Das Arsch

Als Tiffany ihr Ziel erreichte und um Eintritt bat, wurde ihr die Tür von einem der Besatzungsmitglieder geöffnet. Als sie die Kabine betrat waren dort gleich fünf Leute versammelt. Drei Männer und zwei Frauen. Tiffany kannte die Leute nur vom sehen.

»Gut, hier bin ich. Womit kann ich euch das Leben schwermachen?«

Der Mann, der sie hereingebeten hatte setzte sich zu seinen Leuten.

»Eigentlich hatten wir die Hoffnung, sie würden uns das Leben erleichtern!«

»Interessant. Dann schiesst mal los. Worum geht es!«

Im Schnellverfahren erklärten die Anwesenden ihren Plan. Wie sie einen ungenutzten Bereich des Schiffes in eine kleine Bar umwandeln wollten, um etwas Spass auf das Schiff zu bringen.

»Soweit klingt das alles ganz in Ordnung und ist eigentlich auch interessant genug, dass Krieger es genehmigen würde. Da ihr aber mich gerufen habt, wo ist der Haken!«

»Der Haken ist, eine Bar braucht auch alkoholische Getränke und je nachdem vielleicht auch Glücksspiel.«

Tiffany schaute die Leute an. Ihr war absolut klar, was die Stunde geschlagen hatte.

»Das heisst, ihr wollt mich als Rückendeckung, falls Krieger das Spitz kriegt. Natürlich habt ihr euch keine Sorgen darüber gemacht, ob ich dazu eigentlich bereit bin, oder nicht. Da wir zudem schon unterwegs sind kann das nur bedeuten, ihr habt auch schon Alkohol gebunkert. Was, wenn ich das jetzt aber ablehne und euch melde?«

Einer der Männer sprang auf und kam mit erhobenen Armen auf Tiffany zu. Zwar wollte er sie nur davon abhalten, doch Tiffany sah diese Geste als Angriff und reagierte. Sekunden Später lag der Kerl mit schmerzverzerrtem Gesicht vor ihr, sie hatte einen Fuss auf seinen Rücken gestellt und seinen Arm verdreht.

»Tiffany, ich wollte sie gar nicht angreifen?«

»Tja, Pech gehabt! Hört mal zu ihr Vögel. Die Frachträume sind allesamt komplett voll! Nur eine Kabine ist nicht belegt und die ist für so ein Vorhaben zu klein! Wenn ihr das machen wollt, dann in dem Raum hinter dem Antrieb! Dort kommt man zwar nur schlecht hin, da der Zugang super niedrig ist, aber dort gibt es auch keine Sensoren, oder ähnliches!«

Eine der Frauen, die anscheinend zu Rays Leuten gehörte, war über diese Aussage verwundert.

»Welcher Raum soll das sein?«

»Ihr seit mir Helden! Die Megaclite wurde so konzipiert, dass man bei Bedarf auch einen konventionellen Antrieb hätte einbauen können. Dafür musste aber genug Platz vorhanden sein und der von mir genannte Raum sollte ursprünglich für das Kühlsystem verwendet werden. Da aber nie ein konventioneller Antrieb eingebaut wurde, ist der Eck jetzt leer!«

Tiffany liess den Mann los, der starkes Bedürfnis nach der Krankenstation hatte.

»Sie sind also dabei?«

»Erst hört ihr mal auf sie zu mir zu sagen! Ja, ich bin dabei! Aber 20% vom Gewinn gehören mir!«

»Was? Niemals!«

»Gut. 15%!«

»Hallo! Es ist unsere Idee und …«

Auch wenn der eine Mann ziemlich entschlossen wirkte, konnte er Tiffany nicht beeindrucken.

»Und mein Risiko! 15%, sonst gehe ich durch diese Tür und komme mit Krieger zurück. Wie klingt das?«

Die beiden nicht ramponierten Männer standen auf und schauten grimmig.

»Euer Ernst? Ich habe während der Ausbildung mit Weltraumrussen trainiert. Aber bitte, wenn ihr eine Packung braucht. Einzeln, oder Beide zusammen?«

Die Männer blieben stehen. Eine der Frauen gab Antwort.

»15%. Aber keine so Ideen wie Mitspracherecht, oder so!«

»Da hab ich eh keinen Bedarf. Ach nein! 15% und meine Getränke gehen aufs Haus!«

»Deine Getränke und nur deine Getränke! Nichts da mit Lokalrunde, oder so!«

»Meine Getränke. Klar! Also gut. Einverstanden! Wie wollt ihr den Laden nennen? Hinter dem Antrieb links?«

Darüber hatten die Leute sich noch keine Gedanken gemacht. Doch nach ein paar Sekunden hatte die Frau aus Rays Mannschaft eine Idee.

»Wie wäre es mit Arsch?«

Tiffany runzelte die Stirn.

»Arsch? Wie kommst du bitte auf Arsch?«

»Ganz einfach! Wenn der Raum hinter dem Antrieb sitzt, dann muss er ganz hinten, also am Arsch des Schiffes sein. Zudem gab es doch auf der Erde vor ein paar Jahrhunderten ein Lokal mit dem Namen. Da wurde doch sogar eine Fernsehserie drüber gemacht. Schlussendlich, wenn Krieger fragt wo man sei kann man sagen, man sei im Arsch. Dann ist es auch weniger auffällig, wenn man ein bisschen braucht, um zu ihm zu kommen.«

Auch wenn Tiffany nicht ganz sicher war, ob dieser Name gut gewählt war, den anderen Beteiligten schien er zu gefallen. Da gab es aber noch eine Sache zu klären.

»Hör mal Schnecke! Ihr habt doch im Maschinenraum diesen Generator, der diese kleinen Pillen zum Entfernen von Rückständen bei der Reinigung der Antriebskammer generieren kann. Richtig?«

»Ja, haben wir. Warum?«

»Ganz einfach! Soweit ich weiss sind die nicht giftig. Lass das aber bitte mal von Casper checken, ich sag dem Bescheid. Als ich in der Ausbildung war meinte mein Zimmerkollege, damit würde er im Bedarfsfall den Alkohol in seinem Körper neutralisieren, falls er mal unverhofft zu einem Einsatz muss. Wäre vielleicht nicht schlecht, so Dinger vorrätig zu haben. Ich kann es nicht verantworten, dass im Ernstfall die Besatzung besoffen und unbrauchbar im Arsch liegt!«

Einer der Männer verstand das überhaupt nicht.

»Wie soll das funktionieren? Die Dinger sind zum reinigen da!«

Das Mädel von Ray verstand jedoch.

»Stimmt. Aber die kleinen Pillen löst man nach der Reinigung in Wasser. Damit tränkt man ein Tuch und geht noch einmal durch die Antriebskammer. Das Zeug ist nur dazu da, jegliche Art von Alkohol zu entfernen, da der die Reaktion träge machen kann. Da die Kammer aber mit einer alkoholhaltigen Flüssigkeit gereinigt werden muss, muss man eben jeden Rückstand beseitigen!«

»Und das funktioniert auch im Körper?«

Tiffany zuckte mit den Schultern.

»Keine Ahnung. Kommt auf einen Versuch an. Wenn Casper bestätigt, dass die Dinger uns nicht schaden können, probieren wir es einfach aus.«

Damit waren alle Unklarheiten beseitigt und Tiffany zog wieder ab.

Da auf der Brücke wieder Ausnahmezustand herrschte, blieb Krieger lieber in seinem Raum und unterhielt sich mit Ruug. Barry nutzte die Zeit, um die Daten der in diesem Bereich von Andromeda vorkommenden Raumschiffstypen, die Ruug in seiner Datenbank hatte zu sichten. Schnell war ihm klar, die Megaclite war allen überlegen! Nur einige wenige Rassen hatten Schlachtschiffe, die der Megaclite ernsten Schaden hätten zufügen können. Diese Rassen befanden sich jedoch in Bereichen von Andromeda, wo die Megaclite zumindest aktuell nicht hin wollte.

Er verstand jedoch auch Ruugs Befürchtung, den Bereich zwischen dem Schiff und seinem Ziel zu durchfliegen. Die kleinen Schiffe, die dort zu erwarten waren, waren alleine nicht einmal stark genug, um die Megaclite überhaupt zu einer Reaktion zu nötigen. Kamen sie jedoch in ganzen Wellen, sah die Welt ganz anders aus und genau das war ja auch zu erwarten. Die Biester waren klein und wendig, aber nicht besonders schnell. Barry konnte sie mit Sicherheit abschiessen! Nur eben, war die Zahl der Angreifer grösser als die Zahl der Waffen der Megaclite, konnten nur die Schilde das Schiff schützen. Würden sie auch tun, aber auch nur für eine gewisse Zeit. Alles in Allem sah Barry zwar kein Problem, diesen Bereich zu durchfliegen, doch auch er konnte nicht dafür garantieren, dass die Megaclite unbeschadet auch wieder raus kam.

Das spielte jedoch im Prinzip keine Rolle. Ja, die Megaclite würde ein paar aufs Dach kriegen. Dennoch würde sie, zumindest mit dem grössten Teil der Besatzung, ihr Ziel erreichen. Dennoch gefiel es Barry nicht besonders.

Von daher fasste er einen Entschluss, den er Krieger beibringen würde. Das Shuttle musste umgebaut werden! Daraus musste eine richtig starke Jagdmaschine werden, so dass sie im Ernstfall mit zwei Schiffen zu Werke gehen konnten. Gute Schilde hatte das Ding schon und zudem war es sehr schnell und verdammt wendig, wenn der richtige Pilot am Steuer sass. Mit entsprechenden Waffen konnte daraus ein wirklich gemeines Teil werden, was die Chancen deutlich verbessern konnte.

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