Vor dem Abend

Der Tag schritt voran. Zur Abwechslung verschwanden nicht dauernd die Leute, um kurz darauf die Landschaft mit intimen Geräuschen zu überfluten. Dafür verabschiedeten sich bald Derrick und Phillip. Die hätten noch was am Lipizzaner zu schrauben und das würde etwas dauern. Das brachte Katja auf eine Frage.

»Sag mal Amy, warum machen Derrick und Phillip so, als wären sie auch nur Teilnehmer an den Rennen und fahren nicht mit euch dahin?«

»Ganz einfach Katja. Was die Rennen angeht, sind sie auch nur Teilnehmer. Phillip und ich halten es schon immer so. Ich habe mein Ding, er hat seins. Der hat auch noch nie einen Cent von meinem Geld ausgegeben. Manchmal ist das bescheuert. Die hätten gerne ein neues Teil fürs Auto, müssen aber erst sparen. Gut, die verdienen mit der Autoaufbereitung auch eine Stange Geld, aber nicht so wie wir. Aber da sind wir absolut getrennt. Ich hab mein Geld, er seins. Wir haben den Lion, die den Lipizzaner. Verstehst du?«

»Also, ich wäre da anders.«

»Ich auch Katja. Ich bin auch der Meinung, wenn man zusammen ist gehört einem alles gemeinsam. Egal woher es kommt.«

»Nicht wieder die Diskussion Viper. Wir halten es eben so und es läuft doch gut!«

»Stimmt schon. Meine ja nur.«

Also Katja hielt es da eher wie Viper. Aber eben, jeder wie er will. Claudia hingegen interessierte etwas anders.

»Viper, Pascal, erzählt mal. Wo kommt diese Rivalität zwischen euch her? Ihr scheint euch hier ja ganz gut zu verstehen.«

»Tun wir ja auch. Das Eine hat mit dem Anderen gar nichts zu tun. Das Eine sind Rennen, dass Andere ist Freundschaft.«

»Geb ich Pascal Recht. Die Rivalität ist auch ganz einfach. Eine ganze Zeit lang gab es kein Auto, dass auch nur im Ansatz die Leistung der Viper gefordert hat. Dann kam ich hier her und Pascal tauchte mit dem Rohrrahmending da auf. Kleiner, leichter, aber ähnlich viel Power. Besiegt hat er mich noch nie, war aber der Erste, der mich echt gefordert hat und seither geht das zwischen uns so. Bin ich hier, versucht er sein Glück. Aber eben immer erfolglos.«

»Verstehe. Dann kam der Lori?«

»Bitte, erwähne diesen Namen nicht!«

Janine lachte.

»Ach komm schon! Nur weil der Lori besser ist als deine Viper!«

»Lass es Janine!«

»Och, ist der kleine Viper eingeschnappt? Will der kleine Viper einen Lolli?«

»Janine!«

»Ja was denn? Der Lori ist eben besser als die Viper, leb damit!«

Viper stand auf. Katja, Claudia und Elena bekamen Angstzustände, da sie nun Probleme befürchteten. Wutschnaubend ging Viper auf Janine zu.

»Janine! Lass es jetzt endlich! Heute Abend geht dein Lori unter! Dann ist das Thema vom Tisch!«

Janine stand lässig auf.

»Von wegen! Heute Abend wird der Lori so klar gewinnen, dass Mario keine Wiederholung einblenden muss!«

Viper hob die Hand und holte aus. Die Mädels bekamen Panik, während alle Anderen sich das nur anschauten und grinsten. Als Vipers Hand geflogen kam, wich Janine einfach nur aus. Mit ungläubigen Augen mussten Elena, Claudia und Katja zusehen, wie Janine die an ihr vorbei geflogene Hand ergriff, sich dabei drehte und ihr Bein mit voller Wucht genau Vipers Kopf traf. Der ging sofort zu Boden, wobei sich sein Arm, der immer noch von Janine festgehalten wurde verdrehte. Viper lag auf dem Boden, Janine über ihm. Sein Arm in beiden Händen und ein Fuss fest auf seinen Körper gepresst.

»Echt jetzt? Nicht ein Wochenende wo man dich nicht auf die Bretter schicken muss?«

Während ei Heinzforter-Mädels immer noch in Panik zuschauten, fing Viper an zu lachen.

»Natürlich nicht! Amy meinte, ihr hättet neue Moves drauf. Die wollte ich mal erleben!«

»Und? Zufrieden?«

»Jupp. Ziemlich eindrucksvoll!«

Janine liess los, Viper stand wieder auf.

»Ist das normal bei euch?«

»Jupp Claudia. Eigentlich schon, seit wir Viper kennengelernt haben. Damals musste Amy ihn in die Wiese drücken.«

»Ihr seit echt ein total verrückter Haufen. Hat euch das mal jemand gesagt?«

Das Gelächter war gross.

»Schon so oft Katja! Schon so oft!«

»Okay, aber zum Thema zurück. Machst du nichts an deinem Auto, wenn du die Viper noch nie besiegt hast?«

Pascal drehte sich zu Elena. Er hatte da was im Blick, wo es ihr kalt den Rücken runter lief.

»Willst du darauf wirklich eine Antwort Elena?«

»Ähm ja? Sonst hätte ich ja nicht gefragt!«

»Was ist dir die Antwort denn wert?«

»Vorsicht Elena! Das kann bei Pascal schnell ausarten!«

So wie Amy lachte wusste sie genau, wovon sie da sprach.

»Egal jetzt! Sag was an, dann sehen wir weiter!«

»Du und ich, morgen in meinem Raum!«

»Was soll das heissen, in deinem Raum?«

»Elena, in seinem Raum! Spielzimmer, na ja, Peitschen und so!«

Katja wusste, dass die Geschichte nichts für Elena war. Die hingegen schien sich herausgefordert.

»Abgemacht!«

Katja schüttelte den Kopf.

»Gut. Die Sache ist ganz einfach. Während Viper in seiner Freizeit kaum etwas anderes macht, als an seinem Auto zu schrauben, lasse ich das eine Firma übernehmen. Ich sage was ich brauche und die machen das dann.«

Das war alles? Elena war enttäuscht.

»Er versteht eben nicht, dass reines Tuning nur die halbe Miete ist. Man muss es auch testen, die Stärken ermitteln, sich das neue Fahrverhalten zu eigen machen und die richtigen Einstellungen treffen. Er lässt nur was umbauen und geht dann an den Start.«

Pascals Blick wanderte von Elena zu Katja.

»Da fällt mir was ein! Katja, nachdem ich Viper heute Abend eingeseift habe, versuch du doch mal dein Glück!«

Katja war aufgeregt und ihr wurde schlecht.

»Ich? Ich soll dein Auto fahren?«

»Klar. Du wirst doch ein Lenkrad festhalten können, oder?«

»Du bist schon ein Arsch! Nach allem was ich weiss, hat Katja erst einmal ein echtes Monster gefahren und das war mein Lion. Jetzt willst du sie in eine Rakete mit Rädern setzen?«

»Scheint so Amy. Warum denn auch nicht? Mehr als verlieren kann sie nicht, oder? Ich verliere dauernd und lebe immer noch.«

»Und wenn ich das Ding zu Schrott fahre?«

»Kaufe ich eben ein neues. Wo liegt das Problem?«

Katja war sich da nicht so sicher.

»Also von mir aus können wir das machen. Gewinne ja eh immer gegen das Ding, ist doch egal wer fährt.«

»Heute Abend verlierst du!«

»Im Leben nicht mein Freund!«

»Klar verlierst du! Oder willst du nicht gegen den Lori antreten?«

»Halt du dich da mal raus Janine. Männer unterhalten sich!«

Wieder wurde herzhaft gelacht.

»Also gut! Ich versuche es!«

Pascal schien zufrieden.

»Ich lasse es auch langsam angehen Katja.«

»Untersteh dich! Du gibst alles!«

Selbst Viper war von Pascals Worten schockiert.

»Das ist aber unfair! Du weisst doch selbst, dass man sich nicht einfach ans Steuer setzen kann und dann läuft alles wie am Schnürchen!«

»Spielt keine Rolle! Fordere sie, verstanden!«

Oh je. Worauf hatte Katja sich da nur wieder eingelassen?

»Nebenbei. Alles bereit für heute Abend?«

»Aber natürlich Pascal! Auch da verlierst du!«

Die Leute schauten sich verwirrt an. Niemand schien zu wissen, was Viper und Pascal da ausgeheckt hatten.

»Im Leben nicht! Ich bringe auch einen Klappstuhl mit, damit ich mich am Ziel setzen kann, bis du Schnecke endlich ankommst.«

»Gute Idee! Ich warte ungern darauf, dass du endlich ankommst. So ein Stuhl könnte da schon bequem sein.«

»Viper, wenn ich eins an dir bewundere, dann deine Fähigkeit zur Selbstüberschätzung!«

»Du meinst meine Fähigkeit, meine eigene Leistung korrekt bewerten zu können.«

»Nein, ich meine wirklich dein Selbstvertrauen. Selbst in aussichtslosen Situationen tust du, als könntest du sie gewinnen.«

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