Pyramiden die Erste

Die Freunde waren gerade dabei, den neuen Wohnraum auch wohnlich zu gestalten, als eine Gestalt ihren Kopf durch die Planen steckte.

»Hallo. Ich suche Jerry!«

Alle drehten sich um und schauten in das bärtige Gesicht eines Mannes, den man fast schon als Prototyp eines Ägypters ansehen konnte. Wieso genau, darüber waren sich die Leute nicht ganz einig, aber wenn man ihn sah, sah man es einfach. Jerry schälte sich heraus.

»Hamadi mein Freund, schön sich zu sehen! Du hast dir Zeit gelassen!«

»Ich? Du hast mir nicht gesagt, wann ihr hier ankommt. Wenn ich nicht durch Zufall erfahren hätte, dass ein äusserst spektakuläres Flugzeug hier gelandet ist, wäre ich immer noch nicht hier!«

»Wie dem auch sei. Darf ich dir meine Freunde und meine Frau vorstellen?«

»Verlobte!«

Meuterte Alexis.

»Schatz. Offiziell sind wir verheiratet!«

»Und ich habe dir schon tausendmal gesagt, für mich zählt das nur von einem Priester!«

Jerry schüttelte den Kopf und fing an die Leute vorzustellen. Auffällig war, bei den Männern gab es einen kurzen Handschlag und die Sache war durch. Bei den Damen liess sich Hamadi deutlich mehr Zeit.

»Wo ist denn deine normale Todesfalle geblieben? Seit wann mit so einem Schlitten unterwegs?«

»Du sollst meine Maschine nicht so nennen! Sie ist alt, aber in bestem Zustand. Frag meinen Bruder!«

Markus lachte.

»Ja, kann ich bestätigen. Weil irgendwie, immer wenn mein Brüderchen von einer Reise zurückkehrt, habe ich kurz darauf einen Reparatur- und Wartungsbericht von meiner Wartungsmannschaft auf dem Schreibtisch.«

Hamadi lachte. Es war ein Spiel zwischen ihm und Jerry, dessen Maschine immer irgendwie zu diffamieren.

»Gut. Dieses mal bist du hier, um in der Pyramide das Ja-Wort zu geben?«

»Ganz genau. Konntest du alles arrangieren?«

»Ich habe den Bus und den Priester besorgt. Alles Andere müssen wir vor Ort klären. Ich hoffe, es fehlt euch nicht am nötigen Kleingeld.«

Amy, Rebekka und Janine kicherten. Markus fand das gar nicht komisch. Normalerweise, wenn er unterwegs war, hatte er immer den dicksten Geldbeutel. Doch wenn Amy und ihre Freundinnen dabei waren, lag er nur mit weitem Abstand auf Platz 2. Wie er damals ja herausfinden musste, hatte Amy genug Geld, um seine ganze Firma beiläufig zu schlucken. Aber, auch wenn ihm der Umstand schon lange bekannt war und Amy beim besten Willen nicht mit ihrem Geld angab, solche Moment fielen ihm immer sehr schwer.

»Da mach dir mal keine Sorgen. Also sollten wir uns das mal anschauen und mit den Verantwortlichen sprechen.«

»So ist es gedacht. Aber, warum ausgerechnet in der Grossen? Ich meine, bis ihr da in der Königskammer seit, ist die Frisur im Arsch und die Klamotten vom Schweiss durchnässt. Ist das der richtige Ort für eine Hochzeit?«

Jerry zuckte mit den Schultern.

»Meine Maus wünscht es sich. Was soll ich dagegen machen?«

Nichts. Jedem war klar, wenn Alexis sich das in den Kopf gesetzt hatte, war da nichts mehr dran zu machen.

»Nun gut. Könnt ihr weg, oder muss hier was bewacht werden?«

»Also, was man hier mitgehen lassen kann, hat keinen besonderen Wert. Von daher können wir uns gerne auf die Socken machen.«

Etwas mehr als eine halbe Stunde nach Jerrys Antwort, erreichte die Gruppe die Pyramiden. Alle waren total begeistert. Klar, jeder hatte diese Bauwerke schon irgendwo auf Bildern, oder in Filmen gesehen, wenn man aber davor stand und die Grosse auf einen wirkte, war die Sache eine ganz andere.

»Leck mich! Sind das Klopper!«

»So ist es, junge Dame. Unsere Pyramiden sind schon etwas ganz besonderes!«

Amy, die aus dem Staunen nicht mehr herauskam, schaute ganz nach oben.

»Ich muss sagen, wenn man es real vor sich sieht, zollt man den Erbauern gleich noch mehr Respekt!«

Hamadi lachte.

»Komisch, sagen viele Leute, wenn sie das erste Mal hier sind. Ja, was meine Vorfahren da geleistet haben, war schon beeindruckend.«

Janine eilte auf die Pyramide zu und wollte sie anfassen. Sofort kam ein Mann in Uniform heran.

»Hallo? Junge Dame? Darf ich fragen, was sie vorhaben?«

Janine schaute den Kerl an und fragte sich sofort, ob sie den bestechen, oder sich von ihm stechen lassen sollte. Die gebräunte Haut zusammen mit dieser Figur war definitiv beeindruckend und aufregend.

»Mir das Ding mal aus der Nähe anschauen. Darf ich?«

»Das will jeder! Aber wenn sie nicht zu einer offiziellen Gruppe gehören, werde ich sie nicht vorlassen!«

Zum Glück hatte Jerry die Gruppe bereits während dem Flug ausreichend instruiert. Geld regierte hier und das musste man nicht gut verpackt an die entsprechenden Personen weitergeben, um zu kriegen, was man wollte. Entsprechend waren die Mädels mit mehr als genug Bargeld ausgestattet. Das sah man Janine jedoch nicht an. Sie trug einen kurzen, weiten Rock, untypischerweise darunter Turnschuhe und ein sportliches, knappes Oberteil, welches ihre fülligen Brüste kaum im Zaum halten konnte.

»Ich gehöre zur Euro-Gruppe. Warten sie, ich zeige ihnen ein paar meiner Mitreisenden!«

Janine griff sich in den BH, was den Kerl schon gierig schauen liess. Als sie dann aber ein recht dickes Bündel Geld zum Vorschein brachte, wurden seine Augen noch grösser.

»Hier. Schauen sie mal. Wenn ich die Jungs hier bei ihnen lasse, so als Bürgen, darf ich mir dann die Pyramiden aus der Nähe anschauen?«

Janine schaute dabei derart süss, dass der Kerl gar nicht genau wusste, ob er das Geld zählen, oder sie anschauen sollte. Schliesslich fing er doch an zu zählen. 20 100 Euro Scheine. Er schaute sich um und steckte das Geld vorsichtig ein.

»Sagen sie doch gleich, dass sie zu der Gruppe gehören. Natürlich dürfen sie sich die Pyramiden ganz genau anschauen. Nur nicht hoch krabbeln bitte.«

Janine schaute nach oben und war schon total fertig mit ihren Kräften, wenn sie auch nur an eine Besteigung dachte.

»Aber nein, ist mir viel zu hoch. Reinschauen wollen wir aber mal. Geht das klar?«

Die Anderen kamen heran.

»Ja, geht klar. Wer sind die denn jetzt? Gehören die zu ihnen?«

Janine erklärte den Sachverhalt und nachdem noch einige Scheine den Besitzer gewechselt hatten, durfte jeder die Pyramiden nach Herzenslust unter die Lupe nehmen. Doch Waldemar störte sich an einer Sache.

»Wie viel kostet es uns, ungestört alles begutachten zu können?«

Der Wachmann grinste.

»Sagen wir, alles, was die anderen Gruppen bezahlt haben.«

Waldemar schaute sich um. Hier waren unzählige Menschen. Das würde teuer werden. Doch wie er ja wusste, hätten Amy und ihre Freundinnen das stemmen können. Doch der Mann hatte einen Gegenvorschlag.

»Alternativ können sie auch warten, bis hier zugemacht wird. Dann ist ausser uns keiner mehr da.«

»Wann wäre das?«

»Sagen wir ab 21 Uhr.«

Waldemar schaute die Anderen an. Denen schien es ziemlich egal zu sein. Bis auf Mario.

»Gute Idee Waldi. Wir kommen nachher wieder. Können wir vorher noch was essen und etwas Ausrüstung holen.«

»Ausrüstung? Sie wollen aber die Pyramide nicht beschädigen, oder?«

Rebekka verschränkte die Arme.

»Hören sie mal. Ich bin mir sehr sicher, wenn wir das entsprechende Geld auf den Tisch legen, dürften wir in dem Ding sogar sprengen. Also, hören sie auf den Wachmann zu spielen. Wir bringen unser Zeug hier her und wenn da etwas dabei ist, was ihrer Meinung nach noch etwas Extra-Geld kostet, dann sagen sie es einfach. Dieses hin und her und scheinheilige finde ich grausam!«

»Das klingt ja hervorragend! Ich denke, so werden wir uns da schon einig!«

»Denke ich auch. Also Leute. Lasst uns hier mal ein bisschen Tourist spielen, nachher kommen wir wieder und klären dann auch gleich das mit dir Alexis.«

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