Willst du?

Zum Dank drückte Elena Rebekka fest an sich. In der Tat war sie der Meinung, dieser Rat konnte für sie wirklich was bringen! Mit etwas Glück und etwas Unterstützung der Mädels konnte sie vielleicht wirklich in naher Zukunft ihr eigenes Geld verdienen und das so verschleudern, wie sie es wollte. Ohne hinterher bei Papi schöne Augen machen zu müssen.

Gut. Alexis war fertig und sah unglaublich gut aus! Weisses Kleid, welches durch einen Reif etwas unterhalb der Hüfte verbreitert wurde. Aber nicht zu stark, doch sitzen war damit einfach nicht so praktisch. Ausserdem war der Stoff unglaublich empfindlich. Jede falsche Bewegung verursachte eine Falte. Dazu dann noch der obere Teil, der beinah aus einem Porno hätte sein können. So ein krasser Ausschnitt, doch egal wie sich Alexis bewegte, der gab nie mehr Haut preis, als wenn sie normal stand.

Dazu wollte sie eine Banane als Frisur. Katja schaute sich an, wie Janine ihr diesen Wunsch erfüllte und fragte sich, wie wohl Perry darauf reagieren würde. Wenn seine Reaktionen darauf eher heftig ausfielen, musste Janine ihr diese Frisur auch beibringen, damit sie ihren Schatz damit um den Verstand bringen konnte.

Dann die Fahrt. Wobei es für Alexis keine Fahrt war. Sie stand in dem kleinen Bus und musste von den Anderen gehalten werden. In jeder Kurve, bei jedem Bremsmanöver und jedes Mal beim beschleunigen drohte sie den Halt zu verlieren. Aber, wofür hat man denn Freunde? Die schafften es, die junge Braut sicher bis ans Ziel zu bringen.

Dort angekommen stiegen Elena und Claudia zuerst aus und schauten sich um. Jerry sollte seine Braut wirklich erst dann sehen, wenn sie zu ihm vor den Priester zwischen die Pranken der Sphinx geführt wurde. Die Luft schien rein, Alexis konnte raus kommen. Der Einzige, der zu sehen war war Derrick und der schien Schmiere zu stehen und zu warten. Natürlich kam er sofort heran.

»Ja meine Güte! Kannst du dir das mit Jerry nicht noch überlegen? Du siehst ja unglaublich gut aus! So würde ich dich auch sofort heiraten!«

Einer Dame gefiel diese Aussage überhaupt nicht. Aisha hatte so in ihrem Kopf, wenn der eine heiraten würde, dann sollte gefälligst sie das sein!

»Danke. Aber vergiss es. Ich hab meinen Mann und nur der darf mich heiraten!«

»Warum sind die schönsten Frauen eigentlich immer vergeben?«

Aisha knurrte. Das bekam Amy mit, die Rebekka einen Schubs mit dem Ellenbogen gab. Die verstand und gab den Ellenbogen an Janine weiter. Janine hatte schon das Knurren gehört und anstelle eines Ellenbogen bekam Derrick eine fette Watschen.

»Eh, bist du bescheuert?«

Janine hatte die Arme verschränkt. Derrick hätte sich zu gerne bei ihr revanchiert, doch ihm waren die Konsequenzen absolut bewusst. Jede Aktion seinerseits hätte Janine abgefangen und ihn dann vielleicht noch schlimmer zugerichtet. Irgendwie fand er es total bescheuert, dass die Mädels so viel mehr auf dem Kasten hatten als er.

»Darf ich mal fragen was los ist? Ich meine, Alexis ist ja zum anbeissen, aber ihr?«

»Nur keine Panik, wir klären das gleich. Wie sieht es denn aus, wann geht es los?«

»Die haben einen grossen Gong aufgestellt. Wenn sie den einmal schlagen, gehe ich Mario, Luigi und Waldi rufen. Zweimal und wir sollen kommen. Erst das Publikum, dann die Braut.«

»Wer führt mich denn jetzt eigentlich zum Altar?«

»Ähm, ich?«

Fragte Amy, für die das eigentlich schon geklärt war. Doch ausser ihr schien das niemand zu wissen, auch Alexis nicht.

»Muss das nicht ein Mann sein?«

»Nein, eigentlich nicht. Ist dir ein Mann lieber?«

»Schon, ja, irgendwie.«

»Markus?«

Fragte Amy zurückhaltend. Ihre Jungs fielen aus. Auch die Jungs von Katja. Blieb eigentlich nur Markus.

»Wartet!«

Sagte Katja bestimmend.

»Warum Markus? Nach allem was ich bisher so mitbekommen habe, fällt Markus alles mehr oder minder in den Schoss und er muss nicht wirklich was dafür tun. Ein Anderer macht die ganze Arbeit und ich persönlich bin der Meinung, wenn das für dich okay ist Alexis, sollte ihm die Ehre zuteil werden!«

Alexis schaute Katja an, dann Amy und dann Derrick.

»Derrick, würdest du bitte Morgen fragen, ob er mir die Ehre zuteil werden lässt, mich zum Altar, oder was hier eben ist zu führen?«

Derrick nickte und verschwand. Als er runde zehn Minuten später mit Morgen zurück kam stellte der sich vor Alexis, nahm ihre Hände und schaute ihr in die Augen.

»Danke!«

Mehr sagte er nicht. Aber Amy und die Anderen, die ihn mittlerweile etwas kannten wussten genau, wie tief diese Dankbarkeit war. Wahrscheinlich würde Morgen die nächsten Jahre mehr über diesen Tag erzählen, als Alexis selbst.

»So. Dann muss das jetzt nur noch gongen, oder?«

»Jupp.«

Bestätigte Derrick.

»Sagt mal, solltet ihr nicht auch Brautjungfernkleider tragen?«

»Sollten wir Morgen. Aber lass dir deshalb mal keine grauen Haare wachsen.«

Erklärte Amy beiläufig.

Die Zeit verstrich, die Sonne brannte unbarmherzig auf die Leute runter. Kein Gong. Woran hing es denn? So viel vorzubereiten war da doch gar nicht! Der Priester musste ein wenig höher stehen, was man mit einer einfachen Kiste schon realisieren konnte. Alexis und Jerry würden dafür stehen und die Zuschauer dahinter. Da gab es nichts vorzubereiten, also warum dauerte das denn so lange?

Amy entdeckte mal wieder aufs Neue, wie sie warten so gar nicht leiden konnte. Die Sekunden schlichen dahin, als hätten sie mit den Stunden getauscht. Nichts passierte, ausser dieses Brennen durch die Sonne.

»Leute, mir jetzt egal. Ich such mir jetzt irgendwo …«

GONG

»War ja klar.«

Seufzte Amy. Derrick eilte sofort los und Morgen sah voller Verwunderung, was um ihn herum passierte. Ein Mädel nach dem anderen zog erst die Schuhe aus, dann die Hose und dann das Shirt. Darunter war, sorgsam am Rock aufgerollt, dass von Alexis gewählte Outfit für die Brautjungfern. Als das korrekt sass, ohne auch nur eine Falte zu zeigen, verteilte Rebekka noch schnell die hohen, passenden Schuhe für das Outfit, Janine kümmerte sich noch um die Haare und pünktlich zum zweiten Gong waren alle bereit.

Die Mädels, von Janine abgesehen, verfluchten Alexis für die Wahl der Schuhe. Ja, die sahen super aus und in jeder Kirche wären sie auch für die Mädels echt toll gewesen. Aber hier, bei diesen unebenen Steinen, dem Sand und das alles, da war laufen echt eine Herausforderung. Von Alexis und eben Janine mal abgesehen. Die liefen damit, als wäre es eine frisch geteerte Strasse, oder der perfekte Belag in einem Ballsaal.

Dann war der grosse Moment gekommen. Derrick sagte zu Morgen, er solle mit Alexis an einer bestimmten Stelle warten, von der aus man sie nicht sehen konnte. Der Rest sollte sich drinnen einen Platz suchen und wenn die Musik ertönte, sollte Morgen seinen Auftrag erledigen.

Die Nervosität in Alexis stieg mit jeder Sekunde und je weiter die Zeit voran schritt, desto mehr Zweifel hatte sie, ob sie sich wirklich bis ans Ende ihres Lebens an Jerry binden sollte.

»Alles okay mit dir?«

»Ich weiss es nicht. Ich glaube, ich kriege kalte Füsse!«

»Ist ein bisschen spät, oder?«

»Wieso? Noch hab ich nicht ja gesagt.«

»Doch hast du.«

»Morgen, fang du jetzt nicht auch noch mit dem Standesamt an.«

»Muss ich aber. Nur weil es für dich keine Bedeutung hat, hat es das für den Rest der Welt. Selbst wenn du jetzt hier nein sagst, seit ihr vor dem Gesetz trotzdem verheiratet und willst du dich von ihm trennen, müsst ihr euch scheiden lassen.«

»Ach was, könnte ich annullieren lassen.«

»Nö. Seit der Hochzeit habt ihr schon gefickt. Also die Ehe vollzogen. Da ist nichts mehr mit annullieren!«

Alexis verstand, was Morgen sagen wollte. Ausserdem fiel ihr in dem Moment ein, dass ja Jerry auf sie wartete. Der Mensch, den sie seit längere Zeit jetzt schon wie verrückt liebte und ohne den sie sich gar kein Leben mehr vorstellen konnte. Wo genau lag also das Problem? Gleich würde die Musik ertönen und dann würde sie endlich auch für sich den Bund der Ehe eingehen. Ach, es würde schon alles gut gehen und schlussendlich würde sei glücklich sein!

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