Claudia konfrontiert Pascal

Claudia dachte den ganzen Rückweg an nichts anderes. Pascal musste ein Alien gewesen sein und das würde sie nun von ihm in Erfahrung bringen. Sein ganzes Gerede immer über seine Herkunft als Dämon und dieser Onkel in den USA. Was ein Blödsinn. Nachtclub Besitzer sollte er angeblich dort sein und nebenbei der Polizei bei Mordfällen helfen. Klar. Dämonen machen ja auch gar nichts anderes. Wie sagte er immer so schön, sein Onkel sei der leibhaftige Teufel. Klar!

Hier hatte Pascal ja von Anfang an so ein Problem gehabt. Claudia war zwar gläubig, aber nicht religiös. Sie war sich sicher, dass es eine Macht über dem Ganzen gab, aber an eine Bibel, oder sonstiges religiöses Buch glaubte sie nicht. Da gab es keinen Himmel und folglich auch keine Hölle und demzufolge konnte es auch keinen Teufel geben.

Claudia war erfreut. Als sie den Campingplatz über den Strand erreichte, stand Pascal schon da und schien zu warten. Genauso, wie sie es erwartet hatte. Das war garantiert sein Alien-Sinn gewesen, oder er kannte einfach die Zukunft, oder was auch immer. Sie eilte zu ihm.

»Pascal?«

»Claudia?«

»Du bist ein Alien?«

Pascal hatte die Hände in die Hüfte gestemmt und aufs Wasser geschaut. Nachdem Claudia ihre Frage gestellt hatte, schaute er zu ihr.

»Ein Alien? Hmm. Lassen wir uns mal kurz nachdenken. Ich sage die ganze Zeit, dass ich der Neffe des Teufels, also ein Dämon bin. Dauernd kommt einer und fragt mich, wie ich dies, oder jenes gemacht habe, wie ich etwas wissen konnte usw. Ich gebe jedes Mal eine der Wahrheit entsprechende Antwort, aber glaubt mir das jemand? Nein! Du entwickelst dann jetzt, als Erste sogar, die Theorie, ich sei ein Alien? Ist das leichter für dich zu akzeptieren, wie meine Herkunft aus einer anderen Realität? Der Unterwelt, oder wie ihr Menschen das so nennt?«

»Also? Bist du ein Alien?«

Pascals Blick sank und er schüttelte den Kopf.

»Claudia. Wenn ich es dir jetzt bestätigen würde, würdest du es glauben?«

»Hallo? Würde ich dich sonst fragen?«

»Ja, ich bin kein Mensch!«

Es war für Pascal gar nicht so einfach, diese Frage zu beantworten. Eigentlich hätte er sie verneinen müssen. Er kam von keinem anderen Planeten. Nun wollte er aber Claudias Reaktion in Erfahrung bringen und musste umformulieren. Nein, er war kein Alien, er kam aber auch nicht von der Erde und war kein Mensch. So konnte er bei der Wahrheit bleiben und dennoch Claudia dazu verleiten, ihre Frage als bestätigt anzusehen.

»Und du kommst nicht von der Erde?«

»Hab ich ja auch nie behauptet, oder?«

Claudia klatschte einmal in die Hände.

»Ich hab es doch gewusst!«

Jubelte sie.

»Von woher kommst du?«

Fangfrage. Die direkte, ehrliche Antwort hätte ihr nicht gefallen. Also musste Pascal wieder umformulieren.

»Der Ort ist weit, weit weg. Eigentlich ein echtes Paradies, wenn man sich nicht zu dämlich dran stellt. Wenn doch, landet man zum Beispiel hier.«

»Boah, ein Ausserirdischer! Ich hab es immer gewusst, dass wir nicht alleine im Universum sind!«

»Das wäre auch vermessen anzunehmen! Ich habe zwar kürzlich erst gehört, dass einige Wissenschaftler die Existenz der vielen Sterne in den vielen Galaxien nicht als Indiz für weiteres Leben nehmen, denn in etwa die gleiche Anzahl Moleküle befinden sich in, ähm, 1 Kubikmeter Luft, oder so, aber es gibt ja immer welche, die alles ein wenig zu neutral sehen. Aber nein, ihr seit nicht alleine!«

Claudia freute sich riesig. Pascal hingegen hatte wieder die Wahrheit gesagt, obwohl er ja gar nicht von woanders kam. Zumindest nicht von einem anderen Planeten. Aber er wusste auch, dass es da draussen sehr wohl noch anderes Leben gab. Kürzlich erst hatte man Marker des Lebens auf der Venus entdeckt. In naher Zukunft würde man Leben auf dem Mars nachweisen und in einigen Jahrzehnten würde man den ersten Kontakt mit einer intelligenten Lebensform bekommen. Das wird jedoch kein so fröhlicher Ereignis sein. Da kommt es dann zum gefährlichen, ersten Kontakt. Aber gut, bis dahin musste auch noch etwas Zeit vergehen.

»Und warum kommst du dann immer mit der Dämon-Geschichte?«

»Gegenfrage. Warum glaubst du mir den Alien mehr, als den Dämon?«

»Ach Pascal, weil es keine Dämonen gibt! Ganz einfach!«

Pascals Blick änderte sich. Was Claudia nicht wissen konnte, genau in dieser Sekunde, genau um sie herum tobten epische Kämpfe zwischen Monstern. Hier auf der Erde, genau da, wo sie sich jetzt befanden. Nur eben, beide Welten sahen sich nicht. Für Claudia war es ein ganz ruhiger, angenehmer Tag, der sich langsam dem Ende neigte. Warme Temperaturen, Menschen überall, denen es gut ging usw. Auf der anderen Seite zerstörten sich Monster gegenseitig, was für die einen ebenso tollen Tag bedeutete.

Pascal musste schmunzeln, denn genau die Person, die Snowwhite produzierte, kam aus dieser anderen Welt und er war Schuld daran gewesen, dass sie hier gelandet war. Aber gut, dabei handelt es sich um eine andere Geschichte.

»Okay. Du kannst also weder Dämonen, noch Aliens beweisen. Du sagst aber, Dämonen gibt es nicht, aber Aliens. Die Logik hat einen Knick, oder?«

»Möglich! Hauptsache, ich weiss es jetzt. Keine Sorge, dein Geheimnis ist bei mir sicher!«

Sein Geheimnis war sicher, denn ausser Perry glaubte ihm ja niemand. Die Menschen waren schon ein seltsames Völkchen. Nichts war für einen Mensch schwerer zu glauben, als die Wahrheit. Seit über 400 Jahren sagte er es jedem, der ihn danach fragte und selbst Bambi, die ja wirklich allerhand seltsames Zeug mit ihm erlebt hatte, musste erst den Beweis in der Hand halten, quasi, um es zu glauben.

Bei den Anderen war es ja nicht anders! Wie oft hatte er zum Beispiel Amy in Amerika kontaktiert, bevor die ihn anrufen konnte und wusste genau, was sie für ein Problem hatte? Wie oft hatte er schon irgendwelchen Leuten seinen Willen aufgezwungen, obwohl die eine ganz andere Meinung vertreten hatten? Wie oft wusste er etwas, was er gar nicht wissen konnte? Aber dennoch glaubte ihm niemand. Wahrscheinlich wären auch sie von der Alien-Geschichte schneller zu überzeugen gewesen. Menschen, man musste sie einfach lieben.

»Und jetzt? Nachdem du es weisst?«

Claudia umarmte Pascal und drückte ihn ganz fest.

»Finde ich es total geil, dass einer meiner besten Freunde ein Ausserirdischer ist!«

»Claudi, manchmal könnte man von einigen Menschen hier auch annehmen, sie kämen aus anderen Sphären!«

Claudia grinste.

»Lass uns mal zu den anderen gehen, dann schicke ich uns in andere Sphären!«

»Hat das kochen also geklappt?«

Claudia grinste und nickte hektisch.

»Super gut sogar. Das ist ja so einfach und dabei habe ich von Chemie so gar keine Ahnung! Der hat eine Ladung genommen und ist voll abgeflogen. Das muss ich testen! Katja und Elena sind sicher auch dabei.«

»Na, Katja würde ich noch nichts davon anbieten.«

Claudia hob eine Augenbraue.

»Warum nicht? Die fliegt auch gerne weg!«

»Weil die in Kürze noch mit Amy zusammen ein Date hat, wo es um ein Schlauchboot, Sex und Wasser geht. Nicht das sie denkt, sie hätte Kiemen und säuft uns ab.«

Daran hatte Claudia gar nicht gedacht.

»Gut, dann eben, wenn die zurück sind. Wie war es denn heute Mittag? Machen die Jungs immer noch das Häschen auf den Skiern?«

Pascal lachte leise.

»Viper, ja. Bei Phillip wird es immer besser. Perry steht aber auf den Brettern, als hätte er noch nie was anderes gemacht.«

Claudia schaute dorthin, wo die Wohnmobile stehen mussten, als wenn sie Perry hätte sehen können.

»Unser Schnabeltier?«

»Japp. Vielleicht sind es die Schnabeltier-Gene, warum er das so gut kann? Keine Ahnung, auf jeden Fall ist Viper jetzt total geknickt.«

Wieder grinste Claudia.

»Hmm. Vielleicht sollte ich nachher mal testen, wie man auf Snowwhite vögelt. Dann kann ich den guten Viper auch ein bisschen aufbauen.«

Pascal lachte. Er war aber auch interessiert, wie Viper dabei reagieren würde. Der hatte ja seine Erfahrung mit den Drogen.

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