Ägypten und die ersten Schwierigkeiten

Mario kam mit einem Fetten grinsen zurück ins Cockpit. Gerade rechtzeitig, denn Derrick hatte bereits die Checkliste für den Endanflug zur Hand genommen und wollte die Prozedur beginnen. Das übernahm nun wieder Mario.

Hinten hockte ein ebenfalls grinsender Luigi neben Claudia. Ein Umstand der durch die Tatsache ermöglicht wurde, dass Donald sich erleichtern musste. Claudia hatte da eine ganz bestimmte Frage.

»Luigi, wir kennen uns ja jetzt noch nicht so gut wie ich die anderen kenne, aber kann ich dir eine intime Frage stellen?«

Luigi war seit vielen Jahren Vipers bester Freund und hatte ihn auch wieder auf Kurs gebracht, nachdem dessen Verlobte gestorben war. Von daher, Luigi war ein ebenso offener Mensch wie Viper und hatte mit intimen Fragen keine Probleme.

»Ja, tu dir keinen Zwang an.«

»Okay. Also, na ja, wie ungewöhnlich ist es denn für einen homosexuellen, einen Dreier zu haben, bei dem auch das andere Geschlecht vertreten ist?«

Luigi lachte.

»Genauso wie bei den Heteros auch. Da können ja auch zwei Hetero-Männer Sex mit einer Frau haben, oder irre ich?«

So betrachtet war Claudias Frage natürlich richtig bescheuert. Warum sollte das denn auch nicht funktionieren?

»Ja, tut mir leid, hab ich so gar nicht dran gedacht.«

»Ach, mach dir nichts draus. Die Meisten denken, homosexuell zu sein sei etwas total merkwürdiges. Ja, es ist anders. Mario und ich, wir haben beide einen Zipfel und es ist nie gesagt, wer den nun benutzt. Aber im Prinzip ist es alles das Gleiche. Man hat Lust und tut das, was dagegen hilft. Fertig.«

Claudia fühlte sich ein wenig ertappt. Sie hatte ja auch schon ihre Erfahrungen mit Janine alleine gemacht und wusste doch eigentlich, wie gleichgeschlechtliche Liebe ablief. Aber gut, es war ja auch nur die einleitende Frage, so gesehen um das Eis zu brechen.

»Okay. Aber ich habe noch eine andere Frage an dich.«

»Das habe ich mir fast schon gedacht!«

Luigi grinste.

»Na ja, Mein Freund hat vor kurzem deinem Mario so ein Angebot gemacht, wenn er richtig Notstand hätte, könnte er ihm helfen. Seither hab ich das Gedanken im Kopf einen Dreier zu haben.«

Luigi machte grosse Augen.

»Du meinst, wo du Sex mit ihm und er mit einem anderen Mann hat?«

»Ja genau!«

Luigi schüttelte sich.

»Also, da bin ich raus. Ich bin zwar keines Wegs oberflächlich, oder so, aber bei einer nackten Frau, wo das wichtigste Teil fehlt, da habe ich so meine Schwierigkeiten in Stimmung zu kommen!«

»Und Mario?«

Schoss es aus Claudia heraus und sie bereute die Frage sofort. Es ging hier schliesslich um Untreue, nach der sie Luigi da fragte und sie wusste überhaupt nicht, wie er dazu stand.

»Ach, dass müsstest du dann eher ihn fragen, würde ich sagen.«

»Und wenn er daran Spass hat? Würde dich das stören?«

Luigi fing an zu lachen.

»Claudia, du weisst doch wie unser Haufen drauf ist. Mario und ich stellen da keine Ausnahme, nur scheinen wir nicht so die Augen für anderen Männer zu haben. Aber wenn mein Schatz das wollen würde und für Schutz sorgt, wäre ich ihm nicht böse!«

Claudia war erleichtert und hatte auch schon einen Plan, wie sie das alles umsetzen würde. Aber, es würde noch ein wenig auf sich warten lassen.

Die Maschine landete sicher und wieder sehr wirksam auf schaulustige auf dem Flughafen und rollte zur angegebenen Parkposition. Eine grosse, voll verkleidete Treppe wurde herangefahren und als Rebekka die Tür öffnete, erlebten alle eine Überraschung.

»Muchabarat! Niemand bewegt sich, niemand fasst etwas an und alle bleiben da, wo wir sie sehen können!«

Ein Mann betrat die Maschine. Ihm folgten vier weitere Männer mit Sturmhauben, die ihre automatischen Gewehre im Anschlag hatten. Instinktiv schoben die Mädels ihre Freunde hinter sich. Amy stand stellte sich ganz nach vorne.

»Darf ich mal fragen, was der Aufstand soll?«

»Sind sie hier der Ansprechpartner?«

»Ich bin der, der dir gleich den Kühler verbeult, wenn du meine Frage nicht beantwortest!«

Sofort gingen die Gewehre noch fester in Anschlag. Amy hatte die Lage schon genau erfasst. Sie konnte diesen Typ problemlos kassieren, umdrehen und ihn als Schutzschuld benutzen. Da er eine schusssichere Weste zu tragen schien, war das also problemlos. Aber auch Janine und Rebekka hatten die Lage schon durchschaut. Rebekka musste nur den Notschalter für die Türen erreichen, dann würde diese mit viel Wucht zuschlagen und zwei der bewaffneten Männer nach draussen befördern. Der Schalter konnte sie problemlos mit dem Fuss erreichen, während sie das eine Geweht nach oben drücken würde, damit es auf niemanden mehr zielen würde. Bliebe noch Janine, aber die wusste auch, was sie tun musste.

»Man hat mir gesagt, dass sie mutig sind! Gut. Man hat uns darüber informiert, dass von euch terroristische Machenschaften geplant sind. Wird sind deshalb hier, um die ganze Maschine nach Waffen zu durchsuchen. Es ist in eurem eigenen Interesse, wenn ihr kooperieren würdet!«

Amy warf einen ganz kurzen Blick rüber zu Pascal. Im Prinzip konnten die Typen die ganze Maschine auf den Kopf stellen, sie hätten keine Waffe gefunden. Aber, sie hätten auch vor Polstern, Verkleidungen und so keinen Halt gemacht und am Ende wäre die schöne Maschine stark beschädigt worden. Das ging so nicht.

Pascal trat vor.

»Meine Herren. Wenn ich das aufklären dürfte. Die einzigen wirklichen Waffen, die wir an Board haben, sind diese drei Damen. Wären sie korrekt informiert worden, wären sie mit einem weit höheren Aufgebot an Personal hier erschienen. Vier bewaffnete Figuren? Gegen diese Damen? Das ist gelinde gesagt lächerlich!«

Das fand der Kerl nicht lustig.

»Wollen sie mir sagen, dass meine gut ausgebildeten Einsatzkräfte nicht gegen diese Frauen bestehen könnten?«

»Genau das will ich sagen. Ich will aber noch etwas anderes sagen. In diesem Flugzeug gibt es keine Waffen und kein Sprengstoff. Wir sind hier, weil diese Dame und ihr Mann bei den Pyramiden den heiligen Bund der Ehe eingehen wollen. Mehr nicht!«

Der Kerl schaute sehr misstrauisch. Aber sein Blick hing an Pascals Augen fest, als würden sie sich gerade verlieben. Dann zogen sich seine Mundwinkel ein wenig nach oben.

»Na, warum haben sie das denn nicht gleich gesagt? Okay, Waffen weg, alles in Ordnung hier!«

Die Waffen wurden gesenkt. Amy war sich aber sicher, die Blicke, die sie durch die Sturmmasken erkennen konnte, waren verwirrt und misstrauisch.

»Sie wollen also unsere Pyramiden nutzen, um den Bund fürs Leben einzugehen?«

Alexis, deren Nerven flatterten und für die das alles viel zu viel war nickte nur.

»Eine grandiose Wahl! Keine Hochzeitsfotos sind schöner, als die mit unserer Kultur im Hintergrund. Wenn sie erlauben, in welchem Hotel haben sie gebucht? Es wäre mir eine Ehre, sie dorthin bringen zu können.«

»In gar keinem. Wir bleiben hier am Flughafen und bauen unser Flugzeug zum Zelt um. Alles cool.«

Viper schien von der ganzen Aufregung kein bisschen aufgeregt zu sein.

»Hier? Nun, wenn sie möchten, dann ist ihnen das natürlich freigestellt.«

Der Mann drehte sich um, machte eine Geste mit seinem Finger und seine bewaffneten Begleiter verschwanden. Katja verstand das alles mal wieder nicht. Eben waren die noch auf Krawall gebürstet und nun waren sie total friedlich, nur weil Pascal etwas gesagt hatte? Wie zur Hölle ging das nur? Was hatte Pascal nur an sich, dass man ihm einfach glaubte?

Nun, spielte alles keine Rolle. Da kamen zwar noch Männer vom Zoll und wollten das Gepäck durchsuchen, aber auch da gab es keine Schwierigkeiten. Nun musste das Flugzeug eben zur Unterkunft umgebaut werden. Ein Unterfangen, welches zwar einfach, aber zeitaufwendig war. Oben, an den Tragflächen, musste mit einem speziellem Klebeband so etwas wie ein Klettband aufgebracht werden. Aisha überzeugte sich natürlich davon, dass dieses Klebeband auch wirklich wieder rückstandsfrei entfernt werden konnte, dann ging die Arbeit los.

Über zwei Stunden später war es dann geschafft. Die ganzen Tragflächen waren mit Planen versehen und bildeten darunter einen vorzüglich grossen Lebensraum. Eine wirklich tolle Sache!

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