Alltag

Manchmal ist es erstaunlich, wie schnell der Alltag wieder einkehren kann. Die Freunde waren kaum zuhause, es dauerte weniger als 24 Stunden, da schien nie etwas gewesen zu sein. Katja stand vor Perry auf und machte Frühstück. Sie unterhielt sich in dieser Zeit mit Waldemar, der wie gewohnt an seinem Rechner sass und arbeitete. Dann kam Perry, genoss noch das Frühstück mit seiner Frau, bevor die sich nach AAA verzog. Bald schon kam Donald und zerrte Perry wieder zum Sport.

Bei AAA war es ein bisschen anders. Katja schlurfte hinein, kuschelte sich aufs Sofa und döste. Claudia hingegen war schon wach und arbeitete fast schon verbissen an ihrem Blog. Der brauchte noch mehr Reichweite. Zum Einen wegen ihrer neuen Geschäftsidee natürlich. Aber auch, weil es ihr echt Spass machte, damit Werbeeinnahmen zu generieren. Sie war zwar noch nie so wie Katja gewesen, für die quasi jede Uhrzeit zu früh zum aufstehen war, doch sich so in die Arbeit zu stürzen wich von ihren Gewohnheiten etwas ab. Aber nicht besonders viel.

Elena hingegen war wie immer. Sie hatte die Augen geöffnet, sich ihr Handy geschnappt und Line gestartet. Dort war die Gruppe schnell geöffnet und es ging los. Aber mit Elan. 15 Minuten später war schon klar, wer sie wann in der Kommune durchnehmen würde. Katja las die Nachrichten mit, gab hier und da auch Antwort, doch irgendwie, ihr fehlte da etwas. Dieser Konkurrenzkampf mit ihren Freundinnen. Elena hatte soweit alles schon für sich geregelt, Claudia schien sich vorerst raus zuhalten und Maia schien das nehmen zu wollen, was da war.

Trotzdem ging nicht ganz eine Stunde später die Party schon los. Elena und Katja erreichten als Erste die Kommune, die wie geleckt aussah. Klar, wofür bezahlten ihre Eltern auch die Putzkräfte? Sie lümmelten sich aufs Sofa, dann kam Claudia. Kaum hatte sie die Wohnungstür geschlossen, klopfte es auch schon. Claudia, die noch an der Tür stand, öffnete lächelte den jungen Mann an, nahm ihn an der Hand und war verschwunden. Katja und Elena schauten sich ungläubig an, doch dann kam auch schon Nachschub.

Während Perry und Donald von dem Trainer gequält wurden, hatten die Mädels richtig viel Spass. Auch Maia hatte sich inzwischen zu ihnen gesellt und gab sich niederen Trieben hin. Alles, während Waldemar an seinem PC sass und tippte. Ja, fast alles war wieder normal.

Nach dem Mittagessen war Waldemar wieder als Erster an seinem Arbeitsplatz. Perry und Donald räumten noch das Geschirr weg, dann setzten auch sie sich an ihre Rechner.

»Meine Herren, ich habe mich auf den neusten Stand gebracht. Unser Produkt läuft faktisch auf Autopilot. Die Zahl der Kunden steigt stetig. Sei es in der Grundversion, oder der von Markus ins Leben gerufenen Server-Variante. Ich habe auch das Support-System kontrolliert und konnte keinen Fehler feststellen. Ergo, wir bekommen keine Anfragen, weil offensichtlich niemand einen Grund für eine solche Anfrage hat. Unser Produkt scheint selbsterklärend und intuitiv. Der Traffic ist gigantisch und die Zahl der aktiven Nutzer hat die für mich als kritische Masse klassifizierte Grenze weit überschritten. Wenn man meine anfängliche Prognose zugrunde legt, dann sind wir diesem Zeitplan um runde 30 Jahre voraus.«

»Ach nee. Hat sich der kleine Waldi da etwa verrechnet?«

»Nein, mein lieber Freund Donald. Ich habe mich keines Wegs verrechnet. Nur einige, offensichtlich sehr wichtige Variablen, waren mir im Vorfeld nicht bekannt. Was nicht unlogisch ist, schliesslich haben wir keinen Zugriff auf Interner unserer Kunden.«

»Gib es doch einfach zu, dass du auch mal nicht getroffen hast!«

»Ich würde es sofort zugeben, mein lieber Freund Perry, wenn dem so wäre. Doch dem ist nicht so. Aufgrund der mir vorliegenden Daten war meine Prognose absolut zutreffend!«

Donald lachte.

»Lass es Perry. Du kannst jetzt irgendeine Aussage aufstellen und hinterher behaupten, sie wäre unter diesen und jenen Bedingungen richtig gewesen. Man kann es nicht überprüfen, also bleibt es beim Schrödinger.«

»Die Katze ist tot!«

Sagte Perry und schaute dabei Waldemar an.

»Das kannst du nicht wissen, mein lieber Perry! Du kannst die Kiste nicht öffnen und hineinschauen!«

»Bingo! Du auch nicht!«

»Aber …«

Waldemar grummelte.

»Von der Logik geschlagen. Was für eine Welt!«

In der Kommune fing etwas an, die Stimmung zu trüben. Kincaid war aufgetaucht. Doch schien er seinen Platz als Beamter nicht einnehmen zu wollen. Vielmehr quetschte er die Mädels, wann immer er konnte, bezüglich Janine aus. Natürlich wurde er darauf hingewiesen, sie doch anzuschreiben, anzurufen, oder sonst wie mit ihr in Kontakt zu treten, doch schien er das schon getan zu haben und dennoch war er unglaublich neugierig.

Elena machte es sich einfach. Sie sagte ihm, wenn er mehr wissen wollte, dann müsse er sie ficken und spritzen. Erst nach seinem Orgasmus würde sie erzählen.

Katja, Claudia und Maia hielten diese Forderung für gemein. Kincaid war ja dafür bekannt, dass er quasi unbegrenzt aktiv sein konnte und nur ganz gewisse Punkte, die eigentlich nur Janine erreichen konnte, ihn zum Höhepunkt brachten. Nichts desto weniger, er ging darauf ein und Elena hatte ihren Spass.

Es ging schon auf den Feierabend zu, als Katja ihren letzten Fick in der Kommune beendet hatte und aufs Sofa stürzte. Noch nackt. Maia, ebenfalls nackt, sass schon da.

»Und? Auf deine Kosten gekommen?«

»Aber klar Katja. Das ist alles so herrlich unkompliziert hier! Ich hab auch mal geschaut. Ein paar der hier benutzten Kondome kann man direkt in der Fabrik bestellen. Zwar nur in Händlergrösse, aber die kriegen wie ja schnell klein. Das würde ziemlich viel sparen.«

»Echt jetzt? Eben gefickt worden und du denkst ans Geschäft?«

»Ja. Ich denke immer ans Geschäft, wenn sich mein Gefühl meldet.«

»Oh ne. Dein Gefühl hat sich gemeldet? In welcher Hinsicht?«

»Ganz einfach. Ganz in der Nähe von Viper gibt es einen Betrieb, der Kondome herstellt. Sehr gute sogar. Aber, der Laden ist fast im Arsch. Schlechtes Management. Ich könnte mich dort problemlos einkaufen.«

»Und dann ziehst du den Karren aus dem Dreck?«

»Ich? Ach was. Ich investiere doch nur. Nein. Pascal!«

»Pascal? Der hat doch genug zu tun.«

»Genau! Mir seinem?«

Katja verstand.

»Erotic-Store.«

»Bingo! Er könnte seine eigene Marke in seinem Laden vertreiben und wir uns dort eindecken.«

»Dann wüssten wir auch direkt, wen wir im Falle einer ungewollten Schwangerschaft oder Krankheit in den Arsch treten müssen.«

Maia kicherte.

»Ja. Genau. Ausserdem hätte er dann direkt Versuchsobjekte, die neue Produkte testen würden.«

Da wurde es Katja ganz warm ums Herz. Ein Versuchsobjekt. Sie würde Sex haben, um Kondome zu bewerten. Nicht, weil sie Sex haben wollte, sondern weil sie ein Versuchsobjekt war. Ja, so gefiel ihr das.

»Na, dann leier das mal an, damit ich mich zur Verfügung stellen kann!«

»Ich wusste, dass ich dich damit kriege!«

Grinste Maia.

»Wieso? Brauchst du mein Einverständnis?«

»Nein, natürlich nicht! Aber die Meinung meiner Schwester.«

»Wow! Vorsichtig mit der Wortwahl! Wir sitzen hier gerade frisch gebürstet noch nackt auf dem Sofa. Also bitte keine Inzest-Anspielungen!«

Maia lachte.

»Ach verdammt. Wie soll ich es denn sonst nennen? Eure Meinung ist mir eben mittlerweile super wichtig.«

»Du bist echt eine Marke. Auf der einen Seite so niedlich und liebevoll, auf der anderen Seite knallharte Geschäftsfrau die mehr Kerle heute genagelt hat als ich.«

Maias Blick wurde diabolisch.

»Genagelt? Geliebt, meine liebe Katja! Geliebt! Fast alle haben mich beim Orgasmus in den Arm genommen und geweint!«

»Du kleiner Teufel!«

Grinste Katja.

»Du legst es echt immer drauf an, dass es sich für die wie lieben anfühlt, kann das sein?«

»Aber natürlich! Ficken kann jeder. Aber quasi einem wildfremden das Gefühl zu geben, geliebt zu werden und die Liebe zu vollziehen, dass ist eine ganz andere Hausnummer.«

»Und hinterher das Herz brechen.«

Der Blick von Maia liess Katja erschaudern.

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.