Die Suche beginnt

Es dauerte noch eine Zeit, bis wirklich alle Arbeiten an der Megaclite abgeschlossen worden waren. Im Anschluss war das Schiff aber kaum wiederzuerkennen. Krieger ging zusammen mit Tiffany und Ruug durch die Gänge. Alle schwiegen, obwohl sie grosse Augen hatten. Selbst Ruug, der für solche Dinge eigentlich nicht empfänglich war.

»Ich kann es kaum glauben, was die aus dem Schiff gemacht haben!«

»Geht mir auch so Krieger. Alleine, überall dieses glänzende Weiss. Das Schiff sieht so edel aus!«

Krieger blieb stehen und ging auf eine Wand zu. Kaum hatte er sie erreicht erschien darauf genau vor ihm ein Display.

»Total faszinierend. Es ist mir unbegreiflich, dass eine so fortschrittliche Zivilisation unserem Schiff so hoffnungslos unterlegen ist. Die müssten uns eigentlich auslachen.«

»Das verstehe ich auch nicht wirklich. Genau genommen ist es sogar höchst unlogisch!«

»Was du nicht sagst Ruug. Was gefällt dir denn am neuen Look?«

»Tiffany, ich habe da keine wirkliche Meinung zu. Was ich jedoch bislang alles von der neuen Technik gesehen habe, beeindruckt mich wirklich zutiefst. Wenn ich alleine an die Computer denke, die eure Museumstücke ersetzt haben, ist die Megaclite nun um Lichtjahre weiter. Was vorher die ganze Rechenkapazität des Schiffes darstellte, macht jetzt ein einzelner Computer und der wird damit kaum beansprucht.«

»Tiffany, ich habe etwas entschieden. Jetzt, nachdem hier ja soweit Friede herrscht, sollten wir uns auf den Weg machen.«

»Was ist mit diesem Feind?«

»Ach, der braucht noch ewig, bis er hier ankommt. Wenn überhaupt. Ruug, oder irre ich?«

»Nein Kapitän. Das ist soweit korrekt.«

»Also von mir aus gerne. Ich war lange genug hier. Nehmen wir eigentlich unsere Anhalter mit?«

»Baki und Raschniposa?«

»Klar. Ruug wird ja wohl mitkommen wollen, oder?«

»Die Frage ist überflüssig. Ohne dich würde ich die nächste Paarungszeit kaum überleben. Das es eine Freude ist, mich mit dir zu paaren, werde ich …«

»Och bitte, lasst das Thema! Ich will mir gar nicht vorstellen, wie ihr Beide da …«

»Ach Krieger, wenn du eine Frau wärst, würdest du es verstehen. Aber so.«

»Um beim Thema zu bleiben. Ich werde es auf jeden Fall den Beiden anbieten, dass sie mit uns kommen können. Ob sie es aber tun, steht auf einem anderen Blatt.«

Die Beiden waren höchst erfreut, dass sie zum bleiben eingeladen wurden und Beide waren sofort einverstanden. Es gab noch eine kleine Abschiedszeremonie, man überschüttete die Mannschaft mit reden, Lob und so etwas wie Orden, dann waren alle auf ihren Posten und die Megaclite bewegte sich aus dem Raum der Brass heraus.

»Wo soll es hingegen?«

Auf Pamelas Frage hin schaute Krieger zu Ruug. Der glitt zu ihr und legte einen Kurs fest.

»Ich kann nicht dafür garantieren, dass wir dort fündig werden. Doch nach allem, was ich bislang herausgefunden habe, müsste dieses Schiff irgendwo dort zu finden sein.«

»Na prima. Ist alles auf Go?«

»Ja Kapitän!«

»Danke Casper. Dann würde ich mal sagen, geben sie Gas Steuermann!«

Da schon alles bereit war, musste Pamela nur noch auf ein Feld drücken und es ging los.

Auch auf der Brücke war alles so neu. Geblieben war eigentlich nur der Hauptschirm und die Sitze. Alles Andere hatten die Brass und Thori ersetzt. Es gab zwar noch so etwas wie Tastaturen, doch waren die auf der Oberfläche der Pulte mittels eines Lasers projiziert. Das beeindruckend dabei war, die Tasten schienen genau zu wissen, was der Benutzer eingeben wollte. Da die Haptik fehlte, wurde so dennoch eine schnelle und präzise Eingabe möglich. Ausserdem passten sich die Bedienelemente den Bedürfnissen an. Ausser bei Pamela, die lediglich Bedienungen für die Schiffssteuerung hatte. Casper und Barry hingegen konnten auch problemlos ihre Plätze tauschen. Die Bedienelemente konnten dann nach deren Wünsche angepasst werden.

Krieger gefiel besonders, dass er zwar noch seinen alten Sitz hatte, dieser aber so unglaublich aufgerüstet worden war, dass man ihn schon fast als eigenes Raumschiff hätte ansehen können. Auch er war nun dazu in der Lage, verschiedene Bedienelemente mitten in die Luft vor sich zu projizieren. Gleiches galt für ein komplettes Display, welches vor ihm schwebte. Dieses änderte seine Transparenz je nachdem, worauf Krieger seinen Blick fokussierte. Schaute er zum Beispiel zum Hauptschirm, war das Display kaum noch zu sehen. Fokussierte er jedoch das Display, wurde es fast blickdicht.

Die selben Einrichtungen hatte auch Tiffanys Sitz. Während Krieger jedoch das Display benutzte, um sich Daten des Schiffes anzeigen zu lassen, zoomte Tiffany in den verschiedenen Bereichen des Schiffes die interessanten Körperteile der dort arbeitenden Menschen heran. Eine hervorragende Technik, wie sie sich selbst zugestand.

Während in der Krankenstation, in welcher derzeit nur Baki anzutreffen war, für den die Technik nicht mehr beeindruckend zu sein schien, war im Maschinenraum ein gewisser Ray total hin und weg. Vorbei waren die Zeiten, in denen er immer erst an ein Kontrollpult musste, um Werte zu checken. Er hatte eine Art Brillengestell auf der Nase, welches ihm ebenfalls ein Display vor sich projizierte. Doch nicht nur das. Er konnte auch Einstellungen vornehmen, weil ihm die entsprechenden Eingabefelder einfach dort angezeigt wurden, wo er sie brauchte.

Mit einer Sache kam er jedoch nicht zurück. Die Thori hatten seinen ganzen Maschinenraum neu verkleidet. Auch hier war alles weiss, es glänzte und war sauber. Egal was er auch versuchte, er bekam keinen Schmutz auf die Wände. Doch seiner Meinung nach musste ein Maschinenraum dreckig sein! Man sollte nicht nur die Maschinen sehen, sondern es sollten auch nach Möglichkeit überall überall harter Stahl verbaut sein. Treppen, auch wenn es davon in dem Bereich nicht viele gab, sollten aus Gitter bestehen und nicht aus speziellen Materialien, welche nie verschmutzten und immer einen sicheren Halt garantierten. Nein, so hatte ein Maschinenraum nicht auszusehen und er würde einen Weg finden, hier ein bisschen Schmutz zu verbreiten.

Gleichzeitig beobachteten Krieger und Tiffany den Maschinenraum. Krieger beobachtete Ray und fand es richtig toll, dass er nun auch eine Sichtverbindung in diesen Bereich hatte. Tiffany hingegen fragte sich nur, wann sie sich wieder Raschniposa vornehmen würde.

»Krieger, erzählen sie doch mal. Was genau haben sie vor, wenn wir dieses Schiff finden.«

»Es heisst Kapitän Krieger Barry!«

Barry musste lachen. Auch Tiffany und Pamela lachten auf.

»War das witzig?«

»Schon irgendwie. Der Titel würde mir gefallen. Kapitän Krieger Barry! Klingt geil!«

»Bitte?«

»Na, ich bin ein Krieger und wenn sie mich zum Kapitän machen, wäre ich ja ein Kapitän Krieger vom Rang her, oder?«

Kriegers liess mal wieder seinen Kopf in seine Hände sinken. Warum musste die beste Crew, die er je befehligte, nur aus solchen Flachzangen bestehen?

»Kriegt der Kollege auch eine Antwort?«

Krieger schwieg.

»Ich habe einen interessanten Fakt in den Datenbanken des Schiffes entdeckt. Im Unterhaltungsbereich habe ich eine, wie ihr sagen würdet, uralte Fernsehserie gefunden. In dieser gibt es ebenfalls einen Krieger, einen Barry, eine Pamela und einen Ray!«

Kriegers Kopf sank noch ein wenig tiefer in seine Hände. Ja, er wusste von dieser Serie. Archer hiess sie und auch dort waren die Angestellten eines Geheimdienstes genauso verstörend unprofessionell, wie seine Mannschaft. Es gab nur einen Unterschied. Während in der Serie kaum ein Auftrag erfolgreich beendet worden war, konnte seine Mannschaft mit Erfolgen geradezu glänzen. Um aber nicht weiter auf das Thema eingehen zu müssen, gab er nun doch eine Antwort.

»Wir machen daraus unser Zuhause. Von dort werden wir Erkundungen durchführen, eventuell weitere Raumschiffe beschaffen, Gleichgesinnte beherbergen und so weiter. Vielleicht können wir sogar Handel etablieren.«

»Definieren sie doch bitte mal den Begriff Gleichgesinnte.«

»Ganz einfach. Lebewesen, denen es geht wie uns. Die keine Heimat mehr haben usw.«

»Alles unter den Richtlinien der GemSpa?«

Krieger lachte.

»Nein Barry! Alles unter den Richtlinien der Megaclite!«

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.