Das sind die Drogen!

Katja konnte es nicht glauben. Sie lag noch gute vier Stunden wach im Bett und versuchte sich krampfhaft an die Geschehnisse zu erinnern. Keine Chancen. Dabei gab es bei Snowwhite doch angeblich keine solchen Reaktionen! Na allem, was Katja bislang darüber gehört hatte, war das doch mit ein Grund, warum die Leute es so gerne nahmen. Man hatte die geilsten Erlebnisse und konnte sich im Anschluss auch noch daran erinnern. Vielleicht hatte Claudia da etwas nicht richtig gemacht?

Dann endlich. Draussen waren Geräusche zu hören und diese eine, genervte Stimme war die von Amy. Wie mit einem Gummi gezogen schnellte Katja nach oben, warf sich ein Shirt über und eilte nach draussen.

»Na? Filmriss?«

Katja schaute total entgeistert zu Pascal. Woher wusste der das?

»Woher weisst du?«

Pascal schmunzelte.

»Na, es ist kurz nach acht und du schon so munter. Das heisst für mich, du hast überhaupt keine Ahnung, warum du im Bett warst und es schon der nächste Tag ist.«

»Ja. Ganz toll. Fühl dich ruhig lustig! Amy, ich brauche dich!«

Amy, die genervt von der frühen Morgenstunde war, liess sich von Katja ein Stück von von den Wohnmobilen wegziehen.

»Hallo? Für so etwas bin ich noch nicht in Stimmung!«

»Mich egal Amy! Erzähl mir, was war da gestern bei Fabrizio?«

Amy fing an zu erzählen und ihren Ausführungen nach, hatte Katja wohl vergangene Nacht das Sex-Erlebnis ihres Lebens. Auch Amy kam nicht umhin zu bemerken, dass Fabrizio eine ganz besondere Art hatte, wenn er eine Frau nahm. Es war wohl nicht das Beste, was sie bis dato erlebt hatte, rangierte aber ziemlich weit oben. Amy fing an, das Erlebte noch weiter ins Detail zu bringen.

Gleichzeitig kam eine Claudia aus einem der Wohnmobile gekrochen.

»Kann mir mal jemand sagen, was passiert ist?«

»Klar. Die Erde ist eine Kugel und dreht sich um sich selbst, während sie um die Sonne kreist. Dadurch entstehen, alle 24 Stunden, Tag und Nacht. Oder besser gesagt, einmal befindet man sich auf der vom Licht getroffenen Seite der Erde, nennt man Tag, einmal auf der abgewandten Seite, auf die kein Licht fällt. Das wäre dann die Nacht. Wir sind jetzt in der Phase, wo wir im Licht sind.«

»Boah. Ein Klugscheisser um die Uhrzeit? Alter, warum ist schon wieder Morgen?«

»Das habe ich doch gerade ausgeführt?«

Claudia wünschte sich in dem Moment, dass sie auch Kampfunterricht genommen hätte. Zu gerne hätte sie Pascal eine gescheuert.

»Alter! Ich weiss nichts mehr, seit ich mein Zeug genommen habe! Das war so nicht der Plan!«

»Ach ja du, die Reinheit des Produktes. Mach dir mal keine Sorgen, wenn du dir mal eine richtige Küche eingerichtet hast, verschwinden solche Effekte. Einfach ein wenig Verunreinigung. Nichts schlimmes.«

Da kamen Viper und Derrick gleichzeitig aus den Wohnmobilen gekrabbelt.

»Du auch schon wach?«

»Jupp. Brutal geiler Trip, oder Viper?«

Viper hob den Daumen.

»Moment Mal! Ihr könnt euch erinnern?«

Viper schaute Derrick an, dann beide wieder Claudia.

»Ja, warum?«

»Alter, was ist das für eine Scheisse? Warum könnt ihr euch erinnern und ich nicht?«

»Ich auch nicht Claudi, mach dir nichts draus.«

Claudia erschrak. Hinter ihr war Elena fast lautlos herangekommen.

»Wie jetzt? Nur wir Beide haben einen Filmriss?«

»Nö. Katja quetscht gerade Amy aus. Aber macht euch keinen Kopf! Das ist echt nicht schlimm! Pennys Chemiker hat das auch nicht auf Anhieb auf die Reihe bekommen. Dagegen ist dein Produkt fast schon rein! Bis auf eben die paar kleinen Nebenwirkungen!«

»Wie bitte? Kleine Nebenwirkungen Pascal? Wenn ich ein schwarzes Loch von mehreren Stunden im Kopf habe, dann ist das keine kleine Nebenwirkung! Dann ist das grosse Scheisse!«

»Jetzt reg dich doch nicht so auf Mensch! Das sind nicht die ersten Stunden, die du verloren hast!«

»Nein! Aber die Ersten, die ich bereue! Jetzt habe ich endlich dieses Zeug mal genommen und weiss nichts mehr davon. Voll der Blödsinn!«

»Meine Damen. Ich verstehe nicht so ganz, wo genau euer Extrem gerade liegt. Ihr habt bewusstseinsverändernde Chemikalien zu euch genommen. Diese haben, so wie ich das recherchieren konnte, diverse Effekte auf euer vegetatives Nervensystem genommen und auch das Gehirn zur Ausschüttung etlicher Hormone angeregt. Es war also anzunehmen, dass es auch zu Nebeneffekten führen kann. Wie auch beim Alkohol, ist das Gehirn bei einer derartigen Überflutung von Hormonen irgendwann nicht mehr dazu bereit, Informationen vom Kurzeit- in das Langzeitgedächtnis zu übertragen. Oder es wurden so viele Hormone ausgeschüttet, dass diese Übertragung einfach nicht mehr zustande gekommen ist. Auf jeden Fall ist es in meinen Augen nur logisch, dass es zu solchen Ausfallerscheinungen kommen kann. Wiedereinmal für mich ganz klar die Frage, warum tut man seinem Körper etwas derartiges an?«

Claudia schaute abschätzend zu Waldemar.

»Waldi, lern du mal zu leben, dann reden wir weiter!«

Waldemar rieb sich das Kinn.

»Eine Frage bezüglich deiner Logik, meine teure Freundin. Du sagst, ich solle anfangen zu leben. Offensichtlich willst du mir damit sagen, im Vergleich zu dir tue ich nichts, was mir ein erfülltes Leben bieten könnte. Demzufolge muss das, was du tust, erfüllender sein. Doch frage ich mich in dem Zusammenhang, ich kann mich noch sehr wohl daran erinnern, was gestern Nacht hier passiert ist. Wann und wie ich ins Bett bin und ähnliches. Du hingegen scheinst Stunden deines Lebens verloren zu haben. Ja, in der letzten Nacht warst du, genau wie meine Elena auf eine bezaubernde Art gut drauf. Doch worin genau liegt da nun der Nutzen? Das, was uns aus macht, sind die Summe unserer Erfahrungen. Doch du hast aus der letzten Nacht keine mitnehmen können! Ja, als die letzte Nacht noch Gegenwart war, schien es dir hervorragend zu gehen. Doch nun ist es Vergangen hat und der für dich einzige Weg, daraus zu schöpfen, wäre die Erinnerung. Die fehlt dir jedoch. In welcher Hinsicht ist also das, was du erlebt hast, mehr Leben, als meine Variante?«

Claudia verschränkte die Arme und wollte zu einer Antwort ansetzen. Elena, die ein kleines bisschen hinter Waldemar stand, schüttelte nur den Kopf. Claudia behielt ihr Kommentar zurück.

Pascal machte sich auf, um nach Amy und Katja zu schauen. Amy schien ihre Ausführungen abgeschlossen zu haben und an Katjas Gesicht sah er, wie sehr diese es bereute, sich an nichts mehr erinnern zu können.

»Na Mädels, heute schon gemännert?«

Beide schauen genervt zu Pascal.

»Nein, aber wird noch nachgeholt.«

»Prima Amy. Ich muss euch aber mal etwas fragen. Wenn wir den Urlaub verkürzen würden, wärt ihr damit einverstanden?«

Die Mädels schauten sich fragend an.

»Wieso?«

»Ganz einfach Katja. Ich habe da etwas erfahren. Das wäre für euch Amy eine super Sache in eurem Kanal. Es gibt da ein kleines, abseits gelegenes Dorf. Dort gehen merkwürdige Dinge vor sich. Wir könnten mit dem Flieger hin fliegen und während ihr Mädels mit Viper und so auf Erkundung geht, könnten Mario und Waldemar recherchieren, analysieren usw.«

Wieder schauten sich die Frauen an.

»Gefährlich?«

Pascals Augen verengten sich.

»Nichts, was du und die Mädels nicht regeln könnten!«

Das war für Amy das Stichwort. Sie war zwei nicht lebensmüde, oder so, doch wenn es mal wieder ein bisschen richtige Action gab, war das für sie schon reizvoll. Auch Katja verspürte irgendwie ein Kribbeln.

»Also, ich bin dabei!«

Sagte Katja, noch bevor Amy antworten konnte.

»Ja, ich auch. Dann müssen wir aber noch die Anderen überzeugen!«

»Keine Panik. Das kriegen wir schon hin. Wir müssen auch nicht von jetzt auf gleich hier abbrechen. Ein bisschen Zeit bleibt schon noch!«

»Prima, dann müssen wir das mit Fabrizio nachholen Amy!«

Amy klatschte aufgeregt ein paar Mal schnell in die Hände.

»Au ja, da bin ich sofort dabei! Der ist gut!«

Nachdem das soweit geklärt war, ging es zurück zu den Anderen, die mittlerweile vollzählig vor den Wohnmobilen sassen.«

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