Wieder daheim!

Nachdem Rebekka und Viper die Anderen aus der Maschine geholt und diese verschlossen hatten, beantworteten sie, viel mehr Aisha und Mario, noch einige Fragen, dann machten sie sich auf den Weg. Claudia hatte ihren Vater aktiviert, der gleich eine kleine Wagenkolonne für den Transport organisiert hatte. Dabei konnte sie ihm auch gleich ihre Bitte unterbreiten und wie er sagte, sei am kommenden Tag gegen Mittag alles da, was sie haben wollte.

Dann endlich. Die Mädels, aber auch die Jungs aus Heinzfort verspürten ein Kribbeln, als sie unten die Haustür aufsperrten und dann den Aufzug bestiegen. Es war etwas eng, aber laut der Plakette konnte der Aufzug sogar noch mehr tragen. Bequem war jedoch anders. Als sich die Türen schliesslich wieder öffneten und die Menschenmasse aus dem Fahrstuhl gequollen war, blieben die Heinzforter andächtig stehen.

»Daheim!«

Sagte Claudia ganz leise. Für alle, ausser Katja und Elena, war diese Aussage nicht verständlich. Die Beiden wussten jedoch ganz genau, was ihre Freundin damit meinte. Tatsächlich hatten sie eine Wohnung gefunden, die wirklich ihr Zuhause geworden war. Es waren nicht nur vier Wände, die man zum schlafen aufsuchte. Sie lebten hier und waren hier glücklich, fühlten sich geborgen und zufrieden.

»Los jetzt, keine Triebe schlagen!«

Sagte Amy bestimmend und schob Claudia zu ihrer Wohnungstür. Mit Erfolg, denn nun bewegte sich die Menge wieder. Die Mädels nach AAA, die Jungs ins Tierheim. Die Übrigen verteilten sich. Mario, Jerry und Aisha gingen mit ins Tierheim, der Rest nach AAA.

»Hier wohnt ihr also.«

»Ja. Ist daran etwas auszusetzen Jerry?«

»Nein, nein! Aber wenn ich euch sage, dass ich noch nie in einer WG war, wirst du meine Aussage vielleicht verstehen Donald.«

»Ach so. Ja, klar, verstehe ich das. Ist ja eigentlich keine Dramatik hier. Hier stehen unsere Rechner, ist also quasi unser Arbeitsbereich, da ist die Küche und da hinten geht es zu unseren privaten Zimmern und ins Bad.«

»Und hier habt ihr das Programm entwickelt?«

Die Blicke gingen rum, denn die Stimme kam von Markus, der ja eigentlich mit nach AAA gegangen war, nun aber in der Tür stand.

»Japp. Das ist mein Platz, hier arbeitet Waldemar und da drüben dann logischerweise Perry.«

Markus verschränkte die Arme und lehnte sich an den Türrahmen.

»Schon bemerkenswert. Ich habe ja schon andere Software bei Firmen in Auftrag gegeben, da sind aber dann Grossraumbüros, Einzelplätze und es tippen dutzende Leute, wenn nicht mehr an einem Programm.«

»Ja, wenn du eine Firma beauftragst ist das so. Aber wir sind ja rein für unser Programm zuständig.«

Bei AAA schaute sich Alexis begeistert um. Im Vergleich zu ihrer Wohnung in New Apple war das hier wirklicher Luxus. Auch wenn ihre Wohnung grösser war, als die von Amy, da sie schliesslich hier und da auch einen Mitbewohner hatte, war ihre Wohnung dennoch gerade so gross, wie Wohnzimmer und Küche von AAA.

»Amy, warum haben wir uns eigentlich keine WG genommen?«

»Warum wohl? Weil ich dich damals noch nicht kannte und meine Wohnung jetzt liebe!«

»Ja, Punkt für dich!«

»Da muss ich dich aber mal fragen, warum liebst du diese kleine Wohnung, die ja kaum grösser ist als ein Verschlag, wo du doch dieses gewaltige Haus hier in Deutschland hast?«

»Ach ja Elena, keine Ahnung. Ich bin eben komisch. Die deutsche Amy ist einfach Luxus gewöhnt und hat von allem nur das Beste. Die USA-Amy ist bodenständiger. Der reicht auch die kleine Wohnung zum glücklich sein.«

»Wenn man dir so zuhört, könnte man dir eine gespaltene Persönlichkeit zuschreiben!«

Phillip lachte nach Elenas Aussage.

»Ich hab sie sogar schon daraufhin testen lassen. Aber kam nichts bei raus. Man kann ihr zwei verschiedene Lebensstile zuschreiben, aber die Persönlichkeit dahinter bleibt die Gleiche.«

Elena machte grosse Augen.

»Du hast deine Freundin testen lassen?«

»Ja klar! Kann ja wohl nicht sein, dass man zwei so grundsätzlich unterschiedliche Lebensweise führen kann und man von der einen in die andere Rutscht, wenn man über den grossen Teich fliegt.«

»Mach dir nichts draus Elena. Als ich das damals rausgekriegt habe, er hat das ja hinter meinem Rücken gemacht, hab ich meine Sachen gepackt und bin für ein paar Wochen nach Amerika.«

Alexis fing sofort an zu schwärmen.

»Oh ja, ich weiss noch. Das war das erste Mal, seit deiner Rückkehr. Du kamst und auf einmal war alles anders. Kreditkarten, Luxus pur, ach, war schon eine tolle Zeit!«

»Was heisst den hier Luxus? Ich war nicht auf das Gehalt vom Hot-Shots angewiesen. Sonst war da doch nichts anders!«

»Bis auf das Soundsystem und die neuen Felgen für den Tarot.«

»Ach, komm schon. Das war ja wohl nichts!«

»Ein fast 6.000 Dollar nichts.«

»Ja und?«

»Müsst ihr jetzt streiten? Ich fand das gar nicht komisch! Ich hab mir damals Sorgen um meine Freundin gemacht und als Dank dampft die wieder ab.«

Amy kuschelte sich an Phillip. Es war schon beeindruckend, wie sie ihre Rolle schon wieder gewechselt hatte. Nichts deutete daraufhin, dass sie neben Phillip noch einen festen Partner hatte.

»Wo ist eigentlich Claudi abgeblieben?«

Fragte Janine.

»In ihr Zimmer. Ich wette, die liegt auf ihrem Bett, umarmt ihr Kissen und heult es voll.«

»Denkst du Katja?«

»Klar denke ich. Geh doch gucken.«

Das tat Janine. Sie bekam einen kleinen Schreck, als sie die Zimmertür öffnete und Claudia wirklich in der entsprechenden Haltung auf dem Bett lag und das Kissen umarmte. Doch sie weinte nicht, sondern schien glücklich.

»Alles okay bei dir?«

»Ja klar. Ich bin eigentlich nicht so, aber ich habe das hier alles schon ganz schrecklich vermisst.«

»Na, dann geniesst du es heute. Okay?«

Claudia nickte, so gut das mit dem Kissen im Arm ging.

»Aber Janine, ich glaube nicht, dass ich nach Ägypten wieder mit nach Amerika komme.«

»Ach komm, so schlimm ist es da drüber nicht.«

»Darum geht es gar nicht. Ich hatte noch nie Heimweh und auch die ganze Zeit da drüben hab ich gar nicht an zuhause gedacht. Als es aber hiess, wir fliegen nach Ägypten seitdem hat es mich voll gerissen.«

Janine lächelte.

»Süsse, ich kann mir kaum vorstellen, dass dir deshalb jemand böse ist. Aber, klären wir alles die Tage, oder?«

Claudia nickte.

Da es ja nur um eine Übernachtung ging, waren keine besonderen Schlafplätze zu vergeben. Donald schlief bei Claudia, Katja bei Perry, so waren schon zwei Räume frei. Bei Katja quartierten sich Amy und Phillip ein, bei Donald Alexis und Jerry, der Rest verteilte sich auf die Wohnung der Neunburger eine Etage tiefer.

Dort lernten die Unwissenden auch einige Leute aus der Gruppe der Mädels kennen. Die Kommune war zwar auch in der Zwischenzeit fleissig frequentiert worden, doch da die Mädels ja abwesend waren, kam es nur dann zum Sex, wenn Veronika da war. Die hatte aber gelegentlich einfach zu viel zu tun, oder war schlicht überfordert. So viele Kerle und die wollten immer nur sie? So wie die Mädels erzählt bekamen, musste sie sogar stellenweise so wund im Intimbereich gewesen sein, dass sie an einigen Stellen sogar leicht blutete. Ergo, sie machte immer wieder ausgedehnte Pausen. Zum Leidwesen der Jungs.

Die, die an diesem Tag anwesend waren, hatten natürlich augenblicklich die Hoffnung, nun endlich ausgiebig befriedigt zu werden. Doch vergebens. Ja, Amy hatte Lust, aber dann doch irgendwie keine Zeit. Perry und Donald hatten entschlossen, die gesamte Truppe, ohne die in der Kommune, in den Burger-Laden einzuladen. Danach dann eine Runde Kino und dann gemütlich daheim den Tag ausklingen lassen.

Janine hingegen war traurig. Auch sie wusste gar nicht, dass sie jemand vermisste. Das spürte sie erst, als sie in der Kommune keinen Kincaid fand. Irgendwie, auch wenn sie es wirklich bewusst nicht spürte, fehlte er ihr und die Hoffnung, ihn hier zu treffen, war anscheinend doch sehr gross gewesen. Doch er war nicht da. Warum nicht? Während dem Essen machte sie sich da ihre Gedanken drum und, was sie von sich gar nicht gewohnt war, sie sah nur negative Gründe, warum er nicht in der Kommune gewesen sein konnte. Vielleicht hatte er sich neu verliebt und wollte sie nun nicht mehr?

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