Schwul

Zwei, die tatsächlich eher weniger in Erscheinung traten, waren Mario und Luigi. Die hatten aber auch genug mit sich zu tun, schliesslich kam es ja nicht so oft vor, dass die Beiden so viel Zeit so dicht beieinander verbringen konnten. Auch wenn sie es nicht zugaben, diese Distanz in ihrer Beziehung war durchaus belastend für sie.

Aber, wie war es eigentlich, schwul zu sein? Wie oft wurde denn gesagt, irgendetwas sei schwul, wenn es nicht so war, wie man es haben wollte? Also war es ja eigentlich abwertend, wenn man homosexuell war, oder?

Die Beiden hatten in ihrem Leben tatsächlich sehr ähnliche Erfahrungen mit der Thematik gemacht. Beide merkten, dass da etwas anders war, als bei ihren Freunden damals. Die erzählten von Frauen und wie geil die doch aussahen, oder pfiffen in der Stadt den kurzen Röcken hinterher. Die beiden fanden da jedoch nichts dran. Trug eben eine kaum was am Hintern. Es juckte sie einfach nicht.

Wohl aber den knackigen Hintern in einer sehr engen Jenas eines männlichen Vertreters ihrer Art! Dazu dann noch ein bisschen Bart, insofern dieser in dem Alter damals schon wuchs und Beide schmolzen dahin.

Auch wenn sie es lange geleugnet hatten, beide konnten es sich irgendwann nicht mehr schön reden. Sie waren schwul. Homosexuell, falsch gepolt, vom anderen Ufer. Nein, da gab es einfach nichts dran zu rütteln!

Wer nun aber glaubt, diese Erkenntnis hätte den Beiden das Leben erleichtert, der irrt. Beide mussten erleben, wie negativ ihr Umfeld auf diese Information reagierte. Zwar outeten sie sich nun nicht direkt bei allen, aber die wenigen Auserwählten, fanden es gar nicht komisch. Mario erlebte in de Zusammenhang zum Beispiel, wie sein bester Freund, mit dem er damals wirklich jede freie Minute verbracht hatte, auf einmal keine Zeit mehr für ihn hatte. Eben nur, weil er eine andere sexuelle Orientierung hatte.

Die Spanne der Reaktionen war vielfältig. Von einfachem ignorieren bis hin zu wütenden Beschimpfungen und körperlichen Angriffen. Bei Mario ging es sogar einmal so weit, davon wusste aber ausser ihm niemand, dass er von Leuten seiner Klasse festgehalten, ihm die Hose nach unten gezogen wurde und man ihn mit einem Besenstiel penetrierte. Verletzungen und Entzündungen waren die Folge und Mario hatte fortan Probleme damit, seine Sexualität jemandem zu offenbaren.

Luigi hingegen verstand nie diese Ungerechtigkeit. Er war schwul und wurde dafür verachtet und körperlich angegriffen. Als sich jedoch eine Klassenkameradin ebenfalls outete, war sie mit einem Mal der Star in der Klasse. Obwohl keiner der Jungs eine Chance bei ihr hatte, schwänzelten fast alle um sie herum und ignorierten die, bei denen sie hätten landen können.

Da lief doch eindeutig etwas schief! Bei Frauen war es geil, bei Männern verachtenswert. Wie kam das eigentlich? Nun, Waldemar hätte sich vielleicht die Mühe gemacht, die Hintergründe zu analysieren. Für Mario und Luigi war das aber zu doof. Es war so, damit mussten sie leben.

Sie fanden dann irgendwann heraus, dass man auf diese Weise ganz gut herausfinden konnte, wer ein echter Freund war und er dann doch ausgetauscht werden sollte. Mario erinnerte sich oft daran, wie Amy ihn damals immer wieder angemacht hatte. Je mehr er es ablehnte, desto energischer wurde sie. Damals gab es aber quasi nur ihn und sie. Mit Rebekka hatte Amy damals fürchterlichen Streit und demzufolge war keiner da, der ihm hätte helfen können.

Es kam der Tag, wo er es ihr einfach sagen musste. Sorge hatte er dabei ziemlich viel, denn ihm machte die Arbeit Spass und Amy scheute keine Kosten für die Hardware, niemand störte sich dran, wenn Mario über Nacht im Büro blieb und mit seinen Leuten irgendein Spiel auf den Rechnern des Kanals spielte. Ausserdem mochte er Amy sehr und es wäre schon sehr traurig für ihn gewesen, wenn er sie verloren hätte.

Doch er sagte es und alles was Amy zu entgegnen hatten war, er hätte es früher sagen können, damit sie sich nicht so zum Affen hätte machen müssen. Nie war das Thema irgendwie negativ zwischen den Beiden. Amy machte sogar ihre Witze darüber und fragte manchmal auch Mario, wie er zu einer gewissen Person stand, ob die geil war, oder eher doch nicht.

Da fing Mario das erste Mal an, sich in allen Aspekten seines Lebens wirklich erwünscht zu fühlen. Amy hatte nach wie vor viel Spass mit ihm und schätze seine Arbeit sehr. Sie liess sich Filmen und der Rest war einfach Marios Sache. Wenn der sagte, so wäre das gut, dann war es gut!

Als er schliesslich dann noch Janine, Rebekka und wie sie alle hiessen kennenlernte und alle so locker drauf waren, fühlte er sich endlich zuhause. Schlussendlich wurde er ja auch Teilhaber an dem Kanal und hatte mittlerweile auch ein Bankkonto mit einer Summe, welche die Meisten Menschen nur aus der Astronomie her kannten.

Bei Luigi war es ganz ähnlich. Viper hatte sich nie daran gestört, dass er schwul war. Er war eben auch ein Mensch und vögelte lieber mit Männer. Viper verweigerte sich zwar in dieser Hinsicht, aber davon abgesehen störte er sich keine Sekunde an der sexuellen Ausrichtung eines seiner aller besten Freunde.

Als dann Viper Amy und die Mädels kennenlernte, bei den Rennen anwesend war und seine Freunde mitbrachte, kamen sich Mario und Luigi ganz schnell näher und das hielt! Auch wenn sie stellenweise traurig über die Distanz waren, sie waren absolut glücklich miteinander! Streit hatten sie eigentlich nie und wenn sie zusammen waren hielten sie sich aus den Geschäften der Anderen heraus.

So auch hier auf dem Campingplatz. Ja, sie waren bei allen Aktivitäten dabei, doch allgemein hatten sie ihr eigenes Ding am laufen. Ein intensives Ding und manchmal fragten sie sich, warum Hetero-Paare eigentlich Spass an Sex hatten. Sie konnte nur etwas in sich stecken lassen, er konnte nur etwas einbauen. Sie hingegen, was der Eine konnte, konnte der Andere auch. Mario scherzte gerne, er sei die erste halbe Stunde der Mann, Luigi die zweite halbe Stunde die Frau. Aber nein, allgemein waren Beide beides. Mal war Mario vorne, mal sass Luigi auf ihm. Sie hatten dabei einfach ihren Spass.

In einem Punkt unterschieden sie sich jedoch mächtig von den meisten homosexuellen Männern. Sie hatten kein Problem damit, dass sie nie Kinder zusammen haben würden. Genau das fanden sie aber auch super, denn sie konnten Munter in den Anderen spritzen, ohne sich jemals Sorgen machen zu müssen. Ausserdem bekam auch keiner die Tage und war dann eine Woche gereizt.

Wobei, so genau konnte man das nicht sagen, denn tatsächlich gab es immer wieder regelmässige Zeiten im Monat, wo beide nicht so gut drauf waren. Ein Monatszyklus, der zwar nichts mit der Periode einer Frau zu tun hatte, aber dennoch immer wieder für unsinniges Potential zum Streiten sorgte.

Was von den Freunden niemand wusste, die Beiden hatten so etwas wie eine Rangliste, was die Mitglieder der Gruppe so anging. Diese wurde fast immer von Amy und Viper angeführt. Amy kam mehr aus Marios Richtung, Viper von Luigi. Darunter wechselte es häufig und auch in immer wieder merkwürdigen Zusammenstellungen. Katja schaffte es mittlerweile aber immer wieder, ganz dicht an Amy aufzurücken. Viper bekam hingegen Konkurrenz von Waldemar.

Katja bekam dabei viel Rückenwind von Luigi. Ihm gefiel ihre freche, offene Art, die noch ein Stück authentischer wirkte, wie die von Amy. Ausserdem war da der Punkt, dass Amy es mochte, eine Bitch zu sein. Es erregte sie, war erstrebenswert. Luigi war der Meinung, Frauen sollten genau so sein. Sich verhalten wie Männer und genauso akzeptiert werden.

Umgekehrt war Waldemar immer attraktiver bei Mario. Nicht im sexuellen Sinne, sondern durch seinen grossen Intellekt und das er sich mit ihm unterhalten konnte, ohne erst alles erklären zu müssen. Ausserdem, je mehr Mario bei seinen Ausführungen ins Detail ging, desto mehr verloren die Leute das Interesse. Für Waldemar ging Mario hin und wieder bei der Erklärung gar nicht tief genug. So stellte sich Mario das immer wieder vor.

Luigi fand aber auch Gefallen an Donald. Zum Einen der riesige Lümmel, den er ja haben sollte und, Donald liess immer wieder durchblicken, dass er Bi war. Theoretisch hätte Luigi also auch mal an seinem Stab knabbern können, wenn Mario es geduldet hätte.

In der Hinsicht hatte es Mario Perry angetan. Was er sich die letzten Monate ins Zeug gelegt und an sich gearbeitet hatte, war echt beeindruckend! So viel Disziplin, für Mario einfach ein Highlight. Ausserdem hatte Perry einen guten Humor, liebte mit vollem Herzen usw.

Rangliste hin oder her, keiner der Freunde war für Mario und Luigi entbehrlich. Sie zu verlieren wäre für beide ein sehr negativer Einschnitt in ihr Leben gewesen. Was ein Glück, dass von einem Ende dieser Freundschaft überhaupt nicht zu reden war. Nein, irgendwie wurde alles nur noch intensiver. Da überzeugte besonders Maia. Sie war auf einmal da und seither konnte man sie einfach nicht mehr wegdenken. Wirklich schien es so, als war sie schon immer da und gehörte schon immer zu dem Haufen.

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.