Einmal illegal bitte

Lange dauerte die Probefahrt nicht. Erst war da wieder ein heisser Sound zu hören, dann tauchte ganz klein ein Auto auf, welches schliesslich mit stehenden Reifen vor die Freunde schlitterte. Sofort ging die Beifahrertür, welche sich auf der gegenüberliegenden Seite der Freunde befand, auf und man hört die Geräusche, wenn sich jemand erbrach. Amy hingegen stieg total locker aus und schloss die Tür.

»Kann man gebrauchen den Hobel. Der Turbo kommt noch ein bisschen spät, die Kupplung auch und Kurven mag das Ding nicht. Aber wenn man das Heck ausbrechen lässt, geht es eigentlich ganz gut.«

»Was denkst du, können wir damit antreten?«

»Klaro Viper. Ich kenne zwar die Konkurrenz nicht, aber im Allgemeinen dürften wir damit eine gute Figur machen!«

Markus, dessen Magen sich wieder etwas beruhigt hatte, kam hinter dem Auto hervor.

»Dann würde ich sagen, jemand steigt jetzt in diese Höllenmaschine und fährt dem Bus hinterher! Die Zeit ist günstig, es sollte bald losgehen!«

Kaum gesagt, schon in die Tat umgesetzt. Viper drängelte sich an Janine und Rebekka vorbei in den Rodge. Eigentlich wollten auch die das Teil fahren, doch Viper liess es sich nicht nehmen. Janine stieg schliesslich auf der Beifahrerseite ein, der Rest krabbelte in den Bus.

Die Distanz war beachtlich. Fast eine ganze Stunde gondelte die Mini-Karawane umher, bis sie schliesslich ein McFly erreichten. Amy verstand das nicht unbedingt. Warum ein McFly? Wenn Markus normalerweise Hunger hatte, dann ging er in ein Restaurant! Hätte sie nicht ganz hinten gesessen, hätte sie ihn das auch fragen können, so musste sie jedoch warten.

Allerdings nicht lange. Auf dem Parkplatz sah sie schon, um was es hier eigentlich ging. Jede Menge aufgemotzter Autos mit offenen Motorhauben. Hier war offensichtlich der Treffpunkt der Szene. Gar nicht so dumm, wie Amy dachte. Auf einem Parkplatz konnte man die Autos problemlos zur Schau stellen und kein Polizist konnte dagegen etwas sagen. Auch die Betreiber des McFly waren mit Sicherheit nicht böse über den Gewinn, der durch die hungrigen Fahrer erwirtschaftet wurde.

Der Bus hielt etwas abseits, Viper hingegen parkte recht nah an den anderen Autos. Markus und die Anderen kamen heran und schon kam da einer auf sie zu. Gross, breite Schultern, Muskelshirt und jede Menge Muskeln. Der war jung, so Mitte 20 wurde geschätzt und er schien hier das Sagen zu haben.

»Schaut mal Leute, M und M sind wieder da!«

Es gab etwas spöttisches Klatschen und auch etwas Gelächter. Amy wurde böse. So behandelte man ihren Freund nicht und auch Morgen hatte besseres verdient. Die dunkle Seite kam in ihr zum Vorschein und in Gedanken malte sie sich schon aus, wie sie den Kerl in seine Bestandteile zerlegen und ihn um Entschuldigung betteln lassen würde. Wäre da nicht Markus gewesen.

»Du hast immer noch eine riesige Klappe kleiner. Schon vergessen, was letztes Mal passiert ist? Sag deinem Vater übrigens, er soll dein Gehalt um einen Doller die Woche kürzen!«

Der Typ knurrte. Amy hätte zu gerne gewusst, was es damit auf sich hatte, doch Markus machte keine Pause.

»Ausserdem Leute, ich sagte euch ja, ich baue die Kiste für meine Freundin auf. Da hätten wir sie und ich wette jeden Betrag, dass sie euch fertig macht!«

Das Gelächter wurde gross. Zwar gab es auch mehrere lüsterne Blicke zu Amy, aber ihr traute man den Rennfahrer ganz offensichtlich nicht zu.

»Ach ja? Jede Summe? 1.000 Dollar, wie klingt das?«

Markus schaute zu Morgen, der kramte in seiner Tasche und zog zwei Bündel mit Geldscheinen heraus.

»Hab ich hier und du?«

Lässig schob der Kerl seine Hand ins eine Hose und zog ebenfalls ein Bündel heraus.

»Dann lass uns mal keine Zeit verlieren!«

Amy trat vor.

»Sagt mir noch schnell jemand, um was es eigentlich geht?«

Der Kerl stellte sich vor Amy, fing an sich das Kinn zu reiben und legte den Kopf etwas zur Seite.

»Markus, können wir den Deal ändern? Du kriegst 1.000 Dollar und ich knall deine Freundin?«

»Vergiss es, Deal ist Deal!«

»Mag ja sein Schatz, aber mit mir hat er noch keinen Deal. Also. Wenn du gewinnst darfst du mich knallen und ich schwöre dir, danach willst du nie wieder eine Andere. Wenn ich gewinne, gehst du komplett Nackt hier ins McFly und besorgst mir eine grosse Cola und zwei Cheeseburger.«

So überheblich wie er lachte, hätte nun Markus ihm gerne eine gezimmert. Doch auch erhielt sich zurück.

»Abgemacht. Ist auch ganz einfach. Die Strasse hier ist kurvig, aber nur wenig befahren. In etwa 25 Kilometer kommt wieder ein McFly. Auf dem Parkplatz steht ein blauer Raudi und der Typ da drin hält ein Tuch aus dem Fenster, wenn er einen von uns sieht. Du schnappst dir das Tuch und kommst wieder hier her zurück. Wer als Erster wieder hier auf den Parkplatz fährt, hat gewonnen. Start ist die Ampel da drüben!«

Amy schaute sich das an. Klang alles ja nicht so schwierig.

»Dann auf, ich hab Hunger!«

Und wieder lachte er.

»Du wirst noch mehr haben, wenn ich dich gefickt habe. Danach willst du keinen anderen Schwanz mehr!«

Amy machte sich nicht die Mühe, darauf zu reagieren. Sie stieg in den Rodge ein, nickte ihren Leuten noch zu und fuhr dann auf die Strasse. Der Typ tat ähnliches. Nur stieg er in einen unglaublich gut gemachten Sorraia. Das war der Moment, wo Viper sich nicht mehr so ganz sicher war, ob dieses Rennen von Amy gewonnen werden konnte. So wie der Schlitten aussah und wie er sich anhörte, steckte da viel Geld und viel Zeit drin. Der Rodge hingegen war mehr provisorisch eingestellt worden. Dennoch, Amy sass am Steuer und die war normalerweise sehr schnell unglaublich vertraut mit einem Auto. Wenn das jemand gewinnen konnte, dann sie!

Alles stand am Rand des Parkplatzes. Ein bisschen so wie in Neunburg, nur dass hier alles viel offener und grösser war. Amy und der Kerl standen an der roten Ampel und warteten. Die Lichter wurden gelb und beide Motoren drehten hoch. Als die Anlage grün wurde, schossen die Autos davon, mit klarem Vorsprung für den Sorraia.

Im Rodge fand Amy das gar nicht lustig. Sie hatte keine Angst zu verlieren, denn weder taten Markus die 1.000 Dollar weh, noch ihr der Sex mit dem Kerl. So im Prinzip war der ja schon heiss. Aber eben, verlieren war so gar nicht ihr Ding und solange sie noch ein Wörtchen mitzureden hatte, würde das auch  nicht passieren!

Nur eben, derzeit war sie locker im Hintertreffen. Zum Einen schien der Sorraia viel besser abgestimmt zu sein, zum Anderen kannte der Typ die Strecke und eben auch sein Auto. Alle Trümpfe lagen also bei ihm. Doch Amys Ehrgeiz erwachte. So einfach würde er es mit ihr nicht haben!

Problem eins war, der Rodge war echt scheisse in Kurven und davon gab es auf der Strecke mehr als genug. Laut Tacho kam sie nur selten auf 80 Meilen pro Stunde und der Rodge war einfach ein Arschloch. Er neigte so stark zum untersteuern, dass sie ihn fast zum stehen bringen musste, um eine Kurve zu nehmen.

Dadurch verlor sie natürlich immer mehr an Boden, denn wie sie sehen konnte, der Sorraia bremste problemlos die Kurve an, flog förmlich hindurch und beschleunigte wieder. Das war ein echtes Problem für Amy! Aber, ein lösbares! Wenn die Kiste von sich aus eben nicht um die Kurve wollte, musste sie ihn eben zwingen!

Power hatte die Karre mehr aus genug. Das hiess, wenn da eine engere Kurve kam, drückte Amy das Gas spontan voll durch, brachte damit die Antriebsräder zum durchdrehen und das Heck zum ausbrechen. Aber kontrolliert! Siehe da, schon war es gar nicht mehr so schwer, die Kurven auch bei höherer Geschwindigkeit zu nehmen!

Problem zwei, sie kannte die Strecke nicht wirklich. Wie scharf waren die Kurven? Wann musste sie driften, wann reichte abbremsen? Das war so einfach nicht zu kompensieren. Aber, Amy konnte sich Bezugspunkte merken. Während sie fuhr schaute sie sich also die Strecke ganz genau an und prägte sich markante Punkte ein und den Radius der jeweiligen Kurve. Auf dem Hinweg war sie noch im Hintertreffen, aber wehe es ging in die Gegenrichtung!

Was sie aus ihrer Position deutlich sah, der Sorraia war zwar schneller, aufgrund der besseren Ortskenntnis und der deutlich besseren Abstimmung. Dennoch reichte es nicht, um einen wirklich nennenswerten Vorsprung herauszufahren. Die Rücklichter verschwanden nie wirklich aus Amys Blick und das hiess, es war noch alles offen. Sie würde auf dem Rückweg angreifen können und war mit Sicherheit bald in Schlagdistanz. Dann war es nur noch ein Kinderspiel, die Nummer sicher nachhause zufahren!

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