Pamelas Entscheidung

Pamela zu finden war nicht schwer. Sie war dort, wo es gutes Essen gab und davon gab es reichlich in diesem Handelsposten. In der Tat waren alle Besatzungsmitgliedern, die von den angebotenen Speisen bislang probiert hatten, mehr als begeistert.

Als Krieger schliesslich Pamela fand, hatte er schon einen unglaublich niedergeschlagenen Blick.

»Krieger, was ist los?«

»Kapitän … ach, egal. Pamela, kann ich kurz mit ihnen unter vier Augen reden?«

Pamela schaufelte sich noch schnell den Rest ihres Essens, was ein bisschen wie ein Kebab aussah in den Mund und ging dann hinter Krieger her. Es ging zurück zur Megaclite und in Kriegers Raum. Wenigstens wollte er die Sicherheit seiner eigenen vier Wände haben, wenn er Pamela schon einen solchen Befehl geben musste. Sofort fing er an die Schwierigkeiten zu berichten.

»Ist ja wieder typisch. War ja klar, dass wir solche Krücken an Bord haben! Aber was nun? Schreiben wir sie ab und überlassen sie ihrem Schicksal?«

»Nein. Natürlich nicht! Wie ich schon zu Tiffany sagte, wir können nicht einfach neue Besatzungsmitglieder von der GemSpa anfordern. Jeder Verlust ist endgültig und nur schwer zu kompensieren.«

»Also befreien wir sie und machen uns dann schnell vom Acker?«

»Das habe ich mit Ruug schon besprochen und der ist sich sicher, es wäre das schlimmste, was wir tun könnten. Da hier so viele Völker Handel treiben wären wir ganz schnell irgendwo auf einer Fahndungsliste und könnten nirgendwo mehr in Ruhe handeln.«

»Okay, Kapitän … Krieger. Sie erzählen mir das alles und weder gehöre ich zur Sicherheit, noch bin ich der erste Offizier. Das heisst, egal was sie vorhaben hat irgendetwas mit mir zu tun!«

»So ist es leider Pamela. Es gibt einen Weg, wie wir eine Begnadigung für unsere Leute bekommen können. Ganz ohne befürchten zu müssen, irgendwo negativ aufzufallen.«

»Mensch Krieger, jetzt sagen sie schon!«

»Pamela, die Personen, die eine Freilassung bewirken können wollen sie!«

»Mich? Als was? Frühstück?«

»Nein. Nein, nein, nein. Ich würde nicht das Leben eines Besatzungsmitglieds gegen das eines anderen tauschen! Zumal sie ihre Qualität am Steuer mehr als demonstriert haben. Nein, es geht darum, diese Personen wollen sie. Für eine Nacht!«

»Was? Ich soll mit denen ficken?«

Eigentlich wollte Krieger wegen dieser Ausdrucksweise protestieren, doch da die Situation für Pamela sprach, liess er es bleiben.

»So verhält es sich. Eine Nacht mit ihnen, morgen bekommen wir unsere Leute und können abhauen.«

»Also …«

Krieger hob die Arme und unterbrach Pamelas Rede.

»Ich weiss, wie viel das verlangt ist und ich werde Casper auch bitten, sich über diese Spezies zu erkundigen. Auf keinen Fall will ich, dass ihnen dadurch Schaden zugefügt wird. Mir ist bewusst, welches Opfer ich von ihnen fordere, aber …«

Nun unterbrach Pamela.

»Opfer? Ich wollte gerade sagen, dass ich es mache!«

Krieger war schockiert. Sie wollte es machen? Das hatte er sich schwieriger vorgestellt. Nicht einmal einen Befehl musste er geben.

»Wirklich? Einfach so?«

»Na ja, nicht einfach so! Ich meine, keine Ahnung was das für Wesen sind! Ich hab in den letzten Stunden einige Dinger gesehen, wo ich so gar keine Lust hätte. Aber es gibt auch viele reizvolle Exemplare und solange es nicht diese Spinnen-Dinger sind, die für Sicherheit sorgen, denke ich ist es okay.«

»Da machen sie sich keine Sorgen. Rein optisch sind es Humanoide. Ganz ähnlich uns Menschen. Etwas länger …«

»Länger? Filigraner? Mit diesen langen Köpfen und den schmalen Augen?«

»Ja, genau die meine ich.«

Pamela klatschte in die Hände.

»Na damit hätten sie mal besser angefangen! Sagen sie denen, sie sollen mir Ort und Zeit sagen und dann sehen wir uns morgen vor dem Start!«

Die Erleichterung war Krieger deutlich anzusehen. Insgeheim kam ihm der Gedanke, dass seine Crew vielleicht genau die Besatzung war, die man brauchte, um in dieser Galaxie ganz alleine auf sich gestellt zum überleben brauchte.

Am Abend, Pamela war gerade aufgebrochen, um für die Freilassung ihrer Kameraden zu sorgen, rief Ray den Kapitän in den Maschinenraum. Der war verwundert. Bislang hatte sich Ray noch nie freiwillig bei ihm gemeldet. Auch als er den Maschinenraum betrat, war der eigentlich ängstliche Ray total aufgeregt. Er eilte umher und war offensichtlich sehr guter Dinge.

»Ray? Sie haben gerufen?«

»Kapitän! Ja, habe ich. Schauen sie sich das an!«

Ray ging an ein Pult und aktivierte etwas. Mit einem Mal erwachte ein Gerät, was von der Bauart auf keinen Fall eines der GemSpa sein konnte zum leben.

»Sie haben es also geschafft, ein ausserirdisches Gerät mit unserer Energiequelle zu betreiben?«

»Ja, aber da gab es keine Herausforderung. Schauen sie sich lieber mal das an!«

Wieder tippte er etwas und kurz darauf wurde das Ding unsichtbar.

»Eine Tarnvorrichtung?«

»Ja. Ja und nein! Man könnte es als Tarnung verwenden, klar. Aber viel mehr versetzt dieses Objekt alles in seinem Wirkungsbereich ein wenig aus der Phase. Das heisst, es ist nicht nur unsichtbar, sondern auch für uns passierbar. Gehen sie durch!«

Krieger war sich zwar nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee war, aber wahrscheinlich hatte Ray es ohnehin schon getestet. Er ging los. Dort, wo das Gerät eigentlich sein müsste war es für Krieger, als würde er durch Wasser, oder Öl laufen. Es war etwas mühsamer, aber dennoch machbar.

»Beeindruckend! Aber verstehen sie mich jetzt nicht falsch wenn ich frage, was nützt es uns? Können sie das Schiff damit ausrüsten?«

»Damit? Nein! Es ist im Prinzip ein Schrank. Man stellt das Teil irgendwo auf, lagert Material darin und wenn man dieses nicht braucht lässt man das Teil verschwinden und verliert keinen Platz. Viel wichtiger ist aber, ich habe einen Weg gefunden, es mit unserer Technik zu kontrollieren! Verstehen sie die Möglichkeiten?«

»Natürlich! Das heisst, wir können auch andere ausserirdische Technik für uns nutzen!«

»Ganz genau! Je besser ich diese Technik verstehe, desto grösser und reichhaltiger wird das Angebot, auf welches wir zurückgreifen können!«

»Und sie denken, dadurch finden sie einen Weg, unseren Antrieb zu stabilisieren? Für den Rückweg?«

»Na ja, Kapitän, ich meine, es ist jetzt nicht so …«

»Sagen sie einfach Ray! Wenn die Antwort negativ sein sollte, werde ich sie nicht einsperren lassen!«

»Ich sage es mal so. Dadurch steigt die Chance, eine dafür notwendige Technik zu finden enorm!«

»Na also! War doch gar keine so schwere Antwort. Ich bin sehr zufrieden Ray. Aber was ist mit diesem Ding. So eine Tarnung könnte uns bestimmt irgendwann mal von Nutzen sein.«

»Ja, wissen sie, Kapitän, wenn ich ganz ehrlich sein soll …«

»Ray! Durchatmen und dann die Frage beantworten!«

»In Ordnung!«

Ray atmete tief ein und wieder aus.

»Ich verstehe die Technik nicht ganz. Um ehrlich zu sein, ich verstehe fast gar nichts davon. Im Moment weiss ich lediglich, wie die Bedienelemente arbeiten. Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis ich die ganze Technik verstanden habe. Aber dann wäre es vielleicht möglich, ein solches Geräte für die Grösse der Megaclite zu bauen. Theoretisch!«

»Ray, wenn sie das hinkriegen, dann sind sie mein persönlicher Held! Ich würde sagen, ich befördere sie dann, aber ausser einem neuen Titel hätten sie nichts davon. Zumindest nicht, solange wir noch hier in Andromeda stecken.«

»Danke Kapitän! Lassen sie uns das erörtern, wenn es soweit ist!«

Unbemerkt von Krieger, hatten jedoch andere Mitglieder der Mannschaft ganz eigene Pläne. Sie nutzen ihr Geld, um Vergnügungsgüter zu beschaffen. Allen voran Alkohol, denn den gab es nicht auf dem Schiff. Der Plan war dabei simpel. Was sie im Angebot hatten, konnten sie auf dem Flug an andere Besatzungsmitglieder für die hier vorherrschende Währung verkaufen. Auf diese Weise, so deren Hoffnung, konnten sie sich das Leben in Andromeda etwas angenehmer gestalten. Die Frage war nur, wie würde Krieger darauf reagieren, wenn er es entdeckte? Da musste jemand her, der ihnen Rückendeckung gab und dieser Jemand war Tiffany.

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