Die Vertäge

Ohne jegliche Kampfhandlung erreichte die Megaclite den Heimatplaneten der Thori. Der Anführer wurde in seinen Regierungssitz transportiert, dann hiess es warten. Lange warten!

Es vergingen tatsächlich Tage, in denen nichts geschah. Nichts, von den Schiffen abgesehen, die sich in Angriffsposition um die Megaclite in Stellung brachten. Krieger sass auf der Brücke und eine taktische Ansicht flimmerte auf dem Hauptschirm.

»Wie viele sind es mittlerweile?«

»Gut 500 Opfer Krieger!«

»Kapitän Krieger!«

»Wie auch immer!«

»500 Schiffe und keine Gefahr. Das ist schon irgendwie lustig.«

Krieger schaute zu Tiffany rüber, die in ihrer obligatorisch zerlegten Uniform mit dem Bein über der Armlehne da sass und an ihrem Fingernagel kaute.

»Um der Wahrheit die Ehre zu geben, die Macht, die wir hier haben, reizt schon ausgenutzt zu werden.«

»Ich müsste nur ein paar Torpedos …«

Krieger unterbracht den euphorischen Barry.

»So war das nicht gemeint! Menschenskind Barry! Was läuft nur schief bei ihnen!«

»Kapitän, eine Nachricht vom Planeten!«

Krieger schaute irritiert zu Casper. Insgeheim hatte er schon nicht mehr damit gerechnet, dass er etwas von dem Thori hören würde.

»Dann auf den Schirm!«

Krieger stand auf, als das Bild erschien. Das vertraute Gesicht des Thori-Oberhauptes war zu sehen.

»Kapitän, ich habe den Vertrag ausarbeiten lassen. Darf ich sie, den Ältesten und wen auch immer sie mitbringen wollen einladen? Der Älteste möchte sich bitte den Vertrag durchlesen, eventuelle Änderungen vorschlagen und unterzeichnen!«

Krieger konnte es nicht glauben. Dennoch hatte er in Windeseile ein Aussenteam zusammengestellt und den Ältesten informiert. Zusammen trafen sie sich im Transporterraum und waren kurz darauf im Arbeitszimmer des Thori. Das Aussenteam bestand dabei lediglich aus Casper. Irgendwie war es in Kriegers Augen das einzige Besatzungsmitglied, welches bei diplomatischen Gesprächen keinen Schaden anrichten konnte. Der Älteste schaute sich um.

»Nie hätte ich es zu träumen gewagt, einmal in Freiheit hier stehen zu dürfen. Haben sie Dank Kollege. Ich glaube, hier und jetzt beginnt eine neue Ära unserer Völker.«

»Das kann ich ihnen sogar garantieren, Ältester. Es hat etwas gedauert, mein Volk von meiner Wiedereinsetzung zu überzeugen und noch länger, ihnen den Sachverhalt zu erklären. Viele sind nach wie vor der Meinung, die Versorgungspolitik der Brass sei verachtenswert. Doch rechtfertigen sie im Grunde keinen Krieg und noch weniger die bevorstehende Vernichtung. Der Vertrag, den wir ausgearbeitet haben, bescheinigt den Brass absolute Gleichberechtigung zu uns. Ein eigenes Volk mit dem Recht Handel über die Grenzen zu treiben und eine eigene Kultur zu pflegen!«

»Dann möchte ich mir den Vertrag gerne anschauen!«

»Einen Moment noch Ältester. Kapitän Krieger. Auch sie und ihr Schiff werden in diesem Vertrag Berücksichtigt. Wir, die Thori, räumen der Megaclite das Recht ein, jegliche Technologie von uns nutzen zu dürfen. Im Gegenzug ist es ihre Aufgabe, uns gegen übermächtige Feinde zu schützen. Uns und die Brass natürlich!«

Krieger nickte. Der Älteste bekam den Vertrag und fing an zu lesen. Noch bevor er geendet hatte, sackte er zusammen. Wenige Absätze später rannen Tränen aus seinen Augen. Schliesslich drückte er seine Handfläche auf den Vertrag, auf dem sofort so etwas wie eine Unterschrift zu sehen war. Neben der des Thori, so nahm Krieger an.

»Ist alles in Ordnung Ältester?«

Dieser schaute mit verheulten Augen zu Krieger.

»Kapitän, was ich hier in Händen halte ist nichts anderes als der Traum meines Volkes. Frieden mit unseren Nachbarn. Die Möglichkeit, uns frei über die Grenzen bewegen zu können und überall als gleichberechtigt angesehen zu werden. Ja, es ist das Licht, in welches sie uns führen wollten. Sie haben Wort gehalten!«

»Na, noch nicht! Erst, wenn auch der Kapitän den Vertrag gezeichnet hat!«

Krieger schaute an dem Ältesten vorbei auf den Vertrag. Zwar hatte er keine Ahnung, was darin stand, aber eine Wahl hatte er schliesslich auch nicht. Er streckte seine Hand aus und bekam das Schriftstück ausgehändigt. Ob es funktionieren würde wusste er zwar nicht, aber er legte die Hand darauf. Tatsächlich prangte kurz darauf auch seine Unterschrift unter dem Vertrag.

»Ohne ihn zu lesen?«

Fragte der Thori schockiert. Krieger, der nur einfach keine Lust hatte, alles zu lesen, lächelte.

»Das nennt sich Vertrauen!«

Der Älteste stand etwas schwerfällig auf.

»Bringen sie mich nach Brassika Kapitän. Ich möchte mein Volk informieren!«

»Kapitän, erweisen sie mir die Ehre, sie mit meinem Flaggschiff begleiten zu dürfen!«

Krieger dachte nach. Das würde eine Verzögerung bedeuten.

»Gegenvorschlag. Sie fliegen auch mit uns und ihr Flaggschiff kommt mit Eskorte hinterher. Es soll als Zeichen verstanden werden. Sie kommen mit uns und werden von ihrem Schiff abgeholt. Wenn sie damit friedlich den Raum der Brass verlassen, könnte sich das positiv auswirken!«

»Sie sind weise, Kapitän!«

Sprach der Älteste. Krieger war fasziniert. Er wollte nur Zeit sparen und wurde deshalb als Weise angesehen. Irgendwie, seine Mannschaft übte einen guten Einfluss auf ihn aus.

Der Flug nach Brassika dauerte nicht lange. Dort wurde kein Aufheben um die Ankunft des Schiffes gemacht. Ungehindert erreichte die Megaclite den Planeten, schwenkte in einen Orbit ein und Krieger liess sich mit dem Ältesten in die grosse Halle transportieren. Es gab ein wenig Tumult, da die Mitglieder offensichtlich nicht ganz zufrieden mit Kriegers Vorgehen war, doch der Älteste hatte die Lage schnell unter Kontrolle. Dann nahm er seinen Platz ein. Krieger stellte sich in die Mitte.

»Kapitän, bringen sie bitte unseren Gast zu uns!«

Krieger nickte, tippte etwas auf seinem Arm und der Thori tauchte neben ihm auf. Sofort herrschte Ausnahmezustand und es wurde nach den Wachen gerufen. Ohne etwas zu sagen brachte der Älteste seine Kollegen jedoch zum schweigen. Dann fing er an die Neuigkeiten zu berichten. So, dass auch Krieger und der Thori sie verstehen konnten. Die Gesichter seiner Kollegen versteinerten. Erst, als er geendet hatte, erklang eine leise, fast schon ehrfürchtige Stimme.

»Können wir den Vertrag sehen?«

Wo genau der Älteste diesen versteckt hatte, konnte Krieger nicht erkennen. Doch er zog ihn hervor und hob ihn wie ein Relikt über seinen Kopf. Auch hier sah Krieger viel Wasser in den Augen der Anwesenden stehen.

»Es ist nun an uns, einen Vertrag von unserer Seite zu fertigen. Die Thori sollen die gleichen Rechte erhalten, wie wir sie bekommen haben. Auch die Megaclite soll in gleichem Masse behandelt werden. An die Arbeit!«

Das ging alles deutlich schneller, als es bei den Thori abgelaufen war. Schnell war ein Schriftstück erstellt und vom Ältesten gegengelesen, sowie unterzeichnet worden. Er kam zu dem Thori und überreichte es ihm. Dieser schaute Krieger an und drückte seine Hand darauf.

»Dieser Frieden soll mit Vertrauen beginnen!«

Wieder musste der Älteste kämpfen, um auf den Beinen zu bleiben. Er hatte viel, viel mehr erreicht, als er jemals zu träumen gewagt hatte. Dann drückte auch Krieger seine Hand auf den Vertrag.

Tage vergingen, in denen die Besatzung der Megaclite von einer Feier zur nächsten geschleppt wurde. Erst bei den Brass, an welchen auch der Thori teilnahm. Dieser wurde dann von seinem Schiff abgeholt, was wieder etwas Unruhe in die Reihen der Brass brachte. Doch wie versprochen, zog er mit seinem Schiff ab, ohne dass auch nur eine Waffe aktiviert worden war.

Die Feierlichkeiten gingen auf der Heimatwelt der Thori weiter. Die Megaclite war schnell vor Ort, auf das Schiff des Ältesten musste etwas gewartet werden.

Dann endlich. Nachdem wirklich jede Facette des Vertrages ausgiebig abgefeiert worden war, kehrte Normalität ein. Nun, so etwas ähnliches zumindest. Die Megaclite war fortan eine Baustelle. Wirklich alles, was die beiden Völker an Fortschritt zu bieten hatte, wurde in die Kiste eingebaut. Stellenweise flog sie halb zerlegt zwischen den Thori und den Brass hin und her, um die Umbauten zu erleichtern. Mit jeder Neuerung, die dem Schiff zuteil wurde, fühlte Krieger sich besser. Die Kampfkraft erhöhte sich dadurch nur gering, doch die Effizienz stieg immer weiter. Ach wie gerne hätte er das Schiff seinen Vorgesetzten auf der Erde gezeigt.

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