Waldemar der Profi

»Richtig Waldemar. Dabei kann man den Kompressor auch in seiner Leistung variieren. Von einem Verhältnis 1:1,2 bis hoch auf 1:2,2. Ist aber nur für einen kurzen Einsatz gedacht.«

»Wenn ich fragen darf, wie hat Mario den Kompressor gebaut? Ist es Metall?«

»Nee. Der hat ihn gedruckt. Er hat sich damals extra einen 3D-Drucker gekauft. Damit hat er so einige Dinge im Lion und Lori gebaut. Auch das Lenkrad, die Armaturen und so.«

»Ein 3D-Drucker, liebste Rebekka? Das ist eine gar vorzügliche Idee. Meine Herren, wir werden ein solches Gerät anschaffen müssen!«

Elena war ein bisschen eingeschnappt. Hatte Waldemar wirklich liebste Rebekka gesagt? Die Jungs hingegen schauten sich nur an, zuckten mit den Schultern und signalisierten Waldemar damit, dass ihnen das eigentlich egal war.

»Ich würde es jedoch auf einem anderen Weg realisieren. Gehe ich davon aus, dass euer Motor alleine schon über viel Drehmoment verfügt?«

»Hast du doch wohl gesehen, oder?«

»In der Tat, liebste Rebekka. Ich glaube jedoch, dass es bei unserem Garzella sinnvoller wäre, einen dauerhaft arbeitenden Kompressor zu verwenden. Justierbar aus dem Cockpit. Je nachdem, wie viel Leistung vom Motor verlangt wird, kann er gänzlich ohne diese Erweiterung verwendet werden, aber auch mit gesteigertem Ladedruck.«

»Bei dem Hubraum kannst du da auch ordentlich was rein drücken. Ich würde aber zwei Kompressoren verwenden. Ich denke mal, so viel Luft wie man da ansaugen muss, da reicht einer nicht.«

»Dem entspreche ich, meine liebe Amy. Auch würde ich zu einem anderen Luftfilter tendieren.«

»Sowieso. Das Original kannst du da nicht behalten.«

»Was mich zur angegebenen Auspuffanlage bringt. Da werde ich ermitteln müssen, welche Abgase entstehen und wie diese am sinnvollsten abzuführen sind.«

»So cool echt! Wir helfen euch da natürlich, um die Karre zusammenzubauen.«

Wie jetzt? Donald und Perry verstanden überhaupt nichts mehr.

»Na, ich helfe eher Waldi. Falls du mich als Unterstützung haben willst!«

»Aber gerne, meine liebe Elena. Ich nehme an, wir werden uns da hervorragend ergänzen!«

Amy verschränkte die Arme und musste grinsen.

»Wisst ihr noch? So waren wir doch auch am Anfang!«

»Ja. Ist schon eine Weile her.«

»Halt mal, Moment! Das letzte Mal, wo ihr in der Werkstatt wart, habt ihr euch nur darüber unterhalten, wie heiss es wohl aussieht, wenn Donald hinterm Steuer sitze. Jetzt wollt ihr mithelfen?«

»Ei sicher Schatz! Leute, wir waren eine Woche bei denen da und die haben uns alles gezeigt. Total irre, wie die vor den Rennen noch in den Autos hängen, kontrollieren, vielleicht was austauschen …«

Katja wurde von Claudia unterbrochen.

»In den Blaumännern, kaum was drunter, Haare zusammen und so.«

Donald spannte schon wieder leicht die Hose.

»Eh, jetzt mal ganz locker! Was genau ist da drüben eigentlich mit euch passiert? Ihr wollte am Auto arbeiten? Du redest von Frauen in Blaumännern, willst Janine den Hintern lecken und sie soll dich lecken, wenn ich sie nagele, Katja fährt und gewinnt Rennen? Ist da irgendwas an mir vorbei gegangen?«

»So einiges Schatz! Glaub mir einfach, was wir in der Woche alles erlebt haben, geht auf keine Kuhhaut!«

Nun lachte Janine.

»Echt? So viel ist doch gar nicht passiert!«

»Ach nein? Wir kommen, dann taucht Derrick auf und zeigt uns, dass er jede Frau haben kann, nur indem er etwas sagt. Manfreds Essen, die Videos, Wetten um Sex, Porno-Dreh, Abstecher nach Amerika, die ganzen Rennen, Pascal und das alles. Da soll nicht viel passiert sein?«

»Nö Katja. Normale Woche.«

»Wie war das? Abstecher nach Amerika?«

»Ja Schatz. Wollte ich dir nachher alles erzählen. Die haben uns mal kurz mit nach Amerika genommen mit einem Flugzeug, dass glaubst du mir niemals!«

In der Tat war Perry gewillt, gar nichts mehr zu glauben. Es kam ihm fast so vor, als wären da nicht die selben Frauen aus Neunburg zurückgekommen, die vor einer Woche gefahren waren.

»Ich verstehe überhaupt nichts mehr!«

»Macht nichts Schatz. Aber sag du mir mal lieber, wo ist der Rest von dir geblieben?«

Perry schaute an sich runter.

»Was meinst du?«

»Na, als ich gefahren bin warst du fülliger und da waren auch nicht so viele Muskeln!«

»Meine Freunde. Könnten wir das in Ruhe zuhause erörtern? Ich würde den Garzella gerne in die Garage bringen, um die Schläuche der Luftfilter auszumessen. Damit ich alles in den Computer übertragen und berechnen kann. Schliesslich wollen wir das Auto ja weiter aufrüsten, oder irre ich in der Hinsicht?«

»Nein, tust du nicht. Aber ich würde gerne noch eine Runde mit einem der Mädels da drehen. Ich will selbst erleben, was der Garzella schon kann!«

Daran sollte es ja nicht scheitern. Janine erklärte sich bereit mit Donald zu fahren. Der Rest blieb zurück und die Gespräche fingen an sich über das Wochenende zu drehen. Hauptsächlich um die Abende und Rennen.

Donald lotste Janine auf die Autobahn. Dabei kam er nicht umhin, immer wieder zu ihr rüber zuschauen. Irgendwie war es sehr aufregend. Diese wirklich attraktive Frau war ein echter Rennfahrer mit viel Erfahrung. Das widersprach sich irgendwie. Rennfahrer waren doch meist stabile Männer!

Als die Autobahn schliesslich erreicht wurde, schaute auch Janine zu Donald und grinste.

»Ich hoffe, du bist bereit!«

»Bereit? Wofür?«

Die Antwort zeigte sich sofort. Janine trat aufs Gas und liess den Garzella erwachen. Soweit war Donald aber noch nicht beeindruckt. Auch er hatte dem Ding schon die Sporen gegeben. Anders wurde ihm dann aber doch, als Janine mit mörderischem Tempo auf die erste Kurve zuflog, kaum abbremste und schliesslich einlenkte. Donald wurde in Richtung Tür gepresst und war sich sicher, gleich würden sie die Leitplanke knutschen. Aber nein, der Garzella blieb in der Spur.

Bevor er etwas sagen konnte, ging es schon durch die nächsten Kurven. Abwechselnd Links und Rechts. Immer wieder wurde Donald hin und her geschleudert, konnte sich kaum halten und jedes Mal war er sich sicher, der Garzella musste einfach ausbrechen. Doch nein, Janine hatte ihn absolut unter Kontrolle.

Dazu kamen die schnellen Gangwechsel. Die schienen total instinktiv abzulaufen, denn Janine machte es mit einer Leichtigkeit, als wäre es das normalste auf der Welt. War eine Kurve schärfer, bremste sie erst kurz davor hart ab, lenkte ein und trat im Scheitelpunkt sofort wieder voll aufs Gas. Donald konnte es nicht glauben, mit welchen Geschwindigkeiten das Auto diese Kurven spielend nehmen konnte.

Nach einigen Kilometern wurde die Autobahn schliesslich gerade. Janine schaute zu Donald, wobei das Tempo schon bei über 230 Km/h lag.

»Und? Beeindruckt?«

»Absolut! Ich wusste ja gar nicht, was in dem Ding steckt!«

»Ist schon nicht schlecht, aber da geht noch mehr. Vor allem die Schaltung ist bescheuert. Da solltet ihr Wippen dran bauen.«

»Ist doch cool so.«

»Na ja. Ist blöd wenn man immer die Hand vom Lenkrad nehmen muss. Ausserdem, stell dir mal vor ich würde aus versehen mit dem falschen Schaltknüppel schalten!«

»Falscher Knüppel? Der hat doch nur einen!«

Janine grinste und griff dann zur Beule, die sich da bei Donald abzeichnete und tat so, als würde sie einen Gang wechseln.

»Siehst du, passiert nichts! Kriegt man einfach keinen Gang rein!«

»Boah! Du bist echt eine Marke! Aber ich denke, solange der Knüppel eingepackt ist, besteht da keine Gefahr.«

»Schon. Aber sagt ja niemand, dass der eingepackt bleibt, oder?«

»Na, wäre ja wohl auch eine bescheuerte Idee, dass Ding während so einer Fahrt auszupacken!«

»Findest du? Also es wäre nicht das erste Mal, dass ich während der Fahrt mit dem falschen Knüppel gespielt habe. Gerade bei der Kiste ist das ja wohl kein Problem. Die ist noch so lahm, da muss ich mich nicht wirklich konzentrieren!«

Donald war platt. Aber irgendwie reizte ihn auch der Gedanke.

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.