Katja die Kellnerin

»Gern geschehen. Die ist geil, oder?«

Claudia wurde rot.

»Schon, ja. Aber trotzdem. Eigentlich hab ich es nicht mit Frauen.«

»Na ja, eine Schwachstelle gibt es da schon!«

Claudia und Amy schauten interessiert zu Elena.

»Die da wäre?«

»Donald! Wenn er es ihr befiehlt, dann wird sie es machen.«

Claudia schüttelte den Kopf. Warum musste Elena eigentlich immer alles ausplaudern?«

»Donald? Heisst ihr Freund nicht Perry?«

»Doch, heisst er. Aber gehören tut sie Donald. Schwer zu erklären.«

Nein, war es nicht! Wenn jemand so etwas verstand und nachvollziehen konnte, dann war es Amy.

»Kann man den Typ irgendwie kontaktieren?«

»Klar. Donald ist mein Freund.«

Amy zog verwundert eine Augenbraue hoch.

»Dein Freund? Aber Herr von Katja? Das ist okay für dich?«

»Schwer zu erklären. Ich habe mir da so meine Gedanken gemacht, bevor wir zusammengekommen sind. Eigentlich wollte ich immer einen Partner, der mir treu ist. Aber ich habe Gefühle für Donald entwickelt und zwar für den Donald, der er war und nicht für den, den er sein könnte. Irgendwie ja, ich komme damit klar. So ist er schliesslich der, den ich haben will.«

Amy schaute zu Katja, die gerade bei Alexis stand und wartete, bis das Tablett gefüllt war.

»Wenn es für dich okay ist, würdest du deinen Freund fragen, ob er Katja den Befehl geben würde?«

»Nö.«

Amy schaute entsetzt. Hatte sie da jetzt einen Fehler gemacht? Elena schüttelte nur den Kopf, da sie genau wusste, was jetzt folgen würde.

»Aber ich geb dir seine Kontaktdaten. Frag ihn selbst!«

»Ja toll. Mein Handy liegt im Büro!«

»Das muss ja jetzt nicht sofort sein, oder?«

Amy lachte und schüttelte den Kopf.

»Nein. Dann machen wir das später. Vielleicht auf dem Rückflug. Aber jetzt muss ich mal weitermachen.«

Damit verschwand Amy wieder.

»Dir ist schon klar, wie Donald darauf reagieren wird, oder?«

»Sicher. Er wird Katja den Befehl geben.«

»Das ist mir auch klar. Aber als Gegenleistung wird er versuchen Amy ins Bett zu kriegen. Das ist dir klar?«

»Lern mich doch meinen Freund nicht kennen. Klar ist mir das klar! Ich denke aber, wenn er wirklich die ganze Woche treu bleiben sollte, dann steht ihm das auch zu. Ausserdem, ich hatte Amy auch schon. Davon mal ganz abgesehen, dass wenn die sich treffen er es auf jeden Fall versuchen wird.«

»Ach herrje, was bin ich so froh, dass ich mir niemand an die Backe nageln lasse!«

Gemeinsam beobachteten die Mädels weiter wie Katja sich schlug. Die Stunden vergingen, der Alkoholgehalt stieg. Zumindest bei Elena und Claudia. Katja musste mit sich kämpfen. Nie hätte sie gedacht, wie diese Arbeit in die Beine und das Kreuz ging. Doch sie wollte Amy auch beweisen, dass ihre Worte keine leeren Versprechungen waren. Was sie dabei etwas schockierte, es machte ihr tatsächlich Spass, die Leute zu bedienen. Wenn sie das früher gewusst hätte, dann wäre da bestimmt auch irgendwann den Gedanke gekommen, so eine Arbeit anzunehmen. Alleine schon, dass man mit ganz einfachen Mitteln den Leuten etwas mehr Trinkgeld aus den Rippen leiern konnte. Aber auch, man lernte ganz schnell viele aufregende Männer kennen. Eigentlich ein absolutes Plus für diesen Job.

Trotzdem, als gegen 2 Uhr Hicks die letzte Runde einläutete, war sie unendlich froh, dass es vorbei war. Zwar hatte sie mittlerweile viele Pausen, bis da wieder ein Tisch etwas zu bestellen hatte, denn die Zahl der Gäste sank stetig, doch der Gedanke, endlich Feierabend machen zu können, gefiel ihr äusserst gut. Alexis hatte derweil Claudia, Elena, Janine und Rebekka an die Theke gerufen. Schlussendlich waren nur noch zwei Gäste anwesend, welche die letzte Runde mit einer spontanen Bestellung nutzten. Auch Hicks stand hinter der Theke. Man konnte den Eindruck gewinnen, es wäre ein normales Ritual nach einer Schicht.

»Respekt Katja! Du hast es wirklich durchgestanden!«

»Danke Hicks. Aber erinnere mich mal jemand dran, dass ich nicht bei jeder Wette sofort Feuer und Flamme sein sollte!«

»Mache ich dauernd! Hast du mal auf mich gehört?«

»Ja, ja Claudia. Aber Amy, sieht fast so aus, als hätte ich die Wette gewonnen!«

»Ja, hast du definitiv! Auch wenn ich mir gewünscht hätte, du würdest scheitern!«

»Um Recht zu haben, oder weil du mich ins Bett kriegen willst?«

Hicks schüttelte den Kopf. Ganz offensichtlich waren ihm die Ausschweifungen von Amy bekannt.

»Weil ich dich vernaschen wollte. Aber na ja, deine Schwachstelle finde ich auch noch!«

»Da kannst du lange warten. Solange du dir nicht einen Riemen wachsen lässt, findest du auch keine Schwachstelle!«

»Na, wir werden sehen. Wenn wir hier alles geregelt haben, gehen wir ins McFly frühstücken!«

Sofort war Alexis begeistert.

»Oh ja! Finde es immer total traurig, wenn ich alleine gehen muss.«

Elena, die durch den ganzen Alkohol entsprechend angeheitert war, sah Hicks mittlerweile mit ganz anderen Augen.

»Amy, wie schaffst du das nur? Wenn ich hier arbeiten würde, ich würde mich hinterher in Naturalien bezahlen lassen.«

Amy und Alexis lachten.

»Aber nicht bei dem Chef!«

»Gerade bei dem Chef! Voll die Schnitte!«

Hicks grinste verlegen. Die beiden noch verbliebenen Gäste schienen das als Anlass zu nehmen, die Erfolge von Hicks in der Frauenwelt zu thematisieren.

»Schnitte ja, aber er hat da seine Grundsätze.«

»Die hat er! Ich musste damals, kurz bevor ich zurück nach Deutschland bin, erst kündigen, bevor er sich mir genähert hat!«

»Spiesser!«

Elena lachte bei dieser Aussage.

Es war Zeit für den Aufbruch. Wie Amy schon angekündigt hatte, ging es in ein nahegelegenes McFly. Für die Mädels nicht unbedingt neu. Sie waren schon von einigen Partys um ähnliche Uhrzeiten zurückgekommen und in ein McFly eingekehrt. Man sah aber irgendwie, dass Amy und Alexis da so etwas wie ein Ritual hatten. Es mutete sehr eigenartig an, dass Amy tatsächlich zwei komplette Leben führte und das mit einer Distanz von mehreren tausend Kilometern. Eine bewundernswerte Leistung.

Da es aber noch zu früh war, um die Abreise nach Deutschland in Angriff zu nehmen, lud Alexis die Gruppe noch zu sich ein. Bis um knapp acht Uhr Ortszeit verbrachten die Mädels dort und hatten mächtig viel Spass. Zwar nur platonischen Spass, dennoch war die Stimmung überaus gut. Elena musste zugeben, sie wäre gerne noch eine Zeit in Amerika geblieben. Irgendwie, hier mal einige Zeit zu verbringen, mit Alexis und so, schien wirklich aufregend zu sein. Alternativ wollte sie aber auch wieder zurück. Da gab es ja noch das Wochenende mit den Rennen und einen Dreier mit Manfred und Viper stand auch wieder auf ihrem Plan.

Alexis liess die Mädels aber nicht einfach so gehen. Sie würde auf jeden Fall noch mit zum Flughafen kommen, um ihre Abreise mitzuerleben. Wie sich mittlerweile herausgestellt hatte, sie kannte dieses irre Flugzeug schon persönlich und war davon genauso begeistert, wie die Mädels aus Heinzfort.

Zusammen ging es in Amys Wohnung, wo Derrick und Viper sich schon frisch gemacht hatten und für den Rückflug fertig waren. Mario war abwesend. Doch wie hatten sie gesagt? Der schlief wahrscheinlich im Flugzeug.

Bis zum Flughafen war die Stimmung noch sehr gut. Als dann jedoch der Abschied anstand, wurde Alexis schlagartig sehr traurig. Auch Amy schien es sehr schwer zufallen, vor allem auch, weil Markus offensichtlich keine Zeit gefunden hatte, sie zu verabschieden. Janine und Rebekka mussten ihre Freundin fast schon gewaltsam von Alexis wegzerren und durch den Gang schieben. Nun ja, ganz so dramatisch war es schlussendlich nicht, aber ähnlich.

Katja und ihre Freundinnen waren sofort wieder begeistert, als sie das Flugzeug sahen. Es war so surreal, dass sie ausgerechnet mit dieser Maschine fliegen würden. Doch langsam machte sich etwas bemerkbar. Die Müdigkeit! Schon während dem Start nickte Katja ein. Dicht gefolgt von Elena. Nur Claudia blieb lange genug wach, um einen Blick auf die Stadt zu erhaschen. Doch schon kurz darauf entschlummerte auch sie.

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