Entführung

»Casper, Barry, von wo kam das?«

»Von überall Krieger!«

»Kapitän Krieger! Aber, wer hat die Schüsse abgegeben Casper?«

»Unbekannt! Ich sehe nichts auf dem Bildschirm!«

Und wieder kamen Ladungen angeflogen. Viel mehr, als beim ersten Mal. Sie schlugen ein, die Megaclite zitterte wieder, mehr geschah nicht.

»Casper? Schilde?«

»97%, nein 98%, 99%. Nein, wieder 100% Kapitän!«

»Na, wenn das so ist? Gibt es schon Aktivitäten im Regierungsviertel?«

»Negativ!«

»Nun denn, machen wir denen mal Beine! Barry, feuern sie ein paar Schüsse in die Nähe der Regierungszentrale. In die Nähe und bitte so, dass nicht gleich der Kontinent versinkt. Wir wollen die schliesslich lebend!«

»Ja, ja, schon gut Krieger!«

Barry feuerte und siehe da, in der Nähe der Regierungszentrale gab es viele Einschläge, doch die Gebäude blieben unbeschädigt.«

»Es heisst Kapitän Krieger Barry! Casper? Bewegt sich da jetzt etwas?«

»Negativ.«

»Baki? Was ist da los?«

»Das weiss ich nicht Kapitän. Ich vermute aber mal, sie haben die Transportwege mittlerweile verlegt. Vielleicht unterirdisch?«

Das klang nach einer logischen Überlegung.

»Casper, suchen sie nach unterirdischer Bewegung!«

Casper fand das mal wieder lustig. Das Schiff hatte zwar Sensoren an Board, die auch den Boden auf einige Meter Tiefe durchdringen konnten, in der Praxis hatte sich jedoch gezeigt, unter Städten gab es einfach viel zu viel Zeug, als dass man mit diesen Bildern etwas anfangen konnte.

Genauso auch in diesem Fall. Casper fand unglaublich viel, was sich da unterirdisch bewegte. Nur, was waren jetzt Fluchtfahrzeuge?

»Kapitän, ich sehe nichts, was ich als entsprechende Fahrzeuge identifizieren könne!«

»Bringen sie mir das bitte auf den Schirm.«

Casper kam Bakis Bitte nach. Kurt darauf war ein Gewirr von Linien auf dem Bildschirm und einige Punkte, die sich bewegten. Nach kurzem Blick hatte Baki etwas gefunden.

»Schauen sie. Von der Regierungszentrale gehen nur drei Wege ab, die gross genug sind und alle Drei haben den maximalen Abstand zueinander. Ausserdem bewegen sich drei Fahrzeuggruppen darin.«

Trotz der Beschreibung brauchte Casper noch einen Moment, bis auch er es sehen konnte. Tiffany hingegen fand sich in dem Gewirr aus Linien überhaupt nicht zurecht.

»Ja, ich sehe es! Ich kann Lebenszeichen ausmachen!«

»Perfekt. Geben sie die Daten an den Transporterraum weiter. Sobald die Fahrzeuge anhalten, bringt ihr mit die Insassen an Board.«

Im Transporterraum hatte Ray die Daten empfangen und konnte sie auf dem Bildschirm verfolgen. Eine ganze Schar bewaffneter Sicherheitskräfte stand bereit, die Besucher zu empfangen.

Das erste Fahrzeug hielt an. Ray konnte die Personen sehr gut erfassen und aktivierte den Transporter. Absolut zufrieden sah er zu, wie die Gestalten, in der jeweilig letzten Position, auf dem Schiff ankamen und bevor irgendwer reagieren konnte, hatten die Sicherheitskräfte die Leute schon überwältigt und entwaffnet.

»Bringt sie bitte von dem Transporter weg, ich habe noch zwei Gruppen zu holen.«

Brav gehorchten die Männer und als der Transporter frei war, gab Ray das nächste Kommando und wieder tauchten Personen im Transporter auf, wurden festgenommen und von der Plattform geführt. Es kam Gruppe drei und nachdem auch die Männer in Gewahrsam waren, gab Ray das Zeichen an die Brücke, dass alle an Board waren.

»Hervorragend! Steuermann, bringen sie uns weg hier. Irgendwo weit weg von dem Raum der Thori und der Brass. Mir egal wohin, nur eben wirklich weit weg. Die sollen uns weder orten, noch verfolgen können. Maximale Geschwindigkeit für einige Stunden!«

In dem Moment zitterte die Megaclite wieder. Weit stärker als zuvor, aber immer noch nicht stark genug, als dass der Computer einen Alarm ausgelöst hätte.

»Wow. Wie stark war das Casper?«

»Extrem stark! Normalerweise wären wir Geschichte. So sind die Schilde runter auf 90%, steigt aber schon wieder.«

»Okay. Steuermann, ausführen!«

Und schon war die Megaclite verschwunden.

Krieger und Baki gesellten sich in die Unterkünfte der unfreiwilligen Gäste. Zwar wusste von der Besatzung niemand, wer da nun wirklich etwas zu sagen hatte, aber zumindest konnte man die wichtigen Personen von ihren Beschützern trennen. Beide Männer betraten die erste Kabine.

»Guten Tag. Mein Name ist …«

»Ich weiss sehr gut, wer sie sind, Kapitän Krieger! Ich wollte es eigentlich nie glauben, aber nun haben sie es mir ja bewiesen. Ein Schiff, welches wie ein Museumsstück aussieht und dennoch die technischen Möglichkeiten hat, selbst das unmögliche zu vollbringen. Wahrlich, ich bin beeindruckt! Aber trotzdem. Sie können mich gefangen nehmen, aber uns damit nicht besiegen.«

»Okay. Sie wissen also, wer ich bin. Mit wem habe ich die Ehre?«

Der Mann schwieg. Baki mischte sich ein.

»Das ist der Vize-Präsident der Thori. Wichtiger Mann, aber nicht der, auf den es ankommt!«

»In Ordnung. Dann will ich sie nicht weiter belästigen. Seien sie sich aber sicher, wir sind nicht hier, um sie zu besiegen. Auch werden wir kein Lösegeld für ihre Freilassung fordern, oder wie man das in diesem Fall nennen mag.  Aber warten sie ab, sie werden sehen. Wenn alles nach Plan läuft, sind sie in Kürze wieder unversehrt auf ihrer Heimatwelt!«

Krieger wartete keine Antwort ab, sondern verliess mit Baki den Raum. Unweit davon war der Nächste und wieder traten die Männer ein.

»Hallo, mein Name ist …«

»Krieger, ich weiss. Die Technik ist bemerkenswert! Wir waren in einigen Metern tiefe in gepanzerten Fahrzeugen und dennoch war es für sie anscheinend kein Problem, uns zu entführen.«

»Das ist richtig. Mit wem habe ich die Ehre?«

Baki nickte Krieger zu. Ein Zeichen, dass es der oberste Mann der Thori war.

»Ich bin das Oberhaupt meines Volkes und ich kann ihnen jetzt schon berichten, unsere Gefangennahme wird ihnen nichts bringen. Es herrscht bei uns die strikte Anweisung, auch die Oberhäupter sind entbehrlich und es gibt keinen Grund, irgendwelchen terroristischen Handlungen nachzugeben!«

»Warum erzählt mir das eigentlich jeder? Wir sind gar nicht hier, um irgendetwas von eurem Planeten zu verhandeln! Alles was wir wollen ist, dass sie sich mit dem Ältesten der Brass unterhalten. Den haben wir auch entführt und er befindet sich ebenfalls auf dem Schiff. Sie und er. Keine Waffen, keine Gefahren. Wir sorgen dafür, dass es wirklich ein Dialog sein wird und sonst nichts. Weder sie haben etwas zu befürchten, noch er.«

Der Thori fing an zu lachen.

»Ich soll mit einem Brass sprechen? Soll das ein Witz sein? Dieses Volk hat unsere Achtung schon lange verwirkt! Sie können uns gleich zurückbringen, denn ich werde mit Sicherheit nicht mit diesem Mann sprechen!«

Krieger verschränkte die Arme.

»Dann gibt es aber ein Problem! Ich habe den Brass geschworen, sie aus dem Schatten ins Licht zu führen. Vielleicht gelingt mir das, in dem ich euch zum reden zwinge. Wenn nicht bleibt mir nichts anderes übrig, als mit der Megaclite das Licht auf die Brass zu lenken. Sie haben ja mitbekommen, wie stark mein Schiff ist und das wir problemlos mächtigen Schaden bei euch anrichten können. Dabei haben wir das Schiff weiter aufgerüstet und ich schätze mal, mittlerweile könnt ihr uns überhaupt nichts mehr entgegen setzen. Es ist also im Prinzip ihre Entscheidung. Morgen werden wir sie mit dem Ältesten zusammenbringen. Entweder es werden erfolgreiche Gespräche, oder die Megaclite wird zu den Waffen greifen müssen.«

Der Thori fand die Optionen nicht besonders toll. Mit dem Brass zu reden war schon eine Schande für ihn. Aber die Megaclite hatte es ja geschafft, ihn von seinem Planeten zu entführen und es war schliesslich der am Besten gesicherte Planet seines Volkes. Wenn die Megaclite da so leichtes Spiel gehabt hatte, dann waren andere Planeten quasi ungeschützt. Er verstand das alles nicht. Vor einigen Monaten waren die Thori noch die mit Abstand grösste Macht in diesem Bereich. Niemand legte sich mit ihnen an und jeden Konflikt konnten sie problemlos lösen. Nun war da ein einziges Raumschiff und das schien mehr Macht zu haben, als die ganzen Thori. Zum ersten Mal fragte auch er sich, ob an der Vorhersehung was dran war.

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