Wieder daheim

Ach ja, da war ja was. Irgendwann kam der Moment, wo sich die Gruppen wieder trennen mussten. Die Heinzforter blieben logischerweise gleich in Heinzfort, während der Rest weiter nach Neunburg und dann nach Brücken düste. Die Wohnmobile blieben dabei unter der Kontrolle von Amy und ihren Leuten, da sie diese einfach auf die neue Rennstrecke parken wollten. Da war schliesslich genug Platz.

Doch, so schön der Urlaub auch war, genauso schmerzhaft war schliesslich der Abschied. Alle waren es mittlerweile gewohnt, die Anderen ständig um sich zu haben und das war nun einfach wieder weg.

Die Stimmung änderte sich jedoch schlagartig wieder, als die Freunde die Wohngemeinschaften wieder betraten. Kaum waren sie aus dem Aufzug gestiegen, waren allesamt wieder fröhlich.

»Ich haue mich jetzt direkt in die Wanne! Das muss jetzt einfach sein!«

Claudia schob sich dabei an die Wohnungstür, damit auch ja keiner auf die dumme Idee kam, ihr bei ihrem Vorhaben zuvorzukommen. Eigentlich gab es da ja keine Probleme, denn selbst wenn sich jemand schneller in ihre Badewanne gelegt hätte, als sie es konnte, sie hätte auch im Tierheim, oder eine der Wohnungen im Stockwerk darunter die Badewanne nutzen können.

»Cool, ich komme mit!«

Sagte Donald… Claudia bekam ein leichtes Strahlen in die Augen.

Im Tierheim ging es anders zu. Kaum waren die Jungs durch die Tür, eilte Waldemar zu seinem Computer und startete ihn. Wie ein Suchtkranker, der jetzt endlich wieder seine Drogen bekam.

»Du könntest ja zuerst auspacken!«

Warf Perry ein.

»Mein lieber Freund Perry. Vergiss bitte nicht, wir haben ein Unternehmen zu führen. In den letzten Wochen haben wir dabei die Kundschaft fast schon sträflich vernachlässigt und ich halte es für meine Pflicht, dass ich mich nun umgehend um eingegangene E-Mails kümmere!«

So Unrecht hatte Waldemar da jetzt nicht. Tatsächlich war es ja nun schon öfters vorgekommen, dass sie für längere Zeit nicht wirklich gut zu erreichen waren. Doch kaum hatte Waldemar sein System gestartet und seine E-Mails abgerufen, stutzte er.

»Sehr eigenartig. Nicht eine E-Mail eines Kunden!«

Das konnte Perry nicht glauben. Er warf sein Zeug achtlos auf den Boden und aktivierte seinen Computer. Als dieser gestartet war, konnte auch er keine E-Mails im Posteingang feststellen.

»Unser Programm wird aber genutzt, oder?«

»Diese Frage habe ich mir ebenfalls gestellt und kann dir versichern, der Traffic auf dem Server ist sehr hoch.«

»Bedeutet das etwa, in der ganzen Zeit hatte kein Kunde etwas zu bemängeln, zu erfragen, oder so kommentieren?«

»Nun, mein Freund, es ist nur eine Vermutung, mit der ich dir antworten kann, doch es scheint so zu sein. Offensichtlich ist unser Produkt von derart schlagender Qualität, dass es nichts zu bemängeln gibt. Wobei ich auch sagen muss, ich habe nichts anderes erwartet!«

Natürlich hatte er das nicht. Da war sich Perry sogar sicher. Seine Protokolle waren eben auch einsame Spitze. Doch bestand die Software ja nicht nur aus seinen Protokollen. Alles drum herum hatte Perry gebaut, während das Design der virtuellen Räume auf Donald zurückging. Es war also durchaus möglich, dass da irgendwo etwas nicht zu 100% perfekt war. Dem schien jedoch nicht so zu sein.

»Ist schon schön, wieder zuhause zu sein.«

»Dabei wohnst du noch gar nicht lange hier Maia.«

»Na ja, zuhause ist da, wo man sich zuhause fühlt und ich fühle mich hier absolut zuhause Elena.«

»Und dabei war das ja nicht einmal unsere erste Wahl!«

Kicherte Katja.

»Nein?«

»Nein Maia. Aber irgendwie hat es uns doch hier her gezogen. Unser Lebenswandel hat sich zwar seither doch schon stark geändert, aber die Verluste werden durch die Gewinne durchaus ausgeglichen. Was meinst du Katja?«

»Das du zu oft mit Waldi abhängst. Deine Ausdrucksweise ändert sich ja schon. Davon aber abgesehen, ja, da bin ich ganz deiner Meinung. Wir sind zwar nicht mehr so aktiv auf den Veranstaltungen, aber gefickt werde ich trotzdem genug.«

»Klar. Ich hab dazu noch einen ins Bett bekommen, der bis vor kurzem noch absolut gegen Intimitäten war. Das muss mir mal jemand nachmachen!«

»Trotzdem sollten wir mal in der Gruppe horchen, was bei denen so los ist.«

»Hab ich schon Katja. Die überschlagen sich fast.«

Maia und Katja schauten sich an. Wie konnte Elena etwas in der Gruppe gefragt haben, ohne dass die Beiden es mitbekommen hatten? Sie holten ihre Handys hervor und sahen das Problem. Die Dinger waren leer und folglich aus.

»Boah. Das wäre mir früher nicht passiert!«

»Mir passiert es jetzt auch nicht! Du lässt nach!«

»Ich lasse nach Elena? Eher würde ich sagen, mein Tag hat nicht genug Stunden!«

»Der hat genauso viele wie meiner.«

»Hört auf zu streiten. Ich lade jetzt mein Handy, gehe auspacken und dann sehen wir weiter.«

Donald und Claudia unterhielten sich weniger. Das mochte aber auch daran gelegen haben, dass man mit prallem Schwanz im Mund nicht sonderlich gut sprechen kann. Donald hingegen hörte wieder diesen Engelschor und auch wenn er hätte reden wollen, seine Gehirn war nicht dazu in der Lage, grossartige Signale zu senden.

Doch auch wenn Claudia ihre gewohnte Leistung an Donald weiter gab, ihre Gedanken waren woanders. Wo sollte sie hier kochen, wo bekam sie das Equipment und die Zutaten her? Würde der Vertrieb über ihren Blog funktionieren?

Ihr Blog. Da musste sie auch noch nachlegen. Zwar hatte sie auch im Urlaub geschrieben, aber doch eher kurz und nicht jeden Tag. Da musste sie definitiv wieder mehr Gas geben, sonst rannten ihr die Leser davon. Das Internet war schliesslich schnelllebig und wenn man da mit dem Content sparte, war schnell die Popularität futsch. Das wollte Claudia auf keinen Fall riskieren. Nicht nur, weil sie ja auf diese Weise auch ihre Drogen an den Mann bringen konnte, sondern auch, weil sie den Blog hart erarbeitet hatte und ihn nicht einfach aufgeben wollte.

»Wenn mir die Frage erlaubt ist, was tust du da, mein lieber Freund?«

»Eine Nachricht schreiben?«

»Nun, soweit bin ich im Bilde. Auch das diese an Veronika adressiert ist. Doch, was schreibst du?«

»Ob dich das was angeht? Na, egal. Ja, ich schreibe Vero. Ich will wissen, wie es bei ihr so läuft mit ihrem Shop-System. Ob sie was von der Kundschaft mitbekommen hat und so.«

Waldemar schüttelte den Kopf.

»Mein lieber Freund. Wie immer bin ich dir schon um Längen voraus. Diese Fragen habe ich schon gestellt. Doch bislang keine Antwort bekommen.«

Eigentlich hätte Perry sich das denken können. So konnte er seine Gedanken jedoch schweifen lassen, die ganz schnell beim Garzella ankamen.

»Sollen wir nachher mal nach dem Auto schauen gehen?«

»Nun, wieder bin ich dir voraus, mein lieber Perry. Ich habe einen Besuch in unserer Werkstatt für 16:15 Uhr eingeplant. Mein dortiges Arbeitsgerät wird nach einem Update verlangen. Ausserdem wird es von Nöten sein, Staub zu wischen. Wir waren eine ganze Zeit nicht dort!«

Gut. Das Thema war auch durch, also konnte sich Perry erneut einem anderen Thema widmen. Zabrovst.

Im offiziellen Internet war nichts zu finden. Doch war Perry auch dort unterwegs, wo sich die illegalen Dinge abspielten. Nein, nicht in diesem Deep-Web, oder Dark-Web. Nein, Perrys Netzwerke funktionierten gänzlich ohne das Internet. Sein Computer musste eine spezielle Nummer wählen, die ihn mit einem ganz eigenen Netz verband. Nicht so gross wie das Internet, dafür aber zu 100% frei jeglicher Überwachung. Ein Netzwerk, für dessen Teilnahme man Empfehlungen brauchte.

Doch auch wenn es ein in privater Hand befindliches Netz war, die Menge an Daten war heftig. Tatsächlich wurde er sogar fündig. Doch was er fand, gefiel ihm im ersten Moment so gar nicht. Anscheinend war Zabrovst noch viel geheimnisvoller und verstörender, als er es sich ausgemalt hatte. Er fand einen Bericht eines Augenzeugen, der seinen Text in seiner Cloud gespeichert hatte. Angeblich hätte er gesehen, wie Schatten sich bewegt hätten. Schatten von Humanoiden, doch war überhaupt niemand zu sehen. Ausserdem bewegten sich die Schatten nicht so, wie es von der Lichtquelle vorgegeben war. Perry hörte auf zu lesen. Das war dann doch ein bisschen zu viel für ihn.

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