Erst Langeweile, dann Vergnügen

Und wieder lief die Zeit gnadenlos weiter. Niemand an Bord, nicht einmal Tiffany, war derzeit dazu in der Lage, Pamela die Geschichte zu entlocken, welche sie zur Befreiung der beiden Männer erlebt hatte. Aus irgendeinem Grund machte sie ein Geheimnis daraus, auch wenn es sie anscheinend nicht belastete, sondern eher erfreute. Sehr merkwürdig.

Es gab da jedoch ein gravierendes Problem mit Raumflügen. Sie waren streckenweise unendlich langweilig! Die Brücke war zwar durchgehend besetzt, wurde aber fast nur zum schlafen von Pamela und Barry genutzt. Hatten sie Schicht, verbrachten sie die Zeit davor möglichst aktiv, da sie ja während der Schicht ihre acht, oder gar neun Stunden Schlaf bekamen. Selbst Krieger hatte daran nichts zu meckern, denn auch er langweilte sie unglaublich viel.

Tiffany hatte hingegen andere Probleme. Ruug, der zwar von Tag zu Tag mehr über seine Probleme der Paarungszeit jammerte, hatte bislang nicht einmal den Anflug von Interesse bei Tiffany verkündet. Das war unverständlich. Es hiess doch er würde sterben, wenn er sich nicht paaren konnte und angeblich war er doch in der Paarungszeit. Warum also warten?

Die steigende Langeweile verursachte dann einen Boom im Arsch. Der Laden hatte erst einen Tag geöffnet und war dennoch immer brechend voll. So voll, dass die Betreiber damit beginnen mussten, pro Person nur eine gewisse Menge an Alkohol auszuschenken, da ansonsten der Vorrat in kürzester Zeit aufgebraucht worden wäre.

Dennoch. Es reichte nie, dass die Leute sich wirklich betrinken konnten und schon nach dem einen Tag wusste die ganze Besatzung von dem Ort. Alle, bis auf Krieger natürlich. Der wunderte sich derweil nicht, warum seine Besatzung kaum anzutreffen war. Er hatte die Erfahrung schon auf vielen Flügen gemacht, dass bei längeren Reisen die Besatzung sich bald in ihre Quartiere verkroch und nur noch zum Beginn der Schicht anzutreffen war.

Natürlich war auch Tiffany im Arsch anzutreffen und bewies beim Pokern ein grosses Geschick. Nachdem sie einige der Besatzung ausgenommen hatte, entschied sie sich Ruug aufzusuchen. Sie wollte einfach wissen, wo sein Problem lag. Auf dem Weg dorthin machte sie sich ihre Gedanken. War Ruug vielleicht doch nicht in Lebensgefahr? Musste ein bestimmtes Balzritual eingehalten werden, welches Tiffany nicht kannte? Wann in der Paarungszeit wurde eigentlich die Paarung vollzogen? Vielleicht erst am Ende?

Mit den Gedanken im Kopf drückte sie auf den Knopf neben Ruugs Quartier. Kurz darauf öffnete sich die Tür und Tiffany trat ein. Kein Ruug. Der musste aber da sein, denn wer hätte sonst die Tür geöffnet? Tiffany schaute sich um. Doch, Ruug war da. Er klebte in der Nähe der Tür an der Decke. Also beinah über ihr.

»Ruug, kannst du dich nicht normal irgendwo hinsetzen?«

»Was meinst du? Für mich ist es absolut normal, zur Entspannung eine Decke aufzusuchen.«

»Na, von mir aus. Ich möchte mit dir sprechen!«

Ruug kam von der Decke an der Wand entlang nach unten geglitten wanderte auf seinen Tentakeln zu einem Sessel und schob ihn Tiffany hin.

»Bitte. Nimm Platz und sag mir, worüber du reden möchtest.«

Tiffany nahm Platz.

»Also Ruug. Du sagst, wenn du während der Paarungszeit niemanden findest, der sich mit dir paaren will, vergiftest du dich selbst und stirbst. Du sagst, deine Paarungszeit hat begonnen und wenn ich deine super dicken Tentakel sehe habe ich daran auch keine Zweifel. Du hast jemand gefunden, der sich voller Freude mit dir paaren will. Nicht, um dein Leben zu retten, sondern um dich wirklich zu erleben. Aber was ist? Nichts! Wir haben im Moment alle Zeit der Welt. Niemand würde es stören, wenn wir über Stunden nicht auffindbar wären. Ich bin mehr als bereit, aber von dir kommt nichts. Warum?«

Tiffany war sich nicht ganz einig, aber Ruugs Verhalten schien Scham auszudrücken.

»Du hast Recht Tiffany. In allen Punkten. Ich weiss auch, dass ich bald nur noch vor der Wahl stehe, entweder zu sterben, oder mit dir die Paarung zu vollziehen. Bis dahin möchte ich jedoch darauf verzichten. Würden wir die Paarung zu früh vollziehen, würde ich Gefahr laufen noch vor Ende der Paarungszeit erneut eine Paarung vollziehen zu müssen, da sich in meinen Genitalien wieder zu viel Samen gebildet hätte. Verstehst du?«

»Ja. Das heisst nein! Wo liegt das Problem? Wenn ich mich doch jetzt mit dir paaren will, warum nicht auch ein zweites, oder drittes Mal? Verstehe ich nicht!«

Wieder schien Ruug sich zu schämen.

»Weil, Tiffany …«

Ruug glitt zur Wand, an dieser hinauf bis an die Decke. Er bewegte sich so, dass er Kopfüber vor ihr hing.

»Versteh mich bitte nicht falsch Tiffany. Ich habe euer Sozialverhalten studiert und würde deshalb sagen, du bist das, was ich gerne einen Freund nenne. Du kommst mit meiner Erscheinung klar, bist gerne in meiner Näher und mit dir zu reden finde ich wirklich schön. Ich bin dir überaus dankbar, dass du mich nicht nur retten, sondern wirklich die Paarung mit mir vollziehen willst. Dadurch muss ich keine Sorgen haben, die Evolution zu hintergehen. Aber …«

Tiffany hatte nach den ersten Worten schon verstanden.

»Du hast keinen Bock auf mich. Richtig?«

Ruug glitt ein Stück von Tiffany zurück und konnte sie nicht anschauen.

»Ich glaube, so könnte man es nennen. Versteh mich aber bitte richtig. Du hast keine Tentakel, keinen Schnabel. Du hast diesen Körper, den ich nicht verstehe. Du hast einen extra Zugang für den Samen und alles. Wenn ich ehrlich sein soll, dann sprichst du mich nicht an!«

Tiffany wurde traurig. Sie wurde schon abgelehnt, weil Männer homosexuell waren. Weil sie schon in einer Beziehung waren, oder aus irgendwelchen religiösen, oder sonstigen dämlichen Gründen. Doch noch nie hatte jemand zu ihr gesagt, dass er keinen Bock auf sie hatte. Die Tatsache, dass Ruug natürlich die Reize bei den Weibchen seiner Spezies suchte, ignorierte sie dabei völlig.

»Ich verstehe.«

Tiffany stand auf.

»Dann würde ich sagen, sag mir Bescheid, wenn es soweit ist. Ich werde nur das nötigste tun, um dich am Leben zu halten. Ansonsten vergessen wir das Thema!«

»Tiffany. Versteh mich bitte. Dein Äusseres ist dem meinen so grundlegend verschieden! Ich verstehe auch nicht, warum du mich zur Paarung gewählt hast, da du …«

Tiffany drehte sich um und Ruug sah zum ersten Mal, wie ein Mensch weinte. Zwar tat Tiffany das mehr aus Wut, doch sie tat es.

»Was? Weil ich ein Mensch bin und du nicht? Weil ich dich geil finde, auch wenn du nicht zu meiner Spezies gehörst? Ja Ruug, ich bin geil auf dich! Ich will das du mich vögelst und das nicht, damit du überlebst! Ja, du hast auch Recht. Wir Menschen haben extra Zugänge für den Samen. Aber nicht nur das!«

Sie kam auf ihn zu mit langsam, aber bestimmenden Schritten. Ruug wusste nicht was sie vorhatte und war besorgt.

»Bei deinen Weibchen hast du nur ein Loch, wo du deine Tentakel reinstecken kannst. Du selbst hast aber vier dicke Genitalien! Vier Ruug! Bei deinen Weibchen müsstest du dann wohl nacheinander deinen Samenstau abbauen. Aber bei mir könntest du meinen Mund benutzen, meine Muschi, mein Arsch und ich hab auch noch zwei Hände und auch noch die hier!«

Dabei drückte sie ihre Brüste zusammen und hielt sie ihm hin.

»Ja, ich bin kein Weibchen deiner Spezies. Aber ich will dich und ich bin mir sehr sicher, wenn du mal alle vier Genitalien gleichzeitig benutzen kannst, geht dir so einer ab, dass du nie wieder eines deiner Weibchen knallen willst. Aber du hast ja kein Bock auf mich! Was solls! Dann ziehen wir die Nummer so schnell durch wie es geht und reden nicht mehr darüber. Wenn du dann glücklich bist! Ich bin es nicht!«

Was war denn das? Tiffanys energische Art war genau das, was Ruug von den Weibchen seiner Spezies kannte. Die machten unmissverständlich klar, was sie haben wollten und welche Qualitäten sie hatten. Das bezog sich aber immer auf das Gleiche. Wie tief er bis zu ihrem Samensack vordringen konnten, wie gut sie die Tentakel bei der Umarmung benutzten und ähnliches. Noch nie hatte eine die Qualität besessen, alle seine Genitalien gleichzeitig zu befriedigen. In den Videos hatte er gesehen, dass menschliche Frauen in der Tat eine Fülle an Befriedigungsmöglichkeiten hatten. Im Gegensatz zu seiner Spezies. Das löste etwas in ihm aus.

Zwar war Tiffany deshalb in seinen Augen kein bisschen attraktiver, doch keimte in ihm eine Neugier auf. Auch wenn Tiffany in seinen Augen kein Modell war, die ihm gebotenen Möglichkeiten hatten durchaus ihren Reiz. Zudem war Tiffany energisch und sogar verletzt, wegen der Zurückweisung. Ja, da war auf einmal ein Reiz, den Ruug nicht abstreiten konnte!

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.