Die Einsicht

Krieger war sich nicht ganz sicher, wie sich die Dinge gerade entwickelten. Er bat zwar den Thori und den Ältesten immer wieder zu dem täglichen Gespräch, doch da passierte eigentlich gar nichts. Nein, vielmehr war es eigentlich so, dass die Beiden es immer besser verstanden, Krieger in ein Gespräch zu verwickeln. Nie etwas von Belangen und die Situation schien verfahren.

Nach einigen Tagen sass Krieger in seinem Raum und liess Tiffany zu sich kommen. Sie bat um Eintritt, kam herein und setzte sich ungefragt.

»Nummer Tiffany. Was machen wir her eigentlich? Jeden Tag verbringe ich Stunden damit, die Beiden zum reden zu bringe und mittlerweile beenden wir jeden Tag die Zusammenkunft und ich bin der, der am Meisten geredet hat. Das ist doch alles Scheisse!«

»Krieger, was soll ich ihnen sagen? Wir haben gespielt, die wollen sehen und wir haben verloren. Mehr weiss ich auch nicht.«

»Ich bin versucht die ganze Sache aufzugeben. Dann haben wir eben unser Versprechen nicht gehalten, wen interessiert es? Zur Verantwortung wird uns niemand ziehen können!«

»Darum geht es ja auch gar nicht Krieger. Aber wir wollen ja wohl eine gewisse Glaubwürdigkeit verbreiten, oder?«

Die Sprechanlage ertönte.

»Kapitän, der Thori möchte mit ihnen sprechen!«

»Dann soll er herkommen!«

Keine Minute später wieder die Sprechanlage.

»Kapitän, der Älteste möchte mit ihnen sprechen!«

»Der jetzt auch? Gut, dann anders. Die sollen in den Konferenzraum kommen!«

»Dort sind sie schon Kapitän!«

Krieger schaute total irritiert Tiffany an.

»Beide? Einfach so?«

»Offensichtlich!«

»Okay. Ich bin auf dem Weg!«

Krieger übergab Tiffany noch das Kommando, dann machte er sich auf den Weg. Die ganze Strecke fragte er sich, was die Beiden da wohl mit ihm zu besprechen hatten und warum die schon im Konferenzraum waren. Soweit hatten sie ja Bewegungsfreiheit auf dem Schiff, nur eben vitale Systeme durften sie nicht ohne Aufsicht besuchen. Als Krieger den Konferenzraum erreichte sassen Beide schon auf ihren Plätzen. Wortlos ging Krieger zu seinem Stuhl und setzte sich.

»Okay. Sie wollen mich sprechen. Hier bin ich!«

Der Älteste machte eine Geste zum Thori. Der dann wieder zum Ältesten, dieser wieder zum Thori. Schliesslich fing der an zu sprechen.

»Kapitän, ich habe heute Morgen den Älteste in seiner Unterkunft aufgesucht. Eine ihrer Crewmitglieder war nun schon einige Male bei mir uns hat sich mit mir lange unterhalten. Einige Punkte ihrer Aussagen verstehe ich nicht so ganz, aber sie hat mich über einige Punkte nachdenken lassen.«

Krieger wusste nicht genau, ob er lieber zuerst in Erfahrung bringen wollte, welches Besatzungsmitglied das nun war, oder was bei dem Gespräch mit dem Ältesten herausgekommen war. Er musste sich wirklich überwinden.

»Dann sagen sie doch mal, was sie besprochen haben.«

»Kapitän. Sie haben uns vor Augen geführt, dass da ein Feind in unserer Nähe ist, der uns einfach so vernichten könnte. Wenn er ihr Schiff schon so in Bedrängnis bringen kann, haben wir ihm nichts entgegenzusetzen.«

Weder machte der Thori eine Handbewegung und der Älteste fing an zu sprechen.

»Eines ist mal klar. Wenn wir unsere Kräfte vereinen, dann sind wir immer noch nicht dazu in der Lage, diesen Gegner zu besiegen. Schlussendlich haben wir im Prinzip nur eine Wahl! Wir müssen unsere Differenzen beilegen und zusammenarbeiten. Nicht, weil wir in dem Fall genug Kräfte hätten, sondern da wir aller Wahrscheinlichkeit nach ansonsten keine Chance haben sie um Hilfe bitten zu können.«

Krieger lehnte sich zurück.

»Wie jetzt? Ihr wollt euch zusammenraufen, damit wir euch helfen?«

Wieder sprach der Älteste.

»So ist es. Wir haben uns ausführlich darüber unterhalten. Egal wie wir es drehen und wenden, unsere Völker gehen unter, wenn dieser Gegner uns angreift.«

Und die Geste ging wieder zurück an den Thori.

»Korrekt. Wir sehen nur eine Chance, die nicht mit einer kompletten Evakuierung unserer Planeten und ein Nomadendasein endet. Sie! Indem wir sie als unseren verbündeten behalten und sie darin unterstützen, ihre Kampfkraft zu verbessern, könnten wir doch eine Chance gegen diesen Gegner haben!«

Krieger traute seinen Ohren nicht. Fassungslos schaute er einen nach dem anderen an.

»Also, ich verstehe sie da richtig? Ihre Differenzen sind so gross, dass sie lieber untergehen, als sich zu einigen, aber wenn ich mit meinem Schiff mich hilfsbereit erkläre, arbeitet ihr zusammen und wollt uns sogar aufrüsten?«

Dieses Mal sprach der Älteste.

»Kapitän. Ich will ehrlich zu ihnen sein. Während ihr Schiff bei uns in den Docks gelegen hat, haben wir Informationen darüber gesammelt. Nicht, um ihnen zu schaden, sondern um uns zu verbessern. Schliesslich war nicht die Rede davon, wie sie uns ins Licht führen. Dabei wurde aber eines ganz klar. Ihre Technik unterscheidet sich so grundlegend von der unseren, dass wir überall von vorne anfangen müssten, um diese Technik nachbilden zu können. Umgekehrt jedoch fügt sich unsere Technik mit einigen Modifikationen hervorragend in ihr Schiff ein, wie sie ja schon gesehen haben. Zudem haben wir viele Informationen über den Zwe-Kristall, wodurch sie auch den viel besser nutzen können.«

»Er hat Recht Kapitän! Natürlich haben auch wir diese Informationen zumindest grössten Teils von unseren Spionen übermittelt bekommen und unsere besten Wissenschaftler haben keine Ahnung, wie auch nur einfache Schaltungen bei ihnen ausgeführt werden. Es funktioniert bei uns alles grundlegend anders.«

»Das ist soweit ja alles okay. Aber, wenn sie uns nun aufrüsten und wir mächtiger werden, als dieser Gegner, werden wir dann nicht zu einer neuen Gefahr?«

Nun lehnte sich der Älteste sehr entspannt zurück.

»Nein Kapitän. Ich sehe das Gute in ihnen! Sie hätten uns jetzt schon vernichten können. Aber wir sitzen hier.«

Rieger schaute zu dem Thori.

»Wie sehen sie das?«

»Genauso. Ein direkter Angriff auf unsere Heimatwelt und mein Volk wäre ohne Führung gewesen. Aber, sie haben niemand getötet, oder verletzt. Wären sie wirklich unser Gegner, würde ich nicht hier sitzen und reden.«

»Ihnen ist aber hoffentlich klar, dass wenn die Streitigkeiten wieder aufflammen, wir von unserer gesteigerten Kampfkraft auch Gebrauch machen werden, oder?«

»Kapitän, ich wäre gerne der Älteste, durch den Frieden einkehrt. Meinem Volk wieder den Zugang zu den anderen Völkern zu ermöglichen und friedlich miteinander leben zu können, wäre das grösste Vermächtnis, welches ich meinem Volk hinterlassen könnte.«

Sprach der Älteste und schaute dann zu dem Thori.

»Ja. Ich muss dem beipflichten. Auch wir würden unsere Ressourcen lieber anderweitig einsetzen, anstatt stetig aufzurüsten. Klar, unsere Streitkräfte müssen wir behalten, um uns vor Eindringlingen zu schätzen, aber wir müssten nicht mehr unsere internen Grenzen verteidigen!«

»Zugegeben, es fällt mir etwas schwer, diesen Worten einfach so Glauben zu schenken. Aber, im Prinzip ist es ja das, was ich erhofft hatte. Wobei, wärt ihr dann ins Licht geführt?«

Der Älteste lächelte zufrieden.

»Aber ja Kapitän! Es würde Frieden herrschen und wir würden gemeinsam leben.«

Wieder schaute Krieger die beiden Männer genau an.

»Kann man das vertraglich festhalten?«

»Ja, kann man Kapitän! Wir haben sogar festgeschriebene Protokolle für so etwas. Bringen sie uns bitte zurück. Wenn es für sie in Ordnung ist, mich zuerst. Ich garantiere ihnen absolute Sicherheit und freies Geleit, wenn wir zu den Brass aufbrechen. Dort würden wir unseren Teil der Vereinbarung beitragen.«

Nun sprach der Älteste.

»Wir ebenso, wenn wir auf Brassika angekommen sind. Sind sie auch bereit, ihren Teil der Vereinbarung einzuhalten?«

Krieger stand auf. Wie es auch immer zu diesem Sinneswandel gekommen war, er hatte den Sieg davongetragen. Auch wenn sie die Völker im Kriegsfall unterstützen mussten, wurde die Megaclite schliesslich auch aufgerüstet. Krieger war klar, dass sein Schiff mit Unterstützung eine schier unglaubliche Waffe werden konnte, die auch diesem Gegner die Stirn bieten konnte!

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zur Werkzeugleiste springen