Der Tag danach

So glücklich Elena auch war, so schockiert war Waldemar. Sie hatte sein Genital in ihren Mund eingeführt und schliesslich auch noch seinen Samen geschluckt. Das brachte etwas zum Vorschein, was mit Sicherheit niemand von den Beiden wollte. Waldemar wurde es schlecht und er konnte sich gerade noch zur Seite rollen, bevor der Inhalt seines Magens in den Rückwärtsgang ging. Es war auch absoluter Zufall, dass sein kompletter Auswurf den neben dem Nachttisch stehenden Mülleimer traf und wirklich nicht ein Tropfen daneben ging.

»Also, ich hatte echt schon viele Reaktionen wenn ich blase, aber gekotzt hat bisher noch niemand.«

Waldemar rieb sich den Mund sauber und stand auf.

»Verzeih, es war nicht meine Absicht. Doch das Bild in meinem Kopf, wie mein Ejakulat in deinen Mund fliesst und von dir geschluckt wird, war einfach zu viel für mich. Entschuldige mich jetzt bitte, ich muss mir die Zähne putzen.«

Elena war ziemlich deprimiert. Nach diesem Ende war es absolut logisch, dass Waldemar keine weiteren Studien mehr durchführen würde und auch keinen Spass am Sex aufbauen konnte.

»Sag Waldi, hat es dir ansonsten gefallen?«

Waldemar hatte fast die Tür erreicht, blieb dann stehen und drehte sich um.

»Elena, gefallen ist nicht das richtige Wort! Du hast meine ganze Anschauung des Sexualaktes auf den Kopf gestellt. Niemals hätte ich gedacht, dass solche Gefühle in einer solchen Situation entstehen können. Ich will dir nicht sagen, dass es mir gefallen hat, aber auf jeden Fall will ich dir sagen, ich stehe weiteren Forschungen durchaus positiv gegenüber!«

Die Hoffnung kehrte in Elena zurück.

»Wenn du willst, ich stehe dir jeder Zeit zur Verfügung!«

»Hab dank, meine gute Freundin, aber ich will zuerst meine Aufzeichnungen analysieren und mich auch mit den anderen über ihre Erfahrungen unterhalten.«

Das war ein kleiner Tiefschlag. Eine Analyse konnte Tage, wenn nicht sogar länger dauern und nun, da Elena die Büchse der Pandora geöffnet hatte, wollte sie den Sturm jetzt auch ernten. Aber gut, immerhin war Waldemar vom Sex nun nicht noch enttäuschter, als er es zuvor gewesen war.

Am nächsten Morgen war es Waldemar, der getreu seines Tagesrhythmus als Erster auf den Beinen war. Zumindest dachte er das. Er zog sich an und ging nach unten. Dort war bereits Markus in der Küche und schien irgendetwas zu Essen zu machen.

»Einen guten Morgen wünsche ich dir Markus!«

»Waldemar! Ich dir auch. So früh schon wach?«

»Aber natürlich! Eine perfekte Zeit, um sich für den Tag fertig zu machen. Morgentoilette, Frühstück, dann bricht die Zeit der höchsten Leistungsfähigkeit an.«

»Ja gut, so kann man es auch sehen. Ich stehe so früh auf, weil ich in der Zeit wenigstens noch ein bisschen Ruhe habe. Wenn ich im Büro bin habe ich kaum noch eine ruhige Minute.«

»Wäre mir eine Frage intimer Natur erlaubt?«

»Natürlich Waldemar.«

»Vielen Dank. Du hast ausschweifenden Sex, soweit bin ich ja schon informiert. Doch sag mir bitte, wenn Amy deinen Intimbereich mit den Fingerspitzen berührt, entstehen bei dir dann besondere Empfindungen?«

»Da hast du eine gute Frage gestellt! Ich hatte in meinem leben schon viele Frauen und die reine Berührung meines Penis löst mittlerweile nicht mehr so die umwerfende Reaktion aus. Bei Amy ist das jedoch anders. Amy ist mit den Meisten anderen Frauen kaum vergleichbar. Sie steht ganz oben an der Nahrungskette und selbst ich bin gegen sie nur ein kleiner Fisch in allen Belangen. Sie kann jeden Mann haben und ist auch ein wirkliches Monster, wenn sie es sein will. Selbst wenn sie in meinem Spielzimmer gefesselt an der Decke hängt, bin ich ihr immer noch unterlegen.«

»Interessant, aber wie darf ich das in Zusammenhang mit meiner Frage bringen?«

»Ganz einfach. Amy will mit mir ins Bett, mich küssen, mich berühren, meinen Schwanz spüren. Da ist es für mich immer total grossartig, wenn sie mich intim berührt. Ein gewaltiger Unterschied zu dem, was ich bei anderen Frauen verspüre.«

»Okay? Ich denke, ich habe es verstanden! Zum optischen, haptischen und akustischem kommt auch noch die psychische Komponente hinzu?«

»Darauf kannst du einen lassen Waldemar. Der Kopf ist mit die grösste Komponente der Geschichte. Es kann gut sein, dass du wegen deinem Kopf banale dinge unglaublich heftig findest, während andere Dinge, die eigentlich brutal wirken müssten, total langweilig sind. Das ist wirklich alles Kopfsache!«

»Beeindruckend. Noch so ein Punkt, den ich bislang nie beachtet habe. Ich muss die ganze Situation anscheinend grundlegend neu bewerten.«

»Darf ich dich dann auch etwas fragen?«

»Selbstverständlich, mein lieber Markus.«

»Hattest du denn jetzt schon eine erste Erfahrung?«

»Ich habe sehr viele Erfahrungen aus meinem Leben, mein lieber Markus.«

»Ich meinte Sexuelle du Nase.«

»Kein Grund für Beleidigungen! Aber ich kann sagen, letzte Nacht hatte ich durchaus die Gelegenheit, meine Studie am eigenen Leib durchzuführen. Eine wirklich bemerkenswerte Erfahrung!«

Markus grinste.

»Du hast sie geknallt du Jagdhund!«

Waldemar hob abwehrend die Hände.

»Ich habe überhaupt nichts geknallt! Wir hatten rein informierenden Kontakt.«

»Ah. Sie hat gewichst?«

»Markus, ich möchte mich nicht in dieser Wortwahl mit dir unterhalten! Sie hat ihre Finger, ihre Hand und ihre Lippen eingesetzt, um die verschiedenen Empfindungen zu demonstrieren und die Unterschiede aufzuzeigen. Das war kein hirnloses sexuelles Spiel!«

»Aha. Okay. Wie ging es aus?«

»Ich hatte meinen ersten Höhepunkt und muss sagen, die Gewalt dahinter hat mich massiv überrascht!«

»Das freut mich aber für dich! Gerade mit einer Frau wie Elena. Da hast du ein gutes Händchen bewiesen!«

»Markus, du kannst dich über die vielen Daten freuen, die ich erheben konnte. Die Auswertungen werden mit Sicherheit viele neue Einblicke in die menschliche Sexualität erlauben und wer weiss, schlussendlich finde ich ja sogar einen Weg, wie man die Menschen von diesem unsinnigen Laster befreien kann. Das würde die Produktivität der Menschheit deutlich erhöhen!«

»Du hältst Sex immer noch für Zeitverschwendung?«

»In der Tat, mein lieber Markus. Es ist der Akt der Fortpflanzung und es werden grösste Mühen unternommen, damit es nicht zur Fortpflanzung kommt. Entsprechend ist es sinnlos, den Akt überhaupt zu vollziehen. Es kostet Zeit und Energie und nehmen wir dann noch den Umstand hinzu, wie viel Zeit die Menschen dafür verwenden, einen Sexualpartner zu finden, wird alles absolut grotesk. So viel Aufwand, stellenweise so viel Geld um etwas zu machen, dessen Ergebnis man gar nicht haben will? Es tut mir leid, aber da könnten die Leute ihre Zeit sinnvoller nutzen.«

Markus wollte sofort einen Konter geben, doch bei genauerer Überlegung war die Sache eigentlich gar nicht so unlogisch. Tatsächlich machten die Menschen da etwas unlogisches. Sie unternahmen die grössten Anstrengungen um etwas zu bekommen. Dann unternahmen sie jedoch auch wieder Anstrengungen, damit der Erfolgsfall des Aktes nicht eintrat. Also dauerte es einen Moment, bevor er darauf reagieren konnte.

»Okay. So falsch ist das gar nicht, was du da erzählst. Aber, mein lieber Waldemar, der Akt an sich ist etwas grossartiges. Weil man demonstriert bekommt, was man dem Anderen wert ist. Wie gesagt, Amy könnte jeden Mann haben, aber sie ist meine Freundin geworden. Sie könnte mich platt machen, aber lässt zu, dass ich sie verhaue. Das ist etwas, was mir meinen Wert bei ihr zeigt. Auf eine Art, wie es anders kaum geht. Von daher. Sex mag im Prinzip sinnlos sein, da man ja nicht auf eine Schwangerschaft aus ist, aber dennoch gibt einem der Sex unglaublich viel. Das wirst du aber nur dann verstehen, wenn du dich darauf einlässt. Nicht als Studie, nicht als Projekt. Wenn du eine Frau siehst und intim mit ihr sein willst. Wenn du dann mit ihr intim bist und hinterher merkst, was es wirklich für eine Bedeutung hat. Dir das zu erklären geht nicht. Was ich dir aber sagen kann, du warst jetzt schon überrascht, wie du sagst. Sollte dir das nicht ein Hinweis darauf sein, dass vielleicht doch mehr dran ist? Das die Menschen, die es tun, vielleicht mehr Recht haben als du?«

Waldemar wurde nachdenklich. Markus hatte da etwas angesprochen, über was er noch reflektieren musste. Ganz eindeutig!

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