Schöne, neue Welt?

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, startete Tiffany das Shuttle. Wie oft hatte sie schon am Steuer eines solchen Gefährt gesessen und wie oft wünschte sie sich dabei, mal etwas neues zu entdecken? Damals, als sie noch Pilot war, landete sie immer nur auf bekannten Planeten, um dort jemand abzuholen, oder abzusetzen. Doch dieses Mal würde sie der erste Mensch sein, der auf diesem Planeten landete und damit war sie auch die Erste überhaupt, die eine Landung auf einem Planeten in Andromeda durchführte. Die Aufregung stieg.

Der Flug selbst war pure Routine. Nichts unterschied den Anflug von anderen Planeten. Lediglich die Tatsache, dass sie keinem Leitstrahl folgen konnte, war anders. Casper dirigierte sie zu einer potentiell interessanten Landestelle. Schon beim Anflug konnte Tiffany die Schönheit des Ortes erkennen. Ein dichter Wald, eine grosse Lichtung und mitten drin ein kleiner See. Wirklich idyllisch!

Bei der Landung ging Tiffany sehr behutsam vor. Sie liess das Landegestell aufsetzen und reduzierte dabei den Schub nur ganz langsam. Sollte der Boden das Gewicht nicht tragen können, war sie jederzeit bereit, wieder abzuheben. Doch der Boden hielt, bis der Schub auf Null gesunken war. Also keine Gefahr.

Sofort begann die Diskussion.

»Wir werden die Umgebung sichern und geben dann Signal!«

»Bitte? Vergesst es! Ich steige als Erste aus!«

»Kommandant! Wir sind für die Sicherheit zuständig und folglich sind wir es auch, die als Erste aussteigen!«

»Ach ja? Aber ich bin der Kommandant dieses Shuttles und ich entscheide, wer als Erste aussteigt! Klar soweit?«

»Aber die Vorschriften …«

»Die Vorschriften haben wir in der Milchstrasse zurückgelassen! Hier, in dieser Büchse herrschen meine Gesetze und ich sage, ich steige zuerst aus!«

»Aber …«

»Aber? Was aber? Hier wird nicht diskutiert! Ich sage, ich steige zuerst aus und damit steht das fest!«

Mehr oder weniger unauffällig war Tiffany während dem Gespräch zur Luke gegangen. Bevor sie diese öffnete, schaute sie jedoch noch zu Casper. Sie wollte zwar als Erste nach draussen, aber dort nicht unbedingt als Erste draufgehen. Casper nickte jedoch. Als sie die Luke öffnete und diese zu einer kleinen Treppe aufschwang, zischte es, als die Luft von draussen ins Schiff drang.

Tiffany atmete tief ein und schaute über diesen traumhaften Fleck. Im Prinzip sah alles aus wie auf der Erde. Das mag wohl auch daran gelegen haben, dass auch diese Welt eine gelbe Sonne umkreiste und dadurch viele Pflanzen ihre Energie genauso gewannen, wie die Vertreter auf der Erde. Grün dominierte das Bild und wurde nur vom Blau des Wassers und den Bäumen begrenzt. Die Bäume selbst sahen aus, wie eine Mischung aus Tannen- und Laubbäumen. Sie konnte Blätter erkennen, doch waren die Bäume an sich eher spitz.

Die Aufregung stieg, als Tiffany die wenigen Stufen beschritt und am Fuss der Treppe stand. Wie oft hatte sie es schon gesehen, als der erste Mensch den Mond betrat. Sie war nun in der gleichen Situation, nur viel, viel weiter Weg von der Erde. Sie betrat nicht nur einen neuen Himmelskörper. Diesen Schritt hatten mittlerweile schon sehr viele Menschen unternommen. Nein, sie betrat einen fremden Himmelskörper in einer neuen Galaxie. Zum ersten Mal überhaupt in der Menschheitsgeschichte und es gab eigentlich nichts, was das noch toppen konnte.

Beherzt machte sie einen Schritt und stand kurz darauf auf der Planetenoberfläche. Doch so spektakulär das in ihren Gedanken auch war, allgemein betrachtet war es total banal.

»Aussenteam an Megaclite. Ich stehe auf der Oberfläche!«

»Hervorragend Nummer 1. Weitermachen!«

Tiffany schüttelte den Kopf. Sie hiess Tiffany und nicht Nummer 1!

Ein paar Minuten später waren auch die Männer ausgestiegen. Fast schon hektisch sicherte die Sicherheitsmannschaft die Umgebung, während Casper sofort damit anfing, Proben zu sammeln. Er hatte alles dabei, um die Proben auch sofort zumindest grundlegend zu analysieren. Tiffany betrachtete dabei einfach nur die Schönheit der Umgebung.

Einige Stunden vergingen. Während die Männer von der Sicherheit weiter unter Anspannung die Gegend beobachteten, analysierte Casper eine Probe nach der anderen. Nur Tiffany dachte nicht an Arbeit. Die hatte sich ins Gras, am Ufer des Sees gelegt, ihre Uniform so weit es ging zusammen geschoben und sonnte sich.

»Tiff, der Planet ist klasse! So dürfte die Erde ausgesehen haben, bevor das tierische Leben begann. Die Pflanzen sind zwar anders, aber im Prinzip aus den selben Substanzen aufgebaut, wie jene auf der Erde. Auch das Wasser ist perfektes H2O. Mit genug Mineralien und Spurenelemente für uns. Ein echter Volltreffer!«

Tiffany vernahm seine Worte und wusste genau, was sie nun zu tun hatte.

»Megaclite, Casper war fleissig. Seiner Meinung nach ist das Wasser einwandfrei für uns und auch die Pflanzen ähneln den der Erde. Ich lasse ihn jetzt nach Früchten suchen. Wenn die auch gut sind und wir sonst keine Überraschungen vorfinden, kommen wir zurück. Ich würde empfehlen, die Megaclite für eine Landung vorzubereiten.«

Krieger verstand nicht ganz. Raumschiffe dieser Klasse waren doch nicht dazu ausgelegt, auf einem Planeten zu landen.

»Die Megaclite landen? Wie denn das?«

»Mensch Krieger!«

»Kapitän Krieger!«

»Wie auch immer! Lesen sie mal die Daten zu ihrem Schiff! Natürlich kann die Megaclite landen!«

Krieger rief auf dem Display seiner Armlehne die Spezifikationen seines Schiffes ab. Er hielt den Kahn bislang für eine aufgebohrte Version der Io-Klasse. Doch da täuschte er sich gewaltig. Der Aufbau war optisch sehr ähnlich, davon abgesehen war das Schiff jedoch eine Neukonstruktion und auch solche Dinge wie das Landen beherrschte sie anscheinend problemlos. Waren die Schiffe der Io-Klasse vom Antrieb her nicht in der Lage, in der Atmosphäre eines Planeten zu navigieren, hatte die Megaclite diese Fähigkeit.

»Oh, ich sehe. Alles klar, wir bereiten alles vor! Geben sie Meldung!«

Tiffany deaktivierte einfach den Kommunikator. Auf weitere Gespräche hatte sie keine Lust.

»Casper, nimm dir einen der Jungs und geht mal schauen, ob man hier essbares findet. Die Kommunikatoren bleiben aktiv. Keine Heldentaten!«

»Was denn für Heldentaten? Die Sensoren haben auch hier unten nichts entdeckt, was uns gefährlich sein könnte.«

»Trotzdem! Ich hab keine Lust, bei unserer ersten Landung gleich einen Offizier zu verlieren!«

Während Tiffany sich weiter sonnte und auf der Megaclite die Vorbereitungen für eine Landung getroffen wurden, gingen Casper und einem der Sicherheitsmänner in den Wald. Die Ähnlichkeit mit einem Wald auf der Erde war verblüffend. Nichts, was Casper nicht schon gesehen hatte. Auch er war einige Jahre im All unterwegs gewesen und hatte schon einige fremde Planeten besucht. Die unterschieden sich immer ein wenig von der Erde, aber im Allgemeinen glichen sie sich mehr. Zumindest wenn es sich um Planeten handelte, die auch menschliches Leben ermöglichten.

Ein Unterschied war jedoch deutlich. Die Wurzeln der Bäume. Während Casper sah, dass die Meisten wie gewohnt in den Boden ragten, lagen auch viele einfach auf der Oberfläche und endeten, nachdem sie immer spitzer zusammenliefen. Wieso die Evolution das entwickelt hatte, konnte Casper nicht ergründen. Aber eben, nicht immer war alles logisch. So hatte er schon Blumen auf einem Planeten gesehen, die von Insekten bestäubt werden mussten. Doch taten diese Blumen eigentlich alles, damit kein Insekt zu ihnen kam. Trotzdem entwickelten sie sich weiter und gediehen eigentlich ganz gut.

Voller Tatendrang ging Casper sofort ans Werk. Abgebrochene Äste steckte er in einen Beutel, Blätter und sonstigen Unrat. Die Auswahl war riesig und verleitete Casper dazu, immer tiefer in den Wald zu gehen. Seine Wache beobachtete derweil ohne Unterlass die Umgebung. Bewegen tat sich hier jedoch nichts.

Nachdem Casper so ziemlich alles eingesammelt hatte, was lose auf dem Boden zu finden war, entschied er, eine Probe von einem der Bäume zu nehmen. Er klappte sein Messer aus und rückte der Rinde zu Leibe. Seiner Meinung nach handelte es sich zwar um Holz, doch war es eher elastisch. Schon fast gummiartig. Als seine Klinge eindrang, vernahmen die Männer ein Rascheln. Das wurde schnell lauter und sie hatten das Gefühl, dass es näher kam. Der Sicherheitsmann hatte seine Waffe sofort im Anschlag und suchte nach dem Geräusch. Nichts war zu sehen.

Casper schaute nach unten. Voller Panik erkannte er, was da das Rascheln verursachte. Diese Wurzeln, die auf dem Boden lagen, hatten angefangen sich zu bewegen. Eine wollte nach Casper schnappen, doch der konnte sich mit einem beherzten Sprung in Sicherheit bringen.

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