Ein neuer Weg?

Es vergingen ein paar Tage die derart gleichmässig abliefen, dass man sie kaum zu nennen braucht. Die Meisten gingen über den Tag an den Strand, Mario, Luigi, Waldemar und Elena in die Pyramide. Abends gab es dann noch Sex, natürlich immer wieder mit unterschiedlichen Partnern, davon abgesehen passierte jedoch nichts nennenswertes. Bis auf eine Kleinigkeit.

Während sich die Leute im Zelt aufhielten und den Abend ausklingen liessen, haderte Waldemar mit der vorherrschenden Situation. Für ihn war es unlogisch, dass er auf zwei verschiedene Arten funktionierte. Einmal so rational und logisch, dann wieder gefühlsbetont. Ihm gefiel das nicht und dadurch zog er sich immer wieder etwas zurück, um ungestört nachdenken zu können.

Das zog natürlich die Neugier seiner Freunde auf sich, die nach und nach zu ihm kamen und fragten, was denn mit ihm los sei. Niemand bekam eine Antwort, bis es Pascal versuchte. Der kam, setzte sich neben Waldemar, schaute ihn nicht an, sondern sprach einfach.

»Erzähl, was ist los?«

»Pascal, ich weiss es nicht, mein lieber Freund! Seit einiger Zeit funktioniert etwas in mit nicht richtig. Einmal bin ich absolut logisch und lasse mich durch nichts ablenken, dann bin ich emotional und die Gefühle zwingen mich fast schon dazu, in irgendeiner Form intim mit Elena zu werden.«

»Das hab ich schon oft gehört. Das Problem ist einfach, dein Verstand beansprucht dein Unterbewusstsein. Durch deine Logik zwingst du dich quasi dazu, nur die Dinge zu tun, die auch wirklich logisch sind. Dummerweise bist du aber ein Mensch und kein Roboter. Das heisst, in die schlummern auch die ganzen Emotionen. Bislang waren die aber nie von Bedeutung und blieben deshalb verborgen. Nun hast du aber Elena und nun werden deine Gefühle stärker und wollen ans Licht!«

»Hervorragend. Ich bin also eine gespaltene Persönlichkeit!«

Pascal lachte.

»Quatsch doch keinen Mist! Wenn die Emotionen ans Licht kommen, weisst du dann noch alles von deiner Logik? Identifizierst du dich weiterhin mit Waldemar?«

»Ja, natürlich!«

»Dann bist du auch nicht schizophren. Mach dir da mal keine Gedanken!«

»Nun, du sprichst natürlich sehr logisch und das muss ich akzeptieren. Doch frage ich mich, wie soll ich damit umgehen? Ich fühle mich im Nachhinein immer unwohl, wenn ich wieder logisch bin. Eben weil ich stellenweise sehr unlogisch handele!«

»Hmm. Dann sag doch mal, wie würdest du logisch handeln?«

»Das ist doch klar, mein lieber Freund. Mein Handeln müsste so ausgeprägt sein, dass ich es logisch nachvollziehen kann. In der Zeit, wo wir alles als Experiment haben laufen lassen, war es logisch und ich fand es gut. Doch damit habe ich meiner Partnerin Schmerz zugefügt, was auch nicht Sinn der Sache ist. Nun bekommt sie was sie sich wünscht, ich in der Zeit auch, doch hinterher fühle ich mich nicht gut, weil ich so unlogisch war.«

Pascal stand auf.

»Komm mit!«

Verwirrt stand auch Waldemar auf.

»Wo gehen wir hin?«

Pascal gab keine Antwort, sondern ging in gerader Linie auf Amy zu. Die spielte an Phillip herum und es war abzusehen, dass die Beiden gleich verschwinden würden. Beziehungsweise verschwunden wären, wenn Pascal nicht gekommen wäre.

»Komm!«

Sagte er in einem strengen Ton. Amys Blick änderte sich sofort. Ohne auch nur im Ansatz auf Phillip zu reagieren stand sie auf und stellte sich neben Pascal. Der schritt los, Amy mit einem Schritt Abstand direkt hinter ihm. Waldemar schaute zu Phillip, doch der zuckte nur mit den Schultern. Dann ging auch Waldemar hinterher.

Weit ging die kleine Gruppe nicht. Gerade so weit, dass sie ungestört waren. Waldemar, der Schlusslicht spielte, schaute dabei beeindruckt zu Amy, die mitten im Laufen ihre Haare zu einem strengen Dutt frisierte. Als Pascal stehen blieb, stieg Waldemars Neugier.

»Waldi, du brauchst Logik in deinem sexuellen Leben?«

»So ist es, mein Freund!«

»Gut. Wie würde also logischer Sex für dich aussehen?«

»Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten, mein Freund. Die Abläufe müssen logisch einem Ziel folgen. Das Ziel des Koitus wäre natürlich die Befruchtung, doch wie ich mittlerweile lernen durfte, kann man der Biologie ausweichen, indem man als Ziel den Orgasmus setzt und nicht die dadurch eigentlich entstehende Befruchtung.«

Amy sprach nichts. Sie stand ein wenig hinter Pascal und schaute zu Boden. Nichts an ihr bewegte sich.

»Okay. Du kannst dein Problem definieren. Sehr gut. Wie stellt du dir das also vor, dass du sowohl deine Emotionen befriedigst, dich aber im nach hinein nicht schlecht fühlst?«

»Wie bereits gesagt, lieber Pascal, es müsste logisch ablaufen. Die Handlungen müssten darauf ausgelegt sein, einen ansprechend befriedigenden Höhepunkt zu erreichen. Wie ich gelernt habe, gibt es massive Unterschiede bei Orgasmen. Man kann einen haben, der zur kaum nennenswerten Befriedigung führt, aber man kann auch einen haben, der sämtliche Hormone aus dem Körper spült. Um einen solchen zu erreichen, muss der Weg entsprechend lang und aufregend sein. Doch ist Sex oftmals so verwirrend. Vieles was wir tun, ist zwar auf eine gewisse Weise angenehm, aber absolut nicht zielführend. Das stört mich sehr!«

»Okay. Kurz gesagt, du würdest den Sex gerne so auslegen, dass es die notwendige Zeit dauert, aber nicht länger und am Ende dennoch das Maximum an Hormonen deinen Körper verlässt!«

»Korrekt, mein Freund.«

»Gut. Nenne mit mal ein Szenario, wie es deiner Meinung nach dazu führen würde. Lassen wir die Tatsache einfach für einen Moment ausser Acht, dass Emotionen dynamisch sind und man sie erst während dessen genau erfassen kann.«

»Gerne, lieber Pascal. Es wäre sinnvoll, zu Beginn durch streicheln in verschiedenen Variationen die Sensibilität des Körpers zu erhöhen. Im Anschluss empfinde ich persönlich ein orales Spiel als durchaus qualifiziert, um die Erregung deutlich weiter zu steigern. Schliesslich würde es in Verkehr enden, der zu einer ausserhalb des Körpers stattfinden Ejakulation führt.«

»Alles klar. Dann sag mir mal, wie es deiner Meinung nach am Besten funktionieren würde!«

»Eine sehr einfach zu erklärende Aufforderung. Am sinnvollsten wäre es natürlich, wenn ich die Leitung übernehmen und Elena quasi als meine Assistentin fungieren würde.«

»Ich verstehe. Amy, streichle mich, bis ich voll erigiert bin!«

Sofort kam Amys Hand. Sie schien sich an Waldemar nicht zu stören, sondern fing augenblicklich damit an, Pascals Schritt immer intensiver zu reiben.

»Sehr gut! Jetzt hol ihn raus und wichs ihn mir anständig!«

»Pascal! Ich habe keinen Bedarf daran, dein Glied zu sehen und miterleben zu müssen, was Amy damit macht!«

»Dann würde ich sagen, geh besser rein! Ich hole mir jetzt meinen Orgasmus!«

Stehenden Fusses drehte sich Waldemar um und eilte davon. Er konnte gar nicht glauben, was da gerade passiert war! Amy hatte, ohne zu fragen, ohne an sich selbst zu denken einfach das getan, was Pascal wollte. Er konnte sie steuern und so das bekommen…

Waldemar blieb stehen, als wäre er mit vollem Schwung gegen eine Wand gelaufen. Pascal hatte ihm da gerade etwas gezeigt, was die Antwort auf seine Frage war, beziehungsweise die Lösung für sein Problem! Er und Elena mussten auch ein solches Verhältnis anstreben. Er war der Meister, sie seine Untergebene. Sklavin, oder auch Sub wollte Waldemar dafür nicht verwenden, da er keinerlei Ambitionen hatte, in irgendeiner Form handgreiflich zu werden. Es ging ihm nur darum, er würde bestimmen, sie würde machen. Dadurch konnte er ihr Intimleben auf einen Nenner mit seiner Logik bringen und seinen Frieden damit machen.

Ihm war aber auch bewusst, Elena war keine Frau wie Amy, oder Katja. Die hatte ihren eigenen Willen und wenn sie lieber geleckt werden sollte, anstatt das was Waldemar da im Sinn hatte, dann war das eben so. Ein echtes Problem, denn wir sollte er sie nun dazu bekommen, sich ihm zu unterwerfen?

Diese Frage konnte Waldemar nicht an Ort und Stelle klären. Er würde viel darüber nachdenken und gegebenenfalls auch Pascal konsultieren müssen. Eigentlich gab es da überhaupt nur eine Möglichkeit, wie es in seinem Kopf machbar war. Elena musste so starke Gefühle für ihn haben, um lieber ihre Freiheit im Bett aufzugeben, als Waldemar zu verlieren. Doch, hatte sie diese Gefühle? Waldemar war sich nicht sicher, schliesslich schlief sie ja immer wieder auch mit anderen Männern. Jetzt, wo er in das Zelt zurückkam, fehlte sie zum Beispiel, genauso wie Viper und es war abzuschätzen, wo die Beiden waren. Waldemar fühlte sich vor eine Herausforderung gestellt, die komplizierter war, als die Pyramide!

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.