Legale, illegale Strassenrennen

Während die Jungs sich in Heinzfort weiter neckten, wurde es in Neunburg langsam ernst. Manfred hatte noch gegrillt und die Mannschaft gegessen, als es dann endlich hiess, auf zur Strecke.

Die Fahrt war an sich noch eher verhalten. Mario fuhr mit dem Transporter voraus, die Rennautos brav hinterher. Erst, als sie das Industriegebiet erreichten, wurde es wieder aufregend. Während Mario den Transporter in die Mitte der Fahrbahn lenkte, scherten die Fahrzeuge dahinter aus und flankierten ihn. Als sie die letzte Kurve genommen hatten und die Strecke vor ihnen lag, standen da schon etliche Menschen auf der Strecke und jubelten den herankommenden Fahrzeugen zu.

Der Konvoi blieb in Formation stehen und die Mädels, die wieder auf die Fahrzeuge verteilt waren sahen, wie ihre Fahrer von fünf an abwärts zählten. Bis auf Viper und Janine. Als sie bei Null angekommen waren, liessen alle mächtig ihre Motoren hochdrehen, was wieder heftigen Beifall der Zuschauer auslöste.

Schliesslich fuhr Mario seinen Transporter in der Nähe des Starts neben die Strecke, während alle anderen Fahrzeuge auf den Parkplatz rollten. Sie hatten ihre Parkposition kaum erreicht, als sie schon von der Menschenmenge eingeschlossen waren. So ziemlich jeder versuchte, die offensichtlichen Stars sofort persönlich zu begrüssen, was bei der Menge an Menschen eine ganze Zeit in Anspruch nahm.

Claudia, Elena und Katja erfuhren dabei etwas grossartiges. Sie wurden, obwohl ja noch niemand der hier anwesenden sie je gesehen hatten, dass sie einfach so voll akzeptiert wurden. Auch sie wurden begrüsst, wenn auch nicht so überschwänglich wie die Anderen, doch sie hatten augenblicklich das Gefühl, einfach dazuzugehören. Das war eine wirklich grossartige Sache!

Wie die Mädels auch bald feststellten, es war gar nicht schlimm, dass dieses Begrüssungsritual so lange dauerte. Mario, der von dem ganzen Trubel natürlich auch etwas abbekam, musste zuerst seinen Kommandostand aufbauen. Elena beobachtete es mit wachsender Begeisterung. Erst öffnete Mario die beiden hinteren Türen des Transporters. Dann zog er eine Plattform heraus, die anscheinend die ganze Ladefläche eingenommen hatte. Schwer schien es nicht zu sein und ab einem gewissen Punkt klappten automatisch Füsse mit Rollen aus. Ähnlich einer Trage im Krankenwagen. Er war also ganz alleine dazu in der Lage, seinen Arbeitsbereich aufzubauen.

Was da nicht alles zu sehen war! Viele Bildschirm, Schalter, Regler, ein Mikrofon und ähnliches. Davor ein fest installierter Drehstuhl. Eines war Elena klar. Mario wusste genau, was er sich da gebaut hatte und das erinnerte sie an Waldemar. Wenn der so etwas in Angriff genommen hätte, wäre es wahrscheinlich ganz ähnlich geworden.

Nachdem jedoch alles soweit aufgebaut war und Mario die Anlage getestet hatte, kamen Phillip und Derrick auf den Plan. Claudia fand es ein bisschen eigenartig, dass die sich in der Hinsicht so abgegrenzt hatten. Sie waren mit Phillips hochgezüchteten Lipizzaner am Start, kamen aber nicht mit der Kolonne angefahren, sondern waren schon früher hier gewesen. Als wären sie auch nur Gäste und würden nicht zum Team gehören.

Doch genau das taten sie eigentlich. Denn beide Männer eilten auf einmal mit Klemmbrettern umher, liessen sich von den Fahrern die Autonummern geben, die Fahrzeugscheine vorlegen und trugen verschiedene Dinge in eine Liste ein. Die kam schliesslich zu Mario. Das verstanden die Mädels. Auf diese Weise konnte Mario sicherstellen, dass möglichst nur gleichwertige Fahrzeuge an den Start gingen. Eine wohl durchdachte Sache! Sowieso. Alles schien hier unglaublich gut organisiert zu sein, wirkte aber dennoch, als wäre es ein illegales Strassenrennen.

Das kam unter Anderem davon, dass auch hier, so wie man es in den Filmen sah, die Autos herumstanden, zumeist voll geöffnet, viele Leute reinschauten, die Fahrer noch dran schraubten, oder einfach nur Musik über fette Anlagen spielten. Als die Mädels sich einen Überblick verschafften, lag ihr Augenmerk auf verschiedenen Dingen. Während Claudia vorwiegend nach den Autos schaute und hin und wieder von einer heissen Frisur eines Mädels erregt wurde, schaute Katja nach den Kerlen, aber auch den Autos. Immer wieder stellte sie sich vor, wie der Garzella hier aussehen würde und auch, dass auch sie ihn pilotieren würde. Elena hingegen sah nur die Kerle und stellte sich schon vor, wen von denen sie abschleppen konnte.

Dann wurde es spannend. Auf der Anzeigentafel standen auf einmal zwei Autonummern. Sofort bildeten sich Gassen auf dem Parkplatz. Zwei Fahrzeuge wurden wieder zugemacht und rollten kurz darauf los. Ein Lion 26 in pink, sowie ein dunkel blauer Ronda. Wenn es nach der Meinung der Mädels ging, dann war es ein unfaires Rennen. Der Lion sah dem Ronda absolut unterlegen aus. Aber, Mario würde schon wissen, was er da tat.

Die Autos rollten an den Start. Schon kurz darauf trat ein junges Mädels aus der Menge und ging dazwischen. Es war ein richtiger Tanz, den sie da aufführte und Katja kam nicht umhin zu bemerken, dass der einstudiert war. Gab es hier also wirklich Frauen, die für diesen Moment sogar trainierten? Wie krass war das denn?

Dann gingen die Arme nach oben und die Motoren heulten auf. Als die Arme wieder sanken wurden die Mädels überrascht. Der Ronda schien den Start zwar etwas besser erwischt zu haben, doch der Lion blieb davon unbeeindruckt. Kopf an Kopf ging es mit halsbrecherischem Tempo über die Strecke. Katja, die ja nun ein klein wenig Erfahrung mit Gangwechsel bei hohem Tempo hatte erkannte, dass der Lion beim schalten etwas besser war. Nach jedem Schaltvorgang schwand der Vorsprung des Ronda und schliesslich ging der kleine Lion auch als Erster durchs Ziel.

Augenblicklich wurde die Information auf der Anzeigentafel angezeigt und der Jubel war gross. Wie Helden wurden die beiden Fahrer empfangen, als sie gemächlich zum Start zurückgerollt kamen. Doch auch wenn der Lion gewonnen hatte, jubelnde Menschen standen um beide Autos.

Claudia schaute nicht schlecht, als sie den Fahrer des Lion sah. Gut, es war aufgrund der Wagenfarbe nun eher wahrscheinlich, dass da deine Frau aussteigen würde, doch die war ja so heiss! Blonde, lange Haare zu zwei französischen Zöpfen geflochten. Bei Claudia, die mittlerweile darauf achtete, kribbelte es natürlich sofort. Zudem trog die Dame ein enges Top, welches eigentlich nur aus zwei Trägern und gerade genug Stoff bestand, um die Brüste zu bedecken. Dafür war die Hose weit. Claudia stand in Flammen.

Katja hingegen dachte sich nur, auch sie könnte irgendwann mal so aus dem Garzella aussteigen. Am Besten, nach einem gewonnenen Rennen. Das wäre definitiv cool und sie würde sich dann auch genauso feiern lassen, wie dieses Mädel, die gar nicht wusste, von wo überall die Hände kamen, die sie mal berühren wollten.

Elena beachtete die Frau gar nicht. Ihr Augenmerk galt dem Verlierer. Ein echtes Monster von Mann. Sehr gross, richtig breit gebaut mit schmaler Talie. Dazu hatte er diesen typischen Bad-Boy-Look. Wenn Elena das vorher gewusst hätte, wäre sie auch zu den Leuten da gegangen und hätte versucht, den Verlierer über seine Niederlage hinwegzutrösten. Nun, vielleicht beim nächsten Mal.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Kaum war die Strecke wieder frei, standen da die nächsten Autonummern und das nächste Rennen startete. Die Mädels mussten anerkennen, ihr Verständnis für Autos war beschränkt. Oft sahen sie einen klaren Favoriten, der aber knallhart unterging. Auf die Optik durfte man offensichtlich nicht so viel geben. Gerade die kleinen, leichten Autos schienen oft überlegen zu sein, wenn auch nicht immer.

Da war aber noch etwas, was den Mädels auffiel. Hier wurde gewettet! Zwar nicht bei jedem Rennen, aber doch bei einigen. Wenn dem so war, ging das Startgeld der Fahrer an Mario, der es dann hinterher dem Sieger übergab. Was dabei auffiel, dass waren keine kleinen Beträge. Ganze Bündel an Geldscheine wechselten da oft den Besitzer. Natürlich kam da sofort wieder der Gedanke auf, sich selbst mal als Gewinn anzubieten. Doch nicht heute. Das würden sich die Mädels aufsparen, bis ihre Männer dabei waren.

Eines war jedoch sehr beeindruckend. Immer mal wieder kam es dazu, dass zwei Personen irgendwie unschön aneinander gerieten. Im Normalfall hätte man davon ausgehen können, Viper, oder Manfred hätten sich dann eingemischt und es geregelt. Aber nein. Es waren immer Amy, Janine und Rebekka und das wirklich interessante daran war, sobald die kamen, waren selbst die hitzigsten Streithähne augenblicklich ruhig. Die Damen schienen über die Zeit ganz schön Eindruck gemacht zu haben und niemand, egal wie gross und bedrohlich, schien sich mit ihnen anlegen zu wollen. Eine wirklich sehr beeindruckende Sache.

Gerade Katja und Claudia bewunderten diesen Umstand. Sie kannten Amy als zarte, liebevolle Person. Eine echte Frau eben. Die Mädels machten auch körperlich überhaupt nicht den Eindruck, irgendwie einen grossen, starken Mann besiegen zu können. Nun, auch hier täuschte die Optik. Gab es Streit und eines der Mädels kam, war augenblicklich Ruhe.

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