Der Tag danach

Katja öffnete ihre Augen. Es war dunkel und sie nackt. Zudem lag Perry neben ihr, ebenfalls unbekleidet und schlief. Da lief doch was falsch!

»Schnabeltier, werd mal wach!«

Perry gab unter ihren Schubsern, die mit jedem Mal heftiger wurden, stöhnende Geräusche von sich. Dann öffnete auch er die Augen und wusste im ersten Moment gar nicht, wo er eigentlich war.

»Was ist denn los?«

Gab er ganz merkwürdige Geräusche von sich.

»Das frag ich dich! Wie spät ist es und wieso ist meine letzte Erinnerung, dass ich draussen auf einem Stuhl sitze und super den Trip habe, mich auf Fabrizio freue und Amy die ganze Zeit mustere?«

Perry drehte sich um und stützte sich auf seine Ellenbogen.

»Hat da jemand einen Filmriss?«

»Mach dich nicht über mich lustig! Das bin ich gar nicht gewohnt, dass auf einmal alles weg ist!«

Perry legte sich wieder auf den Rücken.

»Dann mal die Kurzfassung. Du bist mit den Anderen da draussen ganz schön abgeflogen. Mein lieber Schwan, so habe ich dich noch nicht erlebt. Die Anderen aber auch nicht. Selbst Viper ist wie ein Spatz ums Lager geflogen. Dann bist du mit Amy zu Fabrizio. Paar Stunden später, in denen Claudia und Elena zusammen mit Viper und Derrick verschiedene Fetenhits geschmettert hatten, seit ihr dann zurück gekommen. Amy total verzückt von Fabrizios Art, während du wieder geschwärmt hast, als wäre er der beste Mann der Welt. Dann sind wir hier her, du hast mir noch die Lanze gelutscht, als gäbe es kein Morgen und dann sind wir eingeschlafen.«

Katja erschrak.

»Ich war bei Fabrizio?«

»Ja und mir hast du auch einen Geblasen!«

»Wieso kann ich mich nicht daran erinnern?«

»Keine Macht den Drogen?«

»Ach jetzt mach hier nicht auf Oberlehrer! Du weisst, dass ich Drogen nehme und hast noch nie was dagegen gesagt.«

»Ich sage ja auch jetzt nichts dagegen, aber mit den Konsequenzen musst du schon klar kommen!«

Katja warf sich auf ihr Kissen.

»So eine Scheisse! Hat Amy irgendwas gesagt, ob wir uns wieder treffen?«

»Zu mir mal nicht.«

»Boah. Wie spät haben wir jetzt eigentlich?«

Perry aktivierte sein Handy.

»Kurs nach vier.«

»Na toll. Dann muss ich wohl bis morgen warten, bis ich Amy fragen kann!«

Soweit hatte Katja da Recht. Wenn sie jedoch gewusst hätte, dass Amy in ihrem Bett lag und mit ihrer Elfe, Amazone und dem Waschbär Kriegsrat gehalten hatte, wäre sie wohl aufgestanden und hätte mit ihr geredet.

Einer gab es, der durchaus noch wach war. Pascal. Der hatte sich wieder an den Strand geschlichen, weil er da wieder diese Präsenz gespürt hatte. Tatsächlich sass er wieder an fast gleicher Stelle Lisa sitzen.

»Was habe ich jetzt der Zeitlinie wieder angetan?«

»Du? Na ja, es geht zwar um dich, aber du bist nicht der direkte Auslöser!«

»Ach, dann erzähl doch mal, ich bin neugierig!«

Lisa liess den Kopf hängen.

»Sagen die die Schatten etwas?«

Unwillkürlich schaute Pascal hoch in den wolkenlosen Himmel und fixierte einen Punkt. In etwa dort befand sich, für das Menschliche Auge jedoch eigentlich nicht zu erkennen, die Andromeda-Galaxie.

»Ja, sagt mir was.«

»Gut, dann hört mal. Die Schatten werden einst durch ein missglücktes Experimente mit den Menschen in Kontakt kommen.«

»Auf der Horizont, ist mir schon klar.«

»Du weisst davon?«

Lisa schien verwirrt.

»Ich weiss sehr vieles Lisa! Zwar muss man mich erst darauf hinweisen, aber ich habe dieses ganze Wissen.«

»Dann weisst du ja auch, wie das ausgegangen ist. Beziehungsweise ausgeht, wenn man es aus deiner Zeit betrachtet.«

»Ja, weiss ich. Weiter!«

»Es wird einmal ein Raumschiff mit dem Namen Megaclite geben. Hast du da auch schon Informationen drüber?«

Wieder schaute Pascal in Richtung Andromeda und nickte. Dabei spürte er jedoch etwas. Als wäre genau dieses Gespräch nun Auslöser für Ereignisse die er bislang noch nicht gekannt hatte.

»Ich glaube, wir sollten nicht weiter reden!«

»Du weisst also, dass die Megaclite versehentlich den Schatten einen Weg auf die Erde öffnen wird? In diese Zeit?«

Nein, dass hatte Pascal noch nicht gewusst. Er spürte aber deutlich, dass Lisas Worte genau diese Ereignisse in Gang gesetzt hatten. Nach und nach sah er nun diese Ereignislinie vor sich entstehen.

»Grossartig! Ist dir eigentlich klar, dass genau dieses Gespräch die Ereignisse in Gang gesetzt habe? Du also Schuld daran bist, was da passiert?«

Lisa setzte einen erschrockenen Gesichtsausdruck auf.

»Ich? Wieso ich?«

»Boah! Keine Ahnung von der Zeit, mir dann aber was von Manipulation erzählen! Wo sind denn da deine Hunde? Keiner dabei, der doof machen könnte?«

»Jetzt mal im Ernst! Wieso soll dieses Gespräch das in Gang setzen?«

»Mensch Lisa! Kausalität! Nichts, wirklich gar nichts was du, ich oder sonst wer tat, bleibt ohne Auswirkungen! Okay, es ist nicht so Krass wie in den Filmen und Büchern, wo ein einzelner Mensch die ganze Geschichte verändern kann, nur weil er nach Rechts geht, anstatt nach Links. Aber zwischen jetzt und dem von dir angesprochenen Ereignis, werden sehr viele Jahre vergehen! Es muss nur hier irgendwo jemand in einem Zelt liegen, es unterbewusst aufschnappen und dann ein Buch, oder so daraus entwickeln. Schon kann es Einfluss auf die Zukunft haben! Geh doch mal so ins Jahr 1900 zurück und such das Buch die Titan! Da kannst du den Untergang der Titanic nachlesen, obwohl das Buch viel früher auf den Markt gekommen ist. Warum? Weil ich mal jemand dieses Ereignis erzählt habe. Der Typ hat das mitbekommen und ein Buch darüber geschrieben. Es geht echt unglaublich schnell und du hast jetzt was in Gang gesetzt, dass genau dieses Ereignis eintreten wird!«

Lisa lief rot an. Das konnte man bei den Lichtverhältnissen zwar nicht sehen, aber sie schämte sich dann doch für ihr zu vorschnelles Mundwert.

»Du weiss aber auch, wie es ausgeht, oder?«

Pascals Augen fingen an zu glühen.

»Ich weiss, wie ich es ausgehen lasse! Glaub mir, auch wenn ich das Ereignis so jetzt nicht verhindern kann, ich kann die Wirkung davon begrenzen und das werde ich auch tun!«

»Du stellst dich den Schatten?«

Pascal schaute zu den Wohnmobilen, also zumindest in die Richtung. Sehen konnte er sie nicht.

»Nein! Nicht allein!«

»Willst du da wirklich deine Freunde mit reinziehen?«

Wieder schaute Pascal Lisa mit seinen glühenden Augen an.

»Jetzt hör mir mal gut zu, bevor du anfängst über mich zu richten! Ich habe dir gesagt, du sollst nicht weiter reden und du hast es getan! Die Opfer, die daraus resultieren, gehen auf dein Konto! Alles, was ich da jetzt noch tun kann ist, dafür zu sorgen, dass es bei diesen Opfern bleiben wird und dafür beschaffe ich mir Helfer.«

»Sind die die Konsequenzen bewusst, wenn deine Freunde davon erfahren?«

Pascals Augen glühten noch etwas mehr.

»Du erzählst mir etwas von Konsequenzen? Du? Die gerade ein kleines Dorf zum Tode verurteilt hat?«

Lisa schämte sich zutiefst. Sie fing an zu wimmern, brachte jedoch kein Wort heraus.

»Dachte ich es mir doch! Nein! Natürlich werden meine Freunde die wahren Umstände der Geschichte nicht erfahren! Aber dennoch werde ich sie als meine Verbündeten einsetzen. Das ist mein gutes Recht! Oder du regelst die ganze Scheisse! Deine Entscheidung!«

»Was könnte ich schon tun?«

»Keine Ahnung! Flieg nach Andromeda und halt die Megaclite davon ab, den Schatten den Weg zu eben.«

»Als wäre das möglich. Wie soll ich denn bitte nach Andromeda kommen?«

»Die Megaclite hat es doch auch geschafft! Aber es ist ja kein Muss! Ich werde mich darum kümmern. Jetzt verzieh dich!«

Da war ein kleiner Lufthauch, dann war Lisa verschwunden.

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