Und wieder zu den Rennen

Nach dem Essen wurden die Arbeiten an den Autos schliesslich abgeschlossen. Donald und Perry waren nicht sonderlich begeistert. Zwar vertrauten sie den Berechnungen von Waldemar blind, doch der Garzella sah vorne aufgebockt einfach nicht mehr wirklich toll aus. Wenn sie zurück in Heinzfort waren, musste das geregelt werden. Wie Waldemar aber sagte, hatte er dafür schon Ideen.

Sarah war ebenfalls wenig begeistert. Alles, was sie mit Viper am Ruckzucki verändert hatte, war ein alter Hut für sie. Also kein neues Wissen erworben, dafür aber das Auto der einstigen Verlobten Vipers frisiert. Auch wenn sie es nie zugeben würde, alleine deshalb mochte sie das Auto nicht. Sie war zwar theoretisch mit Viper zusammen, aber gegen seine verstorbene Verlobte hatte sie einfach keine Chance. Dann gab es da auch noch diese Jasmin, die in Vipers Welt einen höheren Stellenwert einnahm. Alles nichts, was Sarah besonders gut gefiel.

Lediglich die Mädels waren mit ihrem Lion sehr zufrieden. Die Umbauten verliefen problemlos und der Bereitschaftsmodus schien seine Wirkung nicht zu verfehlen. Bislang gab es immer eine kleine Verzögerung zwischen Knopf drücken und Extrapower. Eben, weil auch ein Elektromotor erst anlaufen musste. Das hatte sich nun geändert. Der Motor lief bereits auf voller Drehzahl und nur die Schaufeln verstellten sich. Das sollte diese Verzögerung beseitigen. Die stärkere Treibstoffpumpe war dabei so eine Sache. Mario hatte dafür dem Lion ein modifiziertes Programm aufgespielt. Nach Bedarf konnte das Gemisch nun deutlich stärker verändert werden, als es bislang der Fall war. Doch wurden diese Anpassungen vom Lion selbst vorgenommen und der musste erst noch lernen, wie diese Möglichkeit am besten zu nutzen war. Das hiess, der Lion musste fahren.

Wieder war die Aufregung gross, als der Trupp zur Strecke fuhr und sie Show abzog. Natürlich half Waldemar wieder beim Aufbau des Kommandostandes, was Mario sehr freute. Es machte echt Spass mit Waldemar, denn der verstand seine Sprache. Zum ersten Mal fühlte sich Mario nicht als Aussenseiter bei den Rennen und das war ein echt gutes Gefühl.

Schon bald starteten die Rennen. Phillip und Derrick hatten soweit schon die Fahrer abgegrast und an Mario gemeldet. Perry fand es überaus interessant, wie Mario damit umging. Wirklich jedes Rennen war spannend. Gut, ausser der Lion ging an den Start, oder wie Viper. Doch das waren immer direkte Herausforderungen von irgendwelchen Fahrern, die sich einfach nur extrem überschätzten. Beim Lion mochte das noch Ehrgeiz sein, da die Mädels nur selten um Geld fuhren. Bei der Viper war es, zumindest aus Sicht von Perry und Donald, die pure Dummheit. Wenn Viper es drauf anlegte, gewann er mit guten vier Sekunden Vorsprung. Wohl gemerkt bei Rennen, die man auch 10-Sekunden-Rennen nannte.

Beim Lion zeigte Rebekka dann aber, dass nicht jede Modifikation sofort ihren Nutzen hatte. Offensichtlich kam das Auto mit den Einstellungen noch nicht ganz klar. Zumindest zeigte sich nicht die Power, die man vom Lion eigentlich gewohnt war. Entsprechend schnell fanden sich neue Herausforderer. Waldemar hatte dabei viel zu beobachten. Mit jedem Rennen wurde der Lion besser, was sich auch deutlich an der Telemetrie zeigte.

»Deine Kompression ist wirklich super Waldemar. Alle Daten verlustfrei in Echtzeit. Ich kann sogar genau verfolgen, wie der Lion das Gemisch verstellt.«

»Natürlich, lieber Freund Mario. Du hast hoffentlich nichts anderes erwartet?«

»Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du manchmal echt arrogant rüber kommst?«

»Meine Freunde Perry und Donald erwähnen es zuweilen. Ich halte das jedoch für einen Ausdruck ihres Neides.«

»Und schon wieder! Waldemar echt jetzt. Du hast echt viel auf dem Kasten, aber du musst das nicht so präsentieren, als wärst du ein Genie!«

»Ich verstehe dich nicht, mein lieber Freund.«

»Ganz einfach Waldemar. Ja, deine Kompression ist vorzüglich, aber mach doch nicht so, als wäre von dir nichts anderes zu erwarten! Du magst auf dem Gebiet ja echt ein Fachmann sein, aber dafür bist du garantiert in vielen anderen Belangen nicht so toll.«

»Aber nein, diesen Umstand können wir ausschliessen!«

»Ach ja? Wir haben eine Standard-Klimaanlage im Büro. Wie stelle ich die ein?«

»Mein lieber Mario. Mir ist dieses Gerät nicht geläufig!«

»Siehst du?«

»Nein. Würde ich mich damit befassen, könnte ich dir eine fundierte Antwort liefern.«

»Na gut. Wir haben uns ja jetzt viel über KI unterhalten. Wie erkläre ich dem Lion, wie er das Gemisch sinnvoller einstellt?«

Waldemar schwieg.

»Jetzt verstanden?«

Waldemar schwieg weiter.

Die Motoren hingegen nicht. Janine hatte gerade einen Gegner besiegt und dabei den Effekt des neuen Turbos klar erkennen können. Sie drückt auf den Knopf und sofort war die Leistung da. Es war nicht mehr Leistung als sonst, wohl eher sogar wegen dem nicht ganz korrekt eingestellten Gemisch etwas weniger, aber sie kam so spontan, dass Janine einen kleinen Schreck bekam. Auf jeden Fall hatte sich diese Modifikation gelohnt. Würde der Lion aber schnell genug lernen, damit es keine Niederlage gegen den Lipizzaner gab?

Es kam Donalds Stunde. Als er am Start stand spürte er die Veränderung. Er war sich nicht mehr so siegessicher wie beim ersten Versuch. Seinen Gegner hatte er im Auge und dachte tatsächlich daran, dass der wohl auch seine Chance hatte. Dieses Mal war es auch nur Janine, die als Starter fungierte. Ihre Show war wieder einmalig und dann kam der Start.

Was zur Hölle hatte Waldemar da nur angerichtet? Beim letzten Mal klebten die Räder förmlich am Boden. Dieses Mal war der Grip nicht wirklich toll. Durchdrehende Riefen und leichtes Schlingern war die Folge, bis die Kiste endlich richtig beschleunigte. Donald verwünschte den Umbau, zumindest am Anfang.

Der zweite Gang war ebenfalls nicht ganz so reibungslos und der Vorsprung des Gegners wurde deutlicher. Als Donald dann jedoch in den dritten Gang schaltete war er beeindruckt. Der Garzella schob nun deutlich leichter nach vorne, als beim letzten Rennen. Vierter Gang war noch besser und der Vorsprung des Gegners schmolz dahin. Schon als Donald in den fünften Gang schaltete, lag er in Führung und konnte diese locker bis ins Ziel noch ausbauen.

Das war ja genial! Viper hatte zwar Recht damit, dass eine Niederlage nur eine Niederlage ohne nennenswerten Verlust war, doch zu gewinnen war doch deutlich grossartiger! Donald fuhr zurück an den Start, sprang aus dem Auto und hüpfte mit gehobenen Armen auf der Stelle.

Viel Zeit zum verschnaufen bekam der Garzella jedoch nicht. Nur ein Rennen war seit Donalds Sieg gelaufen, als er wieder aufgerufen wurde und Perry sein Glück versuchen sollte.

Während Donald eine Verbesserung seines Zustands vor dem Start bemerkte, ging es Perry schlechter. Er hatte den fast vergeigten Start von Donald gesehen und wusste nun nicht mehr, ob er überhaupt über die Startlinie kommen würde. Dazu dann noch seine Sorge, wieder in den falschen Gang zu schalten. Seine Nervosität stieg immer und immer weiter. Daran änderte auch der aufreizende Tanz von Rebekka nichts, die zwischen den Autos stand und den Start freigab.

Perry war schockiert. Warum hatte denn Donald solche Probleme beim Start? Bei ihm drehten die Räder nicht durch und der Garzella kam sofort auf Touren. Auch der zweite Gang war kein Problem und als dieser ausgereizt war, folgte ein problemloses Schalten in den dritten. Perry war absolut begeistert. Diese Erhöhung machte den Garzella ja so unglaublich leichtfüssig! Sensationell!

Als er in den vierten Gang geschaltet hatte, riskierte er einen Blick zu seinem Gegner. Nur, wo war der eigentlich? Erschrocken schaute Perry in Richtung Ziel. Nein, da war er nicht. Erst ein Blick in den Aussenspiegel zeigte das gewünschte Ziel. Sein Gegner war ganz deutlich hinter ihm. So weit, dass musste quasi eine Wagenlänge gewesen sein! Doch nun kam Perrys Nemesis. Der fünfte Gang!

Voll konzentriert drückte Perry schnell auf die Kupplung und schaltete so ausladend, wie es nur ging. Das musste einfach der fünfte Gang gewesen sein. Doch dadurch dauerte das alles einfach zu lange. Als er den Fuss wieder von der Kupplung nahm, hatte sein Gegner etwas aufgeholt. Doch, der Gang war drin, der Garzella beschleunigte wieder und die Ziellinie war nah. Perry hielt einfach nur noch das Lenkrad fest, drückte mit dem Fuss so fest aufs Gas, wie es nur ging und so irrwitzig es gewesen sein mochte, für ihn kam die Ziellinie nur ganz, ganz langsam näher.

Das war jedoch nur Einbildung. Natürlich hatte der Garzella weiterhin ein mörderisches Tempo drauf und es dauerte nur noch einen kurzen Moment, bis auch Perry seinen erste, klaren Sieg einfahren konnte. Nun ging es ihm aber fast so, wie Katja eine Woche zuvor. Er realisierte die Überquerung der Ziellinie zu spät.

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