur ein Stück zur Seite, so dass der Schlag an ihr vorbei ging. Gleichzeitig trat sie mit ihrem Schienbein in Janas Rippen. Die krümmte sich vor Schmerz nach vorne, während Amy ihr Bein noch in der Luft anwinkelte, an Janas Körper vorbei führte und wieder streckte. Ein weiterer Tritt von oben an Janas Hinterkopf beendete die kleine Vorführung. Jana ging zu Boden und blieb liegen.

Einen Augenblick später schüttelte sie sich jedoch schon wieder, drehte sich auf den Rücken und stand auf. Während sie sich den Hinterkopf rieb, der durch ihre Frisur genug geschützt war, dass Amy bedenkenlos zutreten konnte, schaute sie Amy an.

»Irre. Du hast dir nicht einmal die Mühe gemacht, die Arme zu benutzen.«

»Nee du. Dein Angriff war so lahm, dazu hatte ich beim besten Willen keinen Grund.«

»Lahm?«

»Ja. Du schaust genau auf dein Ziel. Ausserdem zuckt deine Schulter sehr deutlich, wenn du schlägst. Ich wusste schon, was du vor hast, bevor du es gemacht hast und ganz ehrlich, deine Deckung ist ja mal mies. Wie kannst du mir deinen Brustkorb so offen anbieten? Ausserdem, hat dir niemand erklärt, dass man, egal wie sehr es wehtut, nie den Blick zum Gegner verlieren darf? Ganz zu schweigen davon, dass man sich nicht einfach so vorbeugt. Das ist ja, als würdest du wollten, dass man dir an die Batterie tritt!«

Jana schaute fassungslos zu Natascha und Kim. Kim hatte offensichtlich Spass bei der Vorführung. Natascha hingegen schaute genauso fassungslos, wie Jana selbst.

»Das hast du alles in der einen Sekunde so analysiert?«

Rebekka lachte laut auf.

»Genau das ist ihre grösste Stärke. Du kannst auf sie einprügeln und sie steht nur da, hat die Arme vorm Gesicht und bezieht Prügel. Dabei beobachtet sie dich aber und findet einen Schwachpunkt. Wenn sie dann in Aktion tritt, hast du schon verloren. Glaub mir, hab ich schon unzählige Male selbst erleben müssen. Da denkt man, man hat sie und sie hat eigentlich schon verloren, dabei ist man selbst nur einen Augenblick von einer Niederlage entfernt und weiss es nicht einmal.«

Amy drehte sich so, dass sie Katja ansehen konnte.

»Du Katja, du hast gewusst was ich tun werde, bevor ich es getan habe, oder?«

Katja schaute sich verunsichert um.

»Na ja. Ausweichen ja, Tritt ja, nur hätte ich erwartet, du schlägst ihr ins Genick. Den zweiten Tritt hab ich nicht erwartet.«

Amy grinste.

»Die da, die wird eines Tages die sein, vor der ich mich geschlagen geben muss. Wetten?«

Katja wurde rot.

»Genug jetzt damit. Wir haben die letzten Tage mehr als genug Stress gehabt. Ich würde sagen, es wird Zeit, dass wir uns mal entspannen, oder?«

Selten waren Pascals Worte derart freudig vernommen worden.

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