Die Zeit

Anmerkung:

In diesem Teil nehme ich Bezug auf meine Bücher „Bienenwaben: Schneller als das Licht“ und „Kampf um Mid-Closter„. Falls jemand die Hintergrundgeschichten nachlesen möchte.

Lisa verschwand. Doch verschwand sie nicht so, wie Pascal sich das vorgestellt hatte. Zwar nutzte sie ein Portal, welches im Prinzip aus einer Raumkrümmung bestand und ging zurück auf ihr Schiff, doch verliess sie diese Zeit noch nicht. Pascal hatte da etwas gesagt, was sie nachdenklich stimmte.

Pascal selbst hätte ihr darauf auch keine Antwort geben können, obwohl er sie gewusst hätte. Es war jedoch für den menschlichen Verstand, auch wenn er mittlerweile so viel neues Wissen erworben hatte, wie Lisa in ihrer Zeit, kaum zu begreifen, was Zeit eigentlich war. Genau damit hatte Lisa auch zu kämpfen.

Wie zur Hölle hatte Pascal das denn gemeint? Er könne verändern was er wollte, denn für ihn war die Zukunft noch nicht geschrieben? Doch, war sie, denn das war für Lisa schliesslich Vergangenheit. Sie war der Zeitreisende und folglich war das, was sie in Erinnerung hatte, für die Geschichte auch bindend.

Sie sass vor dem Computer ihres Raumschiffes und liess sich alle Fälle von bekannten Zeitreisen anzeigen. Auf die Idee war sie bislang nie gekommen, aber als das Ergebnis angezeigt wurde, war sie doch schon schockiert. Es waren deutlich mehr, als sie erwartet hatte!

Da war tatsächlich alles dabei. Von belegten Fakten, bis hin zu Gerüchten, die man schon einen Mythos nennen konnte. Ein den Menschen freundschaftlich gesinntes Volk, welches von den Menschen nur freundschaftlich Weltraumrussen genannt wurde, hatte sogar detaillierte Beschreibungen zur Zeit in ihrer Datenbank. Die wurden mathematisch auch von den Menschen und anderen Völkern als korrekt bestätigt, doch so wirklich glauben konnte das niemand.

Ein menschlicher Mathematiker hatte das alles durchgerechnet und fand es eigentlich höchst interessant. Rein mathematisch war es ja schon immer so gewesen, dass man sich vorwärts und rückwärts durch die Zeit bewegen konnte, denn die Zeit war nie nur positiv behaftet. Auch mit negativem Vorzeichen konnte man rechnen und wie die Weltraumrussen es in der Theorie gezeigt hatten, war es auch durchaus machbar.

Bei der Sache gab es nur einen Haken. Niemand wusste, was Zeit eigentlich war. Die Weltraumrussen beschrieben es immer so, dass die Zeit selbst ein Fluss sei, in denen alle lebenden Dinge treiben würden. Das Ufer würde dann all das markieren, was die Lebewesen verändert hätten. Würde nun jemand diesen Fluss Stromaufwärts schwimmen und dort am Rand etwas ändern, würde das sich nur auf den Rand, nicht auf die Lebewesen auswirken. Wie auch immer man sich das nun erklären konnte.

Auf ihre eigentliche Frage bekam Lisa jedoch keine Antwort. Wenn sie in die Vergangenheit reiste, dann musste sie doch, da sie aus der Zukunft kam, die Spitze der Zeit markieren und Pascal konnte nicht einfach behaupten, für ihn sei die Zukunft noch nicht geschrieben! Was, wenn er nun etwas tat, so dass ein Elternteil von ihr nie geboren werden würde? Dann wäre sie ja weg, oder? Wobei sie ja eigentlich im Fluss der Zeit ja vorhanden war und demzufolge nicht einfach verschwinden konnte, auch wenn da am Ufer etwas verändert wurde. Ausserdem, ihre Eltern waren ja auch im Fluss, auch sie dürften ja nicht einfach verschwinden.

Dabei fiel er noch etwas auf. Wenn ja jedes Lebewesen im Fluss der Zeit vorhanden war, wo waren dann die, die verstorben waren? Warteten die einfach an dem Punkt der Zeit, an denen ihre Leben geendet hatte? War der Tod vielleicht nichts anderes, als dass man irgendwo hängen blieb und der Fluss der Zeit einen nicht mehr mit sich ziehen konnte?

Lisa hatte das Gefühl, ganz langsam überzuschnappen. Das war alles so komplex und unlogisch, ihr Verstand wollte das einfach nicht akzeptieren. Deshalb fing sie an, sich bekannte Bewegungen durch die Zeit anzuschauen.

Ein Fall machte sie besonders neugierig. Es war allerdings keine belegte Begebenheit, sondern eher ein sehr alter Mythos. Dabei ging es um ein Mann und eine Frau, die mittels eines selbst gebauten Raumschiffs schon seit Jahrhunderten durch das All streiften. Sie hatten damals schon entdeckt, dass man mit hexagonalen Strukturen, sogenannten Bienenwaben, die Schwerkraft aufheben konnte und sie hatten diese Technik so weit entwickelt, dass sie auch Reisen zu anderen Planeten damit durchführen konnten. Durch einen Zufall hätten sie dann entdeckt, wie diese Technik auch ein Reisen mit mehr als Lichtgeschwindigkeit ermöglichte und fortan waren sie die ersten interstellare Reisenden der Menschheitsgeschichte.

Diese Geschichte machte wohl auf der Erde immer mal wieder die Runde, doch waren es die Weltraumrussen, die aus einer Lagerfeuergeschichte eine Geschichte mit potentiell realem Hintergrund machten. Denn, sie hatten in ihrer globalen Datenbank Aufzeichnungen über besagtes Raumschiff und besagte Personen! Ewald und Olivia waren die Namen der Beiden und man konnte auch nachprüfen, dass genau diese Menschen genau zu der Zeit, in welcher sich diese Geschichte bewegte, auch existierten.

Zwei bemerkenswerte Punkte gab es bei ihnen. Erstens, wenn sie wirklich Raumfahrer waren, dann waren sie erschreckend viel zuhause. Laut den Aufzeichnungen, waren sie für längere Reisen nie lange genug weg. Allerdings gab es auch nirgendwo einen verzeichneten Todestag der Beiden. Rein technisch schienen diese also noch zu leben. Eigentlich konnte man die Geschichte daraus so rekonstruieren, dass die Beiden gewartet hatten, bis ihre Angehörigen das Ende ihres natürlichen Lebens erreicht hatten und dann auf die Reise gingen. Doch, laut den Aufzeichnungen der Weltraumrussen, die man als peinlich genau bezeichnen konnte, flogen die Beiden schon mit jungen Jahren munter durchs All. Das konnte man nur so vereinbaren, dass sie eben auch durch die Zeit reisen konnten und genau so wurde es auch beschrieben.

Angeblich lebten die Beiden viele Jahre auf einem eigentlich unterentwickelten Planeten. Dieser befand sich, als die Beiden ihn erreichten, etwa in der Epoche des Mittelalters. Pferde, Ritter, anstrengende Handarbeit usw. Dort hatten die Beiden einigen Einfluss und rückten die technische Entwicklung bald schon einen gewaltigen Schritt nach vorne. Legenden zufolge hatte Ewald sogar eine niedergeschriebene Geschichte eines der dortigen Bewohner in die menschliche Sprache übersetzt und auf der Erde unter Zuhilfenahme eines Autors veröffentlicht. „Kampf um Mid-Closter“ hatte er es genannt und sich angeblich köstlich darüber amüsiert, dass es sich dabei um eine Erzählung von Ausserirdischen handelte, es jedoch keinem Leser je aufgefallen war.

Wenn man den Aufzeichnungen der Weltraumrussen glauben schenken konnte, was man eigentlich tun sollte, dann lebten die Beiden gleich mehrere Leben. Möglich machten das die Zeitreisen. Denn, sie verweilten Jahre auf diesem Mittelalter-Planeten. Reisten dann aber genau an die Stelle auf die Erde zurück, kurz nachdem sie abgeflogen waren. Genauso kehrten sie auch auf den Mittelalter-Planeten nach vielen Jahren zurück, als wären sie nie weg gewesen. Wie sie das allerdings bewerkstelligen konnten, ohne dabei zu altern, war in den Aufzeichnungen leider nicht niedergeschrieben.

Doch so beeindruckend das alles für Lisa auch war, ihre Frage wurde dadurch immer noch nicht beantwortet. Wer hatte nun das Vorrecht? Sie, die auf das Bestehen ihrer Zeitlinie bestand, oder Pascal, für den ihre Zeit noch nicht geschrieben war? Sie konnte lesen was sie wollte, eine Antwort darauf schien es nicht zu geben. Es machte auf sie eher so den Eindruck, dass jedes Lebewesen das Recht hatte, die Zeit vor sich als Zukunft, die hinter sich als Vergangenheit zu sehen.

Sie deaktivierte den Computer und musste sich sammeln. Dieses ganze Denken über die Zeit verursachte Kopfschmerzen. Doch da gab es etwas, was sie fröhlich stimmte. Okay, sie hatte keine Antwort auf ihre Frage, aber dennoch hatte sie eine sehr, sehr nützliche Information gefunden. Prinzipiell konnte sie in der Vergangen hat anstellen, was auch immer sie wollte. Nie wäre dadurch ihre Existenz gefährdet worden. Das eröffnete beeindruckende Möglichkeiten.

Lisa hatte da eine tolle Idee! Sie brachte ihr Schiff wieder in ihre Gegenwart und liess Bot sofort lückenlos ermitteln, ihre eigene Geschichte ermitteln. Da gab es doch garantiert jede Menge Dinge, die sie zu ihren Gunsten hätte ändern können.

Eine Nachricht kam rein. Nur Text.

»Lisa, wir sind heute 20 Uhr Standardzeit auf der Horizont. Wäre cool, wenn du auch kommen würdest. Donald!«

Lisa bekam einen Schreck. Donald? Der Donald? Sollte das etwas heissen, er lebte noch? Oder hatte Pascal ihn in die Zukunft geholt? Was hiess „wir“? Waren etwa die Anderen auch hier? Etwa 300 Jahre in ihrer Zukunft? Wie war das möglich? Warum redeten die mit ihr, als würden sie sich schon lange kennen? Das ergab doch alles gar keinen Sinn!

Am Schlimmsten für Lisa war jedoch, wenn Pascal da Änderungen vorgenommen hatte, warum schien für sie immer noch die Zeitlinie zu bestehen, an die sie sich erinnerte? Ohne Donald und die Anderen? Doch sie war auch neugierig. Wenn sie schon so eine Einladung bekommen hatte, wollte sie diese auch annehmen!

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3 Kommentare

  1. Dieser Teil ist für mich was einzigartiges denn es gibt mir die Chance liebgewonnene Charas wieder zu Lesen und wie ihre Vergangenheit und Zukunft mitunter verläuft.

    Vor allem Olivia und Ewald sind so zwei die mir ans Herz gewachsen sind, du siehst es gibt hier auch noch Bedarf für eine Fortsetzung, genau wie bei Mid Closter.

    Eigentlich bei allen Projekten wie Mars etc und Horizont.

    Schön das auch alle Geschichten ineinander greifen und jederzeit jeder Chara in allen Geschichten auftauchen kann.

    Das macht es für mich einzigartig.

    Danke.

    LG
    Maia

    1. Das ist eigentlich meiner Faulheit geschuldet. Ich hatte kein Bedarf mich mit Markenrecht herumzuschlagen und habe einfach zu allem meine eigene Marke erfunden. McFly und so. Da ich auch keine Lust hatte, mich mir örtlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen habe ich auch eigene Städte erfunden, die dann schön in meinen Plan passen. Da ich das aber nicht jedes Mal neu machen wollte, habe ich schlicht mein eigenes Universum erfunden und wie du so schön sagst, da kann es in alle Richtungen Crossover geben. Gefällt mir eigentlich!

  2. Ja, das ist etwas das auch nur du so meisterhaft beherrschst denn wer kommt schon auf so eine geniale Idee.

    Mir gefällt das auch ausgesprochen gut denn du hast wie geschrieben ja sehr viele Möglichkeiten für Crossover.

    Der Tag an dem ich dich und deine Bücher, den Blog kennen gelernt habe ist ein Tag der immer wichtig sein und bleiben wird so lange ich existieren werde, danke.

    LG
    Maia

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