Gewinn oder Risiko?

»Okay. Das ist nachvollziehbar. Aber was gibt es denn alles im Universum, dass ihr immer noch glaubt, ihr seit unwissend?«

»Wir sind nicht unwissend! Nur wissen wir noch sehr wenig!«

Alles wurde schwarz. Tiffany konnte nichts mehr sehen.

»Was ist das denn jetzt?«

»Der Rand des Universums!«

»Also eigentlich die Aussenseite des schwarzen Loches?«

»So würde man annehmen! Also könnte man eigentlich sagen, wenn man mit Überlichtgeschwindigkeit unterwegs ist, müsste man das schwarze Loch verlassen können, ja?«

»Man kann sich nicht mit Überlichtgeschwindigkeit bewegen!«

Tiffany sah in den Augen des Mannes, dass dieser gespannt war.

»Doch kann man, wir tun es doch! Sag jetzt nicht, wir krümmen dafür den Raum. Das ist Unsinn! Unser Antrieb schaltet das Higgs-Feld aus und da wir in dem Fall Masselos sind, können wir auch ohne unendliche Energie …«

Tiffany hielt inne und dachte kurz nach.

»Am Rand vom Universum hört auch das Higgs-Feld auf, richtig?«

»Sehr gut! Was schliesst du daraus?«

»Na ja. Entweder ist ausserhalb des schwarzen Loches eben kein Higgs-Feld und kein Raum und deshalb kann man diese Schwelle nicht überschreiten, oder …«

Sie musste wieder nachdenken. Langsam bekam sie Kopfschmerzen bei dem Stoff.

»Jetzt bin ich gespannt!«

Sagte ihr Begleiter und verschränkte die Arme.

»Zwischenfrage! Wenn das schwarze Loch, indem wir uns befinden, Materie einsaugt, drückt diese dann den Raum hier auseinander?«

»Das ist korrekt!«

»Ähm, dann ist dieses weisse Loch der Rand des schwarzen Loches?«

Beide gaben Applaus.

»Bravo! Genau so ist es!«

»Hallo? Wie soll das denn bitte funktionieren? Wie kann das Zentrum der Rand sein?«

»Siehst du? Es gibt noch sehr vieles, was wir nicht wissen.«

»Irre! Das würde ja aber bedeuten, wenn man ins Zentrum fliegt, müsste man im Mutteruniversum des schwarzen Loches rauskommen!«

»Du meinst so?«

Es wurde wieder hell und viele Sterne zeugte sich vor Tiffany. Sie schaute sich total beeindruckt um und entdeckte, dass hinter ihr ein schwarzes Loch zu sehen war.

»Da sind wir drin?«

»Korrekt!«

»Also ist die Theorie eines Multiversums ja richtig!«

Wieder dieses Lächeln.

»Sie ist nicht falsch, da liegst du richtig. Sie ist aber auch nicht richtig! Das von dir angesprochene Universum sagt voraus, dass es neben unserem noch viele Universen gibt, die parallel existieren. Das ist falsch! Es gibt viele Universen, aber die sind ineinander verschachtelt! So gibt es in den schwarzen Löchern ebenfalls Universen. Nur eben, sie sind nicht Parallel zueinander, sondern stecken ineinander. Auch können sie sich nicht berühren. Du hast ja gesehen, der Rand ist die Grenze.«

»Wie viele Universen gibt es?«

»Viele. Wir untersuchen gerade Universen, die über 1.000 Ebenen über uns liegen. Genauso haben wir auch schon viele 100 unter uns erforscht. Besonders spannend ist es, wenn ein schwarzes Loch entsteht und darin ein neues Universum. So viele interessante Dinge, die es da zu entdecken gibt.«

»Ist die Zahl also unendlich?«

»Das ist ebenfalls ein Punkt, den ich dir nicht beantworten kann. Uns fehlen die Grundlagen, wie viel es über und unter uns gibt. Dahingehend verfolgen wir derzeit zwei Hypothesen. Einmal gehen wir davon aus, die Zahl ist wirklich nicht begrenzt. Das heisst aber nicht, dass es nicht nach oben eine Grenze gibt. In dem Fall wäre es spannend, woraus dieses Ursprungsuniversum entstanden ist. Die zweite These sagt, es gibt aufgrund von begrenzter Materie nur eine begrenzte Zahl an Universen. Hier wäre es spannend zu sehen, was in der tiefsten Schicht bei der Entstehung eines schwarzen Loches passiert. Unter Umständen ist es dort auch aufgrund mangelnder Materie gar nicht möglich, dass sich diese Erscheinungen zeigen.«

»Klingt irgendwie so, als wäre die zweite These wahrscheinlicher.«

»Der Meinung waren wir sehr lange auch. Tatsächlich ist es noch nicht lange her, als wir die erste These wirklich aktiv verfolgt haben.«

»Warum das denn?«

»Nun, Wie wir entdeckt haben, herrschen zwar überall die gleichen Gesetze, doch sind die Masseinheiten anders. Um es simpel auszudrücken.«

»Soll heissen?«

»Überleg! Wenn ein Stern von einigen Millionen Sonnenmassen zum schwarzen Loch wird, wie kann es darin ein Universum geben, in dem es mehrere super massive schwarze Löcher gibt? Von Schicht zu Schicht wird der Massstab kleiner! Das kann man jedoch nicht messen und nicht berechnen.«

Tiffany zog eine Augenbraue hoch. Ihr Verstand war langsam an seinem Limit.

»Als kurzes Beispiel. Stell dir vor, du hast ein Haus. Darin hast du ein Miniaturmodell deines Hauses und darin eine Miniatur-Tiffany. Für sie wäre das Haus genauso gross wie deines. Dabei hat es jedoch weit weniger Materie gebraucht. Doch würde die Tiffany, wenn sie ihr Haus in ihrem Massstab vermisst, auf die gleichen Zahlen kommen wie du.«

»Relativität?«

»Hervorragend! Messen wir nun die Materie in unserem Universum, gehen dann eine Stufe nach oben und nach unten und messen auch dort, sind die Zahlen sehr ähnlich. Nicht identisch, aber sehr ähnlich. Es gibt zum Beispiel Universen über uns, da gibt es weniger Materie. Unter uns haben wir jedoch auch eines entdeckt, mit mehr Materie. Die Gesetzmässigkeiten dahinter erschliessen sich uns bislang nicht.«

Tiffany schaute sich um. Ihr drängte da ein riesiges Problem in den Kopf.

»Was, wenn ich meine Leute hier her bringe, sie es sehen und dadurch vielleicht auf Ideen gebracht werden, zum Beispiel auch die Zeit zu krümmen?«

»Darüber musst du nicht nachdenken. Wir werden sonst niemandem dies alles hier zeigen. Du kannst deine Leute gerne zu uns bringen, aber offenbaren werden wir uns nicht.«

»Ähm, warum hast du es dann mir erzählt?«

»Wir haben uns über dich erkundigt. Du bist weiter, als deine Kollegen! Sie denken noch sehr in menschlichen Bahnen. Du hingegen, bist offen für das grosse Ganze.«

»Ach, woher wollt ihr das denn bitte wissen?«

»Du kannst zum Beispiel Erregung erfahren, bei dir fremden Spezies?«

»Moment! Woher wisst ihr das?«

»Nun, dein Schiff hat detaillierte Aufzeichnungen von deinem Paarungsakt.«

Tiffany wurde bleich. Sie kannte die Megaclite und von ihren privaten Räumen hätte es keine Aufzeichnungen geben dürfen. Da war sie ein wenig schockiert und sauer.

»Und deshalb bin ich offen und ihr erzählt mir das alles?«

»So ist es! Würden deine Freunde unsere Technologie nachbilden können, wärt ihr in einer übermächtigen und für euch nicht kontrollierbaren Situation. Ihr würdet euch in viele Belange einmischen und sehr viel Schaden anrichten. Auch ungewollt. Schon das auftauchen und fluchtartige Verschwinden auf einem fernen Planeten, was nur von einem dortigen Bewohner gesehen wurde, könnte katastrophale Auswirkungen haben!«

Das verstand Tiffany leider nur zu gut.

»Aber eine Frage habe ich. Könntet ihr uns verraten, wo genau wir dieses Schiff finden, welches wir suchen?«

»Könnten wir. Doch würden wir uns damit einmischen. Es liegt noch einiges auf eurem Weg, was ihr entdecken könnt. Sage ich dir jetzt aber, wo ihr euer Ziel findet, werdet ihr zielgerichtet dorthin fliegen und all die Wunder auf dem Weg verpassen.«

»Boah. Wird ganz schön schwer sein aufzubrechen. Ich hab noch so viele Fragen!«

Beide lachten.

»Wir werden ein Auge auf dich haben. Wenn wir der Meinung sind, du könntest ein paar Fragen an uns richten, werden wir dich aufsuchen. Ohne, dass es jemand bemerkt.«

Nun grinste Tiffany.

»Eine Frage habe ich aber noch. Paart ihr euch?«

Ihr Begleiter grinste ebenfalls.

»Das wirst du bald herausfinden!«

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