Nahrungsmittelbeschaffung

Die Tage vergingen. Auch wenn der Antrieb der Megaclite deutlich mehr Leistung gehabt hätte, sie flog natürlich nur sehr verhalten, was die Reise in die Länge zog. Doch endlich erreichte das Schiff den Planeten, wo es laut Ruug alle möglichen Nahrungsmittel geben würde, die auch von der Crew verzehrt werden konnte.

»Wir sind in der Umlaufbahn Krieger.«

»Kapitän Krieger!«

»Ja, von mir aus.«

»Barry, ist die Lage ruhig?«

»Ruhig? Alleine um den Planeten schwirren gute 100 Raumschiffe und eine ähnliche Anzahl ist auf dem Weg, bzw. fliegt von hier weg. Ruhig ist anders!«

»Machen sie sich keine Gedanken Kapitän Krieger. Das ist ganz normal hier. Ich sagte ihnen doch, viele Spezies handeln hier!«

Krieger dachte nach. War das vielleicht auch eine Möglichkeit Kontakte zu knüpfen? Vielleicht! Aber zuerst sollte dort unten nach dem Rechten geschaut werden.

»Okay. Nummer, na ja Tiffany eben, sie, Casper und Ruug gehen da runter und schauen sich um. Casper, ich will Proben von Nahrungsmitteln, die Ruug als für uns bekömmlich ansieht. Nichts für ungut Ruug, aber bevor ich meine Mannschaft das essen lasse, will ich Gewissheit.«

»Kein Grund sich zu entschuldigen Kapitän! Ich würde genauso handeln!«

Tiffany, Casper und Ruug machten sich bereits kurz darauf mit dem Shuttle auf den Weg. Ray hatte es nach dem letzten Abenteuer durchgecheckt und als flugtauglich empfunden. Schon kurz nach dem Start erreichte ein Funkspruch das Shuttle, doch Tiffany verstand kein Wort.

»Was labert der Ruug?«

»Er möchte wissen, wo wir hinwollen.«

»Dann sag es ihm! Mir übrigens auch, ich hab keinen Plan!«

Ruug gab ähnliche Laute von sich und bekam Antwort.

»Okay, wir haben die Genehmigung zur Landung. Casper, können sie eine Frequenz von 177 MHz für den Leitstrahl eingeben? Es ist eine einfache Welle mit einem signifikantem Ton alle 33 Millisekunden.«

Casper stellte etwas ein und schon sah Tiffany den Leitstrahl auf dem Schirm. Ihm zu folgen würde aber gut 30 Minuten in Anspruch nehmen. Ruug, der auf keinem Sitz sicheren Halt fand, klebte halb an der Seite des Cockpits.

»Tiffany, darf ich sie etwas fragen?«

»Klar Ruug. Jeder Zeit!«

»Ich habe die Datenbank benutzt und mir ihre Vorgehensweise bei der Paarung angeschaut. Einiges verstehe ich nicht!«

»Und was? Bin Spezialist!«

»Ja, ist sie!«

Kam hinten von Casper.

»Wie ich gesehen habe, könnt ihr Frauen auf vielfältige Art befruchtet werden. Durch eure Schnäbel, doch auch eure Hände, die Haut und wie ich gesehen habe, durch Ausscheidungsöffnungen. Das verstehe ich nicht! Wir haben dafür nur einen Zugang. Wie macht ihr das?«

Tiffany dachte kurt nach. Es war sicherlich keine biologische Datenbank, die Ruug da angezapft hatte.

»Darf ich fragen, aus welcher Datenbank diese Informationen kommen?«

»Mir fällt es leider schwer, eure geschriebenen Worte zu verstehen. Deshalb habe ich nach Bildmaterial gesucht und reichhaltige Aufzeichnungen gefunden.«

»Tiffany lachte.«

»Dann hast du von irgendjemand die Pornosammlung gefunden! Also nein Ruug. Auch wir werden nur durch einen Zugang zwischen unseren Beinen befruchtet. Alles Andere ist nur Spielerei!«

»Zwischen euren Beinen? Aber, ich habe gesehen, dass auch ihr die männlichen Geschlechtsorgane in eure Schnäbel führt!«

Wieder lachte Tiffany.

»Erstens, bei uns heisst es Mund und nicht Schnabel. Zweitens, man nennt diese Praktik Oralverkehr. Es ist eine hoch stimulierende Art, dem Mann Vergnügen zu bereiten.«

»Leider kann ich nicht behaupten, dass ich es verstehe. Warum benutzt ihr euren Schna … ich meine Mund, wenn ihr dafür einen eigenen Zugang habt?«

»Weil es geil ist Ruug! Es macht Spass!«

Rief Casper von hinten.

»Spass? Ja, ich würde unsere Art der Fortpflanzung auch als angenehm empfinden, aber wir paaren uns nie nur zum Spass!«

»Also, wir schon Ruug. Bevor wir dich kennengelernt haben hatte ich hier drin auch meinen Spass mit Casper. Einfach nur so.«

»Und ich danach im Schiff mit Pamela. Himmlisch!«

Insgeheim hoffte Tiffany darauf, dass Ruug sie fragen würde, ob sie denn bei seinem bevorstehenden Zyklus ihm das Leben retten würde, doch der schien nachdenklich. Offensichtlich war es für ihn viel komplexer und unverständlicher, als Tiffany es vermutete.

Als Tiffany landete, war sie fasziniert. Auf dem Raumhafen war alles so gross und modern! Dagegen sah selbst der für menschliche Belange hochmoderne Raumhafen der GemSpa fast veraltet aus. Neben den Naturgesetzen schien es im Universum aber noch etwas zu geben, was überall Bestand hatte. Werbung! Egal wo Tiffany hinschaute, überall flackerten Hologramme und schienen irgendetwas verkaufen zu wollen. Ruug wusste jedoch, wo sie hin mussten und führte die Gruppe an.

Casper war beeindruckt. Er hatte schon einige Ausserirdische gesehen, doch was er hier auf wenigen Schritten zu Gesicht bekam übertraf alles. Beeindruckend dabei war jedoch, es gab auch viele Arten von Humanoiden, die man unter bestimmten Voraussetzungen problemlos mit einem Menschen hätte verwechseln können. Dann gab es auch Lebensformen, die zwar anscheinend nur ein Bewusstsein hatten, ihre Körperzellen jedoch variieren, oder gar abnehmen konnten. Eines dieser Wesen, was wie eine grosse Wolke aus kleinen Mücken aussah, ging zum Beispiel einfach durch einen Pfeiler. Genau genommen, der Körper teilte sich auf der einen Seite und fügte sich auf der Anderen wieder zusammen.

Auch Tiffany hatte Ausserirdische entdeckt, die ihr bekannt vorkamen. Wesen wie Ruug und damit sah sie die Hoffnung dahinschmelzen, Ruug würde ihr vielleicht einen Herzenswunsch erfüllen, während sie ihm damit vielleicht das Leben rettete.

Ruug hatte nicht zu viel versprochen. Er führte die Gruppe in eine Art Verkaufsraum, wo es mannigfaltige Nahrungsmittel gab. Da war jedoch das Problem, die Gruppe hatte noch nichts von der lokalen Währung ergattern können. Um diesen Umstand zu bereinigen, liessen Tiffany und Ruug Casper in dem Laden zurück, damit er sich ausgiebig umschauen konnten. Sie selbst wollten zu einem An- und Verkauf, wo sie ein paar der Stücke von Ruug verkaufen wollten.

»Ich habe Artgenossen von dir gesehen. Warum versuchst du nicht bei denen dein Glück?«

»Weil es alles männliche Vertreter sind. Das hätte wenig Aussicht auf Erfolg.«

»Woran erkennst du das?«

»Am Schnabel. Unsere Weibchen haben richtige Schnäbel, wir hingegen eher etwas wie ihr.«

»Ah, verstehe. Glaubst du nicht einer von denen hätte dir sagen können, wo du ein Mädel findest?«

»Selbst wenn sie es wüssten, sie würden es mir niemals verraten. Sie wollen schliesslich selbst ihren Samen abgeben!«

War ja prima! Unter Umständen hatte Tiffany ja doch eine Chance!

In dem Laden zeigte sich Ruug als hervorragender Händler. Die Verhandlung dauert lange, doch bekamen sie ein ganz schönes Sümmchen für das, was Ruug im Gepäck hatte. Seiner Meinung nach würde das ausreichen, um jeden Frachtraum der Megaclite zu füllen.

Auf dem Weg zurück zu Casper sah Tiffany, dass Ruug sich manchmal höchst eigenartig bewegte. Nicht mehr so geschmeidig wie sonst.

»Ist alles okay mit dir?«

»Ja. Ich muss mich wieder daran gewöhnen, dass ein paar meiner Tentakel nicht mehr zur Fortbewegung da sind. Das ist immer anstrengend am Anfang der Paarungszeit.«

»Ist es also schon soweit?«

»Offensichtlich. Seit einigen Minuten. Hoffentlich schaffe ich es noch, euch sicher bis zu dem Raum zu bringen und euch zumindest am Anfang noch als Berater zur Verfügung zu stehen.«

Tiffany wurde das zu blöd.

»Ruug, bleib mal stehen und beantworte mir eine Frage. Du hast gesehen, wie unsere Fortpflanzung funktioniert. Hältst du es für möglich, dass ein Mensch dir in der Paarungszeit helfen könnte?«

»Darüber habe ich schon nachgedacht Tiffany! Zu einem wirklichen Ergebnis bin ich aber noch nicht gekommen. Die Voraussetzungen sind da und ja, theoretisch könnte es funktionieren. Doch schau dir die Besatzung an! Menschen versuchen mich zu meiden! Wie sollte da jemand dazu bereit sein, sich mit mir zu paaren?«

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