Wo sind die Menschen?

Die Suche ging weiter. Pascal und Amy warteten derweil auf Mario und Katja, bis die sich ihnen angeschlossen hatten. Dann ging es runter zu den letzten Stockwerken.

»Gespenstig hier. Einerseits sieht alles in Betrieb aus, aber dass hier niemand zu finden ist, ist einfach gruselig.«

»Weisst du, was ich viel gruseliger finde Katja?«

Alle schauten zu Mario.

»Das wir hier rum rennen und ich einmal einen Knüppel zur Verteidigung haben!«

Nun, Pascal sah das anders. Er ging zwischen die Mädels und hob deren Hände.

»Ich weiss gar nicht was du hast mein Freund. Ich sehe hier vier recht furchterregende Knüppel!«

»Mensch Alter, du weisst genau, was ich meine!«

Die Suche ging weiter. Die Langeweile im Flugzeug nebenbei auch.

»Boah. Wenn ich gewusst hätte, was für eine trübe Nummer das wird, wäre ich daheim geblieben!«

»Das sagst du jetzt Entchen. Ich wette, in ein paar Stunden jammerst du, du wärst besser zuhause geblieben, weil hier voll der Punk abgeht!«

»Bis dorthin bin ich an Langeweile kläglich verendet Rebekka.«

»Ist der immer so ein Mädchen Claudi?«

»Was soll ich sagen? Ich stehe eben auf den femininen Typ!«

»Hallo? Gehts noch?«

»Was regst du dich denn jetzt auf Schatz? Du weinst doch gerne!«

»Wer weint denn? Wenn ich dir meinen Schwanz in den Arsch schiebe, kullern bei dir auch immer mal wieder die Tränen!«

»Klar. Weil ich es nicht glauben kann, dass dein Spatz so klein ist und mir nicht wehtut!«

»Ganz dünnes Eis Mädel, ganz dünnes Eis!«

Zumindest sorgte das für Lacher und ein paar Minuten war die Langeweile vergessen. Auch im Krankenhaus wurde es spannend.

»Alter, willst du jetzt echt noch in den Keller?«

»Klar Mario! Erst wenn wir uns wirklich ganz sicher sind, dass uns hier keiner ungefragt über den Weg läuft, können wir hier unseren Stützpunk einrichten und das heisst eben auch, es geht runter in den Keller!«

Mario fand das gar nicht komisch, aber auch Katja hatte gemischte Gefühle. Dort unten gab es in der Regel eine Abteilung, die sie gerne gemieden hätte. Die Leichenhalle. Kurz überlegte sie, ob sie nicht einen Stellvertreter herbeirufen sollte, doch irgendwie wollte sie auch nicht wie ein Weichei dastehen.

Dann standen sie jedoch genau dort. Drittes Untergeschoss. Erst waren da einige Räume, in denen nur Material gelagert wurde. Menschen waren natürlich nicht zu finden. Doch nachdem sie einen langen Gang entlang gegangen waren, war da schliesslich die Leichenhalle.

Pascal ging voraus. Amy folgte ihm und auch Mario war schnell durch die Tür. Lediglich Katja zögerte.

»Ist alles okay bei dir?«

»Weiss ich noch nicht Pascal. Ich hab noch nie eine Leiche gesehen!«

»Wenn du willst, kannst du hier warten. Wir schauen uns nur schnell um.«

Katja nickte. Vielleicht war es keine schlechte Idee, hier Wache zu halten. Doch eigentlich war da nur dieser schier endlos lange Flur. Selbst wenn hier jemand ankommen würde, sie hätte ihn lange gesehen, bevor sie in Gefahr gerieten.

Pascal öffnete eines der Kühlfächer und zog die Pritsche heraus. Darauf lag ein Körper. Amy fand es zwar nicht sonderlich toll, blieb aber ruhig. Mario hingegen gab einen spitzen Schrei ab.

»Alles klar Amy?«

Rief Katja. Amy und Pascal lachten.

»Das war Mario!«

Katja drehte sich um, sah den schockierten Mario und die lachenden Freunde. Aber auch den leblosen Körper und irgendwie schien der gar nicht so schlimm zu sein. Sie kam näher.

»Hatte ich mir schlimmer vorgestellt!«

»Ist bei den Meisten so. Mich wundert da aber etwas.«

Alle Augen schauten auf Pascal.

»Und was?«

»Ganz einfach Amy. Der scheint ziemlich jung zu sein. Ich sehe keine äusseren Merkmale, die auf ein Ableben hindeuten würde. Ich sehe aber auch an den Armen nicht die typischen Stellen für irgendwelche Zugänge. Da würde ich dann aber davon ausgehen, wenn ein junger Mann einfach so stirbt, dann sollte doch eine Autopsie gemacht werden. Aber nein, nichts.«

»Vielleicht sollte die noch kommen? Lass uns mal die anderen Fächer kontrollieren.«

So geschah es. Es kamen weitere Männer zum Vorschein, aber auch Frauen. Alle schienen recht Jung, makellos und dennoch wurde bei niemand eine Autopsie durchgeführt. Pascal machte sich auf die Suche nach einem Register, oder sonst etwas, was den Personen einen Namen gegeben hätte.

»Und wenn die es mit der Gedankenkontrolle übertrieben haben? Oder so erfolgreich waren, dass sie die Versuchspersonen auch auf Kommando töten konnten?«

»Frag mal Waldi. Der soll mal im Netz checken, ob so etwas möglich ist.«

Pascal suchte unbeirrt weiter. Die Mädels schauten sich ebenfalls um und eigentlich war das hier einer der am wenigsten gruseligen Orte im ganzen Krankenhaus.

»Waldi, check mal was für uns!«

»Ja … lieber Freund Mari … Mario. Womit …«

Ein deutliches seufzen war zu hören.

»Kann ich denn … helfen?«

»Alter, ist alles okay mit dir?«

Elenas Stimmer ertönte.

»Ja. Ich wichse ihm grad einen.«

»Wie bitte? Auf meinem Platz? Wenn der auf die Instrumente spritzt!«

Katja lachte.

»Da mach dir keine Sorgen. Elena verschwendet kein Material!«

»Bist du dir da sicher Katja?«

Die Antwort gab Elena.

»Ja, ist sie sich und nein, du wirst keine Rückstände hier finden. Versprochen.«

»Na hoffentlich! Aber gut, Waldi, finde mal heraus, ob man die Gedankenkontrolle so ausweiten kann, dass man per Befehl einen Menschen töten kann.«

»Einen Mo … Moment bitte!«

»Die haben da drüben voll Party!«

»Sieht so aus Mario. Aber anstatt mich auch von einem durch bürsten zu lassen renne ich hier durch ein verlassenes Krankenhaus.«

»Hey, schaut mal, ich hab was gefunden.«

Pascal kam näher und legte ein dickes Buch einfach auf den toten Körper.

»Hier. 413 ist ein Leutnant Pavel. Macht da mal auf!«

Amy stand am nächsten zu dem Fach und öffnete es. Als der Leichnam zum Vorschein kam, verstummten alle und Mario hätte sich zu gerne übergeben. Aber auch Katja war am würgen.

»Habt ihr nicht etwas von einer Person erzählt, die erst den Hubschrauber sabotiert und dann weggeschleift wurde? Ich hab das Gefühl, wir haben ihn gefunden!«

Die Anzeichen sprachen dafür. Die Hände des Soldaten waren geschwollen, aufgerissen und schienen heftig geblutet zu haben. Ganz so, als hätte er versucht Metall mit blanken Händen zu zerstören. Aber es gab auch jede Menge Blutergüsse, gerade um die Schultern herum und das Gesicht hatte auch stark gelitten.

»Nein mein Freund. Nachdem, war ich hier so finde, ist es nicht möglich, per Befehl einen Menschen zu töten. Zumindest nicht im Sinne eines Herzstillstandes, oder ähnliches. Untersuchungen in diese Richtung haben ergeben, der Selbstschutz des Unterbewusstseins lässt einen solchen Befehl nicht zu!«

»Okay danke Waldi. Du bist fertig?«

»Korrekt, mein Freund. Ich habe auch dafür gesorgt, dass keine Instrumente durch mein Ejakulat beschädigt wurden!«

»Gut so. Macht das bitte trotzdem nächstes Mal hinten!«

»Wir haben hier wohl auch die Person gefunden, welche für die Sabotage verantwortlich war. Kannst du irgendwie auf die Armee hier zugreifen und was über den Kerl herausfinden?«

»Liebe Katja. Ich mag in vielen Bereichen herausragend sein, aber Zugriff auf Regierungsdatenbanken habe ich leider nicht.«

»Hacken?«

»Katja, meine liebe Katja. Das funktioniert leider alles nicht so, wie in den Filmen. Ich werde mich kaum von hier aus, ohne Kenntnisse des Systems, irgendwo banal über das Internet rein hacken können!«

Katja schüttelte den Kopf. Wenn man Waldemar einmal brauchte!

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