Kleine Überraschung

Pamela sprang. Deutlich weiter, als sie es eigentlich gemusst hätte, doch sie wollte einfach nur weit weg aus dem Gefahrenbereich. Von dem, was Ray da tun sollte, war nichts zu sehen. War Pamela vielleicht zu früh gesprungen? Oder zu weit?

»Krieger, also, ich verstehe das nicht. Die Thori verfolgen uns nicht. Genau genommen bleiben sie genau in Position und machen gar nichts!«

»Ach Barry, wie oft muss ich ihnen denn noch sagen, dass es Kapitän Krieger heisst? Ray?«

Wieder hatte Krieger die Sprechtaste gedrückt.

»Kapitän?«

»Hat alles geklappt?«

»Ja Kapitän? Der Notausgang hat hervorragend funktioniert!«

»Ausgezeichnet! Barry, wir fliegen zurück. Zerlegen sie bitte auch den Rest und Signal an die Brass, die dürfen mitspielen!«

»Ja, wie, aber, also ich verstehe nicht!«

»Ach nein Tiffany? Dann mal ganz von vorne. Ray hat auf diesem Handelsposten Technik erworben und hier untersucht. Eines davon war ein Objekt, was offensichtlich zur Lagerung benutzt wird. Man kann Dinge darin lagern und wenn man das Zeug nicht braucht, wird das Teil unsichtbar und auch durchlässig. Diese Technik hat er studiert und etwas überraschendes herausgefunden! Man kann das Objekt nicht nur unsichtbar machen, man kann es auch von seinem Bezugssystem entkoppeln! Genau das hat er nun gemacht. In dem Teil war eine Sprengladung und die setzte grossflächig einen Impuls frei. Genau den Gleichen, mit dem wir schon einmal die Thori ausser Gefecht gesetzt haben. Als wir gesprungen sind, blieb das Objekt an seiner Position zurück und als es den Kontakt zur Steuereinheit verloren hat, wurde es wieder sichtbar und fest. Damit detonierte die Sprengladung und siehe da, alle ausser Gefecht!«

Tiffany war extrem beeindruckt. Sie hatte Krieger massiv unterschätzt und das wurde ihr nun klar.

»Aber jetzt, Pamela, würden sie Barry bitte in Waffenreichweite bringen? Da gibt es noch genug Leute zum verarzten!«

Unter Schock gehorchte Pamela. Schnell war die Megaclite wieder in Reichweite und Barry feuerte auf alles, was die Waffen erreichen konnten. Vielleicht war es unfair, auf unbewaffnete zu feuern, aber die Thori hatten jedes Recht auf Fairness verspielt. Sie griffen Zivilisten an und die konnten sich auch nicht verteidigen.

Über eine halbe Stunde dauerte es, bis Barry und die Brass die Thori vernichtet hatten. Immer, wenn ein Schiff ein Lebenszeichen von sich gab, zerlegte es Barry fachgerecht in Einzelteile. Der Haufen an Trümmer wurde dabei so gross, irgendwann würde das ein kleines Asteroidenfeld ergeben. Auch Barry hatte keine Skrupel die wehrlosen Thori zu eliminieren. Selbst Casper, der normalerweise das Leben über alles schätzte, war vom Angriff der Thori derart in Rage, dass auch er dagegen keine Einwände hatte. Dann endlich die Nachricht.

»Alle vernichtet, Kapitän Krieger!«

»Na geht doch! Pamela, Kurs auf Brassika. Casper, finden sie heraus, ob wir da irgendwo helfen können!«

15 Minuten später war die Megaclite gelandet. Aber auf freiem Feld, da der gigantische Raumhafen komplett zerstört war. Auch sonst hatten die Thori ganze Arbeit geleistet. Grosse Landstriche waren komplett verwüstet, viele Teile der grossen Städte vollständig vernichtet. Die Zahl der Opfer muss gigantisch hoch gewesen sein. Sowohl hier, wie auch in dem anderen System. Unschuldige Lebewesen. Keine Militärs. Das war der Punkt, an dem sich für Krieger einiges änderte.

Einige Stunden und viele schockierende Szenen später stand Krieger wieder vor dem Ältestenrat. Dieses Mal in Begleitung seiner Besatzung und nicht dort, wo sie sich bisher getroffen hatten. Es war mitten in einer der zerstörten Städte. Nur Zerstörung und Tod um sie herum. Der Älteste sprach.

»Die Vorhersehung hat sich erfüllt. Ihr seit zu uns gekommen, habt mit uns gekämpft und uns verteidigt. Doch glaube ich nicht, dass wir noch den Weg ins Licht gehen können.«

»Und warum nicht?«

Der Älteste schaute sich um.

»Sehen sie. Das war nur der Anfang! Sie werden wiederkommen! Immer und immer wieder. So lange, bis sie uns auf eine Zahl reduziert haben, die ihnen nicht mehr gefährlich werden kann!«

»Und weiter? Sollen sie kommen! Wir sind hier und wir stehen euch zur Seite!«

»Kapitän, diese Aussage ehrt sie. Aber schauen sie sich um! Es geht nicht mehr darum, uns ins Licht zu führen. Ein Krieg hat begonnen und es ist nicht ihr Krieg!«

Krieger sagte nichts, doch sah er, wie erst Tiffany näher kam und sich an seine Seite stellte. Dann kam Ray, gefolgt von Casper, Barry und Pamela. Auch Ruug kam zu ihnen und selbst Baki gesellte sich zu der Gruppe. Als Alle geschlossen bei Krieger standen, schaute er zum Ältesten.

»Doch. Jetzt schon!«

Der Gesichtsausdruck des Ältesten sprach Bände. Er konnte es kaum glauben und war überaus glücklich über diese Aussage.

»Dann, so hoffe ich, besteht für uns doch noch eine Chance.«

»Ältester, solange die Megaclite fliegt werden wir alles tun, um euch zu verteidigen und euch ins Licht zu führen. Egal, wie lange die Sache dauert!«

»Was immer ihr braucht, wir werden es euch geben!«

»Da gäbe es tatsächlich was!«

Tiffany war vorgetreten und verärgerte Krieger, weil sie einfach das Wort an den Ältesten richtete. Den schien das aber nicht zu stören.

»Ja, sprechen sie bitte!«

»Wie ich höre, gibt es auch so einen Kreuzer bei euch. Den würde ich mir gerne ausleihen!«

Krieger war böse. Warum sprach sie so etwas nicht mit ihm ab?

»Dieses Schiff ist keineswegs kampfbereit und selbst wenn, es würde mit der Feuerkraft eures Schiffes niemals mithalten!«

»Das mag sein, aber es kann fliegen, oder?«

»Es müsste noch entsprechend ausgerüstet werden. Aber ja, dann wäre es dazu in der Lage!«

»Grossartige, wenn ich also …«

»Tiffany, würden sie mir mal bitte erklären, was sie überhaupt vorhaben?«

»Klar Krieger! Die Megaclite muss jetzt mal wieder ins Dock. Danach können wir auch nicht einfach den Adler machen, ohne die Brass schutzlos zurückzulassen. Unser Shuttle ist auch nicht gross genug. Ich könnte mit dem Kreuzer zu unserem eigentlichen Ziel fliegen, dort schauen, ob wir kriegen können was wir für das Navi brauchen und zurückkommen!«

»Tiffany, ich denke, unser Rückweg hat keine nennenswerte Priorität mehr.«

Der Älteste mischte sich ein.

»Ich bin damit einverstanden und trage dafür Sorge, dass der Kreuzer schnellstmöglich einsatzbereit ist!«

Krieger verstand nicht.

»Ja, aber, wir haben andere Probleme!«

»Haben wir die? Wie viele Brass sind gestorben, weil wir unseren Antrieb nicht voll einsetzen können?«

Nun dämmerte es Krieger.

»Sie wollen eine verbesserte Navigation, um schneller zwischen den Systemen hin und her springen zu können!«

»Na also! Sie sind ja doch lernfähig!«

»Sehr komisch Tiffany!«

»Und siehe, die Götter werden ihre Herrlichkeit beweisen! Überall scheinen sie zu sein um all jenen zur Seite zu stehen, die ihren Schutz brauchen!«

Das kam von einem der anderen Ältesten und bedeutete praktisch nichts anderes, als dass Krieger und seine Leute mal wieder eine Vorhersage erfüllten.

Zurück auf der Megaclite machte sich das Schiff auf den Weg in die Werft. Der Schaden war wirklich schlimm. Wie Ray es so schön ausdrückte, nach der Reparatur hatte das Schiff quasi eine komplett neue Aussenhülle. Aber auch viele Waffen und Sensoren mussten ersetzt werden. Eigentlich war es auch nur Tiffanys Kommando, dass alle Besatzungsmitglieder, die nichts mit dem Kampf zu tun hatten, in die Mitte des Schiffes sollten, wodurch es nur zu wenigen Verletzten kam.

Tage vergingen, als schliesslich der Kreuzer fertiggestellt war. Tiffany bekam von Krieger noch Ruug zur Seite gestellt und sie konnten aufbrechen. Tatsächlich hatten die Älteren beschlossen, dass Tiffany für diese Reise das Kommando über das Schiff hatte und faktisch zum Kapitän aufgestiegen war. Doch auch wenn es ihr gefiel, die Zügel in der Hand zu haben und das Schiff rein technisch deutlich moderner war als die Megaclite, es war nicht ihr Schiff. Sie war also nicht in Versuchung, diesen Kahn behalten zu wollen. Da war sie lieber erster Offizier auf der Megaclite.

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