Bremsen, löten, küssen

Da Rebekka mit Katjas Arbeit absolut zufrieden war, ging es sofort an die andere Seite. Sollte dort auch alles so problemlos und schnell funktionieren, konnten sie an dem Abend vielleicht sogar noch die Bremse testen, bevor Waldemar wieder den Rückzug antreten wollte. Da der auch noch nicht zurück war, gab es hoffentlich keine Probleme.

Während Katja und Donald das Auto auf der anderen Seite am aufbocken waren, waren Janine und Claudia auf dem Tisch angekommen. Voll bekleidet und anscheinend überhaupt nicht daran interessiert, sexuell aktiv zu werden. Claudia lag unten, Janine auf ihr. Beide küssten sich so leidenschaftlich, dass Claudia gar nicht an Sex dachte. Sie war einfach nur glücklich, dass ihre Janine bei ihr war. Ja, ihre Janine. Donald hatte sie überhaupt nicht in ihren Gedanken. Sie hatte den Mensch bei sich, den sie wirklich liebte und nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei.

Janine ging es genauso. Auch für sie bestand die Welt in dem Moment nur aus Claudia. Amy, die eigentlich schon immer ein fester Bestandteil ihrer Gedanken war, fand in dem Moment darin keinen Platz. So unwahrscheinlich es bei Janine auch war, auch sie hatte nicht einen Gedanken an Sex. Die zarten Lippen von Claudia, ihr zärtliches, hingebungsvolles Zungenspiel, die Hände auf ihrem Rücken, es war einfach alles, was sie sich wünschte.

Doch unterschied sich Janine von Claudia, wohl aufgrund von Erfahrung. Janine wusste genau, sobald der Kuss endete, war Amy wieder in ihrem Kopf und es gab auch keinen Zweifel daran, dass sie die Beziehung mit ihr mit dem selben Glück weiterführen würde, wie es zuvor der Fall war. Claudia hingegen war sich da nicht so sicher.

Es gab jedoch jemand, der ganz andere Probleme im Kopf hatte. Je weniger Katja über ihre Arbeit nachdenken musste, desto mehr dachte sie an den Sex, den sie vor wenigen Stunden hatte. Ihre unbefriedigten Triebe hatten sie unglaublich leichtsinnig werden lassen. Sie war zu gierig gewesen, um ihrem Liebhaber ein Gummi überzuziehen. Wegen Krankheiten hatte sie bei dem zwar keine Sorgen, doch was bislang niemand wusste, sie war so von ihren Emotionen gefesselt gewesen, dass sie ihn in ihr kommen liess. Das hatte keinen besonderen Grund. Sie war nur so besessen von dem Gefühl in ihr, dass sie auch nicht damit aufhörte, als er schliesslich kam. Nun bereute sie diese Tat massiv.

Bald jedoch waren Perry und Waldemar zurück. Eigentlich, so waren sich alle sicher, würde Waldemar nun bald darauf hinweisen, dass es Zeit für die Rückkehr gewesen wäre, doch der eilte sofort wieder an seinen Computer. Elena natürlich hintendran. Wie sie sah, fing Waldemar an einen Schaltplan zu erstellen. Für Elena, die bislang da kein Interesse gezeigt hatte, war es jedoch faszinierend. Baute Waldemar ein neues Bauteil ein, fragte sie jedes Mal, was das zu bedeuten hatte, was es bewirken würde und zu ihrer eigenen Verwunderung verstand sie sogar, was Waldemar ihr voller Freude erklärte.

Das gefiel Waldemar sehr. Jede Frage, welche Elena stellte, beantwortete er ausführlich und detailreich. Was ihm dabei jedoch gar nicht gefiel, mit jeder Antwort, die Elena sofort verstand, gefiel ihm ihre Anwesenheit besser. Ein Gefühl, was er bislang so nicht kannte. Auch bei Perry und Donald war deren Anwesenheit eigentlich eher nur geduldet, während er bei Elena wirklich das Gefühl hatte, sie wäre eine Bereicherung für ihn.

Das Waldemar und Elena zwischenzeitlich durch den Aufenthaltsraum gegangen waren, hatten Claudia und Janine überhaupt nicht registriert. Sie waren ganz alleine in ihrer Welt und nichts konnte sie ablenken. Nicht einmal, als Donald in der Tür stand und die Beiden ein paar Minuten beobachtete, bekam eine von ihnen das mit. Donald hingegen hatte ein Problem. Es erregte ihn, seine Freundin so zu sehen. Nun, natürlich erregte es ihn generell, zwei Frauen in ein solches Liebesspiel vertieft zu beobachten. Deshalb war er sich nicht ganz sicher. Sollte er mit einstimmen? Da war jedoch eine Stimme in ihm die ihm klar sagte, er solle es besser lassen. Irgendwie hatte er das Gefühl, auch seine Freundin wollte ihn in diesem Moment nicht dabei haben. Ausserdem rief bald Katja um Hilfe.

Das brachte dann Perry ins Straucheln. Warum rief seine Freundin denn nach Donald, weil da eine Schraube war, welche sie nicht öffnen konnte? Er stand direkt neben ihr und hatte durch sein Training mittlerweile auch einiges an Power hinzugewonnen. Aber nein, Katja wollte Donald. Beim Sex hätte es ihn geil gemacht, so wurde er jedoch einfach nur eifersüchtig. Das entlud sich, indem er zur Werkbank ging und anfing die Verpackung der neuen Lötstation unkoordiniert und mit viel Aggression zu zerlegen. Das erkannte natürlich auch Rebekka und die ging zu ihm.

»Alles klar mit dir?«

»Natürlich. Meine Freundin zieht es zwar vor, Donald um Hilfe zu bitten und nicht mich, aber was will ich erwarten? Ich bin eben nur ein fetter, nutzloser Nerd.«

Rebekka schaute zu Katja, die Donald ein wenig Platz machte, damit er ihr helfen konnte.

»Hättest du die Schraube öffnen können?«

»Woher soll ich das denn wissen? Durfte es ja nicht einmal versuchen!«

Rebekka verstand sein Problem und war ganz auf seiner Seite.

»Also, wenn du mich fragst hättest du die auch aufmachen können.«

»Ach was. Donald ist viel stärker als ich!«

Rebekka kannte solche Fälle von Selbstmitleid und wusste ganz genau, Worte alleine würden da nichts bewirken. Deshalb griff sie einfach nach seinem Oberarm. Perry war so erschrocken darüber, dass er diesen sofort anspannte.

»Na, ich weiss nicht. Da scheint schon einiges an Kraft drin zustecken.«

»Findest du?«

»Schon, ja. Du wirst deinem Ruf ohnehin nicht gerecht!«

»Ruf? Was für ein Ruf?«

»Na, als die Mädels zum ersten Mal bei uns waren haben sie dich ja auch beschrieben. Dick, nicht unbedingt attraktiv, aber ein echt lieber Mensch und super Liebhaber. Als ich dich dann zum ersten Mal gesehen hatte konnte ich das nicht ganz in Einklang bringen. Okay, du hast da eine kleine Trommel, aber so dick bist du in meinen Augen eigentlich nicht. Auch deine Arme und Beine finde ich beeindruckend. Hast etwas Doppelkinn, da will ich gar nichts beschönigen, aber das macht dein Arsch wieder wett.«

Während sie das sagte, tippte sie auf seinen Bauch, strich über sein Doppelkinn und kniff ihm in den Hintern.

»Aber trotzdem. Gegen Donald seh ich doch aus wie der letzte Honk.«

Rebekka schaute noch einmal zu Donald.

»Findest du?«

»Nein! Ich sage das nur, weil du es hören willst. Klar sehe ich das so!«

»Dann sag ich dir mal was. Donald hat eine 0815 Figur. Du warst doch auch bei den Rennen. Da laufen dutzende mit so einer Figur rum. Einheitsbrei. Ist wie bei den Autos. Anfangs war es cool, sein Auto mit Scherentüren auszustatten. Mittlerweile hat das fast jeder und es fallen eher die Autos auf, die normale Türen haben. Der Lion ist auch optisch kein Highlight wie ein Lamberarri zum Beispiel. Aber er ist gefürchtet und die Leute bewundern ihn. Donald hat eine sehr gute Figur, keine Frage. Aber du stichst aus der Menge heraus. Warum hat sich Katja denn in dich verliebt und nicht in Donald? Glaub mir dicker, daran lässt sie nie einen Zweifel!«

»Ausser es geht um Kraft. Da scheine ich ihr nicht zu reichen!«

»Ich denke eher das liegt daran, dass sie die ganze Zeit mit Donald gearbeitet hat. Das es gar nichts mit dir, oder deiner Kraft zu tun hat, sondern einfach nur Gewohnheit ist.«

»Ja, super. Aus Gewohnheit kommt sie dann irgendwann mit ihm zusammen und …«

»Halt Kollege! Vergiss das gleich wieder! Da ist sie wie Amy. Niemand wird es jemals schaffen, einen höheren Stellenwert zu haben als Phillip. Egal wie der aussieht, egal was der für eine Kraft hat und egal wie gut der ficken kann. Über Phillip geht nichts drüber und genauso geht bei Katja nichts über dich. Also denk gar nicht erst so einen Schwachsinn!«

»Ach. Was macht dich da so sicher?«

»Erfahrung! Katja hat mit Viper gefickt. Trotzdem warst immer du der, von dem sie erzählt hat. Sie hat mit Pascal gefickt. Dennoch war immer Perry der, von dem sie mit funkelnden Augen gesprochen hat. Sie hat mit Derrick gefickt. Aber Perry ist einfach der Mann für ihr leben. Immer! Das sind schon drei Männer, die dir im Prinzip locker hätten den Rang ablaufen können und keiner hat es auch nur ansatzweise geschafft. Ich will ja jetzt nicht blöd über Donald reden, aber alleine gegen Viper sieht der kein Land! Wenn der und Pascal ihr Herz nicht berühren konnte, dann schafft es Donald auf gar keinen Fall. Glaub mir das! Ich kenne sehr viele Männer und die Beiden sind so ziemlich die Besten überhaupt!«

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