Erholungspause

Die Brass liessen keine Zeit verstreichen. Das System war von feindlichen Schiffen befreit, sofort gingen die Landungsschiffe auf Kurs. Es waren keine reinen Landungsschiffe, nur einige der Jagdmaschinen waren auch mit einer grösseren Zahl an Soldaten bestückt.

Natürlich gab es noch eine planetare Verteidigung zu überwinden. Doch wie man es bei der Planung schon analysiert hatte, die Reichweite der Megaclite war grösser, als die im Orbit der Planeten verteilten Waffen. Also blieb die Megaclite auf Abstand und schoss eine Station nach der anderen aus der Umlaufbahn. Der weg war frei und die Megaclite konnte verschnaufen.

»Casper? Sind die Reparaturteams bei der Arbeit?«

»Natürlich. Alle beschäftigt. Habe auch schon ein paar Meldungen erhalten. Ein paar Schäden sind nicht dramatisch und sollten bald behoben sein. Aber wir haben ganz schön was abbekommen.«

»Menschliche Verluste?«

»Zum Glück nicht Tiff. Da muss ich Krieger mein Lob aussprechen. Einen Teil der Besatzung auf Brassika zurückzulassen war ein exzellenter Schachzug.«

»Kapitän Krieger!«

»Von mir aus.«

»Okay Casper. Die Leute sollen sich vorrangig um Schilde und Waffen kümmern. Ich habe keine Ahnung, wann hier die Verstärkung ankommt und dann müssen wir voll einsatzbereit sein.«

Da derzeit nichts nennenswertes zu tun war, stand Krieger auf, übergab Tiffany das Kommando und ging auf eine Schiffsinspektion. Schnell erreichte er einen Bereich, der richtig was abbekommen hatte. Einer der Männer des Reparaturteams kam sofort heran.

»Kapitän, hier hat es uns richtig schlimm erwischt. Alle Bereiche hinter diesen Türen sind ohne Druck. Wir versiegeln gleich diesen Korridor und gehen dann rein. Erst reparieren wir die beschädigten Systeme und versuchen dann die Hülle zu flicken.«

»Ausgezeichnet. Hätte ja nicht gedacht, welche Schäden hier entstehen können, obwohl die Schilde noch Energie hatten.«

»Nein? Mich wundert das nicht. Dieser Typ von Schild ist in der Hinsicht nicht sonderlich zuverlässig. Die Energie, die er aufbringen muss, rotiert mit einer so niedrigen Frequenz, alles unter 50% verursacht Löcher.«

Schön, dass Krieger das noch niemand gesagt hatte. Alternativ war er aber auch selbst schuld. Die Spezifikationen über sein Schiff hatte er in seinem Computer, aber bislang nicht einmal die Hälfte davon aufmerksam begutachtet.

»Was denken sie, wie lange die Reparaturen dauern?«

»Schwer zu sagen. Wir haben den Schaden noch nicht gesehen. Aber eines ist sicher. Wäre die Ladung nur einen, oder zwei Meter weiter oben eingeschlagen, wäre die Brücke jetzt ein Cabrio.«

»Ja. Da oben ist auch was auseinander geflogen. Das werde ich in Zukunft zu vermeiden versuchen.«

Seine Inspektion ging weiter, im hinteren Teil des Schiffes. Dort sah es noch deutlich schlimmer aus. Er Bog in einen Gang ab und sofort war der Schaden zu sehen. Der ganze Korridor glich einem Trümmerfeld, die Beleuchtung war teilweise ausgefallen und flackerte, während einige Besatzungsmitglieder frei zwischen den Trümmern schwebte. Also war auch die künstliche Schwerkraft hier ausgefallen. Schon bald hatte Krieger wieder Gesellschaft.

»Kapitän, der Schaden ist gewaltig! Alleine die Anzahl der Leitungen, die wir austauschen müssen ist immens. Dazu müssen viele Baugruppen komplett ersetzt werden und die Hülle können wir erst in einem Dock reparieren.«

»Kriegen sie die Waffen wieder in Gang und den Schild?«

»Der Schild hat hier nichts mit zu tun. Aber die Waffen. Da ist nichts in Gang zu bringen. Die sind weg! Schweben wohl irgendwo bei den Trümmern rum.«

Krieger war entsetzt. Ja, sie würden den Schaden in einer Werft der Brass reparieren können, aber erst nachdem das System verteidigt war. Das hiess, den nächsten Angriff mussten sie so überstehen, wie sie jetzt waren und das waren keine guten Voraussetzungen.

»Grossartig. Was ist mit den Steuerdüsen?«

»Die kriegen wir in Gang. Da sind nur die Leitungen zerstört, können wir austauschen.«

»Gut. Wenigstens etwas.«

Krieger machte sich wieder auf den Weg. Total hektisch kam Ray angelaufen und Krieger vermutete schon eine weitere schlimme Nachricht.

»Kapitän! Ich, also ich wollte, haben sie einen Moment, weil ich müsste …«

»Atmen Ray!«

Ray atmete durch.

»Kapitän, ich bin zwar kein Stratege, aber ich habe eine Idee!«

»Dann los. Bin für alle Vorschläge empfänglich!«

»Der Antrieb Sir!«

»Geht das auch ein bisschen genauer?«

»Ja. Entschuldigung. Unser Antrieb funktioniert ja nach einem anderen Prinzip. Wir können ihn im Kampf benutzen. Pamela muss nur einen Punkt so weit ab von den Angreifern anvisieren, dass die uns nichts anhaben können. Dann beschleunigt sie und wir sind ausser Gefahr, können aber angreifen.«

»Und bis wir beschleunigt haben, hat uns der Gegner in Einzelteile zerlegt!«

»Eben nicht Kapitän! Denken sie nicht konventionell, denn wir haben keinen konventionellen Antrieb! Da das Schiff bei aktiviertem Higgs-Antrieb im Prinzip keine Masse hat, beschleunigen wir augenblicklich. Auf eine so kurze Distanz würde es für den Gegner sogar so aussehen, als wären wir an zwei Orten gleichzeitig! Der weiss nicht, wo wir hin sind, während wir genau wissen, wo unser Gegner ist!«

»Und das funktioniert?«

»Kapitän, ich habe einige Simulationen durchgeführt. Ja, es funktioniert!«

»Ray, sie sind ein Genie!«

Mit den Worten drehte sich Krieger und eilte zur Brücke. Das musste er unbedingt dort erklären.

Auf der Brücke war Casper gerade dabei, die Trümmer der Konsole zu beseitigen. Tiffany hing wieder wie gewohnt in ihrem Sitz, während Barry schwer mit den Anzeigen beschäftigt war.

»Ich bitte um Aufmerksamkeit! Ray hat da gerade etwas gesagt, was uns retten kann! Pamela, wie lange dauert es, einen Zielpunkt zu bestimmen, der ausserhalb der Waffenreichweite des Gegners, aber noch innerhalb unserer Waffenreichweite liegt?«

»Ähm, eine Sekunde?«

»Und wie lange, um mit dem Higgs-Antrieb dorthin zu kommen?«

»Eine Sekunde?«

»Dann ist das jetzt unsere Taktik! Wenn die Verstärkungen hier eintreffen, gehen wir genauso vor! Immer, wenn ein Schiff in Waffenreichweite kommt, springen sie aufs gerade Wohl aus dessen Reichweite. Barry, sie müssen dann umgehend das Ziel neu erfassen und feuern!«

»Und das soll funktionieren?«

»Werden wir sehen Nu … Tiffany. Aber wenn es funktioniert, können wir die ganzen Angreifer wegputzen, ohne selbst getroffen zu werden!«

»Okay, da würde ich mich aber nicht drauf verlassen.«

»Tun wir auch nicht Tiffany, aber wir setzten es ein! Wenn wir dadurch den Schaden zumindest minimieren können, wäre uns schon viel geholfen. Ich habe mir unsere Schäden angeschaut und die Megaclite hat einige offene Wunden. Einige Waffen sind komplett weg. Also noch so ein Angriff könnte wirklich katastrophal enden!«

»Ich verstehe das auch nicht Krieger. Laut den Brass und ihrem Nachrichtendienst hätten hier nicht einmal halb so viele Schiffe sein dürfen. Wo kamen die her?«

»Kapitän Krieger! Das weiss ich nicht Barry. Ich schätze einfach mal, die Informationen der Brass sind nicht auf dem neusten Stand. Spielt jetzt aber auch keine Rolle. Wir haben es gemeistert und müssen jetzt nur noch darauf achten, dass wir auch die nächste Welle überstehen. Wenn unsere neue Taktik funktionieren sollte, sehe ich auch gute Chancen für uns.«

»Und wenn nicht?«

»Sie kennen den Weg zu den Rettungskapseln Tiffany?«

Schweigen auf der Brücke. Jeder wusste genau, was das zu bedeuten hatte. Auch Krieger sah in einem erneuten Angriff die Möglichkeit, dass es die letzte Schlacht der Megaclite sein konnte. Aber, so weit waren sie noch nicht. Laut Casper waren 90% der Waffen voll funktionsfähig und die Schilde auch wieder bei über 80%. Ausserdem hatten sie Erfahrung gesammelt und diese neue Taktik versprach einen gewichtigen Vorteil. Im Prinzip war es auch tatsächlich so, wie alle es erwartet hatten. Die Megaclite war in dieser Gegend eine absolute Macht. Wenn man bedachte, wie viele Kreuzer sie zerstört hatte und dabei nur relativ wenig beschädigt wurde, musste man ihre Überlegenheit einfach anerkennen.

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.