Der Rest des Abends

Katja war schockiert. Okay, was waren 50.000€? Wenn sie die brauchte, zückte sie einfach Papas Kreditkarte. Aber einfach mal so eine Summe dieser Grösse zu bekommen, war auch für sie neu und sie wusste schon genau, was sie damit machen würde. Deshalb eilte sie fröhlich grinsend zum Kommandostand, wo sie sofort ein dickes Bündel Geldscheine von Mario bekam.

»Sehr gut gefahren! Aus dir wird noch was!«

»Danke Mario! Macht mir irre viel Spass!«

»Meine liebe Katja. Wenn wir zurück sind möchte ich mich näher mit dir und deiner Fahrweise beschäftigten. Ich würde annehmen, mit dir als Testfahrer wird es mir am Besten gelingen, den Garzella zu seiner nominalen Kraft zu bringen.«

Wahrscheinlich war das das grösste Lob, welches Katja an diesem Abend bekam.

Doch es ging noch weiter. Bald näherte sich die Halbzeitpause. Eigentlich war die Lust auf Sex sehr gross, doch gab es einfach zu viele Leute, die mit den Neuankömmlingen sprechen wollten. Abgesehen von Elena. Der vom letzten Wochenende war wieder da, tauschte mit ihr nur einen Blick und schon waren Beide wieder verschwunden.

Nach der Halbzeitpause wurde es dann spannend. Erst das Elefantenrollschuhrennen, dann standen da zwei Namen auf der Tafel, die offensichtlich sehnlichst erwartet wurden. Viper gegen Lori.

Das Spektakel vor dem Start war schon irre, wie die Jungs anerkennen mussten. Da zeigte sich der Ruf der Autos. In der Tat, als die Autos an der Startlinie standen, es war anders. Klar, es waren auch nur Fahrzeuge, aber von ihnen ging irgendetwas aus. Auch die Menschenmenge war absolut still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Mit Schuld daran waren natürlich die Elektromotoren, die natürlich schwiegen, solange man sie nicht benutzte.

Amy gab sich die Ehre und was sie an Show zeigte, war auf jeden Fall sehenswert. Irritierend hingegen war die Stille, die auch in dem Moment herrschte, als Amy ihre Arme hob. Nichts war zu hören, die Menschen schauten nur gebannt auf die Fahrzeuge. Dann sanken die Arme.

Perry erschrak fast, als er den Start erlebte. Die Autos schienen eine gewisse Distanz einfach zu überspringen, zumindest wirkte ihre unglaubliche Beschleunigung so. Anfangs sah es auch so aus, als hätte Viper die Nase deutlich vorne, doch Janine gab das Rennen nicht verloren. Etwas nach der Hälfte hatte sie aufgeschlossen, während die Ziellinie mit unglaublichem Tempo immer näher rückte. Es schien fast so, als hätten die Fahrzeuge ihre Leistungsgrenze erreicht, denn keiner war mehr in der Lage seine Beschleunigung noch zu steigern. Bis wirklich ganz knapp vor der Ziellinie. Der Lori sprang fast ein Stück nach vorne. Zentimeter, von den Zuschauern eigentlich kaum zu erkennen.Sicher sehen konnten sie nur eins. Die Bremslichter des Lori flammten einen Augenblick vor denen der Viper auf. Ein recht sicheres Zeichen, dass Janine erneut einen Sieg eingefahren hatte.

Ganz sicher wurde es in dem Moment, wo Lori auf der Anzeigentafel stand und der Jubel heftig wurde. Weit lauter, als bei irgendeinem Rennen zuvor. Die Autos kamen zurück und ein richtig wütender Viper stieg aus. Er hielt sich nicht mit den Leuten, oder Janine auf, sondern spurtete sofort zum Kommandostand. Waldemar, der schon eine handfeste Konfrontation befürchtete, versuchte Abstand zu gewinnen, bekam jedoch alles mit.

»Was hast du schon wieder gemacht? Du Penner gehst mir langsam echt auf den Sack!«

Mario lachte, was Waldemar etwas Mut machte.

»Nicht viel. Ich hab den Lori einfach die letzten Rennen analysieren lassen und er hat einiges daraus gelernt. Na ja das und Kondensator-Power.«

»Kondensator? Wir sprechen uns morgen Freundchen, die Nummer ist noch nicht durch!«

Da Mario immer noch grinste, als Viper ging, traute sich Waldemar wieder hervor.

»Wenn ich fragen darf, verehrter Mario, Was meinst du mit Kondensator-Power? Gehe ich Recht in der Annahme, du hast einen Kondensort in die Stromleitung integriert?«

»Wohl eher ein paar. Die Laden sich durch die Fahrt auf und gegen Ende hat man eine halbe Sekunde Extra-Power.«

»Von wie viel Spannung sprechen wir in dem Fall?«

»Nach meinen Berechnungen 400 Volt pro Motor. Hält aber eben nicht lange und das ist auch gut so.«

»Die Elektronik verkraftet das?«

Mario schaute auf einen der Monitore, welcher die Telemetrie des Lori zeigte.

»Na ja, also da muss auf jeden Fall eine bessere Kühlung her. Das war schon hart an der Grenze!«

»Ich bin wirklich beeindruckt, mein lieber Freund.«

»Danke. Wäre dir aber mit Sicherheit auch eingefallen.«

»Dem mag so sein, doch denke ich wäre ich nicht mutig genug gewesen. Eine solche Leistung unter Kontrolle zu halten ist nicht einfach. Besonders, wenn vier Motoren gleichzeitig die gleiche Spannung bekommen sollen.«

»Ach, ich hab das oft genug Simuliert. Eigentlich sind das nur 80% von dem, was die Kondensatoren eigentlich liefern können. Aber bis dahin kann ich mit Sicherheit sagen, dass auch mit Toleranzen die gleiche Spannung kommt. Also alles nicht nennenswert.«

»Ich erfreue mich immer über deine Aussagen, mein lieber Mario. Du überlässt nichts dem Zufall, oder deinem Bauchgefühl. Allem liegt eine Berechnung zugrunde. Meine Vorgehensweise.«

»Ach, was soll ich dir sagen? Ich mache mir nichts aus den Rennen. Aber ich liebe es, die Grenzen der Autos immer weiter zu verschieben. Wenn ich damit dann einen erstklassigen Ingenieur wie Viper übertrumpfen kann, ist das ein cooles Gefühl!«

Der Abend ging weiter. Lori und Viper wurden noch einige Male von verschiedenen Fahrern herausgefordert und gewannen natürlich jedes Mal. Doch auch der Lion war oft am Start zu erleben. Eigentlich immer in der Favoritenrolle und dem wurde er auch immer gerecht. Bis schliesslich Phillip mit seinem wirklich grossartig aufgebauten Lipizzaner an den Start ging.

Ein wirklich beeindruckendes Rennen. Amy musste sogar den Turbo des Lion benutzen, um am Ende doch ein bisschen die Nase vor den Lipizzaner zu schieben. Gerade bei Janine kam der Turbo öfters zum Einsatz, bei Amy nur bei diesem Rennen. Als alle wieder zurück auf dem Parkplatz waren war es nun Amy, die etwas verwirrt schien.

»Sagt Mal ihr Zwei. Sollte ich mal den Lipizzaner auf illegale Tuningteile untersuchen lassen?«

»Mach nur Schatz. Jetzt und sofort wenn du willst.«

»Nee, schon gut. Aber was habt ihr mit dem Ding gemacht? Ihr warte eine ganze Zeit nur Spitze im Mittelfeld und jetzt macht ihr meinem Baby das Leben schwer. Wie?«

Derrick lachte.

»Na, was denkst du denn? Wir sind vielleicht keine studierten Profis wie der da und kein Genie wie Mario, aber auch wir lernen aus unseren Fehlern und der Lipizzaner hat einen super Motor.«

»Ist mir schon klar. Aber vom Mittelfeld hoch an die Spitze ist jetzt auch nicht etwas, was man mit ein bisschen Feintuning erreichen kann. Irgendwas habt ihr gemacht!«

»Da hast du Recht. Aber, solange du jetzt kein Gutachten von Mario oder Viper verlangst, bleibt das unser Geheimnis. Ich kann dir nur eins sagen, im Moment läuft das alles noch quasi im Versuchsmodus. Wir sind noch am testen und warte nur, wenn wir damit fertig sind!«

In Amys Augen flammte etwas auf. Ehrgeiz. Es waren zwar ihre Freunde, der eine sogar die Liebe ihres Lebens, doch hier ging es um Rennen und die würde Amy nicht einfach so verlieren. Wenn die Jungs den Lipizzaner noch heisser machen wollten, dann musste eben auch der Lion noch schneller werden. Wäre da nicht die Abmachung mit den Jungs gewesen.

Bald endete jedoch der Abend. Es wurde zwar langsam schon hell, aber da keine Rennen mehr starteten, verzogen sich auch die Leute. Bald war der Parkplatz leer und für Donald und Perry war es Ehrensache, bei den Aufräumarbeiten zu helfen.

Die Jungs merkten aber etwas. Sie waren lange nicht so fit wie die Vertreter aus Neunburg. Während sie in Amys Haus schlaff im Garten in den Stühlen hingen, machten die Anderen noch Party und redeten über den Abend. Viper und Janine stachelten sich wieder gegenseitig massiv an, während Amy weiter verzweifelt versuchte hinter das Geheimnis der Leistungssteigerung vom Lipizzaner zu kommen. Claudia versuchte sich zurückzuhalten, doch Pascal sprach sie immer wieder darauf an, dass sie am kommenden Tag mit Amy in ihren Raum zu kommen hatte. Ihr gefiel das natürlich überhaupt nicht, aber Wettschulden waren eben Ehrenschulden, auch wenn sie in dem Fall nur Wetteinsatz war und nicht selbst gewettet hatte. Da musste sie jetzt also durch und inständig wünschte sie sich, dass es schon der nächste Tag war, nach dieser Nummer.

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