Die Liebe zu Autos

»Bist du aber! Lässt hier einfach dein Mädel dafür sorgen, dass sie einen scharfen Konkurrent hat. Zudem, in Deutschland schraubt jeder an seinem Auto. Hier ziehen sie an einem Strang.«

»Du hast es erkannt mein Freund! Auf diese Art sehe ich gute Chancen, dass aus der Kiste doch noch der Lion-Killer wird.«

»Dann sei mal froh das Phillip nicht hier ist!«

»Warum Perry?«

»Weil der mit dem Lipizzaner auch versucht, den Lion zu besiegen.«

»Ach so. Ja, mag ja sein, aber wie dir vielleicht auffällt, Derrick ist auch munter bei der Sache und so wie ich informiert bin, gehört er ja auch zum Lipizzaner-Team.«

»Auch wieder wahr. Na, ich bin mal sehr gespannt, wie die Karre letzten Endes wird.«

»Ich auch. Im Moment macht das Ding einfach nur viel Krach. Wenn der Start erfolgt, sind wir immer ganz schnell dann letzter. In der Kurve bricht der Arsch zu gerne aus, auf der Geraden kommt nur verhalten Power. Um wirklich mal zu gewinnen, musste unser Gegner sich irgendwo drehen, seine Kiste von der Strasse fegen, oder so. Es gab auch noch nie irgendwie beeindruckenden Überholmanöver. Wenn wir beim Start dann mal gut weggekommen sind, hat uns der Gegner dann meist nach kurzer Zeit einfach stehen lassen.«

»Das bestätigt wieder, was ich in letzter Zeit so erfahren habe. PS und Newtonmeter sind nicht alles. Die ganze Abstimmung muss einfach stimmen.«

»Da hast du mit Sicherheit Recht Donald. Die stimmt bei der Karre auf jeden Fall nicht. Aber hast du da ja gehört. Die wissen ja schon ziemlich genau, wo die Probleme zu finden sein sollten.«

Morgen kam bald zurück, schnell hatten alle die Blaumänner an, die Mädels die Haare zusammen und schon ging es los. Von oben, von unten und von innen wurde gearbeitet und das in einem irrwitzigen Tempo. Alles überwacht durch die unnachgiebigen Augen von Mario und Waldemar. Schauten Markus, Perry und Donald anfangs noch zu, verkrochen sie sich bald in den Bus und legten die Beine hoch. Sie schien man nicht zu brauchen.

Es wurde schon dunkel, als schliesslich Amy den Kopf in den Bus streckte.

»Schatz, wir sind bereit für eine Probefahrt. Willst du mit?«

Natürlich wollte Markus mit. Mehr konnte das Auto auch nicht transportieren, da es keine Rücksitzbank gab.

»Wer fährt denn?«

Amy grinste böse und Markus wurde irgendwie bleich. Er schien auch einen Moment zu zögern, als er an der offenen Beifahrertür stand und einsteigen wollte. Er schloss schliesslich die Tür, nachdem er eingestiegen war, zog den Gurt so fest wie er nur konnte und dann startete Amy das Fahrzeug.

Perry musste anerkennen, der Sound war unglaublich. Weit heftiger als beim Garzella, oder auch beim Lion. Aber Sound war auch nicht alles und nachdem was er schon an Auspuffanlagen gesehen hatte, konnte man auch ein Auto mit wenigen PS unglaublich brutal klingeln lassen.

Amy rollte aus der Halle, an den Leuten vorbei. Die sahen, dass Markus Handzeichen gab und Amy in eine bestimmte Richtung dirigierte. Nicht unlogisch, denn man konnte deutlich erkennen, nach wenigen hundert Metern führte die Strasse auf eine Landstrasse, oder eben das entsprechende Pendant aus Amerika. Amy brachte die Kiste auf die Strasse und hielt dann an. Jeder wusste, was da kommen würde. Sie versuchte sich an einem Start.

»Der Arsch geht weg!«

»Glaube ich nicht Viper. Die Reifen werden durchdrehen, sie wird aber nicht schlingern.«

»Da möchte ich mich meinem Freund Mario anschliessen!«

»War klar Waldemar. Manchmal könnte man glauben, ihr zwei seit zusammen!«

Mario und Waldemar schauten sich an und beide fanden die Aussage nicht wirklich witzig. Dann heulte auch schon der Motor auf. Perry und Donald, aber auch Viper bekamen Gänsehaut. Als Amy dann die Kupplung kommen liess, waren alle verblüfft. Da war gar nichts! Keine durchdrehenden Räder, kein schlingerndes Heck. Die Möhre beschleunigte auf ganz hohem Niveau und wurde ganz schnell sehr klein. Bald war sie nur noch zu hören.

»Beeindruckend! Was genau habt ihr da gemacht? Das sieht fast aus wie ein anderes Auto!«

»Eigentlich gar nicht so viel Morgen. Ihr habt schon ganz gute Arbeit geleistet, auch wenn ihr das, was der Turbo euch bringt, auch anders hättet erreichen können. Aber gut, der ist nun einmal drin und wir haben nichts anderes gemacht, als alles korrekt auf einander abgestimmt. Ich bin mir zwar sehr sicher, dass da noch mehr geht, aber dafür brauch man richtige Testanlagen. Was Mario mit Waldemar mit ihren Handys schon geleistet haben, grenzt für mich ohne hin an ein Wunder.«

»Pure Physik, mein lieber Freund Viper. Alles ist eine Formel, man muss sie nur kennen und anwenden können.«

»Da hat der Klugscheisser gar nicht so Unrecht. Ich muss aber auch sagen, es wäre nicht verkehrt, die Karre mal an richtige Tester zu hängen. Da geht mit Sicherheit noch einiges mehr.«

»Erzähl mal Markus. Warum wusste ich nichts von dem Ding?«

»Weil niemand etwas davon wusste Alexis. Auch Jerry nicht. Das Geheimnis kannten nur Morgen und meine Wenigkeit.«

»Gut mitgedacht. Jerry hätte sich mit Sicherheit verplappert!«

»Deshalb ja, ich kenne ja meinen Bruder.«

»Sagt mal Leute, Rodge oder Tarot?«

»Wer da gewinnen würde Alexis?«

»Logo Viper.«

»Rodge.«

»Warum denn das Viper? Ich sehe im Tarot sehr viel Potential. Der ist klein, leicht und sehr spritzig.«

»Ja, dazu hat er dann Frontantrieb und für sein Gewicht nicht genug Abtrieb Rebekka.«

»Ich will es mal so sagen Leute. Bei der viertel Meile rechne ich dem Rodge auch bessere Chancen aus, wenngleich man den Tarot auch da nicht unterschätzen sollte. Aber bei einem Rundkursrennen, die nicht ausschliesslich aus langen Geraden bestehen, sehe ich den Tarot vorne.«

»Da liegst du nicht so falsch Mario. Gerade in engeren Kurven müsste es der Tarot wegen seinem geringeren Gewicht einfacher haben und zudem kann er danach auch früher und besser beschleunigen. Geht es aber rein um Kraft, dann sieht er gegen den Rodge natürlich kein Land.«

»Insofern meine Meinung von Interesse ist, ich hätte auch etwas dazu zu sagen. Nun bin ich nicht genau über die Daten des Tarot informiert, doch was ich weiss zeigt für mich klare Vorteile gegenüber dem Rodge. In der Tat, es ist ein Frontantrieb. Sprich, beim Beschleunigen wird Last von der Vorderachse genommen und die Räder verlieren Traktion. Können sie im Prinzip auch, denn wenn die Räder durchdrehen, bricht das Fahrzeug dennoch nicht aus. Korrekturen sind als nicht notwendig und die durchdrehenden Reifen sollten mittels Kupplungsspiel unter Kontrolle zu bringen sein. Ist der Wagen dann gestartet und die Räder greifen ausreichend, wird das Auto nach vorne gezogen. Es ist korrekt, was der Kollege Viper sagt. Der Tarot hatte, als ich ihn begutachten konnte, kaum Abtrieb. Das macht aber auch nicht viel, denn den braucht er nicht. Der Rodge braucht den Druck auf die Hinterräder, damit die genug Traktion haben. Der Druck wird durch umlenken der Strömung verursacht, was man auch Windwiderstand nennen kann. Das Auto verliert Leistung! Nicht so viel, wie es durch die Traktion gewinnt, doch dennoch ist der Zuwachs nicht so gering, wie er rein rechnerisch sein könnte. Zudem benötigt das Fahrzeug ab einer gewissen Geschwindigkeit den Anpressdruck nicht mehr, oder nur noch gering. Beim Rodge ist der jedoch statisch und wie man uns ja beim Garzella bereits gelehrt hat, in dem Fall hat man irgendwann unnötiger Widerstand. Das Problem hat der Tarot nicht. Wenn der Rodge durch seinen Abtrieb unnötig gebremst wird, kann der Tarot seine Kraft voll auf die Strasse bringen, ohne unsinnigen Widerstand zu produzieren. Ich will damit nicht sagen, dass der Tarot dem Rodge auf jeden Fall überlegen ist, aber ich würde die Leistung erst nach einem echten Rennen bewerten, anstatt Prognosen abzugeben. Schliesslich kommt es auch noch immer auf den Fahrer an!«

Alexis fand Waldemars Analyse äusserst positiv. Wenn er Recht haben sollte, dann war ihr kleiner Tarot wirklich konkurrenzfähig. Sie hatte da auch schon einen Gedanken. Sie wollte es auf einen Versuch ankommen lassen. Wenn Amy zurück war, dann würde sie sie zu einem Rennen herausfordern. Das Spielchen hatten sie schon öfters. Anfangs war der Tarot Amys Raudi immer unterlegen gewesen, doch je mehr sie daran arbeiteten, desto geringer wurde der Abstand und mittlerweile war der Tarot dem Raudi absolut überlegen. Doch der Raudi war ein Auto von der Stange. Amy liebte ihn wie ihren Opal, da Markus ihn ihr geschenkt hatte und ausser um ihn zu pflegen, legte Amy nie eine Hand an das Auto.

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.