Ungewöhnlicher Besuch

Anmerkung:

Wer näheres über Lisa in Erfahrung bringen will, der sollte sich die Kurzgeschichten auf diabolus-umarov.de zum Thema Lisa – Kopfgeldjäger durchlesen.

Es war mitten in der Nacht, als Pascals Augen sich schlagartig öffneten. Er spürte etwas. Irgendetwas, oder irgendjemand war hier und das war falsch. Geräuschlos stand er auf, zog sich eine Hose an und ging nach draussen. Niemand war zu sehen.

Sein Gefühl zog ihn zum Strand. Vielmehr dort hin, wo ebenfalls Sanitäranlagen waren und man Boote zu Wasser lassen konnte. Als er dort an dem Bau der Duschen vorbei ging, sah er jemand auf den grossen Steinstufen sitzen. Das war ganz offensichtlich die Störung, die er da gespürt hatte. Also, nichts wie hin.

Es war eine junge Frau. Das konnte Pascal schnell erkennen. Sie trug jedoch keine Kleidung, die man an einem solchen Ort erwartet hätte. Nein, es war eher eine Uniform, wenn nicht sogar eine Rüstung. Tatsächlich stand da auch ein Helm neben ihr auf dem Boden. Pascal wusste genau, um wen es sich handelte und das sie überhaupt nicht hier sein hätte dürften.

Als er nahe genug war, blieb er etwas hinter ihr stehen. Sie schien ihn noch nicht bemerkt zu haben.

»Was machst du hier Lisa?«

Doch die Junge Frau zeigte keine Reaktion. Offensichtlich hatte sie erwartet, von Pascal angesprochen zu werden.

»Die ist es hoffentlich bewusst, dass hier sehr vieles passiert, was geschichtlich gesehen gar nicht passieren dürfte, oder?«

Pascal setze sich neben sie.

»Ja. Problem damit? Du dürftest auch nicht hier sein!«

»Das ist so nicht richtig! Wie schon beim ersten Mal bin ich hier, um ein paar Sachen wieder ins Lot zu rücken.«

Pascal wurde eindeutig missmutig.

»Vorsicht! Stell keine haltlosen Behauptungen auf! Das erste Mal war ein Zufall, mehr nicht. Was du seither machst, dass ist falsch!«

»Was mache ich denn? Ich sorge dafür, dass Phillip seinen rechtmässigen Platz erhält!«

»Seinen rechtmässigen Platz! Sei froh, dass ich hier keinen wecken will, sonst würde ich jetzt laut anfangen zu lachen!«

»Warum? Es war nie vorgesehen, dass Amy in Neunburg alles an sich zieht! Phillip hätte der sein müssen, der ihr Leben auf den richtigen Weg bringt!«

»Wer bitte hat dir so einen Blödsinn erzählt!«

»Die Geschichtsbücher!«

»Die Geschichtsbücher? Die würden sich ja wohl verändern, wenn du in deine Zeit zurückkehrst, oder?«

»Nein! Da mein Bot mit mir reist und er alle geschichtlichen Aufzeichnungen im Schiff gespeichert hat, bleibt das natürlich konserviert!«

»Und? Was hat sich bei dir also alles verändert?«

Lisa fing an die Liste abzuarbeiten. Alles, was in ihrem Leben so schief gelaufen war, wie sie von einer ganzen Flotte runter bis auf einen einfachen Frachter reduziert wurde, wie man ihr die Lizenz für todbringende Waffen aberkannte, alles lag daran, dass Amy erfolgreicher war als Phillip.

Pascal hörte sich alles an, lehnte sich dann zurück und stützte seinen Körper auf seine Arme. Er schloss die Augen und es vergingen ein paar Minuten.

»Aha. Da du deinen Bot nach deinem Dienstantritt als Kopfgeldjäger bekommen hast, ist natürlich nichts geschichtliches vor dieser Zeit konserviert. Du kannst also überhaupt nicht sagen, dass Phillip und Amy Grund für deine Probleme sind!«

»Das hat das kleine Arschloch aber so berechnet!«

Nun fing Pascal wirklich an zu lachen.

»Er hat das berechnet. Klar! Dieses kleine Ding hat die ganzen zeitlichen Abläufe, die Entscheidungen der ganzen Menschen in dieser Zeit und die äusseren Gegebenheiten berechnet. Sorry Süsse, aber selbst die Grauen sind dazu nicht in der Lage!«

»Ich vertraue meinem Bot!«

Pascal schüttelte den Kopf.

»Das ist so typisch für dich! Ist dir mal in den Sinn gekommen, dass du es ganz alleine verbockt hast? Oder willst du mir sagen, dass deine ganzen Zwischenfälle bei den Landungen und so auch die Schuld von Amy sind?«

»Könnte man so sagen, ja! Denn eigentlich müsste ich weite ausgereiftere Fähigkeiten haben!«

»Ich werd verrückt! In meiner Zeit auf der Erde habe ich schon viele Leute treffen müssen, die Anderen die Schuld an ihrem Misserfolg geben. Aber, die beziehen sich dann auf lebende Personen und nicht auf welche, die ein paar hundert Jahre vor ihnen gelebt haben. Unglaublich!«

»Hör zu. Ich weiss, dass viel von diesen Veränderungen auf dein Konto gehen. Also kann ich dich nur eindringlich darum bitten, es in Zukunft sein zu lassen!«

»Oder?«

»Die Konsequenzen wirst du dann schon spüren. Ich bin hier um dir zu sagen, dass du unter Beobachtung stehst!«

»Ja? Wer beobachtet mich?«

»Anubis!«

»Ach du meine Güte. Du willst mich doch hoch nehmen, oder? Die haben Angst vor den Quellen! Überleg mal ganz genau! Du konntest einen von denen auf die Matte schicken. Was denkst du, würde ich mit denen machen? Also ganz ehrlich, eine Drohung sieht für mich anders aus.«

»Mag sein. Dennoch sind deine Aktivitäten mittlerweile aufgefallen.«

»Und? Ich mache nichts, was die Geschichte wirklich massgeblich beeinflussen würde. Zudem musst du dir auch mal überlegen, aus meiner Sicht ist das alles Zukunft, was bei dir da passiert. Genau genommen bist nur du es, die mit ihren Zeitreisen den Fluss der Zeit manipuliert.«

»Ach, jetzt bin ich auch noch schuld?«

»Schuld? Woran denn bitte? Lassen wir das jetzt mal weg, was Bot da so berechnet. Was genau hat sich denn verändert, seit du dich bei uns herumtreibst?«

»Das will ich dir sagen! Amy und die Anderen existieren mittlerweile auch noch in meiner Zeit und das ist nicht normal!«

»Stimmt, da habe ich Einfluss drauf genommen. Aber, wo liegt denn bitte das Problem? Fallen sie bei dir negativ auf?«

»Nein, würde ich so nicht sagen! Aber sie gehören eben nicht in diese Zeit!«

»Lisa, mal ganz ehrlich. Woher willst du das wissen? Aus meiner Sicht ist die Zukunft, also was du Gegenwart nennst, noch gar nicht geschrieben! Was ich hier verändere, ist für mich der normale Lauf der Dinge. Wenn du damit Probleme hast, ist das nicht mein Problem! Du hast mit diesen Zeitreisen angefangen und wenn du jetzt ein Problem damit hast, wie es läuft, dann ist es nicht mein Problem und du wirst auch nichts tun können, um mich daran zu hindern!«

Lisa senkte den Blick.

»Ich hatte befürchtet, dass du das sagen wirst!«

Mit ihren Worten tauchten mehrere Gestalten um Pascal herum auf. Alle sehr gross, bullige, humanoide Körper und Schädel wie die eines Dobermanns. Pascals Grinsen, welches er die ganze Zeit aufgesetzt hatte, verschwand.

»Ach ne. Du hast gleich Verstärkung mitgebracht?«

»Eigentlich hatte ich ja gehofft, dich mit Worten zur Vernunft bringen zu können. Doch so lässt du mir leider keine Wahl!«

Pascal richtete sich wieder auf, schaute sich kurz um und dann Lisa an.

»Okay. Dann zeige ich dir jetzt mal was!«

Pascal schnippte mit den Fingern. Jede dieser Kreaturen schien Schmerzen zu erleiden und zu brüllen, doch hörte man nichts. Eine nach der Anderen wurde von einer dunklen Wolke umhüllt und verschwand. Als alle weg waren, schaute sich Lisa panisch um.

»Du hast sie getötet!«

»Ach was! Ich töte keine wehrlosen! Nein, ich habe sie einfach wieder in ihre Zeit geschickt. Also. Wir können es ganz einfach machen. Entweder, du akzeptierst was passiert, wie ich die Geschicke lenke, oder ich sorge ganz schlicht und ergreifend dafür, dass du nie wieder durch die Zeit reisen wirst und alles vergisst, was du hier erlebt hast. Na? Wie wäre das?«

Lisa war schockiert. Das Pascal aussergewöhnliche Fähigkeiten hatte wusste sie. Aber, dass er auch die Wächter des Sonnensystems einfach so beherrschen konnte, ohne sich anstrengen zu müssen? Nein, damit hatte sie nicht gerechnet. Nun stand sie vor einer Entscheidung, die allerdings recht einfach zu fällen war.

»Okay, du hast gewonnen. Ich füge mich in das Schicksal, aufgrund deiner Entscheidungen mein leben so führen zu müssen, wie ich es eben tue. Aber, du wirst mich nicht davon abhalten können, weiter meinen Einfluss bei Phillip geltend zu machen.«

Pascal grinste wieder.

»Schon klar. Aber jetzt, mach dich vom Hof. Ich will noch ein bisschen schlafen. Als Rat von mir, sieh die Fehler doch mal bei dir! Da kannst du viel leichter etwas verändern!«

Print Friendly, PDF & Email

3 Kommentare

  1. Ich liebe diese Geschichte von Lisa, hab sie auch gelesen hätte da noch gerne mehr von gehabt, und deshalb war ich über den ungewöhnlichen Besuch auch letzten Endes erfreut, hat es mal wieder eine kleine Überraschung gebracht und uns Leser wohl gewollt verwirrt.

    Durch Lisa könnten wir etwas erfahren über die mögliche Zukunft wo unsere ganzen Helden die wir so ins Herz geschlossen haben noch existieren, zumindest wenn unser lieber Autor den Faden so lange noch spinnen möchte was ich mir in jedem Fall wünschen würde.

    Experiment gelungen, danke!!!

    LG
    Maia

    1. Ich verflechte ja gerne meine Geschichten miteinander. Lisa ist auch so ein Projekt, was mir viel Spass macht. Genau wie Raumschiff auf Abwegen. Ich wünschte nur, ich hätte mehr Zeit zum schreiben, denn überall habe ich noch so viele Geschichten im Kopf stecken.

      1. Das macht dich auch so mega sympathisch du bist was besonderes.

        Lisa und Raumschiff auf Abwegen sind wunderbare Geschichten wie alles von dir, könnte ich mir auch als Buch bei Amazon vorstellen, kaufen würde ich das in jedem Fall wie alles andere von dir.

        Vielen herzlichen Dank, und ich hoffe das du schnell wieder auf den rechten Weg zurück findest für die Wohngemeinschaften und den sexuellen Aspekt.

        LG
        Maia

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.