Die Nacht

Nach einiger Zeit forderte dann Viper die Aufmerksamkeit der Jungs.

»Na, was denkt ihr? Bleibt ihr dabei?«

»Glaubst du aber! So ein Rennen an sich ist zwar aufregend, aber der ganze Zirkus drum herum ist echt einmalig. Ich wusste nie so genau, ob ich jetzt einfach alles geniessen soll, oder besser die Augen nach Polizei aufhalte.«

Allgemeines Gelächter.

»Ja, die Mädels haben es hier echt gut gemacht! Man steht auf sicherem Boden und dennoch hat man dauernd den Eindruck, es sei illegal. In Brücken ist es sogar illegal, wenn auch von der Polizei geduldet und der Reiz ist viel grösser, als zum Beispiel bei uns am Flugplatz. Dort kommt einfach dieses Feeling nicht auf.«

»Ich bin aber auch Donalds Meinung. Ich bleibe auf jeden Fall dabei. Wenn ich es schaffe, will ich auch irgendwann jemand sein, der gefürchtet ist.«

Viper schaute Perry direkt an.

»Das ist ein hohes Ziel! Der Garzella kann dir das auch ermöglichen, aber dein Image?«

Perry schaute dumm zurück. Rebekka klärte ihn auf.

»Du bist zu brav! Bisher stichst du nicht aus der Menge heraus. Weder durch dein Auftreten, noch durch deine Leistung. Der Garzella macht Eindruck, aber das reicht so nicht.«

Perry sah seinen Traum von einem neuen Mythos schon in Scherben. Nicht jedoch Katja.

»Ach, den richtigen Ruf bringen wir schon hin Schatz! Warte mal ab, wir Mädels haben da auch ein Wörtchen mitzureden.«

Da sich Perry das jedoch beim besten Willen nicht vorstellen konnte und auch keinen Bedarf auf irgendeine Diskussion hatte, nickte er nur.

»So. Jetzt hole ich aber mal nach, was letzte Woche ja nicht ging. Donald, ich hoffe, ich darf mir deine Freundin ausleihen?«

In Claudia kribbelte sofort alles. Sie unterlag keinem Versprechen mehr und wenn Donald nun sein Einverständnis gab, konnte sie sich endlich von Viper ficken lassen. Doch sie merkte da auch etwas. So gross die Lust auch war, Donald hatte das letzte Wort. Würde er verweigern, würde sie nichts machen.

Donald war sich nicht ganz einig. Wenn Viper wirklich so ein Tier war, konnte das seine Leistung bei seiner Freundin schmälern? Er wünschte sich, ein wenig mehr so zu sein wie Perry. Der hätte nicht lange überlegen müssen und dabei auch noch voll seinen Spass gehabt. Im Prinzip war es Donald egal. Nur eben die Gedanken. Allerdings sah er auch das Gesicht von Claudia und die stand so unter Strom, sie hätte der Viper als Spannungsquelle dienen können.

»Mach sie nur nicht kaputt!«

Viper grinste, während Claudia wie ein Gummiband aufsprang. Er ging zu ihr, legte seinen Arm um sie und schon ging es nach drinnen. Perry fragte sich, warum Viper nicht Katja mitgenommen hatte. Zusammen mit den ganzen Hormonen durch die Rennen hätte seine Freundin hinterher die Nummer ihres Lebens bekommen. Aber gut, er wollte eben Claudia.

Bevor Viper jedoch im Haus verschwand, schaute er noch einmal kurz zurück. Sarah sah seinen Blick und verstanden. Sie stand auf und hockte sich neben Donald.

»Wie sieht es aus? Wenn die Beiden unterwegs sind, sollen wir vielleicht auch?«

Donald schaute sich Sarah genau an. Da gab es genug was ihn reizte. Nur, er war eigentlich viel zu müde. Etwas in ihm gab ihm aber einen Schubs. Kurzes nicken, schon standen die Beiden auf und gingen ebenfalls nach drinnen. Der Rest blieb jedoch draussen. Elena war etwas stinkig. Claudia durfte, sie nicht. Aber gut, sie war ja wieder hinter dem Busch aufs feinste benutzt worden und wusste immer noch nicht, wie der Typ eigentlich hiess.

Drinnen krabbelte Sarah sofort aufs Bett. Voll bekleidet. Donald kam neben sie.

»Macht ihr das öfters so?«

Sarah schaute verwirrt.

»Was? Das ich einen Kerl nagele, während Viper eine bürstet?«

»Jupp.«

»Kommt vor, ja. Ist aber nicht die Regel. Viper mag dich, merkt man deutlich.«

»Und du bist dann so etwas wie eine Entschädigung?«

»Ach Blödsinn! Er weiss eben, dass du mir gefällst. Ich meine, deine Figur ist seiner ja nicht ganz unähnlich.«

»Verstehe. Was genau läuft da eigentlich zwischen euch?«

»Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Ich dachte mal, ich wäre verliebt in ihn. Aber irgendwie ist es das doch nicht. Wir haben zwar etwas wie eine Beziehung, aber so nennen kann man es eigentlich dann doch nicht. Es ist kompliziert, erfüllt mich aber.«

»Er ist wahrscheinlich ziemlich kompliziert, oder?«

»Viper? Nö. Eigentlich gar nicht! Eigentlich ist er sogar super gradlinig. Er hat seine Ziele, seine Familie und da steht er voll dahinter.«

»Echt? Also ich hätte gedacht, dass er ein Mensch mit 1000 Widersprüchen ist.«

»Kein bisschen. Wenn man ihn besser kennt weiss man genau, wie er tickt. Da weicht er nicht viel von ab.«

»Und warum dann diese Probleme, ob Beziehung oder nicht?«

»Das liegt in seiner Vergangenheit. Seine grosse Liebe ist ja quasi genau in dem Moment gestorben, wo er um ihre Hand anhielt. Damals ist er selbst fast daran zerbrochen. Dann gibt es da noch eine Frau, die ihn voll erobert hat. Die ist aber verheiratet und er weiss genau, dagegen wird er niemals ankommen.«

»Ah ja stimmt. Kompliziert ist anders.«

Sarah lachte.

»Ich kann dir auf jeden Fall eins sagen. Seine Frage vorhin war nicht nur so dahin gesagt. Hättest du abgelehnt, wären die jetzt nicht dabei. Du und deine Leute habt es in ganz kurzer Zeit geschafft, dass er euch wirklich als Freunde und Anwärter auf Familienmitglieder sieht. Das ist was ganz seltenes.«

»Du, wenn mir vor ein paar Wochen jemand gesagt hätte, dass es nur 50 Kilometer von uns entfernt noch so einen Haufen gibt, wo alles derart gegen den Strich gebürstet wird, hätte ich das auch niemals geglaubt.«

»Da ist was dran. Er hat mir ja von Katja und den Mädels erzählt. War ja letztes Mal nicht dabei. Geglaubt hab ich ihm nicht viel davon. Amy und die sind ja schon Marken. Das es da aber gleich noch welche von gibt? Komm mal darauf klar!«

»Ich weiss gut was du meinst! Ich bin ja auch viel gewohnt, aber Amy und die sind schon super heftig! Kannte Janine noch keine Stunde, da hat sie schon mit blanken Titten daneben gestanden, während ich Claudia gefickt hab.«

»Typisch. Wären die nicht gewesen, ich wäre immer noch das Mauerblümchen. Die haben mich damals zur Seite genommen und mir gezeigt, dass man vor nichts Angst haben muss und es auch überhaupt keine Rolle spielt, was andere von einem denken. Okay, so 100% bin ich damit zwar noch nicht durch, aber ich bin schon viel lockerer geworden.«

»Ach, ich finde dich echt cool. Du bist anders als die. Hast deine ganz eigene Art. Zurückhaltend, ein bisschen schüchtern, aber man merkt auch, dass in dir das Feuer brennt.«

»Findest du?«

»Klar. Auch bei den Rennen. Wenn Amy und die in die Autos steigen meint man zu sehen, dass es Vollprofis sind. Da fehlt eigentlich nur noch Overall und Helm. Du wirkst wie ein Girly. Ich hab bei dir eher das Gefühl, dich belächeln zu müssen. Eine Kleine die denkt, es mit den Grossen aufnehmen zu können. Aber wenn du fährst, Boah. Das ist schon irre!«

»Du wirst lachen, aber viele haben mich schon müde belächelt und dann sehr dumm geguckt. Das gefällt Viper übrigens auch an mir. Auf der Strecke bin ich ein Monster, wenn auch ein kleines. Ausserhalb des Autos aber ein Teenie. So sagt er das immer.«

»Ach, in einem anderen Auto wärst du sicher auch ein grosses Monster.«

»Gut möglich. Aber das will ich ja gar nicht sein. Ich hab meinen Lion. Da hab ich jedes einzelne Teil selbst dran geschraubt. Ganz ohne Hilfe. Ich liebe mein Auto und auch wenn es nie zu den Schnellsten zählen wird, ich würde kein anderes wollen.«

»Viper hilft dir da nicht?«

»Er will, klar. Aber ich lasse ihn nicht. Ich fahre nicht einmal in seine Werkstatt, wenn ich was umbaue. Alles voll Oldschool mit Wagenheber auf der Strasse.«

»Warum nimmst du keine Hilfe an?«

»Weil mein Auto und ich das alleine regeln. Haben wir immer. Am Anfang hat mir auch keiner geholfen. Ich musste alles selbst machen und mir selbst beibringen. Hat gereicht, dass ich mit meiner Kiste dann auch gewonnen hab und dabei bleibt es auch. Alles kommt von mir. Jeder Sieg und jede Niederlage. Ich will nicht, dass irgendwer da etwas mit zu tun hat.«

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