Sieg, oder Niederlage?

Der Parkplatz kam in Sicht und der Vorsprung des Sorraia war nicht besonders gross. Wie Amy sehen konnte, er fuhr zwar als Erster auf den Platz und hatte auch bald das wartende Auto erreicht, doch fuhr er es langsam an und beschleunigte erst wieder, nachdem er es umrundet hatte. Das war doch ein prima Moment, den ersten Boden gutzumachen!

Schon während sie auf den Parkplatz heizte, öffnete sie das Fenster. Der Typ hatte sich aber auch dämlich positioniert. Man konnte das Fahrerfenster nicht auf geradem Weg erreichen, man musste definitiv einlenken. Aber gut, kein Ding für Amy. Sie brauste mit viel Power auf das Auto zu, liess die Räder durchdrehen und das Heck ausbrechen. Mit viel Rauch an den Hinterreifen schlitterte sie so elegant um das Auto herum, dass sie fast schon gemütlich das Tuch einsammeln konnte. Alles mit höllischem Tempo und schon war sie wieder auf dem Weg vom Parkplatz runter.

Der Erfolg gab ihr Recht. Wie sie deutlich sehen konnte, war der Vorsprung des Sorraia nicht mehr so gross. Wenn sie sich die Strecke richtig gemerkt haben sollte, dann hatte sie den Kerl bald im Sack. Das war auch gut so, denn eine Niederlage hatte sie an dem Tag schon eingefahren und auf eine zweite so gar keine Lust.

Lust machte ihr aber die Fahrt irgendwie immer mehr. Je besser sie das Driften mit der Karre im Griff hatte und je sauberer und schneller sie dadurch in den Kurven war, desto mehr stieg ihr Adrenalin und der Ehrgeiz zu gewinnen. Aber auch irgendwie die Lust. Sie war ja mal wieder in einem sehr sexy Rennfahreroutfit unterwegs und die vielen Richtungswechsel, sowie das Beschleunigen und Abbremsen brachten ihre Möpse ganz schön in Bewegung. Das gefiel ihr und irgendwie fragte sie sich, ob sie nach einem Sieg dem Kerl vielleicht doch einen Trost-Sex anbieten sollte.

Aber gut, dafür musste sie erst einmal gewinnen. Das Potential war deutlich vorhanden, denn schon bald klebte sie hinter ihrem Gegner. Doch war sie nun nicht gerade der Profi darin, auf so einer Strecke mit so einem bockigen Auto zu überholen. Das hiess nicht, sie hätte es nicht versucht! Einige Male, wenn die Strecke etwas gerade war, versuchte sie ihr Glück, doch war ihr Gegner nicht dumm und blockierte, so gut er nur konnte.

Als Amy dann einmal fast die Kontrolle verlor, weil der Arsch des Rodge etwas zu heftig auf wahrscheinlich schmutziger Strecke ausbrach, wurde es ihr dann doch zu riskant. Würde sie sich drehen, oder schlimmeres, war die Geschichte verloren. Da man Amy aber nicht nachsagen konnte, unbesonnen zu handeln, brach sie die Überholmanöver erst ab und fing an zu überlegen.

Eine Szenerie, die man sich mal vorstellen muss. Die sexy Amy in einem aufreizendem Outfit mit Ohrringen und hohen Schuhen flog mit höllischem Tempo hinter einem Sorraia her und das mehr mit ausgebrochenem Heck, als dass sie die Spur hielt. Währenddessen machte sie sich Gedanken darüber, welche Möglichkeiten sie hatte und kümmerte sich gar nicht mehr bewusst um das Rennen. Das war Amy in Höchstform.

Doch, welche Möglichkeiten hatte sie? Wäre es darum gegangen, auf dem Parkplatz eine bestimmte Position zu erreichen, wäre das einfach gewesen. Aber es gewann ja der, der als Erster den Parkplatz erreichte. Das hiess, sie musste ihn irgendwie vorher kassieren. Fieberhaft ging sie die Strecke durch. Da war kein Stück, auf dem sie einfach nur mit der Power des Autos punkten konnte. Nichts war lange genug gerade. Nun, bis auf das letzte Stück mit der Ampel vor dem Parkplatz. Das war lang, aber auch ziemlich breit. Da konnte er sie nicht wirklich blockieren, zumindest hatte sie genug Möglichkeiten zum kontern.

Das hiess also, im Prinzip reichte es ihr, wenn sie einfach nur in Schlagdistanz blieb, um auf dem letzten Stück anzugreifen. Ein gewaltiger Vorteil, denn da sie ihn ja im Moment nicht überholen musste, konnte sie einfach nur Druck auf ihn aufbauen.

Wenn Amy gewusst hätte, wie sie ihren Gegner damit quälte, hätte sie sicherlich noch viel mehr Spass gehabt, obwohl sie auch so voll auf ihre Kosten kam. Sie blieb hinter ihm und drängelte einfach. Machte hier und da einen vorgetäuschten Überholversuch und dann kam das, womit sie zwar nicht gerechnet hatte, was aber dennoch nicht ganz unlogisch war. Ihr Gegner machte einen Fehler! Keinen grossen, doch sein Heck brach aus, was bislang fast nie der Fall war, er musste korrigieren, kam ganz wenig ins schlingern und verlor Geschwindigkeit. Amy, hatte es zwar nicht kommen gesehen, reagierte aber sofort. Mit fast komplett seitlich zur Fahrbahn stehendem Auto rutschte sie an dem Sorraia vorbei, kam wieder in die Spur und Bingo, sie lag vorne!

Nun konnte sie zeigen, wie gut ihr Fahrstil in diesem Auto wirklich funktionierte, denn auch wenn der Sorraia sofort wieder in der Spur und hinter ihr her war, er kam nicht heran. Nein, er verlor sogar Boden! Nicht nennenswert viel, aber er fiel einfach zurück und das stetig. Eine Chance auf einen Angriff, solange Amy keinen wirklichen Fehler machen würde, gab es da keine mehr.

Auf dem Parkplatz standen die Freunde herum und warteten. Da kam dann ein Geräusch näher. Offensichtlich näherten sich Fahrzeuge und das nicht besonders langsam. Aber, es waren auch immer wieder Reifen zu hören, die nicht so viel Traktion hatten, wie sie eigentlich haben sollten. Für die Meisten war das nicht so ganz verständlich, für Viper hingegen schon. Der Rodge war so mies in den Kurven, den konnte Amy nur durch driften wirklich beherrschen und so wie sich das immer deutlicher anhörte, tat sie das auch sehr gut!

In der Tat war schliesslich in der Ferne ein Auto zu erkennen, welches rutschend um die letzte Kurve kam und viel weissen Rauch produzierte. Nicht weit dahinter kam aber auch schon der Sorraia. Das hiess also, der letzte Sprint würde es zeigen!

Für Perry und Donald war die Sache klar. Der Rodge würde gewinnen. Interessanterweise waren aber alle anwesenden Mädels sich da nicht ganz so sicher. Auch Waldemar und Mario schienen Amy nicht als klaren Favoriten für die nächsten Meter zu sehen. Zumindest zeigte das die Anspannung, die sogar bei dem eigentlich Aal glatten Waldemar zu erkennen war. Viper war sogar soweit anzunehmen, Amy könnte nicht genügend Vorsprung haben, um den Sorraia hinter sich zu lassen.

Er sollte Recht behalten. Im Rückspiegel sah Amy, wie der Sorraia immer mehr aufholte. Genau genommen hatte der Rodge genug Power, doch konnte er sie nicht komplett einsetzen. Die Sache mit der Feineinstellung eben. Nun hatte aber der Sorraia die Chance, an Amy vorbei zu kommen, denn wie sie sich ja schon ausgerechnet hatte, die Strasse war zu breit um wirklich zu blockieren. Es sein denn?

In Amys Kopf schoss eine verwegene Idee. Noch konnte der Sorraia nicht angreifen und wenn es soweit war, musste sie ihn möglichst dazu verleiten, links an ihr vorbei zu wollen. Wenn ihr das im richtigen Moment gelingen würde, hatte sie eine sehr gute Chance auf den Sieg.

Unglaubliche Spannung, aber auch Konzentration war in Amy, als die letzten Meter anbrachen. Sie gönnte dem Sorraia etwas Luft auf ihrer rechten Seite und siehe da, er versuchte es sofort. Wie geplant machte Amy die Seite sofort wieder zu und zwar so, dass Links eine wirklich komfortable Lücke entstand. Die liess sich ihr Gegner natürlich nicht entgehen und mit laut heulendem Motor griff er an.

Wirklich blockieren wollte Amy ihn nicht, nur noch weiter nach links drängen. Auch sie trat das Pedal voll durch, die Räder fingen an durchzudrehen und das Heck brach aus. Schön in Richtung Sorraia. Der hatte keine andere Wahl, als weiter nach Links auszuweichen. Da war auch noch genug Platz, also gefährlich war das Manöver nicht, erfüllte jedoch seinen Zweck.

Zu spät erkannte ihr Gegner, was Amy da eigentlich vorhatte. Sie schlitterte mit der Nase in Richtung Einfahrt zum Parkplatz, während er abgedrängt unmöglich dazu in der Lage war, die Kurve noch rechtzeitig zu erwischen. Er versuchte es, klar, doch sein Heck brach aus und der Sorraia drehte sich. So, dass er perfekt sehen konnte, wie Amy den Drift beendete und souverän als Erster den Parkplatz erreichte.

Selbstredend war der Jubel unglaublich gross, als Amy den Boliden bei ihren Freunden wieder zum stehen brachte. Der roch zwar nach Gummi, aber wer achtete schon auf so etwas? Natürlich war die Begeisterung über den Sieg einfach viel zu gross und Amy liess sich feiern. Besonders Morgen war verzückt. Er wusste um Amys Leistung beim fahren, doch da auch er den Rodge mittlerweile ganz gut kannte, war dieser Sieg für ihn nahezu unglaublich. Klar, die Karre war besser eingestellt worden, doch so wild durch die Kurven rutschend, wie Amy es getan hatte, war für Morgen nicht vorstellbar. Er war kein schlechter Fahrer, aber solche Manöver konnte er sich einfach nicht vorstellen. Zumal ohnehin beim driften eigentlich mehr Geschwindigkeit verloren ging, als beim korrekten Anbremsen und beschleunigen. Anscheinend galt das jedoch nicht, wenn Amy am Steuer sass. Die liess auch so einen störrischen Bock wie den Rodge wie auf Schienen durch die Kurven gleiten.

Man konnte sagen was man wollte, aber Amy war einfach der geborene Rennfahrer, egal in welcher Hinsicht! Rennfahrer, aber auch Kämpfer, wie sich zeigen würde.

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