Mario, ein besonderer Mensch!

»Na ja, ich würde mich nicht als Sub bezeichnen.«

»Nein? Da gibt es einen Mann, wenn der dir einen Befehl gibt führst du ihn aus. Richtig?«

Irgendwie, es so ausgesprochen zu hören war Katja ein wenig peinlich.

»Ja, schon. Trotzdem.«

»Na, von mir aus. Die Bezeichnung ist ja eigentlich egal. Wichtig ist nur, wenn von ihm ein Befehl kommt will dein Körper unbedingt diesen Befehl ausführen. Richtig?«

Irre! Es gab also tatsächlich noch andere Menschen, bei denen das so war? Vielleicht hatte Katja die Möglichkeit, so an ein paar Antworten zu kommen.

»Ja, korrekt. Ist das bei dir auch so?«

»Natürlich! Bei Pascal und mir ist das ganz simpel. Normalerweise kann ich ihm Wiederworte geben, ihn ärgern und ihm auch sagen, er soll selbst seinen Arsch bewegen, wenn er was will. Kommt da aber eine Nachricht mit einer Uhrzeit, schalte ich sofort um. Die Welt könnte um mich herum untergehen, ich muss ab da einfach alles machen, was er von mir will! Bis die Nummer vorbei ist. Egal ob er mich ficken, oder schlagen will. Ich bin unter seinen Schlägen schon ohnmächtig geworden und dennoch habe ich mich hinterher bedankt.«

Krass! Genauso kannte Katja das.

»Und bei Markus?«

»Da ist es anders. Ich bin zwar auch seine Sub, aber weil ich es will und nicht weil mein Körper es einfach ist.«

»Woher kommt das? Weisst du das?«

»Das es bei Markus anders ist?«

»Nein. Dieser innere Drang Befehle auszuführen.«

»Nee du. Das weiss ich nicht. Es ist einfach so.«

Na ja, war wohl doch nichts mit Antworten. Auch deshalb nicht, weil sich Amy schon anzog und unbedingt ins Arsch wollte. Katja hingegen wollte nachkommen. Sie war von der Nummer noch zu platt, um sich schon zu bewegen.

Als Amy weg war beobachtete Katja Mario. Der erinnerte sie in mancher Hinsicht an Waldemar. Wie er da an seinem Computer hing und nichts ihn abzulenken schien. Ja, genauso war auch Waldemar. Nur mit dem Unterschied, ihr guter Freund hatte noch nie Interesse an einer Partnerschaft gezeigt, während Mario mit Luigi eine offensichtlich sehr harmonische und glückliche Beziehung führte.

Als Mario fertig war und sich zurücklehnte, wurde Katja neugierig.

»Kann ich dich was fragen Mario?«

Mario drehte seinen Kopf so, dass er Katja anschauen konnte. Seine Arme hatte er hinter dem Kopf verschränkt und schien sich überhaupt nicht daran zu stören, dass Katja noch nackt war.

»Klar. Muss ja nicht antworten, wenn mir die Frage nicht gefällt.«

»Versteh das nicht falsch, aber hast du irgendeine Verhaltensstörung?«

Mario zog eine Augenbraue hoch.

»Weil ich schwul bin?«

»Quatsch! Nein, mein Freund aus Heinzfort, Waldi, der hat einen leichten Asperger. Du erinnerst mich an ihn, wenn du am Computer sitzt und deshalb wollte ich einfach nur wissen, ob du auch so was hast.«

»Nee. Beim besten Willen nicht! Ich bin eigentlich ganz normal.«

»Und wo kommt diese Affinität für Computer her?«

»Ganz einfach. Schau mich mal an. Ich bin kein Viper, oder Manfred, kein Derrick und kein Phillip. Schon lange kein Pascal. Ich bin optisch nur Durchschnitt und dazu noch schwul und schüchtern. Mich hat man verspottet, verarscht und all das. Nur am Computer im Internet war ich jemand und da auch wirklich gut. Bis Amy mich angeworben hat wusste ich gar nicht, was reale Freunde eigentlich sind. Aber jetzt habe ich meine Freunde, meine Familie. Natürlich bin ich trotzdem noch gut bei meiner Arbeit und das ergänzt sich ja auch hervorragend!«

Katja verstand. Eigentlich eine traurige Geschichte mit Happy-End.

»Verstehe. Aber warte mal ab, mit Waldi wirst du dich super verstehen!«

»Das denke ich auch. Bin schon gespannt, wenn ich ihn mal treffe.«

»Hast du das Video schon geschnitten?«

»Welches?«

»Mit mir und Amy.«

»Nee. Ich warte noch, bis mein Rechner mit dem Rendern des anderen Videos anfängt. Dann fange ich an.«

»Darf ich zugucken?«

»Sicher. Wow, hat mich jetzt noch keine gefragt!«

Ein paar Minuten später, Katja hatte sich mittlerweile wieder angezogen und neben Mario gesetzt, ging der Schnitt los. Mario schien dabei intuitiv vorzugehen. Zumindest konnte Katja nicht erkennen, warum er an manchen Stellen einen Schnitt einfügte und eine andere Perspektive zeigte. Ein paar Mal schien es ihr logisch, da man in der bislang gezeigten Perspektive nicht mehr genug sah. Doch manchmal schien es willkürlich zu sein.

»Warum machst du genau da einen Schnitt?«

»Gefühl. Ich sehe was da läuft. Du darfst aber nicht zu lange das Gleiche zeigen, sonst wird es langweilig. Mir ist immer wichtig, genau die Dinge zu zeigen, die für die Situation gerade relevant sind. Ändert sich jedoch eine Zeitlang nichts, mache ich einen Schnitt, blende was ein, oder lenke den Zuschauer sonst irgendwie kurz ab, damit er sich wieder konzentriert.«

»Dir macht das auch anscheinend richtig Spass!«

»Klaro. Ich fühle mich wirklich wie ein Künstler. Als Amy mich damals rief, waren ihre Videos unglaublich schlecht. Sie hatte eigentlich nur deshalb Abonnenten auf ihrem Kanal, weil sie tiefe Ausschnitte hatte, gut aussah und stellenweise so irrwitzig tolpatschig war. Also nur Leute, die gerne lachen, oder sich vor dem Video einen runter geholt haben. Was glaubst du wie mich das gefreut hat, als ich dann den Schnitt übernahm und die Zahl der Abonnenten sprunghaft anstieg? Damals bekam sie fast nur Kommentare, wo Kerle schrieben sie wollen sie ficken, oder ähnliches. Mittlerweile ist da viel konstruktives dabei. Das ehrt mich natürlich. Amy und die Mädels stellen unglaublich potentes Rohmaterial her und ich bin derjenige, der daraus dann etwas wirklich ansprechendes macht. Das ist einfach toll für mich!«

»Ich höre aber eigentlich nur gutes von dir. Auch was die Autos angeht. Selbst Viper spricht deinen Namen in dem Zusammenhang mit Ehrfurcht aus!«

»Das macht mich besonders stolz! Viper ist ein erstklassiger Ingenieur und seine Viper ein Meisterstück! Überleg, der hat wirklich jede einzelne Schraube an dem Ding selbst geplant. Da ist es natürlich ein grosses Lob, dass er meine Arbeit so hoch bewertet.«

»Ist ja auch krass, was du aus dem Lion und dem Lori gemacht hast! Die können ja sogar reden!«

»Komisch. Ich habe so viel Technik in die Autos eingebaut, aber was eigentlich nur Spielerei ist, wird von fast allen am stärksten betont.«

»Ist eben auch eine krasse Sache.«

»Schon. Aber wirklich eigentlich nur Spielerei. Okay, Janine redet oft mit dem Lori, als wäre es eine echte Person. Finde ich schon witzig.«

»Witzig finde ich eher, dass du das alles so drauf hast! Ich meine, ich habe noch nie Autos wie den Lion und den Lori erlebt. Die sind einfach so heftig!«

»Schon. Aber auch wenn mich das natürlich ehrt, meine Mädels darfst du dabei nicht vergessen! Ich habe das Meiste geplant, gelötet und programmiert. Aber ich habe nicht eine Schraube bewegt! Das waren alles meine Gestörten. Die darf man nicht ausser Acht lassen.«

»Gut, stimmt wohl. Ich kann mir die aber auch nicht wirklich beim schrauben vorstellen.«

»Dann hast du keine Fantasie. Die wissen ganz genau, was sie da machen. Überleg mal, Amy hat mit Alexis in Amerika den Tarot ganz alleine aufgebaut. Da war weder ich, noch Viper. Die ganze Bremsanlage hat sie umgerüstet. Den Motor hochgezüchtet und das alles. Die hat es echt drauf! Rebekka und Janine genauso. Selbst Manfred, Sarah und Luigi haben die Mädels schon um Rat gefragt!«

»Sarah?«

»Ja. Man könnte sagen, Vipers Freundin. Auch wenn sich beide gegen diese Bezeichnung wehren.«

»Und wo steckt die?«

»Oh je, frag nicht. Spanien, oder Portugal. Die tingelt dauernd durch die Welt und hält Vorträge.«

»Ah, verstehe. Ich glaube aber langsam, ich vergeude ein bisschen mein Leben. Bei uns gibt es nur Party, faulenzen und Sex.«

»Das kann man ändern! Warte mal ab, wenn du die Rennen miterlebst und deine Leute das Auto fertig haben.«

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