Neuer Freund

»Hier spricht Kapitän Krieger von der Megaclite. Ist ihr Raumschiff in Ordnung, oder können wir ihnen helfen?«

Barry erkannte, dass der Funkspruch angekommen war. Eine Antwort gab es jedoch nicht.

»Dachten sie wirklich, die da drüben verstehen uns?«

»Wenn man es nicht versucht, kann man es nicht wissen Nummer, ach sie wissen schon.«

»Krieger, mal ganz ehrlich. Selbst auf der Erde haben sich so viele Sprachen entwickelt und sind wieder verschwunden, dass wir einige Schriften und Zeichen bis heute nicht verstehen. Wie sollte es dann möglich sein, dass …«

Mitten im Satz unterbrach Barry Casper.

»Krieger, ich glaube, da kommt eine Antwort!«

»Dann lassen sie hören!«

»Hallo Megaclite! Tut mir leid, dass die Antwort ein bisschen gedauert hat, doch mein Übersetzungsorgan konnte ihre Sprache nicht schneller analysieren. Mein Schiff ist in Ordnung und vielen Dank für ihre Hilfe!«

Krieger schaute verdutzt zu Casper. Der zog nur die Schultern nach oben.

»Ich bin überrascht, dass sie uns verstehen können. Aber gut ist es, denn ich möchte wissen, warum sie angegriffen wurden!«

»Das ist das Risiko, wenn man in diesem Sektor unterwegs ist. Hier gibt es viele Piraten, die einem das Leben ganz schön schwer machen können.«

Krieger signalisierte Barry, dass der die Verbindung stumm schalten sollte. Dieser nickte.

»Hier soll es viele Piraten geben, der ist aber mit einem unbewaffneten Schiff unterwegs? Kommt nur mir das komisch vor?«

»Nein Krieger! Das ist sogar ziemlich verdächtig!«

Da Tiffany ihm zusprach, ignorierte er den fehlenden Rang. Wieder signalisierte er Barry.

»Wenn ich fragen darf, warum sind sie mit einem unbewaffneten Schiff in dieser Region unterwegs?«

»Ich würde nicht sagen, dass ich es mir ausgesucht habe. M32 war hinter mir her und hat mich aus meinem angestammten Gebiet vertrieben. Dort musste ich mich nie verteidigen, sondern konnte ungestört Handel treiben. Aber hier, ist es einfach viel zu gefährlich!«

»M32? Die Galaxie?«

»Korrekt. Sie breitet sich langsam immer mehr in Andromeda aus.«

Krieger schaute zu Casper, doch der schien darauf auch keinen Reim zu finden.

»Wie kann denn eine Galaxie hinter ihnen her sein?«

»Kapitän Krieger. Ich würde gerne weiter mit ihnen reden, aber nicht hier! Der entflohene Pirat wird Verstärkung rufen und ich will nicht hier sein, wenn die ankommt.«

»Gibt es einen Ort, wo wir uns ungestört unterhalten können?«

»Natürlich. Offensichtlich wäre ihre Schiff dafür geeignet. Wie meine Sensoren mir gezeigt haben, konnten die Piraten ihnen nichts antun.«

Signal an Barry, die Verbindung stumm zuschalten.

»Tiffany, was denken sie? Sollen wir ihn an Bord lassen?«

»Ich bin mir nicht ganz sicher. Es ist wohl ein Risiko, aber auf der anderen Seite kann der sich mit uns unterhalten und scheint die Gegend zu kennen. Er wäre mit Sicherheit von Wert für uns.«

»So sehe ich das auch!«

Barry aktivierte wieder die Verbindung.

»In Ordnung. Wenn sie wollen, können sie an Bord kommen.«

»Ich bin erfreut! Wäre es aber nicht sinnvoll, wenn wir auch Material von meinem Schiff nehmen würden? Ich bin gut ausgestattet mit Verpflegung und technischen Hilfsmitteln.«

Erneut wurde die Verbindung stumm geschaltet.

»Der scheint sich hier einquartieren zu wollen.«

»Ja Krieger. Die Situation bleibt aber gleich. Es ist ein Risiko, aber auch eine Chance.«

»Korrekt. Was sagt ihr? Nehmen wir den auf, oder nicht?«

Die Brückenbesatzung war verwundert. Noch nie hatte Krieger so etwas gefragt. Doch die Chance klang verlockend. Vielleicht waren sie dann nicht mehr dazu gezwungen, planlos durch diese Galaxie zu fliegen. Von daher wurde die Aufnahme einstimmig angenommen.

»In Ordnung. Gibt es hier irgendwo einen Planeten, wo wir sicher landen können, um das Umladen zu beschleunigen?«

»Derer gibt es viele! Welche Ansprüche haben sie an einen Planeten?«

»Eine Sauerstoffatmosphäre wäre praktisch.«

Einen Moment herrschte Stille.

»In Ordnung. Folgen sie mir!«

Das kleine Schiff setzte sich in Bewegung und beschleunigte. Pamela folgte ihm und war erfreut, dass die Beschleunigung noch deutlich im sicheren Bereich ihres Antriebs lag.

14 Stunden später erreichte der Konvoi einen Vagabund. Einen durchs All treibende Planetoid ohne Stern. Das kleine Schiff setzte zur Landung an und nachdem Casper bestätigen konnte, dass dort nur ein paar exotische Pflanzen lebten, welche für den Sauerstoff in der Atmosphäre trotz fehlender Photosynthese verantwortlich schienen, landete auch die Megaclite.

Zwischenzeitlich hatte die Mannschaft einiges über den Fremden erfahren. Er hiess Ruug, während der Name seiner Spezies nur aus ziemlich schrillen Lauten zu bestehen schien. Er war Nomade und handelt überall dort, wo es etwas zu holen gab. Sein Schiff selbst war dabei eher ein Ärgernis für ihn. Es war viel zu klein, hatte eigentlich keine wirklichen Frachträume, so dass er jeden Winkel, auch die eigentlichen Wohnbereiche, mit Fracht vollstopfen musste.

Beeindruckend an ihm war, er selbst brauchte keine Atmosphäre. Die war zwar von Vorteil, da er in einer Atmosphäre keine Kraft auf das Stabilisieren seines Innendrucks verwenden musste, doch war ihm die Zusammensetzung der Atmosphäre egal.

Krieger, Tiffany, Casper und eine Sicherheitsmannschaft hatte die Megaclite bereits verlassen. Ruug schien jedoch nicht aussteigen zu wollen. Erst nach einiger Zeit öffnete sich eine Luke in seinem Schiff und ein Wesen kam heraus, womit die Besatzung nicht gerechnet hatte. Ruug schien eine Art Qualle zu sein. Er bewegte sich auf einer nicht genau bestimmbaren Anzahl Tentakel, während sein Körper nur ein grosser Klumpen weicher Masse zu sein schien, mit zwei Augen und so etwas wie einem Mund. Im Licht der starken Scheinwerfer war Ruug eine groteske Gestalt, wie noch kein Mensch sie je zuvor gesehen hatte.

»Verzeihen sie Kapitän, doch ihr Anblick schockiert mich!«

»In der Tat muss ich zugeben, auch ihr Anblick ist für mich nicht gerade normal!«

»Dann werden wir uns Beide dran gewöhnen müssen! Ich nehme jedoch an, wenn sie sich schon an eine Abart gewöhnen konnten, wird ihnen das auch bei mir gelingen.«

Krieger schaute sich um. Eine Abart konnte er jedoch nicht erkennen.

»Welche Abart?«

Einer der Tentakel zeigte auf Tiffany.

»Diese Abart. Dieses Wesen unterscheidet sich in einigen Punkten von ihnen.«

Tiffany grummelte.

»Könnte daran liegen, dass ich eine Frau bin! Wir Menschen haben zwei Geschlechter. Krieger ist ein Mann, ich eine Frau!«

Ruug schien zu verstehen, auch wenn er die körperlichen Unterschiede eigentümlich fand.

»Wie dem auch sei. Ich würde sagen, wir beginnen mit dem Umladen. Ich möchte ihnen für den Schutz danken, den sie mir gewähren. Wenn ich ihnen irgendwie helfen kann, scheuen sie nicht mich zu fragen!«

»Nun Ruug, da gibt es wirklich etwas. Wir haben keine Karte von dieser Galaxie. Es wäre deshalb von Vorteil, wenn sie uns in der Hinsicht helfen könnten!«

»Na welch ein Glück! Ich habe zwar keine physische Karte, doch war ich schon in sehr vielen Regionen unterwegs und kenne mich gut aus. Ich biete mich ihnen als Führer an!«

»Ausgezeichnet Ruug! Genau auf so etwas hatte ich gehofft. Wissen sie, wo man Nahrung beschaffen kann? Für sie und für uns?«

»Für mich natürlich. Für sie, da werde ich mehr Informationen brauchen. Aber ich denke, wir werden auch für sie etwas finden. Doch seien sie gewissen, wir werden Dinge zum handeln brauchen. Ich habe zwar einiges an Bord, aber ewig wird es nicht reichen.«

»Gut, da können wir uns noch Gedanken darum machen. Jetzt möchte ich sie aber darum bitten, meinem Wissenschaftsoffizier ihr Schiff zu zeigen. Wir stellen genug Leute zur Verfügung, um möglichst schnell alles umzuladen. Währenddessen können sie sich ihr Quartier anschauen. Falls sie etwas brauchen, sagen sie es einfach.«

»Das geht in Ordnung. Ich sehe eine profitable Zukunft auf uns zukommen, Kapitän Krieger! Mein Wissen zusammen mit ihrem Schiff dürfte uns ein angenehmes Leben in dieser Region bescheren. Mit etwas Glück, wird es uns bald sehr gut gehen!«

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