Elenas Chance

Donald wollte sich nicht darauf verlassen, dass die Bremsen nun wirklich in Ordnung waren. Eine Testfahrt musste her. Natürlich zusammen mit Claudia. Die Beiden fuhren los, während Elena wieder bei Waldemar verweilte und ihm zuschaute, wie er weiter an dem Turbo arbeitete. Kurz darauf kam Rebekka in den Aufenthaltsraum.

»Elena, hast du kurz Zeit?«

Hatte Elena eigentlich. Nur war sie sich nicht sicher, ob sie nach der Nummer mit Rebekka reden wollte. Allerdings war sie auch neugierig. Deshalb kam sie mit Rebekka in den baldigen Arbeitsbereich von Waldemar.

»Was ist?«

»Jetzt sei nicht so angriffslustig. Ich wollte dir nicht weh tun. Eigentlich wollte ich nur wissen, ob man Waldemar wirklich nicht erregen kann und das weiss ich ja jetzt.«

»Hättest mich auch einfach fragen können.«

»Das ist aber nicht das Gleiche und das weisst du!«

»Ja, schon. Wolltest du mir das sagen?«

»Nein. Aber dir einen Tipp geben!«

Das machte Elena noch neugieriger.

»Dann mach mal, bin gespannt!«

»Also hör zu. Waldemar hat eine Schwäche. Ich hab da gesessen und er hat nur gestottert. Bis ich ihn zum klugscheissen gebracht habe. Auf einmal war er wieder total beherrscht und ab dem Moment hatte er keine Probleme mehr wegen dem Körperkontakt. Ich dachte, dass könnte dir vielleicht nutzen.«

»Wie meinst du das mit dem Klugscheissen?«

»Er hat gestottert und irgendwas von seiner Seele gefaselt. Dann hab ich ihn gefragt, ob er denkt ich sei ein Vampir. Sofort hat er mich belehrt. Vampire trinken Blut und rauben keine Seele und so. Siehe da, ab dem Moment schien es ihn nicht zu stören, dass ich auf seinem Schoss sass.«

»Du denkst also, man muss ihn nur ablenken?«

»Genau. Ich schätze mal, er konzentriert sich immer nur auf eine Sache. Hat er Angst um seine Seele, was auch immer er damit meint, muss man ihn nur dazu bringen, seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken und schon hat er seine Seele vergessen.«

Irgendwie leuchtete das Elena sogar ein. Waldemar war wirklich so. Wenn der seine Serien schaute, hatte er auch keinen Kopf für irgendwas anderes. Genau wie bei der Arbeit.

»Und warum erzählst du mir das?«

»Weil dir Waldemar anscheinend etwas bedeutet und ich denke, so kommst du ihm zumindest ein bisschen näher. Sex wird wohl trotzdem nichts. Ich glaube, da hat Perry schon Recht, oder Donald. Aber immerhin, so kommst du ihm vielleicht ein wenig näher und er verliert seine Berührungsangst vor dir.«

»Danke Rebekka. Ich dachte echt, du willst da was von ihm.«

»Wolle ich ja. Wissen, ob man ihn wirklich nicht heiss machen kann.«

»Und wenn du es geschafft hättest?«

Rebekka grinste diabolisch.

»Hättest du deinen Spass gehabt!«

Elena schaute verwundert.

»Warum ich?«

»Na hör mal, du bist meine Freundin! Ich merke doch, dass da was zwischen euch ist und Waldi ist jetzt niemand, der mich sonderlich reizt. Ich hätte dann einfach an seine Loyalität appelliert und angedeutet, dass du ein Vorrecht hast.«

»Du bist echt cool!«

»Meine Freunde sind mir eben wichtig! Ich lasse nicht jeden so nah an mich heran, dass ich ihn als Freund bezeichne. Aber du und ich, ich glaube wir sind uns ziemlich ähnlich.«

»Findest du?«

»Klar. Katja ist eher wie Amy. Claudia in vielen Zügen mehr wie Janine. Du bist rational, denkst nach, bevor du handelst. Das ist mehr so wie ich bin. Man könnte wirklich manchmal glauben, dass ihr wie ein Echo von uns seit.«

»Ein Echo? Wieso ein Echo?«

»Weil es viele Parallelen, aber auch einige Unterschiede gibt.Ihr seit nicht einfach Kopien. Wir sind uns ähnlich, aber nicht genau gleich.«

»Da geb ich dir Recht. Aber jetzt was anderes. Das Schnabeltier. Der hat dich genauso schockiert?«

»Beim ficken?«

»Japp.«

»Schockiert, überrascht, verwirrt, irritiert usw. Kann ich dir gar nicht genau sagen. Wenn man ihn sich so anschaut ist er einfach ein Nerd. Wie er handelt, spricht, sein ganzes Auftreten. Dann fängt der an zu ficken und ist wie ein richtiger Bad Boy. Hart, fest, energisch. Komm da mal drauf klar.«

»Ich weiss gut was du meinst. Ich war ja seine zweite Frau, einen Tag nach Katja. Er hatte eigentlich noch nichts drauf und war trotzdem schon besser, als viele Kerle aus der Gruppe. Trotz kleinem Schwanz.«

»Ach, der Schwanz. Klar, gross ist geil und ich mag das auch lieber, aber man kann auch mit einem Kleinen verdammt viel Spass haben. Musst nur Amy fragen. Rasmus und Morgen aus Amerika sind auch nicht so gut bestückt und trotzdem hat sie da nur Lobeshymnen drauf. Ich denke einfach mal, viele Kerle mit grossem Riemen verlassen sich drauf. Warum sich anstrengen, dass Ding macht seine Arbeit alleine. Aber eben mit einem Kleinen, da muss man einfallsreich sein und das ist Perry auf jeden Fall.«

»Ich glaub, ich muss auch mal wieder auf den. Langsam werd ich neugierig, was er mittlerweile so drauf hat.«

Rebekka lachte.

»Siehst du, wie bei uns. Wir vögeln ja auch bunt durch die Reihe.«

»Ich sowieso. Eine Beziehung ist nichts für mich. Ich will meinen Tag ganz alleine für mich haben und niemandem Rechenschaft ablegen.«

»Und wieder sind wir uns gleich. Ich hab mir schon ein paar Mal überlegt, was mit Derrick anzufangen. Aber irgendwie, nein. Der würde mir zwar sicher keine Vorschriften machen, anders wäre es trotzdem.«

»Mit Derrick? Echt?«

»Ja klar! Ich kenne den länger als sonst einen von uns. Den kannte ich schon, bevor Amy und Phillip nach Neunburg gezogen sind. Damals konnte ich ihn aber eigentlich nicht leiden.«

»Und warum nicht?«

»Das waren noch andere Zeiten. Ich war deutlich verklemmter, er hat noch wild mit Drogen gehandelt und als ich mal bei ihm war, hat er seine Fähigkeit einfach ausgenutzt. Das war damals nicht meine Welt. Wären Phillip und er nicht so gute Freunde geworden, wäre das alles anders gekommen.«

»War der echt so schlimm?«

»Total irre sag ich dir! Als wir die Nummer da für den BND durchgezogen haben, hat er ein paar Sachen vom Stapel gelassen. Der hat sogar den BND aufs Kreuz gelegt. Über Jahre! Selbst Viper, der ja auch eine dicke Nummer in dem Geschäft war, musste seinen Hut vor ihm ziehen.«

»Schwer zu glauben. Wenn man ihn so kennt denkt man eigentlich, ausser Sex kriegt er nichts geregelt.«

»Das ist eben seine Masche. Jeder unterschätzt ihn mächtig.«

»Wo kommt eigentlich diese Fähigkeit mit den Frauen her?«

»Das weiss nicht einmal Pascal, glaube ich. Aber ohne diese Fähigkeit wäre unser Unternehmen damals nicht gelaufen.«

»Du meinst mit dem Flugzeug?«

»Ja. Hätte er Aisha nicht gefickt und damit ihr Leben in Gefahr gebracht, wären wir nie von dort weggekommen.«

»Aisha? Die aus dem Arsch?«

»Genau! Die war die Frau von diesem Chef der Terrorzelle und darüber hinaus hat sie auch das Flugzeug geplant.«

»Ohne Scheiss?«

»Ohne Scheiss! Auf der Insel hat Derrick seine Fähigkeit ausgenutzt, sie geknallt und wenn der Chef das herausgefunden hätte, wäre ihr Kopf ab gewesen. Derrick hat sie dann erpresst, dass die Maschine startbereit sein musste und so. Um zu überleben kam sie dann mit und was soll ich sagen. Sie ist super cool. Ich mag sie sehr und seither sind wir auch Freunde.«

»Sei mir nicht böse, aber wenn ich nicht selbst in der Maschine gesessen hätte, ich würde dir immer noch kein Wort glauben.«

»Mach dir nichts draus. Ich kann das selbst nicht immer realisieren. Überleg mal, wir haben dort gegen Leute gekämpft, die uns wirklich töten wollten. Ein Fehler und wir wären jetzt nicht mehr da. Das ist schon schwer zu glauben.«

»Tja, aber ihr habt es gemeistert. Dazu muss ich sagen, der Flieger ist einfach nur geil!«

»Absolut! Urlaub in Australien, oder auf Hawaii? Da können wir einen Trip übers Wochenende draus machen. Am coolsten ist aber, es ist wirklich unser Flugzeug. Viper, Derrick und Mario sitzen da vorne und fliegen. Nicht irgendwelche Piloten, sondern unsere Freunde. Das ist einfach nur krass.«

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