Zabrovst

Pascal wurde ins Cockpit zitiert. Alleine dieser Umstand war für die Freunde hinten in der Maschine überhaupt kein gutes Zeichen. Sie waren schon im Landeanflug und der Boden verdammt nahe. Das ausgerechnet da Pascal nach vorne sollte, gefiel keinem.

»Was ist los?«

»Was los ist? Willst du mich verarschen? Hast du das mal gesehen, was du da Flugplatz nennst?«

Viper war aufgebracht. Nachdem sich Pascal gesetzt und angeschnallt hatte, drehte Viper eine Schleife. Das Fahrwerk war schon ausgefahren und die Nase nach unten geklappt. Das Flugfeld kam in Sicht.

»Da, guck es dir an! Das ist kein Flugplatz, das ist ein Zustand!«

»Ach, will der grosse Viper etwa behaupten, er kriegt den Vogel da nicht runter?«

»Der grosse Viper will behaupten, diese Kiste hat Stelzen!«

»Boah! Ich hab es genau gewusst! Wir hätten Aisha mitnehmen sollen!«

Viper drehte sich um. Amy hingegen schüttelte den Kopf. Pascal hatte genau das gemacht, was Viper nicht leiden konnte. Er hatte angedeutet, jemand anderes sei besser als Viper und der konnte das ja auf den Tod nicht ausstehen.

»Ach ja! Dann halt dich jetzt mal gut fest!«

Pascal kassierte noch einen bösen Blick von Mario, der für die Landung seinen Sitz in Flugrichtung gedreht hatte.

Der Anflug begann. Pascal war begeistert, wie professionell Amy sich mittlerweile als Copilot fungierte. Sie gab Geschwindigkeit und Höhe regelmässig durch und gab auch sonst alle notwendigen Angaben an Viper weiter. Der tat genau das, was Pascal von ihm erwartet hatte. Wenige Augenblicke später setzte die Maschine butterweich auf. Sofort aktivierte Viper die Schubumkehr, versuchte aber dennoch die Nase so lange wie möglich oben zu halten. Als sie sich schliesslich senkte und auch das Bugrad die Bahn berührte, war die Geschwindigkeit schon beeindruckend niedrig. Dennoch war die Fahrt mehr als wackelig. Zum guten Schluss drehte Viper die Maschine am Ende der Bahn herum und parkte.

»Von wegen Aisha! Ich kann das …«

Viper verstummte und drehte sich herum. Ihm wurde mit einem Mal klar, dass Pascal ihn mal wieder manipuliert hatte. Dieser Drang, der Beste sein zu wollen, würde irgendwann zu seinem Verhängnis werden.

»Du bist ein böser, böser, böser Mensch!«

20 Minuten später standen alle vor dem Flugzeug. Da keine Treppe zu finden war, benutzten sie einfach die Jetpacks. Da diese ja elektrisch funktionierten, verursachten sie zwar im inneren der Maschine einen kleinen Sturm, doch nichts wurde verbrannt.

»Okay. Ich, Mario und zwei Mädels machen einen Erkundungsflug. Der Rest macht hier alles einsatzbereit: Ich würde sagen, wir benutzen in Zukunft einen der Notausstiege an den Tragflächen, damit dort landen und einsteigen können. Waldi, du hältst Verbindung zu uns.«

Amy und Katja meldeten sich freiwillig. Der Rest fragte sich, warum Pascal das nicht schon im Flugzeug gesagt hatte. Jetzt mussten alle wieder nach oben fliegen und einsteigen.

Perry schaute seiner Frau hinterher, wie sie mit den drei Anderen abhob und davonflog. Auch wenn sein letzter Orgasmus nicht lange her war, er war schon wieder geil.

Katja in gewisser Hinsicht auch. Es war ein tolles Gefühl, mit diesen Dingern auf dem Rücken zu fliegen. Eine Art von Freiheit, die man nur schwer in Worte fassen konnte. Ausserdem gehörte sie mittlerweile zum Sicherheitsteam und auch das versetzte sie in gewisse Erregung.

Was sie wenig später erblickten, war definitiv surreal. Da lag eine Stadt. Sie schien gerade gross genug zu sein, um als Stadt anerkannt zu werden. Da standen geparkte Autos, die Häuser schienen ebenfalls ganz normal zu sein, nur nirgendwo war ein Mensch zu sehen. Genau das war verstörend. Wären die Häuser irgendwie beschädigt gewesen, oder hätten die Autos verlassen auf der Strasse gestanden, wäre die Szenerie irgendwie glaubhafter gewesen. So jedoch, schien alles in Ordnung, es war nur niemand zu sehen.

Pascal zeigte auf das grösste Gebäude. Das schien das Krankenhaus zu sein. Dort endete der Flug, direkt auf dem Dach, wo ein medizinischer Hubschrauber stand.

»Findet ausser mir das noch jemand gespenstig?«

»Ich schon Katja. Alles intakt, aber kein Mensch zu sehen!«

»Das habe ich euch doch gesagt!«

»Dann mach mal ein Schlachtplan, grosser Häuptling!«

Pascal schaute verächtlich zu Amy.

»Gut. Habt ihr den vor der Stadt geparkten Hubschrauber gesehen?«

Gleichzeitiges Kopfschütteln.

»Mensch Leute! Das ist ein Erkundungseinsatz! Dann solltet ihr euch auch umschauen!«

Pascal schaute zu Boden und schüttelte ebenfalls den Kopf.

»Hallo? Ich bin MyTuber und kein Soldat!«

»Schon klar Amy. Also. Südlich der Stadt steht ein Hubschrauber herum. Ich würde sagen, Mario geht mit einer von euch sich das anschauen. Die Andere und ich gehen mal schauen, was da im Krankenhaus so los ist.«

»Frage am Rande. Wäre es nicht sinnvoll, einen der Hubschrauber zu beschlagnahmen und den zu nutzen?«

»Warum denn Amy?«

Fragte Pascal und schien wirklich nicht zu wissen, was sie damit bezweckte.

»Ganz einfach. Dann müsste nur einer fliegen und die anderen könnten sich umschauen.«

»Ganz guter Gedanke. Ich überleg es mir. Also, los jetzt.«

»Ja. Komm Mario. Lass uns mal nach dem Ding da schauen.«

Mario nickte, aktivierte wieder sein Jetpack und sprang. Katja tat es ihm gleich und gemeinsam ging es nach Süden.

Amy und Pascal gingen durch die Tür ins Treppenhaus.

»Überdruck!«

Bemerkte Amy, als sie die Tür geöffnet hatte.

»Ist normal. Das wird gemacht, dass falls es mal brennt, kein Rauch in …«

»Ich weiss selbst, warum das ist. Aber, warum funktioniert das immer noch? Bisher war ich eigentlich der Meinung, dieses ganzen Vorkommnisse seien schon eine Zeit her!«

»Amy, wenn ich genau wüsste, was hier los ist, wäre ich gar nicht hier! Wir sind ja nur deshalb in diesem Abenteuer, weil ich es eben nicht weiss. Klar soweit?«

Amy sagte nichts. Sie begann die Treppe hinabzusteigen, bis sie das oberste Stockwerk erreicht hatten. Da fing sie an, dass Jetpack abzulegen.

»Was wird das?«

»Alter, die Dinger sind schwer! Ausserdem, hier drin werde ich wohl kaum fliegen müssen und falls uns wirklich jemand angreift, mit der Last auf dem Rücken kann ich nicht wirklich kämpfen!«

Das leuchtete Pascal ein und auch er legte seine Flugmaschine ab.

Der Flug zu dem Hubschrauber dauerte nicht lange. Mario setzte sofort auf. Katja hingegen blieb noch in der Luft und drehte sich einmal um 360 Grad.

»Was machst du da?«

Katja landete.

»Ich bin ja wohl für deinen Schutz zuständig. Da schaue ich mich zuerst um, bevor ich lande.«

Mario nichts, griff mit der rechten Hand zu seinem Jetpack und förderte ein Headset hervor. Das setzte er auf.

»Waldi, hörst du mich?«

Auch Katja griff nach hinten und war kurz darauf ebenfalls damit ausgestattet.

»Hier Hauptquartier! Der Empfang ist ausgezeichnet.«

»Ja, ja. Vor der Stadt steht ein Hubschrauber. Sieht Militärisch aus. Keine Kennzeichen. Hast du da was?«

»Wahrscheinlich eine Erkundung. Ich forsche nach!«

»Mario! Komm schnell her!«

Während Mario gefunkt hatte, ging Katja um den Hubschrauber. Mario kam zu ihr.

»Schau dir das an!«

Sagte sie und zeigte auf den Boden. Da waren Fuss-, aber auch Schleifspuren.

»Da scheint jemand weggeschleift worden zu sein!«

»Denke ich auch. Aber schau mal in das Ding rein!«

Mario schaute durch die Scheibe der Tür. Das ganze Instrumentenbrett war zerstört. Da war jemand mit viel destruktiver Gewalt am Werk gewesen zu sein.

»Sieht so aus, als wollte jemand den Hubschrauber unbrauchbar machen und ist dabei gestört worden.«

Katja nickte und dieser Umstand gefiel ihr gar nicht!

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