Ende der Irrfahrt

Nachdem alles verladen, Ruug sich sein Quartier angesehen und für gut befunden hatte und sein Raumschiff seinem Schicksal überlassen wurde, brach die Megaclite wieder auf. Erst war es für die Besatzung befremdlich, so ein Wesen im Schiff zu haben, doch konnte Ruug schnell mit seiner freundlichen Art und seinem zurückhaltenden Verhalten überzeugen.

Er hatte sich mit dem Rest der Besatzung auf der Brücke eingefunden.

»Ruug, hatten sie schon Zeit, sich unsere Nahrung anzuschauen?«

»Natürlich Kapitän Krieger. Nun wollen sie sicher von mir wissen, ob man hier solche Nahrungsmittel beschaffen kann. Richtig?«

»So ist es Ruug!«

Krieger verstand das alles nicht. Warum musste ein ausserirdisches Wesen einer fremden Galaxie auf sein Schiff kommen, damit wenigstens einer ihn auf die Art behandelte, die ihm zustand?«

»Ich habe ihrem Navigator bereits meine Karten übergeben. Bringen sie die bitte auf den Bildschirm.«

Pamela, die Aussicht auf volle Lagerräume sah, kam der Bitte sofort nach. Ruug bewegte sich auf seinen Tentakeln zum Schirm und zeigte auf einen Stern.

»Hier, bei diesem Stern gibt es alles was sie brauchen.«

»Sind sie sich da sicher?«

»Aber ja Kapitän! Casper war so freundlich und hat mit mir zusammen ihre Nahrung analysiert. Dort werden sie fündig!«

»Sind sie mit den dortigen Planeten vertraut? Wo es entsprechende Tiere und Pflanzen gibt?«

»Nein Kapitän. Das ist aber auch nicht nötig, denn dort befindet sich ein Handelsposten. Viele Spezies aus dieser Region kaufen und verkaufen dort.«

»Toller Plan! Was soll wir dort sagen? Eine milde Spende für die Gestrandeten aus der Milchstrasse?«

»Aber nein Tiffany! Nicht umsonst habe ich meine ganze Ladung auf das Schiff bringen lassen. Ich habe genug, um dort Handel treiben zu können.«

»Und das alles nur, weil wir dich mitnehmen? Sonst kein Eigennutz?«

»Ja, Tiffany! Mir ist bewusst, dass sie noch keine Erfahrung mit diesem Teil des Raums haben. Doch glauben sie mir, in einem kleinen Schiff wie dem Meinen, war ich hier nur bessere Beute. Es verwundert mich ohnehin, dass ich so weit gekommen bin. Vertrauen sie mir. Der Schutz ihres Schiffes ist für mich das Grösste, was sie mir anbieten können.«

»In Ordnung. Pamela, setzen sie bitte einen Kurs. Dann ganz vorsichtig los!«

Pamela schaute mal wieder zu Tiffany, die nur nickte. Kurz darauf war die Megaclite unterwegs.

»Kapitän Krieger, darf ich ihnen eine Frage stellen?«

»Natürlich Ruug!«

»Warum geben sie den Befehl, ganz vorsichtig zu sein? Mit ihrem Schiff haben sie in dieser Region nichts zu befürchten.«

Tiffany lachte.

»Weil wir einen total beschissenen Antrieb haben und ein Navigationssystem, welches mit der Leistung nicht mithalten kann. Deshalb sind wir ja hier gestrandet!«

Ruug kam zu Tiffany und die musste bemerken, irgendwie hatte dieses Wesen etwas aufregendes. Was wohl niemand der Besatzung wusste, Tiffany hatte auf der Erde eine riesige Sammlung sogenannter Manga-Comics.

»Ich verstehe! Wenn es für sie in Ordnung ist, Kapitän Krieger, dann möchte ich mich ein wenig mit ihrer Technik und dem Antrieb vertraut machen. Zwar bin ich kein Ingenieur und verstehe nicht viel davon, doch vielleicht ist ihre Technik mit welcher aus dieser Region kompatibel und wir finden einen Planeten, wo man ihnen helfen kann!«

»Das wäre ja fantastisch Ruug. Natürlich, ich bin damit einverstanden. Finden sie den Weg in den Maschinenraum?«

»Ich glaube schon.«

»Ach quatsch! Ich bring ihn runter. Jede Wette, Ray pisst sich ohnehin in die Hose, wenn er alleine mit unserem neuen Freund ist. Ausserdem stammelt der zu viel.«

Sofort stand Tiffany auf. Krieger war beeindruckt. Normalerweise bewegte sich Tiffany nur, wenn es unbedingt sein wollte, oder sie etwas brauchte.

»Dann komm mal mit Ruug. Statten wir unserem Hasenfuss mal einen Besuch ab!«

Tiffany ging, Ruug auf seinen Tentakeln hinterher. Nicht immer auf dem Boden, gelegentlich machte er sich auch den Spass und glitt an der Wand, oder sogar der Decke neben Tiffany her.

»Ruug, darf ich was fragen?«

»Natürlich Tiffany!«

»Bist du ein Mann, oder eine Frau?«

Ruug musste ein Moment nachdenken. Zwar verstand er Tiffanys Worte, doch war er sich mit der Geschlechterrolle nicht ganz einig.

»Ich verstehe noch nicht. Was ist der Unterschied?«

»Also, ich bin eine Frau. Möpse, Muschi usw. Krieger ist ein Mann.«

»Ah, ich verstehe. Welches Geschlecht bekommt bei euch den Nachwuchs?«

»Die Frauen!«

»Insofern würde ich mich als Mann bezeichnen.«

Tiffany war erfreut.

»Wie pflanzt ihr euch fort?«

Ruug brauchte einen Moment, bis er schliesslich antwortete.

»Das ist ein komplexer Vorgang. Zu bestimmten Zeiten bilden sich einige unserer Tentakel um und produzieren Samen. Den ejakulieren wir in die Schnäbel unserer Weibchen. Nach sechs Wochen kommen zwischen sechs und zehn unserer Nachkommen wieder heraus.«

Wow. Eine Spezies die beim Oralverkehr geschwängert wurde. Das war doch mal neu.

»Interessant. In der Zwischenzeit seit ihr dann so etwas wie A-Sexuell?«

»Wenn sie damit fragen, ob wir in der Zwischenzeit keinen Bedarf an Fortpflanzung haben, dann ist es korrekt!«

»Hmm. Also ihr produziert Samen, dann kommt ein Weibchen, ihr spritzt das da rein und fertig? Klingt aber nicht sehr spannend!«

»Oh nein! Tiffany, sie verkennen die Lage! Der Befruchtungsvorgang ist ein hochgradig stimulierender Akt! Unsere Leiber umschlingen sich und es ist eine langwierige Sache, bis unser Samen bereit ist zur Ejakulation. Viel Stimulation ist dabei notwendig und ungefährlich ist es auch nicht! Es kommt oft vor, dass die Frauen meiner Spezies aufgrund starker Erregung einen Teil der Genitalien mit ihrem Schnabel ab beissen! Deshalb haben wir ja gleich mehrere davon.«

Tiffany fing ein bisschen an zu glühen.

»Gut. Ich dachte schon, ihr wärt eine dieser Spezies, die an Fortpflanzung eigentlich keinen Spass haben.«

»Aber nein! In der Paarungszeit ist es quasi unser einziges Bestreben und wird durchgehend durchgeführt. Wohl auch, da es nur wenige der Frauen schaffen, die Stimulation zum Höhepunkt zu bringen.«

»Sehr gut!«

»Nun, wäre ich in meiner gewohnten Umgebung würde ich ihnen beipflichten. Doch so? Ich nehme an, unser Weg wird uns nur bis zu meiner nächsten Paarungszeit zusammenhalten. Es sei denn, ich finde eine Gefährtin für diese Zeit.«

»Und wenn nicht? Haust du dann ab und gehst auf Brautschau?«

»Aber nein! Doch ist unser Samen tückisch. Das ist eine Art unsere Evolution. Wer keine Partnerin findet und seinen Samen nicht abgeben kann, der wird von diesem vergiftet und verendet schliesslich. Zwar auf eine angenehme Weise, da wir erst in Euphorie verfallen und schliesslich in einen Schlaf gleiten, aus dem wir nicht mehr erwachen, doch ist das Ergebnis dennoch das Ende.«

»Ei toll. Du kannst dir nicht selbst Erleichterung verschaffen?«

»Nein. Unsere Körper regieren nur auf Stimulanz eines Gefährten.«

»Grossartig. Wann ist es denn bei dir soweit und wie lange hast du dann noch?«

Ruug schob einen seiner Tentakel zu Tiffany und sie erkannte, dass er an einer Stelle etwas dicker war.

»Die Paarungszeit wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ich schätze, sollte ich keine Partnerin finden, ist meine Lebensspanne in sechs bis acht Wochen beendet!«

Nicht, wenn Tiffany da ein Wörtchen mitreden konnte.

»Das klingt aber nicht gut! Gibt es denn keine Möglichkeit dir da zu helfen? Medizinisch vielleicht? Muss es ein Weibchen deiner Spezies sein?«

»Medizinisch nein. Jegliche Art des Versuchs und mein Samen wird toxisch. Was jedoch Vertreter anderer Spezies angeht, ich weiss es nicht. Das habe ich noch nie in Erwägung gezogen.«

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